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Vordenkerin des Jahres Verena Pausder macht deutlich was es heißt, eine Krise als Chance zu begreifen

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Wer noch auffiel: Neue Denkanstöße

Maja Göpel

Quelle: www.imago-images.de
(Foto: www.imago-images.de)

Klimachaos, die zunehmenden Konflikte zwischen Arm und Reich und die Polarisierung unserer Gesellschaften zeigen deutlich: Weitermachen wie bisher, nur effizienter, das ist keine Option. „Wir brauchen eine Neubetrachtung der Werte, die Menschen in ihrer kooperativen Lebendigkeit stützen“, sagt deshalb Maja Göpel.

Daher plädiert die Nachhaltigkeitsforscherin und Wirtschaftswissenschaftlerin leidenschaftlich für ein grundsätzliches Umdenken und ein anderes Wirtschaften – in sozialen Netzwerken, in Talkshows und mit ihrem Buch „Unsere Welt neu denken. Eine Einladung“ hat sie im Februar einen Sachbuchbestseller gelandet. Unermüdlich erklärt Göpel, warum Neoliberalismus, ständiges Wachstum und ökologischer Raubbau an ihre Grenzen stoßen.

Seit November arbeitet Göpel als wissenschaftliche Direktorin der neu gegründeten Hamburger Denkfabrik The New Institute. Dafür gab sie den einflussreichen Posten als Generalsekretärin des WBGU (wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) ab, wo sie die Politik bezüglich einer nachhaltigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft beriet.

Ziel des Instituts ist es, neue Antworten auf die drängenden ökologischen, ökonomischen und politischen Herausforderungen zu entwickeln und gesellschaftlichen Wandel zu gestalten. Göpel hofft, so mehr Einfluss auf die Gesellschaft nehmen zu können, als in ihrer Funktion als Regierungsberaterin. Carina Kontio

Nadine Schön, Thomas Heilmann

Quelle: imago images/Jens Schicke
(Foto: imago images/Jens Schicke)

Geredet wird viel über den Zustand der Welt, die Defizite Deutschlands. Über die mangelnde Digitalisierung und eingeschränkte Zukunftsfähigkeitiche Bilder. Aber warum nicht einfach mal bei sich selbst anfangen? Das sagten sich zwei Mitglieder der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thomas Heilmann und Nadine Schön, und begannen mit einer riesigen Projektarbeit, die im Buch „Neustaat“ mündete – über den öffentlichen Sektor jenes digitalen „Neulands“, das Angela Merkel 2013 ausgemacht hat.

Solche Programmarbeit kennt man in der Vergangenheit eher von der SPD, den Grünen und der Linken, weniger von der Union, die stets auch Kanzler- oder Kanzlerinwahlverein war. Hier aber ist ein Buch als zentraler Teil einer großen Reformkampagne angelegt.

64 Abgeordnete von CDU/CSU machen 103 Vorschläge, vom digitalen Euro der EZB bis zu Digitalschulen, von einfacheren Reisekosten bis zur „Doppelrente“. Verdienstvoll also, was der Internet-Investor und einstige Berliner Justizsenator Heilmann zusammen mit Juristin Nadine Schön da kompiliert hat. Anstatt zum wiederholten Male einen Sermon zu bieten über den Leviathan Staat, der unternehmerische Verve plattmacht, geht es hier um das Leitbild des klugen, lernenden Staats.

Einer, der – mit moderner IT ausgerüstet – gut mithalten kann mit moderner Wirtschaft und den Herausforderungen von außen, von Pandemie bis Protektionismus. Ohne einen „Mutanfall“ werde es nicht gehen, vermittelt das Buch. Raus aus der „Komplexitätsfalle“ ist das Motto, auch raus aus der „Komfortzone“. Oder, prägnanter: „Staat-me-up“. Hans-Jürgen Jakobs

Ottmar Edenhofer

Quelle: Photothek/Getty Images
(Foto: Photothek/Getty Images)

Ein Preis für das klimaschädliche Kohlendioxid, über alle Sektoren und sozial gerecht, dafür setzt sich Klimaökonom Ottmar Edenhofer, 59, seit Jahren ein. Ein solcher CO2-Preis ist für den gebürtigen Bayern das zentrale Element, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius begrenzen zu können, wie es das Pariser Klimaschutzabkommen vorsieht.

Edenhofer ist unter anderem Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und des Berliner Klimaforschungsinstituts Mercator Research Institute for Climate Change (MCC) und berät immer wieder auch die Bundesregierung. Dass in Deutschland ab Januar 2021 ein CO2-Preis in den Sektoren Verkehr und Wärme zu zahlen sein wird, ist auch Edenhofers beharrlichem Insistieren geschuldet – auch wenn er die anfänglichen 25 Euro je Tonne CO2 als zu niedrig bewertet.

Ein sinnvoller Einstiegspreis hätte bei wenigstens 50 Euro liegen müssen, der bis 2030 auf 130 Euro steigen müsste. Ein Preissignal, so Edenhofers Credo, bringt Klarheit, für Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen. Weil beim Kampf gegen die globale Erderwärmung der nationale Fokus unzureichend ist, fordert Edenhofer auch eine Reform des Europäischen Emissionshandels, der bislang finanzielle Auswirkungen vor allem für Industrie- und Energieunternehmen hat.

Auch dieser braucht nach Ansicht Edenhofers einen Mindestpreis und muss über alle Sektoren hinweg greifen. Die Verknüpfung aller CO2-Preis-Systeme, über Ländergrenzen hinweg, das ist sein Ziel. In diesem Jahr bekam Edenhofer für seine Verdienste den Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Edenhofer, begründete DBU-Generalsekretär Alexander Bonde die Entscheidung, wisse wie kaum ein anderer, wie man Wirtschaft, Klimaschutz und gesellschaftliche Anforderungen zusammen denkt. Silke Kersting

Mehr: Wer hat in diesem Jahr Großes geleistet? Wer hat überrascht, wer enttäuscht? Alle Beiträge unseres Specials „Menschen des Jahres 2020“ im Überblick.

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