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Verspätungen und Ausfälle Verbraucherschützer warnen vor neuem Flugchaos im Sommer

Nach dem Flug-Chaos im vergangenen Jahr haben Politik und Wirtschaft Besserung versprochen. Doch die Lage bleibt laut Verbraucherschützern angespannt.
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Die Airlines haben mit ihren engen Flugplänen im vergangenen Jahr kräftig zu Verspätungen und Flugausfällen beigetragen. Quelle: dpa
Anzeigetafel an Flughafen

Die Airlines haben mit ihren engen Flugplänen im vergangenen Jahr kräftig zu Verspätungen und Flugausfällen beigetragen.

(Foto: dpa)

BerlinUrlaubsreisende müssen sich auf ungemütliche Ferienmonate einstellen. Nach Einschätzung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) bleibt die Situation in der Luft und auf den Flughäfen angespannt. Es drohe „wieder ein Flug-Chaos in den Sommermonaten“, sagte die Leiterin des Team Mobilität und Reisen beim VZBV, Marion Jungbluth, dem Handelsblatt.

Dabei war auf einem Luftfahrtgipfel im Oktober 2018 vereinbart worden, genau das zu verhindern. Die Beteiligten, darunter Vertreter von Bund, Ländern, Airlines, Flughäfen, Flugsicherung und Behörden, hatten sich darauf verständigt, mit 24 konkreten Maßnahmen gegen Verspätungen und Servicemängel vorzugehen. Dazu zählten zum Beispiel zusätzliche Mitarbeiter für eine bessere Qualität bei den Fluggesellschaften, schnellere und effektivere Sicherheitskontrollen und ein flexiblerer Einsatz der Fluglotsen.

Jedoch fiel schon die erste bei einem Nachfolge-Treffen Ende März gezogene Zwischenbilanz durchwachsen aus. „Wir wollen ein gutes Mobilitätsangebot für die Bürger und wir arbeiten intensiv daran“, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) damals. „Doch in diesem Sommer können wir noch nicht alle glücklich machen.“

Jungbluth mahnte, die die vereinbarten Maßnahmen müssten nun „schleunigst“ umgesetzt werden. „Der Umsetzungsstand muss auf einem dritten Fluggipfel, am besten mitten im Sommer, nochmals geprüft werden – und diesmal mit Beteiligung der Verbraucherverbände“, sagte die VZBV-Expertin.

Sie erinnerte die Fluggesellschaften an die Vereinbarung, bei Ausfällen und Verspätungen die Verbraucher „zuverlässig“ zu informieren. So müssten etwa die Verfahren zur Entschädigung „online, schnell und einfach“ sein, betonte Jungbluth. „Ein einheitlicher Button ‚Fluggastrechte‘ fehlt bisher auf den Websites und in den Apps.“

Der Flughafenverband ADV sah seine Mitglieder zuletzt gut vorbereitet: Allerorten werde das Personal aufgestockt, Prozesse würden optimiert. Auch den bislang beengten Passagier- und Handgepäckkontrollen räumten die Flughäfen mehr Platz ein. Die Bundespolizei hat in den vergangenen Monaten erfolgreich neue Kontrollspuren getestet, die mit einfachen Konstruktionen die Zahl der stündlich zu kontrollierenden Passagiere mehr als verdoppeln kann.

Größte Baustelle: Zu wenige Fluglotsen

Einziger Haken: Diese neuen Kontrollspuren stehen mit wenigen Ausnahmen in München, Hamburg und Frankfurt noch nirgendwo zur Verfügung. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wird für sieben neue Spuren ein eigener Anbau errichtet, der aber frühestens im Sommer bereit ist. Bis dahin setzen die Beteiligten auf Verbesserungen im Detail.

Die Airlines hatten mit ihren engen Flugplänen im vergangenen Jahr kräftig zu Verspätungen und Flugausfällen beigetragen, weil sie nach der Pleite von Air Berlin möglichst große Marktsegmente besetzen wollten. Lufthansa, ihre Tochter Eurowings, Condor und Co. haben sich im laufenden Jahr beschränkt und stellen deutlich mehr Reserveflugzeuge und Crews bereit.

Wegen der Probleme um Boeings Pannenflieger 737 Max sind Mittelstreckenflugzeuge in Europa allerdings schon jetzt ein knappes Gut. Nach dem Absturz einer Boeing in Äthiopien hatten zahlreiche Länder rund um den Globus, darunter Deutschland, Flugverbote für diesen Typ erlassen. Neben der Billig-Airline Norwegian ist insbesondere der Reisekonzern Tui betroffen, dem etliche fest eingeplante Jets auf ungewisse Zeit bis zur Wiederfreigabe des Flugzeugtyps fehlen.

Die mit Abstand größte Baustelle bleibt derweil vorerst die bundeseigene Deutsche Flugsicherung (DFS) GmbH, bei der rund 2000 Lotsen arbeiten. Wie viele zur Bewältigung der kommenden Verkehrsspitzen insbesondere im oberen Luftraum fehlen, ist umstritten: DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle beziffert die Lücke zuletzt auf 90 Leute, während die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) mindestens 200 neue Kollegen will.

Die Flugsicherung und die Gewerkschaft verhandeln inzwischen über Maßnahmen, um die personellen Engpässe zu verbessern. Nach mehreren Vorgesprächen über „Maßnahmen zur Überwindung der Verspätungsproblematik“ und einer anschließenden „Sondierung zu einem Kapazitäts- und Zukunftspakt“ seien am 8. April konkrete Verhandlungen aufgenommen worden, teilte das Bundesverkehrsministerium auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion mit.

„Darin sollen Maßnahmen enthalten sein, die zum einen die aktuelle Personalsituation verbessern und zum anderen eine mittel- bis langfristige Verfügbarkeit von ausreichenden Personalkapazitäten sicherstellen sollen“, heißt es in dem Dokument, das dem Handelsblatt vorliegt.

FDP wirft Bundesregierung Untätigkeit vor

Ob es dadurch für Flugpassagiere schon bald zu spürbaren Entlastungen kommen wird, ist aber ungewiss. Das Ministerium macht dazu nur vage Aussagen. Damit ein Kapazitäts- und Zukunftspakt „gegebenenfalls“ noch in diesem Jahr wirken könne, hätten DFS und GdF „zeitnahe“ Termine für Anfang dieser Woche vereinbart.

Der FDP-Verkehrspolitiker Bernd Reuther warf der Bundesregierung Untätigkeit vor. Sie habe es versäumt, zwischen der DFS und GdF „rechtzeitig Gespräche zu organisieren, um für mehr Flexibilisierung zu sorgen“, sagte Reuther dem Handelsblatt. Genau wie bei den Luftsicherheitskontrollen tue sich daher beim flexiblen Einsatz der Lotsen nichts. „Die Leidtragenden sind am Ende die Passagiere.“

Mit Material von dpa.

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1 Kommentar zu "Verspätungen und Ausfälle: Verbraucherschützer warnen vor neuem Flugchaos im Sommer"

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  • Unsere "Null-Bock"-GroKo unternimmt nichts - Überraschung ...
    Man sollte die DFS endlich privatisieren!!

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