Vor Rechtsanspruch Es fehlen noch immer 130.000 Kita-Plätze

Die Zeit wird eng: In einem Jahr kommt die Betreuungs-Garantie für Kleinkinder. Und noch immer ist die Zahl der fehlenden Kita-Plätze sechsstellig. Die Kommunen sehen vor allem die Wirtschaft am Zug.
Update: 01.08.2012 - 05:15 Uhr 5 Kommentare
Eine Kita in Kassel. Quelle: dpa

Eine Kita in Kassel.

(Foto: dpa)

BerlinEin Jahr vor Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz für Kleinkinder fehlen bundesweit weiter 130 000 Plätze. Bis zum 1. August 2013 würden insgesamt voraussichtlich 750 000 Plätze für unter Dreijährige benötigt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, der Nachrichtenagentur dpa. Derzeit liege die Zahl bei 620 000.

Landberg rechnet trotzdem damit, dass in zwölf Monaten für die weitaus meisten Berechtigten ein Platz zur Verfügung steht. „Nicht in jedem Fall wird es aber möglich sein, das Kind in die Wunsch-Kita der Eltern zu bringen“, schränkte er ein. Damit kämen auf die betroffenen Väter oder Mütter auch Fahrzeiten zu.

Vor allem in einigen Großstädten wird nach Landsbergs Worten weiter nach geeigneten Gebäude gesucht. Deshalb müssten einige bürokratische Vorgaben in der Bauordnung abgeschafft werden. „Wer heute in einer Stadt eine Kita bauen will, braucht einen eigenen Spielplatz, obwohl der öffentliche Spielplatz eventuell gleich daneben ist“, kritisierte er.

Dringend müssten zudem neue Tagesmütter gewonnen werden. Auch in diesem Bereich sei vieles falsch gelaufen. So seien Tagesmütter seit dem 1. Januar 2012 sozialversicherungspflichtig. Früher hätten Erwerbslose bis zu zwei Kinder betreuen können, ohne dass ihnen die Einkünfte aus dieser Tätigkeit angerechnet worden seien.

Nach Landbergs Ansicht sind jetzt vor allem größere Anstrengungen der Wirtschaft erforderlich, um die angepeilte Quote von 39 Prozent bei den Kita-Plätzen zu erreichen. Unternehmen sollten mehr als bisher eigene Kindergärten bauen. Kleinere Firmen könnten sich etwa zusammentun, um gemeinsam eine Tagesmutter fest einzustellen. Dafür gebe es sogar staatliche Fördermittel.

Eine ausreichende Kinderbetreuung sei eine gesamtgesellschaftlich Aufgabe. Wenn die Wirtschaft ständig klage, sie brauche wegen des Fachkräftemangels auch junge Mütter, „dann muss sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch etwas bieten“, verlangte er. Die Unternehmen könnten nicht nur darauf verweisen, dafür sei der Staat zuständig.

Vom umstrittenen Betreuungsgeld der Koalition erwartet Landsberg so gut wie keine Entlastung für die Kindertagesstätten. „Die jungen Mütter, die schnell wieder in den Beruf kommen möchten, wollen in der Regel ihre Karriere nicht beeinträchtigen. Sie wollen zusätzliches Geld verdienen. Und davon werden sie sich nicht von 150 Euro im Monat abbringen lassen“, zeigte er sich überzeugt.

Nach dem 2008 in Kraft getretenen Gesetz haben von August 2013 auch Eltern von Kindern zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf ein Betreuungsangebot in einer Kita oder bei einer Tagesmutter. Seit 1996 gilt in Deutschland der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz vom dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt.

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5 Kommentare zu "Vor Rechtsanspruch: Es fehlen noch immer 130.000 Kita-Plätze"

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  • Es geht um die Fakten. In der Regel übernimmt die Frau die Kinderbetreung - zeitgemäß hin oder her - so ist es nun mal in Deutschland! Und ja, jedem ist freigestellt, dass er sein Kind zu Hause erzieht. Aber man muß sich nun mal auf die Fakten und nicht auf die schöne neue Welt konzentrieren. Der Artikel handelt doch über die fehlenden Kita Plätze und nicht über gesellschaftliche Akzeptanz von erziehenden Vätern oder Spätfolgen aufgrund der KiTa Erziehung? Oder habe ich etwas überlesen?

  • Was meinen Sie hält ihr Kind von der Kita? Wäre das Kind nicht lieber bei seinen Eltern? ...haben Sie keine Angst, dass diese "Wochenendbeziehung" zum Kind zur Entfremdung führt?

    Ich bin Alleinverdiener und meine Frau, die auch studiert hat und einen guten Beruf hatte, kümmert sich um die Kleinen. Gerne und mit Liebe. Es ist ein finanzieller Kampf, aber ich meine das ist es absolut wert.

    Aber jedem das Seine?

  • "Häufig bleibt i.d.R. der studierten oder auch promovierten Mutter nichts anderes übrig als zu Hause zu bleiben." --> Warum sprechen Sie hier lediglich von den Müttern? Was ist mit den Vätern? Warum bleiben Sie nicht zu Hause und kümmern sich um die Kinder, die sie ja auch gewollt und gezeugt haben? Wenn es hier nach wie vor nur um die Frauen geht, finde ich das unzeitgemäß und diskriminierend!

  • Fakt ist: Deutschland wird sein Problem der Veralterung, sinkenden Geburtenrate und Fachkräftemangel nicht lösen, wenn nicht endlich die Kinderbetreuung geregelt wird. Es ist für Gutverdiender kaum möglich, einen öffentlichen U3 Platz zu erhalten. Selbst private KiTas die teilweise bis zu 2.000 € im Monat kosten haben lange Wartelisten. Es geht ja nicht mal um das Geld - in Großstädten gibt es einfach zu wenig Plätze. Häufig bleibt i.d.R. der studierten oder auch promovierten Mutter nichts anderes übrig als zu Hause zu bleiben. Mit viel Glück gelingt Wiedereinstieg ins Berufleben nach drei Jahren auf einer "Asuhilfsstelle". Da stellen sich viele die Frage, ob Sie bereit sind noch ein Kind in die Welt zu setzen. Der Staat schneidet sich in das eigene Fleisch indem immer nur die sozial Schwachen gefördert werden. Es muß auch mal die Gesamtrechnung aufgemacht werden. Wer viel Steuern zahlt darf doch auch mal den Staat bitten, im zu ermöglichen auch weiterhin viel Steuern zu zahlen. Es hilft am Ende allen!!

  • Wären die Familien und der Mittelstand nicht per LOHNDUMPING von Rot/Grün aktiv verarmt worden, so könnten manche Mütter ihre Kinder erziehen (und genießen) anstatt irgendwo zu malochen. Dann bräuchte man nicht soviele Kiga-Plätze.

    Es gibt Frauen die würden dies lieber tun, würden sich dabei nicht minderwertig ggü einer am wirtschaftsleben teilnehmen Frau vorkommen und die Kinder hätten Wärme und Liebe, die eine Kinderaufbewahrungsstätte nie bieten kann.

    Diese F"amilienpolitik" insgesamt trägt immer mehr zur Zerstörung der Familie bei.

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