Waffenrecht In der Schweiz ist fast alles erlaubt

Die gesetzlichen Vorschriften sind in den Europas Ländern sehr unterschiedlich. Besonders rigide sind die Briten, die Eidgenossen außergewöhnlich liberal. Verschärft werden die Gesetze häufig erst nach Amokläufen.
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Das Waffenrecht regelt, wer eine Flinte besitzen darf. Quelle: dpa

Das Waffenrecht regelt, wer eine Flinte besitzen darf.

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DüsseldorfDas Waffenrecht regelt Herstellung, Kauf und Privatbesitz von Waffen und Munition. Ziel ist es, Menschen vor Gewalt schützen. In Deutschland wurden die Regelungen nach dem Amoklauf von Winnenden im März 2009 verschärft. Waffenbesitzer müssen seitdem mit verdachtsunabhängigen Kontrollen rechnen. Zudem drohen härtere Strafen, wenn sie ihre Waffen nicht vorschriftsmäßig aufbewahren. Doch wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus?

GROSSBRITANNIEN

Auf der Insel gibt es eines der schärfsten Waffengesetze der Welt. Seit 1997 sind Schusswaffen aus dem Privatbesitz praktisch vollkommen verbannt – obwohl das Tragen einer Waffe auf der Insel hundert Jahre vorher noch vergleichsweise üblich war. Traditionell tragen heute nicht einmal Polizisten Schusswaffen – es sei denn, sie haben eine spezielle Ausbildung. Das Verbot führt sogar dazu, dass sich die britischen Sportschützen auf Wettkämpfe nur in wenigen lizenzierten Trainingsanlagen vorbereiten dürfen. Seit 2007 wurde der Verkauf von Luftdruck-Waffen und Waffen-Attrappen drastisch eingeschränkt. Das scheint sich auszuzahlen: Großbritannien gehört zu den Ländern mit den geringsten Todesfällen durch Schusswaffen weltweit.

SCHWEIZ

Obwohl Waffenmissbrauch auch in der Schweiz ein Problem ist, ist das Waffenrecht der Eidgenossen immer noch eines der liberalsten der Welt. Abgesehen davon, dass Armeeangehörige ihre Dienstwaffe üblicherweise zu Hause aufbewahren, sind Kauf und Besitz von Waffen und Munition jedem Bürger gestattet. Seit 2008 müssen Waffenbesitzer allerdings amtliche Bewilligungen haben, vorher genügte der Nachweis eines Kaufvertrags. 2010 wurde ein elektronisches Register zur Erfassung aller Waffenkäufe eingeführt. Weitere Bemühungen um die Verschärfung der Waffenrechts sind bislang gescheitert. In der Schweiz gibt es bei rund acht Millionen Einwohnern etwa 2,5 Millionen legale Waffen, 1,2 Millionen davon kommen vom Militär.

FINNLAND

In dem Land mit 5 Millionen Bürgern sind 1,5 Millionen private Schusswaffen registriert. Bei den Nordeuropäern mit ihrer starken Jagdtradition konnten traditionell auch 15-Jährige legal Waffen erwerben, wenn sie einen „triftigen Grund“ wie die Mitgliedschaft in einem Schützenverein angaben. Nach vier Amokläufen junger Männer mit insgesamt 33 Toten seit dem Jahr 2000 sind die Altersgrenzen für Handfeuerwaffen auf 20 und für Jagdgewehre auf 18 Jahre angehoben worden. Auch die Bedingungen zur Ausstellung von Waffenlizenzen wurden verschärft. Sie gelten auch nur noch fünf Jahre und müssen dann neu beantragt werden.

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9 Kommentare zu "Waffenrecht: In der Schweiz ist fast alles erlaubt"

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  • HA von wegen England ist Waffenfrei...
    Ja die Kurzwafen sind aus den Privathaushalten verbannt worden. Aber selbst 8 jährige dürfen mit der Schrotflinte schiessen. In Deutschland undenkbar. Aber die Waffenverbote in England haben erste Erfolge vorzuweisen. Gewalttaten nahmen bis zu 600% zu. Muslime verbannen nicht Muslime aus ihren "Islamaereas". Na wenn das kein Erfolg ist!

