Vortrag Alt-Bundespräsident Wulff meldet sich zurück

In seiner ersten öffentlichen Rede hat sich Alt-Bundespräsident Christian Wulff für eine bessere Integration von Ausländern ausgesprochen. Zu den Vorwürfen gegen seine Person oder zur Tagespolitik äußerte er sich nicht.
Update: 21.11.2012 - 20:23 Uhr 14 Kommentare

Wulff hält erste öffentliche Rede seit Rücktritt

HeidelbergAls Christian Wulff pünktlich auf die Minute den Saal betritt, kommt nur zögerlich Applaus auf. Dafür bricht ein Blitzlichtgewitter über den früheren Bundespräsidenten herein. In den neun Monaten seit seinem Rücktritt als Bundespräsident hat sich Wulff in der Öffentlichkeit rar gemacht. In Heidelberg, fernab des politischen Trubels der Hauptstadt Berlin, hält er am Mittwochabend seine erste öffentliche Rede in Deutschland seit seinem Rückzug. Zu seinem Rücktritt und den Ermittlungen gegen ihn schweigt er.

Stattdessen spricht er erst einmal über den Fußball, über Deutschlands 4:4 vor einigen Wochen gegen Schweden. Als Beispiel für gelungene Integration sei die Nationalmannschaft sicher „nicht unbedingt originell“, räumt er selbst ein. Damit ist er aber bei seinem Thema: Die Integration, ein Schwerpunkt seiner kurzen Amtszeit.

Es ist eine sehr präsidiale Rede, die das ehemalige Staatsoberhaupt vor etwa 250 Zuhörern hält. Es geht um die Toleranz gegenüber anderen Kulturen, es geht um den Respekt vor anderen Religionen. Es geht insgesamt um „Deutschland, unser Land“, das alle zusammen gestalten müssten.

Wulff erzählt, wie betroffen ihn die ausländerfeindlichen Morde des NSU-Terrortrios gemacht hätten. Er beklagt die Ermittlungspannen der Behörden. „Vertrauen ist zerstört worden“, sagt er. Beleuchtet aber auch die Herausforderungen der Integration, etwa Kriminalität oder Arbeitslosigkeit bei Ausländern. „Wir müssen in der Lage sein, auch über die Probleme zu sprechen.“

Nach seinem Rücktritt im Februar hatte sich Wulff zunächst fast völlig zurückgezogen, mit der Öffentlichkeit kommunizierte er seitdem - wenn überhaupt - nur über seinen Anwalt. Nach wie vor laufen Ermittlungen gegen den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Es geht um die Frage, ob der CDU-Politiker sich von einem Unternehmer Reisen zahlen ließ, ob er Politisches mit Privatem vermischte.

Schmaler ist Wulff seit seinem Rücktritt geworden, das wurde schon festgestellt, als er im Juli erstmals wieder auf einer Veranstaltung in Berlin auftauchte. In den vergangenen Wochen gab es dann Auftritte in Südkorea und Italien, weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Schon als Wulff noch Bundespräsident war, wurde die Einladung nach Heidelberg ausgesprochen. „Eine einmal ausgesprochene Einladung gilt“, sagt Johannes Heil, Prorektor der Hochschule für Jüdische Studien, die die Heidelberger Hochschulreden veranstaltet. Und er erinnert daran, dass Wulff Träger des Leo-Baeck-Preises 2011 des Zentralrates der Juden ist.

Nach dem etwa 45-minütigen Vortrag von Wulff hat erst einmal kein Zuhörer eine Frage. Als dann doch noch jemand etwas zum Betreuungsgeld wissen will, blockt Wulff weitestgehend ab. Er wolle auch nach seinem Rückzug als Präsident „staatspolitisch verantwortlich agieren“ und nicht die Tagespolitik kommentieren, sagt er. Ansonsten befinde er sich noch „in der Lernphase als verhältnismäßig junger Alt-Präsident“.

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff in Heidelberg in der Aula der Universität. Quelle: dpa

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff in Heidelberg in der Aula der Universität.

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14 Kommentare zu "Vortrag: Alt-Bundespräsident Wulff meldet sich zurück"

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  • Wulff verhinderte sogar Integration!

    Als Beleg für seine angeblich integrative Einstellung führt Wulff an, dass er 2010 die türkischstämmige Juristin Aygül Özkan in sein niedersächsisches Kabinett geholt habe.
    Er verschweigt jedoch, dass jene kurz vor ihrer Ernennung zur Sozialministerin völlig grundgesetz- und menschenrechtskonform erklärt hatte: "Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen." - und dass er sie daraufhin höchst verärgert so massiv bearbeitet hatte, dass er danach paradoxerweise bekannt gab, dass Frau Özkan sich jene von ihr kurz zuvor (mit vollem Recht) noch sehr kritisierten Kreuze sogar wünsche.
    Wulff sollte sich endlich für sein skandalöses Verhalten entschuldigen und erklären, dass bei der sehr multiweltanschaulichen Gesellschaft in Deutschland selbstverständlich nur die vom Bundesverfassungsgericht seit langem und wiederholt geforderte „Weltanschauungsneutralität“ die notwendige Integration bewirken kann; was bedeutet, dass keine nichtreligiöse oder religiöse Weltanschauung bevorzugt werden darf (z.B. durch Kreuze an öffentlichen Schulen).

