Vor der EZB-Entscheidung DIW-Chef hält Zinssenkung für „nicht effektiv“

Die EZB könnte heute den Leitzins erneut senken, doch DIW-Chef Fratzscher glaubt nicht an einen positiven Effekt für die Krisenländer. Denn dort käme die Geldpolitik nicht an.
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Wir die EZB die Leitzinsen senken? Quelle: dpa

Wir die EZB die Leitzinsen senken?

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BerlinDer Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält eine weitere Zinssenkung vonseiten der Europäischen Zentralbank (EZB) für nicht effektiv. „Der Effekt auf die Refinanzierungsbedingungen der Banken und die Liquidität wäre sehr gering“, sagte Fratzscher im Interview des Handelsblatts (Donnerstagausgabe). „Das Problem, dass die Geldpolitik viele Unternehmen in den Krisenländern nicht erreicht, liegt sicher nicht an zu hohen Zinsen, sondern an den Problemen der Banken und weiterhin hohen Risiken“, ergänzte der 42-jährige Wissenschaftler, der sich in seinen Forschungen vor allem auf die europäische Schuldenkrise kapriziert hat. Fratzscher ist zudem der Ansicht, dass eine Zinssenkung nicht nur als positives Signal verstanden werden könnte: „Märkte und Unternehmen könnten sie so interpretieren, dass die EZB sich weit größere Sorgen um die konjunkturelle Situation im Währungsgebiet macht als erwartet.“

Die EZB, so Fratzscher, „mag es daher als weise erachten, sich den wenigen Spielraum, den sie auf der Zinsseite noch hat, für eine schwierigere Situation aufzusparen“. Seiner Einschätzung nach bleibt der mittelfristige Konjunkturausblick trotz zuletzt schlechterer Nachrichten unter dem Strich positiv.

Die Geld- und Krisenpolitik der EZB hält Fratzscher trotz aller Kritik, wie etwa zuletzt vonseiten der Deutschen Bundesbank in ihrem Gutachten für das Bundesverfassungsgericht, für rechtskonform: „Die Juristen des Eurosystems und der EZB haben sicherlich sehr gründlich analysiert, um sicherzustellen, dass alle Entscheidungen konsistent mit dem geltenden europäischen Recht sind. Dazu gehört auch und vor allem die Rechtslage in Deutschland. Ich erwarte daher, dass das Bundesverfassungsgericht keinen Einwand gegen die bisherige Politik der EZB vorbringen wird.“

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8 Kommentare zu "Vor der EZB-Entscheidung: DIW-Chef hält Zinssenkung für „nicht effektiv“"

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  • kapriziert???

  • Die Peripherie der Eurozone hat ein Nachfrageproblem und kein Angebotsproblem. Der Geldkreislauf ist unterbrochen wegen des Krähendenkens in den Vorstandsetagen. Europa, das ist unproduktiver Sozialhilfesumpf, denn ohne die unzähligen Rettungspakete, wäre das Luftschloss lange geerdet.
    Typisch für Diktaturen sind auch die Beschwörungsformeln, mit welchen die Gehirne geflutet werden zur Rechtfertigung des Verbrechens. Historisch ist nur die Betriebsblindheit der Wichtigtuer, welche das Schwelgen in Macht mit Tatkraft verwechseln, und weise nur der, welcher die Profanität hinter dem Aufschub einer Zinssenkung um ein paar Promille erkennt.

    Was für ein Sumpf ..

  • Natürlich nicht effektiv - aber eben "alternativlos" (wobei fantasielos das richtige Wort wäre)

    Richtig spannend wird es aber erst, wenn die durch zu billiges Geld aufgepumpten Fehlallokationen, die jetzt noch den großen Knall verschieben können, in die Phase der Marktbereinigung eintreten. Dann gute Nacht - aber bis dahin sind ja andere an der Regierung, die dann den Saustall ausbaden müssen.

  • Warum erlässt die EZB nicht, genau wie beim Kauf von Staatsanleihen, jegliche Eigenkapitalvorschriften für das Kreditwesen der Banken?
    Dann braucht sie nicht mehr die lästige Diskussion über weitere Zinssenkungen zu führen.

    Die Prämisse einer soliden Währung ist doch sowieso nur Geschwafel.

    Frau Merkel fällt in einem Handelsblatt Interview der Satz aus dem Mund: " Die Banken scheinen tendenziell eher Staatsanleihen zu kaufen, anstatt der Wirtschaft Kredite geben zu wollen".

    Die Idiotie und das Sand in die Augen gestreue kennt in der deutschen Demokratie 2013 keine Grenzen mehr.

  • Genau, und das Rechtverständnis der EZB und der Euroideologen ist sicherlich über jeden Zweifel erhaben... *gähn*
    Mein Vertrauen haben sie selbstverständlich. Ich glaube einfach. Der Euro ist eben wie ein Gottesdienst!

  • Es ist auch die gefährlichste - sollte der Bund Future aus dem Bett fallen (auf diesem Niveau ist ab sofort alles möglich) wird eine der größten Finanzblasen Europas platzen.

  • Es wird die sinnloseste Zinssenkung aller Zeiten. Ein weiterer Meilenstein zur Geldentwertung.

  • Dem Mann stimme ich zu.
    Würde das funktionieren, hätte es ja schon gewirkt. In den USA genauso wie in Europa. Denn beide werfen das Geld quasi Zinslos unter die Leute.
    Aber leider unter die "falschen" Leute.
    Eine vom Staat getragene Bank hat bei öffentlichen Investitionen mit zu helfen und nicht an einer Börse zu spekulieren oder sich nicht nur an Staatsanleihen zu "vergehen".
    Hier hat die EU gepennt, und tut es noch. Hauptsache die Subventionsumverteilung funktioniert. Wo die ankommen, drei Fragezeichen?
    Es ist genug Geld zum arbeiten da - aber wo laufen sie denn?

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