Währungsfonds in der Kritik „Man muss den IWF abschaffen“

Der IWF verknüpft Nothilfen für Krisenländer mit harten Auflagen. Im Fall Griechenlands sei der Schuss aber nach hinten losgegangen, meint FDP-Politiker Schäffler. Er hält den Währungsfonds deshalb für entbehrlich.
Update: 09.08.2013 - 13:19 Uhr 6 Kommentare
Die IWF-Zentrale in Washington: Wegen seiner Kriseneinsätze und seiner Länderbewertungen ist der Fonds ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Quelle: AFP

Die IWF-Zentrale in Washington: Wegen seiner Kriseneinsätze und seiner Länderbewertungen ist der Fonds ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

(Foto: AFP)

BerlinNach Ansicht des Finanzexperten der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, hat sich der Internationale Währungsfonds (IWF) als Institution zur Eindämmung von Finanz- und Wirtschaftskrisen, etwa der europäischen Schuldenkrise, überlebt. „Man muss den IWF abschaffen. Der IWF ist eine Insolvenzverhinderungsbehörde“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. „Er vergibt Kredite an Regierungen, die schlecht gewirtschaftet haben.“ Dadurch setze er „massive Fehlanreize“, die im schlimmsten Fall zur Insolvenzverschleppung führten, wie das Beispiel Griechenland zeige.

Die Troika aus IWF, Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission schätzt, dass Athen nur „begrenzte Fortschritte“ bei der Privatisierung von Staatsbetrieben macht und die Erlöse in diesem Jahr voraussichtlich hinter den Erwartungen zurückblieben. Mit Blick auf diese Bewertung sagte Schäffler: „Jetzt ist für jeden offensichtlich, dass die von Athen verlangten Privatisierungserlöse von Anfang an Luftbuchungen waren, die mit der Realität nichts zu tun hatten. Das hätte gerade die deutsche Regierung mit ihren Erfahrungen aus der Privatisierung der DDR-Kombinate durch die Treuhand wissen müssen.“

Kritisch sieht auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, die Lage Griechenlands. Es sei deutlich, dass die griechische Regierung immer noch nicht in der Lage ist, viele der wichtigen Reformen durchzuführen. Das gelte etwa für die Themen Privatisierung und Steuereinnahmen: „Man wird einige der gesetzten Ziele nicht erreichen.“ Daher rechne er fest mit einem weiteren Schuldenerlass. „Es ist klar, dass Griechenland früher oder später einen weiteren Schuldenschnitt brauchen wird“, sagte der DIW-Präsident. Das Thema komme spätestens zum Jahresende mit der nächsten Finanzierungslücke auf den Tisch. Anders als beim ersten Schuldenschnitt im März 2012 dürften nach Fratzschers Überzeugung dieses Mal auch öffentliche Kreditgeber Geld verlieren: „Denn private Gläubiger gibt es kaum mehr.“

Widerspruch kommt von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), für den ein weiterer Schuldenschnitt für Griechenland kein Thema ist. „Für einen Schuldenschnitt sehe ich keine Notwendigkeit. Ein solcher Schritt würde das gerade neu gewonnene Vertrauen in die Euro-Zone erschüttern und den Reformdruck von den Krisenländern nehmen“, sagte Rösler.

Rösler sieht Besserung der Lage in Griechenland
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6 Kommentare zu "Währungsfonds in der Kritik: „Man muss den IWF abschaffen“"

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  • vielleicht sollte man lieber die nachhaltigen Routineretter abschaffen.

  • Jetzt seien Sie halt nicht so bissig, Vicario.

    Rössler meint es doch nur gut und probiert Mut zu machen. Vielleicht erkennt er ja auch die Situation nicht so eindeutig, da er ja nicht unbedingt ein Schwergewicht mit wirtschaftlichem Fachwissen ist. Wie der Wirtschaftsminister werden konnte, ist mir eigentlich ein Rätsel. Genauso wie bei dem Resort für Arbeit. Zwei so sensible Stellen werden mit Leuten besetzt, die keinen blassen Schimmer von der Materie haben....das in Kombination mit einer Kanzlerin, die Demokratie im 4. Jahrzehnt ihres Lebens zum ersten Mal erfahren durfte und dann wundert man sich, dass es noch so gut geht mit Deutschland.

  • Zitat : Die Lage in Griechenland sei zudem besser als noch vor einem Jahr. „Griechenland hat mit der neuen Regierung erkennbare Fortschritte gemacht“ sagte Rößler.

    - schau mal hier rein, kleines Lieferle :

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/08/griechenland-65-prozent-der-jugendlichen-ohne-arbeit/

    Abwahl des verlogenen Gesocks im September !

    Alternativ wählen !

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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  • Eines muss mal ganz klar festgehalten werden:

    1. Wenn Deutschland jetzt auch anderen Pleitekandidaten zur Seite springt, dann ist der Schuldenschnitt vorprogrammiert.
    Spanien, Portugal, irgendwann Italien. Die sagen doch, warum sollen wir ausgerechnet den Deutschen was zurückzahlen.
    Daher gilt: Wer weiterhin den PIIGS Geld verleiht, verschleudert unsere Ersparniss, Renten, plündert unsere Sozialkassen.....und das nur um internationale Investoren zu entlasten.

    2. Niemand wird in GR oder den andern PIIGS-LÄdnern jemala irgendwelche ernstgemeinte Reformen durchdrücken. Da lachen ja die Hühner!!! Solange die wissen, dass das Geld sowie kommt (DE, EZB; ESM, EU, etc.) solange werden die (Piigs) keine Reformen beschließen. Ganz klar.

    3. Zur Schuldenrückzahlung bzw. zur Schaffung von Vertrauen müssten diese Länder den Investoren signalisieren, dass sie das eigene Vermögen heranziehen (Vermögen der Bürger), um die Schulden zurückzuzahlen. Stattdessen sind bereits parallele Märkte in diesen Staaten entstanden (Schwarzmarkt, und Parallelwährungssysteme), die verhindern, dass Steuern bezahlt werden.

    Am Ende hilft nur die Rückkehr zum No-Bail-Out-Prinzip!!! Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Doch: Den Austritt DEs aus dem Euro.

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