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Vonovia und Deutsche Wohnen So bewertet ein Kartellrechtler die Immobilien-Großfusion

Der geplante Zusammenschluss der Wohnungsvermieter Vonovia und Deutsche Wohnen löst nicht nur Begeisterung aus. Dennoch könnte das Bundeskartellamt den Deal abnicken.
26.05.2021 - 11:14 Uhr 1 Kommentar
Der Immobilienkonzern ist schon jetzt Deutschlands größter Vermieter. Quelle: dpa
Vonovia

Der Immobilienkonzern ist schon jetzt Deutschlands größter Vermieter.

(Foto: dpa)

Berlin Die angestrebte Fusion des größten deutschen Immobilienkonzerns Vonovia mit dem Branchenzweiten Deutsche Wohnen ist längst noch nicht unter Dach und Fach. Der Transaktion müssen noch die Aktionäre und das Bundeskartellamt zustimmen.

Die Linke hat bereits gefordert, dass das Kartellamt den Deal untersagt. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht dafür gute Chancen, weil die beiden Konzerne in vielen Regionen bereits einen erheblichen Einfluss auf den Wohnungsmarkt hätten, sowohl auf Mietpreise als auch auf Kaufpreise.

Der Direktor des Instituts für Kartellrecht an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, Rupprecht Podszun, erwartet hingegen keinen Widerstand der Kartellbehörden. Mit dem traditionellen Ansatz würden die Kartellbehörden hier nicht intervenieren können, sagte Podszun dem Handelsblatt.

In der Fusionskontrolle werde auf Marktanteile geschaut. „Selbst bei enger Marktabgrenzung sind die kombinierten Anteile von Vonovia und Deutsche Wohnen zu gering, um Marktmacht im kartellrechtlichen Sinn zu begründen.“ Diese beginne typischerweise bei 40 Prozent.

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    Auch wenn es bei diesem Zusammenschluss zu einer „erheblichen Ballung wirtschaftlicher und politischer Macht“ komme, würden die Kartellbehörden nicht viel ausrichten können, sagte Podszun weiter. Das Kartellamt habe ja bei einem früheren Übernahmeversuch, der dann scheiterte, schon einmal genau diesen Fall geprüft. „Damals, 2015, hat die Behörde schon ohne Bedenken freigegeben“, erläuterte der Kartellrechtler.

    Dabei seien solche Konzentrationen eigentlich genau das, wovor Fusionskontrolle ursprünglich schützen sollte. „Es macht mich durchaus nachdenklich, dass die Fusionskontrolle hier zahnlos bleibt“, sagte Podszun. „Aber dafür gibt es dann eben Mieterschutz in anderen Gesetzen.“

    Relativ geringer Anteil am gesamten Wohnungsbestand

    Vonovia bietet den Deutsche-Wohnen-Aktionären mehr als 18 Milliarden Euro. Einschließlich Schulden wird Deutsche Wohnen dabei mit 29 Milliarden Euro bewertet – die Übernahme ist damit die größte in der europäischen Immobilienbranche überhaupt. Zusammen kommen die beiden einzigen Immobilienkonzerne im Leitindex Dax auf mehr als 550.000 Wohnungen im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro und einen Börsenwert von 48 Milliarden Euro.

    Im ersten Anlauf vor fünf Jahren war Vonovia-Chef Buch noch abgeblitzt, Deutsche-Wohnen-Chef Zahn hatte sich damals vehement gegen den Verkauf gestemmt. Noch im Frühjahr 2020 verlief ein neuerlicher Vorstoß im Sande.

    DIW-Präsident Fratzscher sieht den geplanten Zusammenschluss sehr kritisch. „Eine Fusion der beiden größten privaten Immobilienkonzerne Deutschlands ist problematisch, da es dadurch weniger Wettbewerb geben dürfte und die Marktmacht des neuen Konzerns noch stärker wird“, sagte Fratzscher der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich vermute, dass das Kartellamt dies ähnlich kritisch sehen wird und daher die Chancen für eine Fusion nicht sehr hoch sind.“

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    Das Bundeskartellamt wird sich die Fusionspläne nach den Worten von ZEW-Präsident Achim Wambach wie schon beim ersten Versuch des Zusammenschlusses 2015 genau anschauen. Damals sei eine mögliche Übernahme der Deutschen Wohnen durch Vonovia in der ersten Phase der Untersuchung freigegeben worden, da beide nur einen relativ geringen Anteil am gesamten Wohnungsbestand in den jeweiligen Märkten hatten, sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

    Vonovia-Chef: „Noch keinen großen Aufschrei wahrgenommen“

    „Da es nicht den einen Wohnungsmarkt gibt, sondern viele regionale Märkte, und dabei verschiedene Märkte für die jeweils unterschiedlichen Wohnungsgrößen, wird eine wettbewerbliche Prüfung der Übernahme sich diese einzelnen Märkte anschauen, inwiefern ein Zusammenschluss dort zu einer Beeinträchtigung des Wettbewerbs führt“, erklärte Wambach, der Mitglied der Monopolkommission ist. Dieses unabhängige Gremium berät die Bundesregierung und die gesetzgebenden Körperschaften in Fragen der Wettbewerbspolitik, des Wettbewerbsrechts und der Regulierung.

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    Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia sieht etwaige Vorbehalte gegen die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen gelassen. „Abgesehen von den Linken habe ich noch keinen großen Aufschrei wahrgenommen“, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch dem Handelsblatt. „Wir haben Zugeständnisse gemacht. Nun müssen wir unsere Versprechen halten. Das werden wir tun.“

    Auch mit einem Widerstand der Kartellbehörden und der Investoren rechnet Buch nicht. „Unser Marktanteil dürfte auch nach dem Zusammenschluss bei etwa zwei Prozent liegen, das ist verschwindend gering“, sagte er. Mit Blick auf die Investoren fügte er hinzu: „Wir haben Gespräche geführt, und wir machen uns keine Sorgen, dass wir einen signifikanten Anteil der Aktien relativ schnell bekommen werden.“

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    Er sei sich im Übrigen zusammen mit Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn „sehr wohl bewusst, dass wir gemeinsam noch eine größere Verantwortung haben – aber das wollen wir angehen, und ich denke, unsere Vorschläge sind richtig“.

    Zahn ergänzte: Der Konzern, der hier entstehe, habe als europäische Nummer eins die Kraft, Verantwortung zu tragen. „Wir entwickeln im Immobiliensegment die richtigen Antworten auf Herausforderungen wie den Klimawandel, den demografischen Wandel oder den Wohnungsmangel.“

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    1 Kommentar zu "Vonovia und Deutsche Wohnen: So bewertet ein Kartellrechtler die Immobilien-Großfusion"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Hier sieht man mal wieder, dass das Kartellrecht immer so ausgelegt wird wie es gerade passt. Bei der Marktbeherrschung sind die Teilmärkte zu betrachten und nicht der Gesamtmarkt. Und mindestens für Berlin sehe ich hier durchaus eine marktbeherrschende Stellung der neuen Gesellschaft gerade wenn man den niedrigpreisigen Mietwohnungsmarkt betrachtet. Ich hoffe, dass das noch einer merkt

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