  • Wulff das perfekte Spiegelbild der deutschen Politik!

    MenschgewordenesBrechmittel

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @Kes
    Wulff hat zur Euro-Krise klare Worte gefunden. Es war zu befürchten, dass er die Rettungsgelder nicht durchwinkt, und die diesbezüglichen Verträge nicht unterschreibt.

    Auszüge seiner Reden:
    „Dem Finanzsektor und den Banken eilte man zu Hilfe – mit Geld der Steuerzahler, Staatsgarantien und massiven monetären Transfusionen durch die Notenbanken…. Doch immer noch ist der Bankensektor labil, sind die Staatsschulden in den größten Volkswirtschaften auf Rekordniveau und die fundamentalen Probleme für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit so präsent wie zuvor.“

    „….Politik mit ungedeckten Wechseln auf die Zukunft ist an ihr Ende gekommen. Was vermeintlich immer gut ging – neue Schulden zu machen -, geht eben nicht ewig gut. Es muss ein Ende haben, sich an der jungen Generation zu versündigen.“

    „Erst haben einzelne Banken andere Banken gerettet, dann haben Staaten vor allem ihre Banken gerettet, jetzt rettet die Staatengemeinschaft einzelne Staaten. Da ist die Frage nicht unbillig: Wer rettet aber am Ende die Retter? Wann werden aufgelaufene Defizite auf wen verteilt beziehungsweise von wem getragen?“

    „Die Finanzkrise hat die Finanz- und auch die Geldpolitik bis an die Grenze ihrer Möglichkeiten gebracht. Machen wir uns nichts vor: Eine so umfangreiche konzertierte Rettungsaktion ist nicht wiederholbar. Die Steuerzahler werden nicht noch einmal bereit und in der Lage sein, einen solchen Kraftakt zu schultern.“

    „.. ich halte den massiven Aufkauf von Anleihen einzelner Staaten durch die Europäische Zentralbank für politisch und rechtlich bedenklich. Artikel 123 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union verbietet der EZB den unmittelbaren Erwerb von Schuldtiteln, um ihre Unabhängigkeit zu sichern. Dieses Verbot ergibt nur dann Sinn, wenn die Verantwortlichen es nicht durch umfangreiche Aufkäufe am Sekundärmarkt umgehen. Der indirekte Kauf von Staatsanleihen ist im Übrigen auch noch teuerer

  • Primär geht es erst mal darum, dass in Städten wie Berlin oder Köln die kriminellen arabischen und türkischen Männer konsequent abgeschoben werden. Wenn die weg sind, erst dann kann man über Integration der übrigen Ausländer sprechen.

  • Mein Gott wie peinlich …
    Ich dachte schon sein Abgang war das krönende Ende.
    Aber weit gefehlt, es geht immer noch penetranter, noch widerlicher.
    Politiker sind einfach unschlagbar geschmacklos!
    Nicht nur weil der Wulff peinlich ist,
    sondern weil die ganze Polit-Bagage das mitträgt!

  • Nach der Meldung heute Morgen, in der sich Frau Merkel selbst feiert (Eigenlob stinkt bekanntlich), war nicht mehr anzunehmen, dass es heute noch toller kommt.

    Jetzt meldet sich einer aus der Versenkung zurück und redet etwas über bessere Ausländerintegration.

    Ja, wieviel Verständnis und Toleranz wird denn Bitteschön noch gewünscht von unseren Volksvertretern, die ohnehin schon mehr die Interessen von Ausländern vertreten, als die ihrer Landsleute.

    Selten war man der deutschen Politik so überdrüssig, wie im Jahre 2012.

    Ich will gar nicht wissen, was uns im nächsten Jahr noch alles bevorsteht. Dann haben wir ohnehin die Unglückszahl als Jahresdatum.



  • O-Ton Wulff
    -------------------
    Er wolle auch nach seinem Rückzug als Präsident „staatspolitisch verantwortlich agieren“
    -------------------

    Staatspolitisch verantwortlich wäre es vielleicht den Steuerzahler nicht so schamlos abzuzocken.

    ...


    Wulff - Pfui Teufel!

  • Ehrensöldner Wulff - bei der "Hochschule für jüdische Studien".

    Mit frommem Intergrationsgewäsch.

    Hübsch ausgedacht.

    Und übel riechend.

  • Da tun Sie KES unrecht. Wulff hatte sich in seiner Lindauer Rede Ende August tatsächlich gegen die Praxis der Rettungsschirme ausgesprochen. Natürlich nicht aus innerer Überzeugung oder aus besserem Wissen heraus, sondern weil ihm sein Spiritus Rector Glaeseker dazu riet. Der Grund: Glaeseker wollte wohl dem blassen Wulff ein präsidiales Thema verschaffen, an dem dieser wachsen konnte.
    Doch da hatten Wulff und Glaeseker natürlich die Rechnung ohne den Wirt, sprich DEM System gemacht. Und schon war er im Visier von Springer und Bertelsmann-Presse

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