Wagenknecht und Gauweiler Eine Linke begeistert die Konservativen

Nach der Wahl steht Griechenland erneut am Pranger. Die Vorzeige-Linke Sahra Wagenknecht bricht trotzdem eine Lanze für die Griechen - und erntet unerwarteten Applaus aus dem konservativen Lager von Peter Gauweiler.
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Sahra Wagenknecht. Quelle: Reuters

Sahra Wagenknecht.

(Foto: Reuters)

BerlinEigentlich sollte die Veranstaltung einzig dem (fast) neuen Buch von Sahra Wagenknecht gewidmet sein. Doch das „Standardwerk der Kapitalismuskritik“, wie es der Campus-Verleger Thomas Carl Schwoerer bezeichnete, war am Dienstagabend im Palais der Kulturbrauerei im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg allenfalls Beiwerk einer skurrilen Euro-Diskussion zwischen zwei Persönlichkeiten, die von ihrer Herkunft her unterschiedlicher nicht sein können. Die Vorzeige-Linke Wagenknecht stellte sich mit ihren Thesen dem CSU-Rebellen Peter Gauweiler.

Doch das der in gewohnt zünftig-bayrischem Zwirn gekleidete Bundestagsabgeordnete zunächst gar nichts zu dem Buch mit dem systembrechenden Titel „Freiheit statt Kapitalismus“ sagen konnte, lag am Moderator des Gesprächs. Kein Geringerer als der Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Frank Schirrmacher, gab sich die Ehre, den Ton an- und vorzugeben. Ihm war es ein großes Anliegen, ein großes Thema aufzugreifen, das ganz Europa umtreibt – die Griechenland-Krise.

Die Steilvorlage nahmen die Diskutanten gerne auf. Und beide, Wagenknecht wie Gauweiler, waren sich in der Analyse der Hellas-Problematik überraschend einig. Vielleicht lag es daran, dass der CSU-Politiker das Wagenknecht-Buch über den grünen Klee lobte, wie sich später zeigen sollte. Oder vielleicht lag es daran, dass die Linkspartei-Vizevorsitzende Gauweilers offen gezeigte Sympathie für ihre radikalen ökonomischen Gedanken mit einem dauerverschmitzten Lächeln zur Kenntnis nahm. Jedenfalls harmonierten die beiden ganz gut auf dem Podium und wetterten unisono gegen gierige Banker und handlungsunfähige Staaten. Vor allem aber gegen Staaten, die den Griechen Lasten aufbürden, die sie im Leben nicht stemmen können.

Da blieben die altbekannten Wagenknecht-Reflexe natürlich nicht aus. Die Ursachen der Griechen-Misere sieht sie in „falsch konstruierten“ Rettungspaketen, mit denen ein Staatsbankrott nicht aufzuhalten sei. Am Ende werde nicht nur das griechische Volk bluten müssen, sondern alle europäischen Steuerzahler. Wagenknechts Lösung ist denn auch so einfach wie radikal: „Ich wünsche mir, dass die Griechen sagen: Das machen wir nicht mehr mit!’“ Sie sollten die „Spardiktate nicht mehr über sich ergehen lassen“. Bei den Zuhörern lösen solche Aufrufe zur Rebellion gegen die Euro-Retter spontanen Applaus aus. Mitdiskutant Gauweiler nimmt die Ausführungen dagegen fast regungslos zur Kenntnis.

So weit wie Wagenknecht will das für seine markigen Sprüche bekannte CSU-Urgestein Gauweiler dann aber doch nicht gehen. Wenngleich seine Art der Griechenland-Lösung nicht weniger radikal daherkommt. Er vergleicht das Dilemma der Griechen mit den Problemen, die einst die Türkei Mitte der 1990er Jahre zu lösen hatte. Damals stand das Land am Bosporus ebenfalls kurz vor der Pleite, es hatte allerdings gegenüber den Griechen einen entscheidenden Vorteil.

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25 Kommentare zu "Wagenknecht und Gauweiler: Eine Linke begeistert die Konservativen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn du auf irgendeine Art und Weise noch in Deutschland Geld verdienst, dann hast du es auch hier zu versteuern, und zwar komplett. Punkt!
    Und wenn du aus D weg bist, was kümmert es dich dann was hier abgeht? Lass doch die Sonne auf deine faule Plauze scheinen auf dem Schöne Mallorca ...

