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SPD-Stimmzettel

Auf dem Stimmzettel stehen sieben Kandidatenpaare. Hilde Mattheis und Dierk Hirschel zogen ihre Kandidatur jedoch kurz vor der Abstimmung zurück.

(Foto: dpa)

Vorsitzenden-Wahl Diese vier SPD-Kandidatenpaare erhalten am meisten Unterstützung

Nur wenige prominente SPD-Politiker erklären, welche Kandidaten für den Vorsitz sie unterstützen. Öffentliche Empfehlungen sind in der Partei jedoch umstritten.
Update: 16.10.2019 - 12:14 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Bis zum 25. Oktober können die 425.630 SPD-Mitglieder über ihre neue Parteiführung abstimmen. Sechs Duos stehen zur Wahl. Einen gewissen Einfluss auf die Entscheidung mancher noch unentschiedener Mitglieder könnte dabei das Wahlverhalten prominenter Genossen spielen. Viele SPD-Spitzenpolitiker machen ihre Wahlentscheidung nicht öffentlich, andere sprechen sich jedoch offen für ein Kandidatenpaar aus.

Pistorius/Köpping

Auf einige Unterstützer zählen können der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping. So hat unter anderem die stellvertretende SPD-Chefin und bayerische Landesvorsitzende Natascha Kohnen nach eigenen Angaben für die beiden gestimmt. „Sie verbinden für mich sozialdemokratische Werte mit Klarheit und Realitätssinn“, schrieb sie bei Facebook.

Beide hätten ihre Wurzeln in der Kommunalpolitik. „Damit bringen sie in meinen Augen sehr viel Erfahrung mit und wollen unsere kommunale Stärke nutzen. Sie könnten Brücken bauen zwischen Ost und West und in der eigenen Partei und seien „ein echtes Team auf Augenhöhe“.

Auch der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach sich für Pistorius und Köpping aus. „Beide haben feste Wurzeln in der Kommunalpolitik, sind nah am Alltag der Menschen und deshalb gut geerdet. Das braucht die SPD jetzt und es wäre ein echter Neubeginn“, sagte er im September dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Zu den Fürsprechern von Pistorius und Köpping zählen auch Burkhard Lischka (Landesvorsitzender von Sachsen-Anhalt und Bundestagsabgeordneter), Alexander Schweitzer (Fraktionschef Rheinland-Pfalz und Mitglied im Parteivorstand) sowie Alexander Saipa (Generalsekretär der SPD Niedersachsen). In der vergangenen Woche veröffentlichten mehr als 50 Kommunalpolitiker einen Wahlaufruf. Darunter befinden sich auch zahlreiche Oberbürgermeister wie Andreas Bausewein (Erfurt), Burkhard Jung (Leipzig), Jürgen Krogmann (Oldenburg) und Ulli Markurth (Braunschweig).

Roth/Kampmann

Gemessen an der Anzahl der Tweets, haben Michael Roth und Christina Kampmann ziemlich gute Aussichten auf den SPD-Vorsitz. Das Duo retweetete in den vergangenen Tagen die Bekenntnisse sämtlicher Mitglieder, die sich für das Paar ausgesprochen hat. Darunter befinden sich viele unbekannte Genossen, aber auch ein paar aus dem Bundestag.

Auch Eva Högl, die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, unterstützt Roth und Kampmann. „Selbstverständlich habe ich aus Überzeugung und mit Freude mein Kreuz bei Christina Kampmann und Michael Roth gemacht“, twitterte sie am Montag. Mit den beiden an der Spitze der SPD „hätten wir nicht nur gute Laune und viel Herz, sondern auch Haltung, klare Inhalte und echte Erneuerung“, erklärte sie zuletzt.

Die Bundestagsabgeordneten Ulli Nissen, Timon Gremmels und Bettina Müller, die wie Roth aus Hessen kommen, haben sich ebenfalls für Roth und Kampmann ausgesprochen. Sie hätten „den frischesten und überzeugendsten Auftritt“ hingelegt und „punkten mit viel Charisma“, sagte Gremmels in einem Interview mit der „Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen“.

Esken/Walter-Borjans

Wenn Twitter ein aussagekräftiges Barometer für die Erfolgschancen der Kandidaten ist, dann liegen auch Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken gut im Rennen. In den vergangenen Tagen und Wochen äußerten vor allem viele junge SPD-Mitglieder bei Twitter ihre Sympathie für das Kandidatenpaar.

Der Juso-Bundesvorstand sprach sich frühzeitig für die beiden aus. Esken und Walter-Borjans traue man „aufgrund ihrer bisherigen politischen Arbeit in besonderer Weise zu, unsere Erwartungen zu erfüllen“, erklärte Juso-Chef Kevin Kühnert.

Weitere Unterstützung erhalten die beiden Kandidaten aus der nordrhein-westfälischen Kommunalpolitik. In einem offenen Brief riefen zahlreiche Oberbürgermeister und -Bürgermeister zur Wahl von Esken und Walter-Borjans auf. Sie seien „Anwälte der Städte und Gemeinden“ und setzten sich „klar und entschieden für gleichwertige Lebensbedingungen in Deutschland“ ein.

