Währungsexperte „Wenn ich die Regierung höre, packt mich die Wut“

Als die Mauer fiel, waren die Wirtschaftsweisen dringend gefragt. Wie lässt sich eine Plan- in eine Marktwirtschaft verwandeln? Der Währungsexperte Rüdiger Pohl war einer von ihnen. Im Handelsblatt-Interview spricht er darüber, wie Kanzler Helmut Kohl mit den Ratschlägen der Ökonomen umging und was er heute anders machen würde.
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Rüdiger Pohl (Archivbild) gehörte von 1986 bis 1994 dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung an. (Bild: privat) Quelle: Pressebild

Rüdiger Pohl (Archivbild) gehörte von 1986 bis 1994 dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung an. (Bild: privat)

(Foto: Pressebild)

Herr Pohl, der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl stand mit dem Projekt "Deutsche Einheit" auch wirtschaftspolitisch vor einer enormen Herausforderung. Was haben Sie ihm damals geraten?

Rüdiger Pohl: Wir haben ihm einen Brandbrief geschrieben, im Februar 1990. Da wurde die Sache ja erst so richtig heiß, weil Ingrid Matthäus-Maier, die damalige finanzpolitische Sprecherin der SPD, auf die absurde Idee kam, die Deutsche Mark in der ehemaligen DDR einzuführen. Daran haben wir Ökonomen als Letztes gedacht.

Warum? Die Ostdeutschen wollten nicht länger für Spielgeld arbeiten.

Pohl: Das Problem der DDR war nicht ihre Währung, sondern ihre Wettbewerbsfähigkeit. Alle Produkte, Möbel, Autos, egal was, gab es in Hülle und Fülle von der neuen Konkurrenz auf den Weltmärkten - in weit besserer Qualität. Ostprodukte wollte keiner mehr, erst recht nicht die Ostdeutschen, die zuvor zehn Jahre auf einen Trabi gewartet hatten.

Das heißt?

Nötig war eine schnelle Preisreform, Preise, die sich an den Kosten orientierten. Stattdessen über Nacht einen festen Wechselkurs einzuführen, war ein großer Fehler. Man weckte bei den Bürgern der DDR die Illusion, mit der Einführung der D-Mark sei der Anschluss an den westdeutschen Lebensstandard hergestellt.

Was nicht der Fall sein konnte?

Bei weitem nicht. In Statistiken stand zwar, die DDR sei die zehntstärkste Volkswirtschaft der Welt. Den tatsächlichen inneren Zustand der Wirtschaft, die unvorstellbare Überschätzung, haben wir erst nach dem Mauerfall entdeckt. Sie fuhr auf Verschleiß. Bei einer so geringen Produktivität war klar, dass die Lohnstückkosten im Osten dramatisch höher als im Westen waren. Das war natürlich keine Empfehlung an Investoren.

Kohl hat nicht auf Sie gehört?

Stimmt, alle Entscheidungen waren geprägt von der Idee, in Ostdeutschland schnellstmöglich das westdeutsche Niveau zu erreichen. Das war der Unterschied zu Polen und der Tschechei - die wollten lediglich, dass es ihnen besser geht als gestern.

Und im Westen waren die Verantwortlichen dem Druck nicht gewachsen, diesem Wunsch zu widersprechen?

Kohl war kein Mann der Wirtschaft, er hat ganz andere Kriterien angewendet. Warum soll eine Rentnerin in Frankfurt an der Oder dafür büßen, dass sie nicht in Frankfurt am Main lebt? Das waren Kohls Argumente, als wir ihn getroffen haben. Als Staatsbürger Pohl hat mir das sehr eingeleuchtet - auch wenn sich der Ökonom in mir aufgeregt hat.

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18 Kommentare zu "Währungsexperte: „Wenn ich die Regierung höre, packt mich die Wut“"

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  • @morchel: inhaltlich kann man nicht auf Sie eingehen. ihr Neandertaler-Deutsch ist einfach nicht zu verstehen. Aber eines habe durch den letzten Satz gelernt: Sie bekennen, arm zu sein. Arm an Geist, möchte man ergänzen. Deswegen habe ich ja durchaus Verständnis für Sie, rein psychologisch.

    P.S. Lernen Sie doch mal zu verstehen, wann man "das", und wann "daß" oder nach der Rechtschreibreform von mir aus auch "dass" schreibt. Dann hätten wir Lektion "1" schon mal hinter uns und können weiter sehen.

  • @ja die vielen rechtschreibereformen fordern ihren tribut.und esperanto soll ja auch im kommen sein.
    Du hast genau deswegen keine ahnung von dem Anschluss der ostgebiete an die bRD - Profit ist schon mal ein armseliger name.nun da schon hochgebildete professoren das nicht einschätzen können,muss du wirklich von dir überzeugt sein,was ich sehe ist eine arroganz die nichts zu tun hat mit wissen und können.eins ist fakt mit schulden und grossmanns sucht hat der deutsche schon einiges angerichtet.gut das es Lafo mit der ungeschminkten wahrheit war,der zu beginn der einverleibung darauf hinwiesss,nun auf profit dein weg der tränen hat erst begonnen mit einen gescheiterten spekulativen Kapitalismus,ist nichts zu lösenprofit auf der einen seite ist armut auf der anderen.das verstehst du doch oder ist es nicht so

  • @morchel: Was will jemand überhaupt "erläutern", der in einem einzigen (!) deutschen Satz, 8 (in Worten: Acht!) Fehler fabriziert. ich glaube, Sie sind bei der blöd-Zeitung besser aufgehoben.