  • Hey, ich lebe nicht mehr in Deutschland, kannst Du mir erklären warum ich für Euch Chaoten und Nixtuer Steuern zahlen soll?
    Du hast ja ein Rad ab!

  • Ich warte auf den Tag, an dem Politiker für den Mist, den Sie bewußt machen, an den Pranger gestellt werden.
    Wer, wie die Griechen ganz Europa betrogen und belogen
    hat, hat unter uns nichts zu suchen.

  • @ margrit117888
    Ihre Unterscheidung macht für mich keinen großen Unterschied in der Aussage, s.u., in so fern habe ich Fr. Wagenknecht schon zugehört.
    Renten: Schauen Sie mal in die Bilanz der Rentenversicherung. Sie werden sehen, dass schon seit langem die Einnahmen aus laufenden Beiträgen die Ausgaben bei weitem nicht mehr decken. Daher ist ein Ausgleich im hohen zweistelligen Mrd.-Bereich aus Steuermitteln nötig. Hr. Schröders Schritt war also völlig notwendig und hätte eigentlich noch stärker ausfallen müssen.

    @ george.orwell
    Ich gebe zu dass meine einleitende Wortwahl etwas heftig ausgefallen ist, aber ich habe tatsächlich die von ihr zitierten Ökonomen in meinem Studium kennengelernt und Fr. Wagenknecht verweist auf diese (einschl. Ludwig Erhard) in – sagen wir mal – grenzwertiger bzw. äußerst kreativer Art und Weise…
    Zu 1) Es geht weniger um ausländische Gelder, sondern dass alle Bürger deutlich über ihre Verhältnisse gelebt haben, also viel mehr ausgegeben haben als erwirtschaftet. Ja, dies wurde z.T auch vom Ausland finanziert.
    2) Warum die 0,1% der Reichsten alle faul sein sollen weiß ich nicht. Wenn Sie dagegen ankreiden, dass es Showstars, Sportler, Musiker und Manager gibt die im Verhältnis zur breiten Bevölkerung viel zu viel verdienen, so bin ich wieder bei Ihnen. Jedoch reicht eine höhere Besteuerung dieser kleinen Gruppe nicht aus um viel zu ändern. Selbst eine Verdoppelung der Steuern auf deren Einkommen (also auf 75-80%) würde in Dt. (selbst ohne Steuerfluchteffekte) nur zu Mehreinnahmen von einem kleinem bis mittleren zweistelligen Mrd.-Betrag führen und damit gerade mal das aktuelle Haushaltsloch decken.
    Zu 3) Entscheidender Punkt: Ich plädiere ja dafür, dass alle ihre Steuern ordentlich bezahlen müssen. Tatsächlich hat es fast keiner gemacht, weder Otto-Normalbürger noch die Superreichen (die nicht einmal tricksen mussten) --> Das ist der Skandal. Die Steuerhöhe war nie das Problem.
    Zu 4) Hier werden wir uns wohl nicht einig…

  • Philosophus
    Das haben Sie offenkundig falsch verstanden.
    Die Partei die Linke ist ja z. B. absolut gegen den ESM
    Nur weil Frau Wagenknecht aus der DDR kommt und zu den Linken gehört, muß sie ja nicht den Sozialismut gut finden. Da haben wir im Bundestag und den anderen Parteien ganz andere alte Kader aus der SED.
    Wußten Sie übrigens, dass Frau W. in der DDR nicht studieren durfte, weil sie eben nicht so ganz auf Linie war?
    Sie hat ihr Studium erst nach Mauerfall aufnehmen können
    Unsere Presse sollte sich lieber mal um die ganzen anderen alten SED-Kader kümmern, die nach Fall der Mauer in unsere Parteien gekommen sind schön nach dem Motte Weil die Mauer gefallen ist, bin ich heute ein lupenreiner Demokrat
    Henrik Broder sprach mal davon, dass es zunehmend eine enorme Verorstung unseres Landes gibt.
    Aber nicht von den Linken sondern von den anderen
    Deken Sie mal drüber nach.
    Die Linke hat sehr pragmatische Kräfte, ich halte sie in Teilen für demokratischer als die anderen Blockparteien im Bundestag.

