Vorstandsbeschluss Essener Tafel nimmt wieder Ausländer als Neukunden auf

Knapp drei Monate hat die Essener Tafel keine Ausländer mehr als Neukunden angenommen. Auch wenn die Regelung nun aufgehoben wird, bleibt das grundlegende Problem bestehen.
Update: 03.04.2018 - 13:36 Uhr 8 Kommentare
Essener Tafel nimmt wieder Ausländer als Neukunden auf Quelle: dpa
Essener-Tafel-Vorsitzender Jörg Sartor (M.)

Auch Ausländer werden wieder aufgenommen.

(Foto: dpa)

EssenDie Essener Tafel nimmt von Mittwoch an wieder Ausländer als Neukunden auf. Das hat der Vorstand des Trägervereins am Dienstag beschlossen. Zuvor sollen alle elf Außenstellen des Vereins über die Details des Beschlusses informiert werden, wie der Vereinsvorsitzende Jörg Sartor sagte.

Die Aufhebung des Aufnahmestopps für Ausländer war erwartet worden. Sartor hatte stets betont, dieser sei von vornherein als eine vorübergehende Maßnahme für sechs bis acht Wochen, maximal drei Monaten, geplant gewesen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Entscheidung kritisiert. Ende Februar sagte sie in einem Interview des Fernsehsenders RTL: „Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut.“ Aber die Entscheidung der Ehrenamtlichen in Essen zeige auch „den Druck, den es gibt“, und wie viele Bedürftige auf Lebensmittelspenden angewiesen seien.

Der Chef des Tafel-Bundesverbandes hatte die Kritik der Kanzlerin zurückgewiesen. „Wir lassen uns nicht von der Kanzlerin rügen, denn die aktuelle Entwicklung ist eine Konsequenz ihrer Politik“, hatte der Verbandsvorsitzende Jochen Brühl der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gesagt.

Bei einem „Runden Tisch“ wurde jedoch eine neue Lösung gefunden: Demnach soll bei Kapazitätsengpässen der Tafel die Herkunft der Bedürftigen künftig kein Kriterium mehr sein. Stattdessen sollen Alleinerziehende, Familien mit minderjährigen Kindern sowie Senioren unabhängig von ihrer Nationalität bevorzugt aufgenommen werden.

Das eigentliche Problem bleibt aber bestehen. Viele Tafeln sind überlastet. „Lebensmittelspenden sind gut, doch darf in unserem Sozialstaat niemand darauf angewiesen sein“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider.

Ursache sei die „gewachsene Armut in diesem reichen Land“. Vor allem die Hartz-IV-Leistungen seien viel zu niedrig. Die Flüchtlinge hätten die bestehenden sozialen Probleme für viele noch einmal neu deutlich gemacht, sagte Schneider.

Seit dem 10. Januar hatte die Hilfsorganisation vorübergehend Ausländer als Neukunden bei der Essensausgabe abgelehnt - und damit bundesweit eine kontroverse Diskussion auch um die Sozialpolitik und das Ausmaß der Armut ausgelöst.

Die Tafel hatte diesen Schritt mit einem sehr hohen Anteil an Ausländern unter ihren Kunden begründet. Gerade ältere Menschen und alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt.

  • dpa
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8 Kommentare zu "Vorstandsbeschluss: Essener Tafel nimmt wieder Ausländer als Neukunden auf"

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  • Herr Spiegel, ich hatte auf Widerspruch gehofft, denn korrekt ist mein Kommentar nicht.

    Ich hatte nämlich unterschlagen, dass Madame grundsätzlich für die Vollalimentation ihrer Gäste sorgt – sogar mit Vollverpflegung vor Ort, wenn die Gäste in einer offiziellen staatlichen Unterkunft ihr Dasein fristen.

    Wenn solche Gäste dann den typisch deutschen Sparwillen haben, müssen die natürlich in geeigneter Weise einen nicht angemeldeten Handel treiben – möglichst ohne Video-Überwachung und sonstiges Gedöns, was die Einnahmebedingungen behindern oder riskant machen könnte.

    Deshalb machen sich Tafeln unbeliebt, wenn sie gegen die Gleichbehandlungsgrundsätze von Madame verstoßen. Außerdem haben Tafel-Besuche eine durch örtliche Kontakte integrative Funktion.

  • Nein, Herr Spiegel, das eben macht Madame gerade nicht.

    Sie überlässt es dezent den Tafeln, dien "neudeutschen Hungerleider" mit zu versorgen
    - haut aber auf die "Tafel", wenn die sich aus privatwirtschaftlichen Gründen rassistisch verhält.

  • Frau Dr. Merkel hat die Leute geholt und versorgt ihre Gäste über private Tafeln. Pfui


  • "Das grundlegende Problem" würde gar nicht existieren, wenn alle Ausländer statt Geld, welches sie an ihre Schleuser überweisen müssen, nur Lebensmittelgutscheine erhielten.

    Dann bräuchten sie auch keine Tafeln und könnte ihr Geld auch nicht missbräuchlich verwenden.

  • die Rechtfertigung zu diesem Stop wurde mittlerweile wohl auf Druck verharmlost!
    zumindest in den Darstellungen in Funk & Presse!

    Denn die Gruende fuer diesen Stop waren zu offensichtlich und konnten nicht wegdiskutiert warden....aber eben brisant und passten IM ERIKA nicht gerade in ihr betaeubtes Weltbild !

    Nun, ein neuer Start wobei jede Menge "Weichspueler" quasi gratis von der Politik zur Verfuegung gestellt worden ist!
    ja, und im Fruhjahr durch den Sommer ist das Angebot eh grosser ...
    warum zur Hoelle muessen den die Proportions-Anteile der Empfaenger mit AUSLAENDER / DEUTSCH bei 1:1 als "ausgewogen" tariert sein !
    damit sind die Auslaender ja ueberproportional representiert....
    ..Vvielen Muslmen wird dann das Ersparte freitags waehrend der Gebetsstunde als Spende abkassiert....!

  • Leider sind die Essener Tafelbetreiber eingeknickt.

  • Wer findet es nicht erbärmlich, dass aus dem Ausland zu uns gekommene Schutzsuchende, ihrer Gier freien Lauf lassen und der armen Oma, die vermutlich gleichzeitig auch noch alleinerziehende Mutter ist, jetzt auch noch die letzte Kartoffel wegnehmen. Harz4 ist denen nicht genug.

  • Kritik von höchster Stelle und nun dürfte unsere Kanzlerin mit der Tafelwelt wieder versöhnt sein. Gottseisgedankt. Zuwanderer benachteiligen - das geht nämlich gar nicht. Ein Sakrileg. Die von Migranten abgestochenen Deutschen dagegen gehen unserer Kanzlerin am A...... vorbei.

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