  • Hallo,
    @Peter Scholz
    -kurze Antwort: nein, natürlich nicht.....
    und - der 9] opsat hat natürlich recht--
    Zitat: Wenn man auf einen beitrag antwortet heißt das meist das man ihn zumindest für voll nimmt. Meist.
    --
    Stimmt-so ist es-ein bisschen Spass darf ja sein, lese eure beiträge ja immer. Aber die DDR wollte ich nicht näher kommentieren, keine Lust darauf. Dazu ist hier von euch schon alles gesagt. Mehr Frust als Lust mit der Geschichte.

  • @Profit ich versicher dir du hast keine ahnung,und es wäre verschenkte zeit dir das zu erläutern.

  • Nun ja, was Herr Pohl (und auch andere) so sagt, ist das Eine. Das Andere und in der Tat Wichtige war, daß der bundeskanzler keine Zeit hatte und die beitrittslösung zum Währungsgebiet der DM die schnellste war. Nachdem Kohl über die US-Regierung von der durch die CiA gemeldete komplizierte Lage im Kreml, speziell zu Gorbatschows wackeliger Situation, vertraulich auf Weisung von Reagan informiert worden war, gab er Gas und machte Tempo. Sein 10-Punkte-Programm gab das Startsignal. Dann mußte (!) es ganz schnell gehen, Und es hat geklappt, bevor die Gorbatschow-Gegner es verhindern konnten, wie es ihre Absicht war. Also: das Gerede von dies und das war und ist angesichts des kleinen historischen Fensters, welches sich schon wieder zu schließen begann, unnötig sowie ohne Sinn. Kohls Verdienst um die Einheit ist ungeschmälert - wie auch das seiner engen Mitarbeiter.

  • Erschütterung kommt meist danach.
    Nach 20 Jahren war ich mal wieder in berlin. Die Heimfahrt nach bayern mit der Db hat massenweise Widersprüche in mir ausgelöst. Man fährt in der Horizontalen durch Wiesen, Wälder und Städte. Was sieht man? brachliegende Äcker mit verwahrlosten LPG-Anlagen. Man kommt in Städte und sieht reihenweise abbruchreife Fassaden, verwahrloste Eisenbahnanlagen, Müll und Unrat überall. industriekomplexe die zum Abriss eines Tages freigegeben werden müssen. Dörfer mit Häusern, bei denen jedes zweite Haus nach einem Anstrich schreit. Und da spricht der Altkanzler von Fortschritt und blühenden Landschaften. Für 1,6 billionen Transferleistunge, hätte ich etwas anderes erwartet. Wo ist das Geld nur geblieben. in unergründlichen Töpfen aus dem Reichtum und Luxus weniger Obrigkeiten in der ehemaligen DDR entstanden ist. Arme bRD mit einer FDJ-Sekretärin als Kanzlerin.

  • Jeder, aber wirklich jeder, der als West-Deutscher in den Jahren 1990/91 "Drüben" ein Geschäft aufgebaut hat, indem er eine Schrottbude von der Treuhand für 1 DM aus der "Konkursmasse DDR" gekauft hat, kann sich in die damalige Situation auch heute noch sehr präzise hineinversetzen, viel besser als der schlauste Professor. Die Wettbewerbsfähigkeit der meisten industriebetriebe war gleich null, insbesondere nach dem Zusammenbruch des Comecon. Die belegschaft war zumeist um den Faktor 5-10 zu hoch. Die Leute wurden von der SED in den betrieben belassen, hatten vielfach außer Agitation aber nichts zu tun! Es gab aber auch jede Menge fähige Leute auf der 2. und 3. Ebene, insbesondere ingenieure und Naturwissenschaftler und bestimmte Facharbeiter. Und es kam und kommt vor allem auf diese Leute an, wenn sie neue industriestrukturen aufbauen wollen. Diese waren aber zum Anfang nur "Drüben" zu halten, wenn sie eine Perspektive hatten. Das hieß West-Geld und ein Unternehmenskonzept. Ansonsten wären die meisten nach Süddeutschland abgewandert. Und eine Lehre des "Projekts DDR" ist doch: Mit der (einfachen) Arbeiterklasse allein bewirkst Du gar nichts. Arbeiter gibt es in der ganzen Welt wie "Sand am Meer". Es kommt auf technisches, naturwissenschaftliches und marktmäßiges Know-How an. Sowohl Kohl als auch die Treuhand haben es - auch im nachhin - richtig gemacht: Kurz und schmerzvoll. Aber das Ergebnis steht jetzt: Jawohl, "blühende Landschaften". Jeder, der etwas anderes behauptet, hat keine Ahnung. Einzelschicksale gibt es immer und überall. ich bin überzeugt, daß z.b. Sachsen in 10-20 Jahren die meisten West-Länder (insbes. NRW) überholt hat, weil sie die Rezepte bayerns verfolgen. Nochmals: Ein Professor, intelltueller, Journalist, etc kann das damals Geleistete gar nicht vollständig beurteilen. Das können nur die, die neue Produkte brachten und neue Fabriken aufbauten. Fragt nach bei Lothar Späth!

  • [7] M.Gatzke, heißen Sie u.a. auch Siggi40?

  • @Siggi40

    Wenn man auf einen beitrag antwortet heißt das meist das man ihn zumindest für voll nimmt. Meist.
    Hab grad mal zur Sicherheit aus dem Fenster gesehen ob die Paramilitärs wieder unterwegs sind und Wessis nach dem Leben trachten - haben sich wohl mal frei genommen heute...
    Lassen sie sich helfen.
    Und ihre Website - da bin ich nur bis zu der Sache in Sebnitz gekommen. Da haben sie glaube ich auch das traurige Ende vom Lied nicht bekommen.

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