  • azaziel
    ich stimme Ihnen zu.
    Wir müssen mit unsrem Steuersystem dahin kommen, dass jeder Deutsche, egal wo er lebt, in Deutschland seine Steuern zu entrichten hat.
    Das müssen übrigens die Amerikaner.
    Firmen, die meinen, sie müßten ihren Firmensitz in die Schweiz verlagern, wie z. B. Müller-Milch, hier keine Steuern mehr zahlen, aber beste Geschäfte machen, müßte man auch generell ächten.
    Dann soll Müller-Milch sein Zeug woanders verkaufen, aber nicht bei uns.
    Und wenn Schumacher meint, er müßte unsre Pisten benutzen um im Kreis zu fahren, dann soll er dafür gefälligst zahlen. In die Schweiz abhauen, aber alle Wohltaten von Deutschland haben wollen, zeigt doch schon, was für einen miesen Charakter solche Leute haben.
    Man könnte viel tun, aber unsere Politik will nicht, da sie zu sehr mit der Wirtschaft verbunden ist, das beklagt ja auch Altkanzler Schmidt
    Es muß wieder die strikte Trennung von Polit8k und Wirtschaft her
    Und wir brauchen auch eine Politiker-Haftung. Denn so viele Mist wie in den letzten 15 Jahren von Seite der Politik gegen die Bürger gemacht wurde, kann ja nicht sätndig folgenlos bleiben für diese Herrschaften

  • @joeHB

    Grundsätzlich: Sie leiden offensichtlich unter krankhafter Selbstüberschätzung. Sonst würden Sie sich nicht in der Lage fühlen, die komplexen Ideen von SW mit platten Sätzchen abzubügeln.

    Ich nehme für mich nicht in Anspruch die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, habe aber folgende abweichende Ansichten:

    zu 1.: Richtig dürfte sein, dass zwar ein großer Teil der Griechen von dem billigen ausländischen Geld insoweit profitiert hat als er leben konnte, Reichtümer aufgehäuft dürfte aber nur ein minimaler Teil haben. Inwieweit dieses System der Abhängigkeit nun tatsächlich im Interesse des Griechischen Volkes lag ist eine gang andere Frage. Die Alternative wäre eine Hilfe zur Selbsthilfe gewesen, die aber der Kapitalistischen Prinzip in Euro widerspricht. Freier Wettbewerb ... der führt eben dazu, dass der Schwächere unterliegt.

    zu 2.: Völliger Quatsch. Der die Gesellschaft wirtschaftlich tragende Mittelstand sind weder in Griechenland noch in Deutschland "die Reichen". Die Reichen sind die faulen, selbstgerechten 0,1%.

    zu 3.: Mag sein, dass die 0,1% ihr Geld "retten". Mag sein, dass dieses Schwarzgeld vielleicht für den griechischen Staat nicht mehr zu retten ist. Aber man kann ein System entwicklen, das künftig eine gerechte Besteuerung sicherstellt.
    zu 4.: Darauf sollte man es ankommen lassen. Wie oben schon erwähnt: Die 0,1% tragen nicht die Leistung der Gesellschaft - im Gegenteil: Sie sind nur Schmarotzer. Was spricht dagegen (ausgeschüttete) Gewinne/Einkommen von über 1 Mio.€/Jahr&Person mit 75% Steuer zu belegen?

  • joeHB
    Es geht hier weniger um die Besteuerung höherer Einkommen, als um die Besteuerung von Einkommensmillionären.
    Wenn Sie Frau Wagenknecht in TV-Sendungen gut zugehört haben, wüßten Sie das.
    Es ist ja bei uns ähnlich.
    Renten wurden von Schröder enorm gekürzt, obwohl sie uns gehören und von uns erwirtschaftet werden und Vermögens-Besteuerung wurde gesenkt.
    Dies kann so nicht weitergehen, wäre übrigns auch nicht im Sinne von Ludwig Erhardt

  • Oldi
    was hat das mit den Piraten zu tun?
    Hier geht es nicht um Piraten.
    Lesen Sie mal den Beitrag genau

  • Also das mit den schwarzen und weißen Mäusen war aber Deng Xiau Ping. Strauss sagte: "Es ist mir egal, wer unter mir Bundeskanzler wird."

    Das wird auch Gauweiler bekannt sein.

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