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Helmut Markwort

Als Alterspräsident wird er die Legislaturperiode eröffnen. Das werde sicherlich der „frühe Höhepunkt meiner Abgeordnetentätigkeit“, so Markwort.

(Foto: Wolf Heider-Sawall/laif)

Vom Journalisten zum Alterspräsidenten So will Helmut Markwort den bayerischen Landtag aufmischen

Sein ganzes Leben hat Helmut Markwort die Politik beobachtet. Nun sitzt er für die FDP selbst im bayerischen Landtag – und eröffnet die Legislaturperiode.
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MünchenEs ist ein historischer Tag. Gerade hat Angela Merkel, 64, das Ende ihrer politischen Karriere verkündet. Eine Zäsur. Helmut Markwort aber, gut 17 Jahre älter als die Kanzlerin, plant an diesem historischen Montag den Anfang seiner politischen Karriere. Lächelnd stellt der Freidemokrat in seinem Büro, ganz oben in einem Gebäude von Hubert Burda Media im Münchener Arabellapark, gleich einmal zu Beginn klar, dass alles zufällig gekommen sei.

Dass er in München-Land-Süd ja nur auf Drängen eingesprungen sei für einen Parteifreund, der sich bei der CSU bessere Chancen ausrechnete. Niemand habe damit rechnen können, dass er bei der bayerischen Landtagswahl für die FDP von Platz 16 auf Platz zwei gewählt werde: „Das war ein Wunder.“ Andererseits, wenn er etwas mache, dann „professionell und richtig“.

Und so hat der Medienmensch Markwort – seit 60 Jahren bekannt in Presse, Funk und Fernsehen – an diesem Montag seinen großen Auftritt als Alterspräsident im Parlament. Seine Rede eröffnet eine Legislaturperiode. Ein Phänomen.

Die Politik schaut nun auf ihn, den Mann, der sein ganzes Leben Politik beschrieben, erklärt und kommentiert hat, der einst das Büro des „Stern“ in Düsseldorf leitete, Blätter wie „Gong“ als Chefredakteur machte, dann „Mister Focus“ war und schließlich mehr als zehn Jahre als Moderator des „Sonntags-Stammtischs“ im Bayerischen Rundfunk an Lokalkolorit gewann.

Im Maximilianeum hält er seine „King’s Speech“, sie könne „größte Wirkung haben“, schätzt er selbst, das sei sicherlich der „frühe Höhepunkt meiner Abgeordnetentätigkeit“. Im Übrigen habe er das Ganze der „Gnade der frühen Geburt“ zu verdanken: „Kein Mensch im Landtag ist auch nur annähernd so alt.“

Abrechnung mit der Bürokratie

Seit vielen Tagen schon hatte Markwort die Rede im Kopf, anderthalb Stunden druckreifer Liberalismus, immer wieder vorgedacht, vorformuliert. Die Erwartungen sind hoch. Ein Alterspräsident rede unbegrenzt, dachte er anfangs, doch dann gab die Verwaltung 15 Minuten vor, die er auf 20 Minuten hochhandelte.

Ich will das Selbstbewusstsein der Abgeordneten stärken. Helmut Markwort – „Focus“-Gründer

Markwort wird also schneller auf den Punkt kommen müssen, auf seinen Freiheitskampf und seine kleine, feine Abrechnung mit der Bürokratie, belegt mit Fundstellen aus der bayerischen Verfassung von 1946. Das ist der Plan. Der Staat solle kleine Betriebe „gegen Überlastung und Aufsaugung schützen“, steht da tatsächlich. Aufsaugung! Selbstständige Existenzen seien zu fördern. Und: Jedermann habe „die Freiheit, innerhalb der Schranken der Gesetze und der guten Sitten alles zu tun, was anderen nicht schadet“.

Sätze wie aus Markworts Tagebuch im „Focus“, das der einstige Chefredakteur und Herausgeber weiter schreibt. „Ich will das Selbstbewusstsein der Abgeordneten stärken“, sagt der Alterspräsident. Der Aufschlag des Spätberufenen, dessen Credo „Fakten, Fakten, Fakten“ ganz Deutschland kennt, fällt auf in einer Welt des Jugend- und Digitalrauschs. Mithilfe einiger Digital Natives aus Luxemburg und dem Trierer Raum hat Markwort in seiner Kampagne sogar Social Media mustergültig bedient.

Zur liberalen Bekehrung der Bajuwaren fuhr er im Wahlkampf mit einem „Faktomobil“ auf die Marktplätze vor und machte 100 Veranstaltungen. Der wahre Hit war „FDP at home“: Mal kochte in Städten wie Pullach ein Ärztepaar, mal eine frühere Medienunternehmerin für den Stargast mit der Seventies-Frisur und seine potenziellen Wähler. Auch beim Starfußballer Franck Ribéry war er. Im Nobelvorort Grünwald holte Markwort 17 Prozent.

