Vorwahlen in Frankreich Französische Sozialisten auf Linkskurs

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„Die Bewegung der Sozialisten ist tot“

Kompliziert für das linke Spektrum in Frankreich ist allerdings, dass sich zwei Kandidaten dieser politischen Ausrichtung nicht an der Vorwahl der Sozialisten beteiligen wollten. Der ehemalige Wirtschaftsminister Emmanuel Macron geht mit seiner eigenen politischen Organisation „En Marche“ ins Rennen und gilt als großer Hoffnungsträger. Der erst 39-jährige Newcomer steht für eine sozialliberale Politik, setzt sich für ein starkes Europa ein und ist politisch weiter zur Mitte hin angesiedelt.

Wurde er anfangs als „schnell verglühender Komet“ bezeichnet, konnte er sich in den Umfragen zuletzt immer als der dritte Mann hinter Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National und dem Republikaner Fillon behaupten und seine Wahlkampfveranstaltungen überall in Frankreich sind bestens besucht. Macron hat stark im Lager der Sozialisten gewildert, er muss aber auch noch Stimmen von Le Pen und den Konservativen erobern. Eins gilt in Frankreich seit längerer Zeit als so gut wie sicher: Le Pen ist für die Stichwahl am 7. Mai gut aufgestellt.

Mélenchon, der bisher Viertplatzierte der Umfragen, lag noch vor allen Sozialisten, die nur auf Platz fünf kamen und ist im Gegensatz zu Macron Europaskeptiker und kein Deutschlandfreund. Sowohl für ihn als auch für Macron ist die Wahl der Sozialisten ausschlaggebend. Sollte Hamon vom linken Rand Kandidat werden, wäre es schwerer für Mélenchon diese Wählerschicht hinter sich zu sammeln. Umgekehrt hätte es Macron schwerer, wenn sich Valls durchsetzen würde, weil der weiter zur Mitte hin angesiedelt ist. Macron könnte sich freuen, wenn Hamon gewinnen würde, denn gegenüber diesem, klingt sein Programm realistisch. Schon jetzt heißt es, zahlreiche Sozialisten liebäugeln damit, zum aussichtsreichen Macron überzulaufen. Mit Ségolène Royal jedenfalls, der Ex-Lebenspartnerin von François Hollande, die inoffiziell als eine der wichtigsten Präsidenten-Beraterinnen gilt, pflegt er schon eifrig Kontakt.

Mélenchon, selbst ehemaliger Sozialist, erklärte die Bewegung der Sozialisten im Wahlkampf schon als „tot“. Auch wenn das reichlich vernichtend klingt, ganz Unrecht hat er nicht mit seiner Einschätzung. Denn die Sozialisten wurden zwischen den verschiedenen Strömungen innerhalb der Partei - zwischen rechts und links - zerrieben.

Hollande und Valls haben Gesetze wie das umstrittene Arbeitsgesetz mit einer Sonderregelung durchs Parlament geboxt, um die Abstimmung zu umgehen. Auch in der eigenen Partei gab es für viele Reformen nicht die ausreichende Mehrheit. So schlecht aufgestellt waren die Sozialisten in den vergangenen Jahrzehnten noch nie. Die Ära Hollande ist vorbei. Dieser war in Chile und beteiligte sich nicht einmal an der Wahl, betonte aber, dass er sich „für das politische Leben in Frankreich“ weiter interessiert.

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1 Kommentar zu "Vorwahlen in Frankreich: Französische Sozialisten auf Linkskurs"

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  • Auf der einen Seite ist es schon erschreckend, wie untentschlossen und schwammig diese Sozialisten daherkommen...aber für den FN von Le Pen freut es mich natürlich. Die Franzosen haben die Nase endgültig voll und es läuft alles auf einen Wahlsieg von Le Pen und ihren FN hinaus.

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