  • In der Schweiz ist zwar das Waffenrecht deutlich liberaler, aber es gibt auch eine sehr interessante - und für Deutschland völlig undenkbare - Regelung im Waffengesetz:

    Artikel 12 Verordnung über Waffen, Waffenzubehör und Munition

    1 Der Erwerb, der Besitz, das Anbieten, das Vermitteln und die Übertragung von Waffen, wesentlichen oder besonders konstruierten Waffenbestandteilen, Waffenzubehör, Munition und Munitionsbestandteilen sowie das Tragen von Waffen und das Schiessen mit Feuerwaffen sind Angehörigen folgender Staaten verboten:

    a. Serbien;
    b. Kroatien;
    c. Bosnien und Herzegowina;
    d. Kosovo;
    e. Montenegro;
    f. Mazedonien;
    g.Türkei;
    h. Sri Lanka;
    i. Algerien;
    j. Albanien.

    http://www.admin.ch/ch/d/sr/514_541/a12.html

  • "»Ein Staat ist nur immer so frei wie sein Waffengesetz«
    -Gustav Heinemann (deutscher SPD-(!)-Bundespräsident 1899 – 1976)

    "Es lief´re seine Waffen aus
    Ein jeder bei dem Gildenhaus.
    Wer auf der Strasse räsoniert
    Wird unverzüglich füsiliert.
    Vertrauet Eurem Magistrat,
    Der fromm und liebend schützt den Staat
    Euch ziemt es, stets das Maul zu halten!"

    (H.Heine, 1854)

    -Tja, da bin ich doch froh, in der liberalen Schweiz mit funktionierender Demokratie und Milizsystem zu leben..

  • Wer eine seriöse Debatte zum Thema führen will, sollte sich etwa der Frage zuwenden, weshalb es in Ländern mit liberalem Waffenrecht und hoher Privatwaffendichte wie Israel und der Schweiz niemals „Amokläufe“ wie jenen in Newtown gibt. Es wäre auch interessant, von denen, die jetzt wie einige „liberale“ US-Senatoren „halbautomatische Gewehre“ verbieten wollen, zu erfahren, weshalb es in der Schweiz, wo bekanntlich Zehntausende vollautomatische Sturmgewehre als Bereitschaftswaffen militärischer Reservisten in privaten Schränken stehen, niemals zu Massakern kommt. Außerdem wäre zu klären, weshalb in Großbritannien die Schusswaffenkriminalität seit dem Totalwaffenverbot, das nach dem Massaker in Dunblane vom Blair-Regime verhängt wurde, nicht ab-, sondern zugenommen hat. Offensichtlich korreliert die legale Verfügbarkeit von Schusswaffen eben nicht positiv mit der Gewaltkriminalität. Hürden zu errichten, um den legalen Zugang zu einem von vielen möglichen Tatmitteln zu erschweren oder völlig zu unterbinden, führt augenscheinlich nicht zum versprochenen Erfolg. Auch ist darüber nachzudenken, weshalb derlei Untaten so gut wie immer in „waffenfreien Zonen“ passieren, die ja angeblich mehr Sicherheit bringen sollen, aber niemals auf Schießständen, wo jeder bewaffnet ist.

  • Komisch ist nur, dass die englische Polizei eine bessere Bewaffnung fordert. Ein Schelm, wer dabei böses denkt:

    Police chiefs want the same state-of-the-art assault rifles used by our soldiers to help counter terror threat

    Read more: http://www.dailymail.co.uk/news/article-2167491/Police-chiefs-want-state-art-assault-rifles-used-soldiers-help-counter-terror-threat.html#ixzz2IFiJbvj9
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  • Wieso verschweigen Sie, dass England eine deutlich höhere Mordrate als die Schweiz oder Finnland hat? Die Rate für Gewaltverbrechen in England ist sogar höher als in den USA. Nur weil die Rate der Schusswaffenopfer gering isr, heisst das nicht dass die Mordrate auch gering ist. Dieser Bericht soll Stimmung gegen Waffenbesitz machen indem er sich Zahlen dreht bis sie scheinbar passend wirken.

  • Bei der auf dem Bild gezeigten Waffe handelt es sich um eine Bock-Büchs-Flinte. Ein gezogener Kugellauf, ein Schrotlauf.

  • Tut mir Leid, aber ins besondere bezüglich des Absatzes über die britischen Verhältnisse sollten Sie besser noch einmal recherchieren. Erst einmal sind die Todesfälle durch Schusswaffen bei weitem nicht die einzige Kriminalitätsrate, die durch Waffengesetze beeinflussbar sind, und zweitens sollte man immer den Vorher/Nachher-Vergleich durchführen, da es neben Waffengesetzen auch noch weitere Faktoren gibt, die einen Einfluss auf Kriminalitätsraten haben. Damit wir nicht Äppel mit Birnen vergleichen, sollten wir uns also darauf konzentrieren, ob es im Zeitraum der Einführung eines Waffengesetzes statistisch auffällige Sprünge in Gewalttaten/Morden/Einbrüchen gibt. Gab es. Aber die Recherche überlasse ich nun Ihnen.

  • In der Schweiz ist auch DAS VOLK noch der Staat...in Germany arbeitet Staat gegen Volk und zwar in allen Bereichen.

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