Das größte Problem war am Ende, ob es die FDP überhaupt über die Fünfprozenthürde schafft. Sein Resümee: „Meine positive Bekanntheit hat geholfen. Also könnten Parteien versuchen, mehr Leute wie mich zum Kandidieren zu bringen.“ TV-Richter Alexander Hold, nun im Landtag für die Freien Wähler, ist auch so ein Beispiel. Edmund Stoiber, einst bayerischer Ministerpräsident, ist voll des Lobes.

Er habe „einen öffentlichkeitswirksamen, starken Wahlkampf geführt, der uns sicherlich auch die eine oder andere Stimme gekostet hat“. Sein Einzug in den Landtag beweise, „dass man auch als älterer Mensch etwas völlig Neues machen und viel bewegen kann“. Die Helmut-Markwort-Saga zeigt außerdem, dass man offenbar sogar vier Leben in einem haben kann: Journalist, Schauspieler, Politiker und Unternehmer.

Der Beamtensohn aus Darmstadt hat in der großen Ära des Privatfunks an vorderster Stelle mitgeholfen, Radiostationen überall in der Republik anzuschieben. Wo andere zweifelten, handelte er. Nun hält seine Firma Medienpool mehr als 30 Beteiligungen. 2016 kamen ausweislich der Bilanz insgesamt rund 1,6 Millionen Euro Beteiligungserträge zusammen. „Mit mir kommt nicht nur ein Journalist, sondern auch ein Start-up-Unternehmer in den Landtag“, kommentiert Markwort.

Der Landtag als schöne Pflicht

Und es kommt eben auch ein Hobbyschauspieler. Diese Woche muss Markwort nach Mainz zu Proben für ein Musical. Es hat am 8. Januar Premiere. Über seine Theaterverpflichtungen hat er die Partei gleich informiert, aber nun ist das Engagement eine Herausforderung für die kleine, elfköpfige Landtagsfraktion. Dort sind sie alle per Du, was Markwort leicht suspekt sein dürfte, da er nach eigenem Bekenntnis kein großer Duzer sei: „Beim Du beginnt der Kommunismus.“

Die Frage nach den vier Leben, nach seinen vielen Interessen, lässt ihn augenscheinlich ziemlich kalt. „Ich habe zu wenige Leben“, antwortet er, „und nicht genug Zeit für das, was mir aktuell Spaß macht. Am liebsten gründe ich und fange Neues an.“ Nun fühle er sich aber erst mal seinen 20.299 Wählern verpflichtet.

Er sei ein „Teamplayer“, der in der Politik nichts mehr werden wolle, der aber zum Beispiel als Abgeordneter „für meinen Berufsstand gegen all die ,Lügenpresse‘-Vorwürfe“ angehen könne, auch wenn er selbst gelegentlich etwas an Medien zu kritisieren habe, erklärt Markwort. Im Ruhestand wollte er „vor allem Kür und weniger Pflicht machen“, und der Landtag sei jetzt eine „schöne Pflicht“.

Der Altliberale weiß, dass die Leute ihm zuhören und dass Wirkung wichtig ist, aber anders als sein Idol Theodor Heuss – FDP-Mann, Journalist und Bundespräsident – sieht er sich nicht als „Staatsschauspieler“. So einer sei Helmut Schmidt gewesen. „Der normale Schauspieler arbeitet mit Texten fremder Leute, im Glücksfall von Shakespeare. Der Politiker muss jedoch mit eigenen Texten auftreten“, philosophiert Markwort.

Im Burda-Büro ist die Schwere eines späten Nachmittags eingezogen. Neben dem Eingang schaut Friedrich Schiller als Riesenaufsteller auf die Szenerie, eine Erinnerung an alte Tage, als Markwort die Sendung „Bookmark“ moderierte. Die „Weltwoche“ ruft aus der Schweiz an und will Einschätzungen zu Friedrich Merz. Markwort, der Journalist-Gründer-Schauspieler-Politiker, sagt laut „Pronto!“ und liefert. Er liefert immer, am liebsten Pointen.

Im Landtag wird er mit Sicherheit einen Auftritt mit einem starken ersten Satz liefern. Ganz so, wie es beim „Stern“ einst Henri Nannen verlangte, Markworts letzter Chefredakteur, bevor er selbst zum jahrzehntelangen Chefredakteur wurde: „Mit einem Erdbeben anfangen! Und dann langsam steigern.“ Alles andere wäre langweilig

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