Zu den Unterzeichnern gehörten unter anderem Sören Link (Oberbürgermeister Duisburg), Ullrich Sierau (Dortmund), Thomas Eiskirch (Bochum), Andreas Mucke (Wuppertal) und Thomas Geisel (Düsseldorf). Auch Simone Lange und Florian Jannik, Oberbürgermeister von Flensburg und Erlangen, wollen für die beiden stimmen.

Scholz/Geywitz

Olaf Scholz und Klara Geywitz können ebenfalls auf einige Unterstützer bauen. Johannes Kahrs, Sprecher des einflussreichen Seeheimer Kreis, bekannte sich kürzlich zu den beiden. „Ich unterstütze Klara Geywitz und Olaf Scholz. Sie wollen regieren, unser Land aktiv gestalten, Klimaschutz sozial gerecht und wirtschaftlich vernünftig umsetzen, ein langfristiges Renten- und Pflegekonzept, die Bürgerversicherung und einen Mindestlohn von 12 Euro“, twitterte er zusammen mit einem Bild der früheren SPD-Führung um Willy Brandt, Helmut Schmidt und Herbert Wehner.

Am Dienstag wagten sich zwei weitere prominente Sozialdemokraten aus der Deckung. Carsten Schneider (Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion) und Niels Annen (Außen-Staatsminister und Mitglied im Parteivorstand) erklärten in einem offenen Brief, warum sie Scholz und Geywitz ihre Stimme geben. Die beiden stünden „für Erfahrung und Erneuerung“ und hätten in ihrer bisherigen politischen Arbeit bewiesen, „dass sie das sozial­demokratische Reden auch in sozialdemokratisches Handeln übersetzen“.

Schneider und Annen schreiben: „Wir haben uns entschieden, Klara und Olaf zu wählen. Mit ihren unterschiedlichen Lebenswegen und Erfahrungen aus einem ostdeutschen Flächenland und einer starken Stadtpartei bringen sie das mit, was es jetzt an der Spitze unserer Partei braucht.“ Als Wahlaufruf wollen sie ihren Brief jedoch ausdrücklich nicht verstanden wissen.

Für die Kandidatenpaare Ralf Stegner/Gesine Schwan und Karl Lauterbach/Nina Scheer fällt die öffentliche Unterstützung wesentlich zurückhaltender aus. Bei Twitter und Facebook haben sich insgesamt nur wenige Mitglieder für sie ausgesprochen, bekannte Sozialdemokraten sind nicht darunter – was nicht heißen muss, dass sie an der Basis unbeliebt sind.

Lauterbach warb am Dienstag bei Twitter noch einmal eindringlich um Stimmen. „Macht Euch bitte nichts vor. 1. Jetzt weiß niemand, wer gewinnt. Es gab keine Umfrage. 2. Wer sicher gehen will, dass der neue Vorsitz die GroKo schnell beendet, sollte unser Team wählen. 3. Auch in einer Stichwahl gegen Olaf Scholz würden nur wir das offen vertreten“, erklärte er.

Die öffentlichen Wahlempfehlungen sind in der Partei umstritten und weit weniger üblich als vor den Mitgliedervoten über den Gang in eine Große Koalition. Einige Sozialdemokraten kritisierten am Montag, dass Mitglieder ihre Wahlzettel mit Kreuz fotografierten und in den sozialen Netzwerken veröffentlichten.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil erklärte zum Start der Abstimmung: „Weil jetzt alle Wahlempfehlungen abgeben, hier nun auch meine: Schaut euch die tollen Teams intensiv an, bildet euch eure eigene Meinung, stimmt ab, freut euch, wenn euer Team gewonnen hat und wenn nicht: Unterstützt am Ende die Gewinner trotzdem solidarisch.“

Wen er unterstützt, sagte Klingbeil nicht. Auch andere SPD-Spitzenpolitiker wie die Übergangs-Vorsitzenden Manuela Schwesig und Malu Dreyer, der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, Fraktionschef Rolf Mützenich oder die Bundesminister Heiko Maas und Hubertus Heil behielten ihr Wahlverhalten bisher für sich. Grund sei der Respekt vor der Entscheidung der Mitglieder, man wolle den Ausgang der Abstimmung der Wahl nicht beeinflussen, sagt ein SPD-Bundestagsabgeordneter.

Auch führende Vertreter aus dem mitgliederstärksten SPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen halten sich zu Beginn der Abstimmung bedeckt. Bei drei Kandidaten aus NRW – Lauterbach, Kampmann und Walter-Borjans – sei es schwierig, eine öffentliche Empfehlung auszusprechen, sagt einer, der sich im Landesverband gut auskennt.

Der frühere SPD-Sprecher Tobias Dünow, der inzwischen die niedersächsische Landesvertretung in Berlin leitet, hält nichts von Wahlempfehlungen. „Wichtige Durchsage an alle Genossinnen und Genossen: Eure Stimme wird – anders als viele glauben – nicht ungültig, wenn ihr darauf verzichtet, der Welt kundzutun, wen ihr gewählt habt“, twitterte er am Montag. Der Bekenntnis-Exhibitionismus gehe ihm „auf den Senkel“.

Mehr: Die frühere SPD-Chefin Andrea Nahles legte in dieser Woche ihr Bundestagsmandat nieder.

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