Wahl-Countdown in Berlin Ohne Inhalt zum Wahlerfolg

Noch fünf Tage – dann wird in Berlin gewählt. Für die FDP sieht es zappenduster aus. Dabei ist es gar nicht so schwer, ohne Inhalte und ohne Konzept ins Parlament einzuziehen. Wie das geht, weiß nicht nur Klaus Wowereit.
6 Kommentare
Ohne Lösungsangebote zum Erfolg: Ein Wahlplakat der Piratenpartei im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Quelle: dpa

Ohne Lösungsangebote zum Erfolg: Ein Wahlplakat der Piratenpartei im Berliner Stadtteil Friedrichshain.

(Foto: dpa)

BerlinDer Berliner Wahlkampf treibt so manch seltsame Blüte. Dass die FDP als brauchbare Partei ausgedient hat und kaum noch mit ihren politischen Ideen bei den Wählern durchdringt, ist nicht überraschend. Wenn die Bundespartei schon alles falsch macht, warum sollte es dann der Landespartei besser gehen.

Überraschend ist allerdings, was derzeit einer anderen Partei gelingt: Die Piratenpartei ist auf gutem Weg, ins Berliner Abgeordnetenhaus einzuziehen, obwohl sie inhaltlich so gut wie nichts zu bieten hat. Das räumt sie sogar offen ein. „Wir haben keine Lösungen“, meint Christoph Lauer, Direktkandidat der Piratenpartei im Szenebezirk Prenzlauer Berg, auf eine entsprechende Nachfrage im Leserforum der „Berliner Zeitung“. „Aber aufgrund unserer Sozialisation mit dem Internet haben wir Ideen, wie Dinge zu lösen sind.“

Konkreter wird der Kandidat allerdings nicht – und er kann auch nicht sagen, wie die Forderung seiner Partei nach öffentlichem Nahverkehr zum Nulltarif finanziert werden soll. Er entlarvt sich wenig später sogar selbst, als er sagt: „Wir sind noch auf Vorschläge angewiesen.“ Und: Es sei einfach eine Frage des Vertrauens, dass seine Partei die Zeit im Parlament auch nutzt. Deutlicher kann man eigentlich der Wählerschaft nicht vermitteln, sie solle  doch besser eine andere Partei wählen. Doch das Gegenteil ist der Fall. In den jüngsten Umfragen rangieren die Piraten bei bis zu 6,5 Prozent und haben im Gegensatz zu FDP (zwischen drei und vier Prozent) die besten Chancen auf einen Einzug ins Abgeordnetenhaus.

Woran das liegt? Möglicherweise haben die Piraten ein Stück weit vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gelernt, ohne es zu merken. Der schwimmt schon seit zwei Amtszeiten auf der Sympathiewelle und aller Wahrscheinlichkeit am Sonntag auf diese Weise auch wieder schnurstracks ins Rot Rathaus. Eine Besucherin des Leserforums der „Berliner Zeitung“ gibt denn auch zu, dass sie kein Argument für die Piraten habe, „außer meine Sympathie“.

Überraschung bei den Grünen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Wahl-Countdown in Berlin - Ohne Inhalt zum Wahlerfolg

6 Kommentare zu "Wahl-Countdown in Berlin: Ohne Inhalt zum Wahlerfolg"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • war ja klar: Dass die Einheitsblockparteien zusammen mit Ihren Handlangern in den gleichgeschalteten MainStreamMedien alles verreißen, das sich nicht von ihnen korrumpieren lässt. Ich wünsch den Piraten viel Glück.
    Sie stehen für einen neuen Politik-Stil weg von sozialistisch bevormundender Schaudemokratie hin zu Bürgerrechten, Freiheit, Bürgerbeteiligung.
    Kann natürlich allen Etablierten, die uns die letzten 60 Jahre belogen und ausgesaugt haben, nicht recht sein.

  • "inhaltlich so gut wie nichts zu bieten" Das ist natürlich genauso Unsinn wie der Spruch von der angeblichen "Ein-Themen-Partei".

    Wer sich wirklich seriös ein Bild machen will, der schaue sich mal das Grundsatzprogramm und das Wahlprogramm an.

    Darüberhinaus berühren die Kernthemen der Piratenpartei, "freies Wissen" / Transparenz, Datenschutz und mehr Demokratie natürlich absolut jeden Bereich in Politik und Wirtschaft.

    Es geht hier auch um einen ganz anderen Politikstil. Die Altparteien haben Ideologien und Experten, die Lösungen vorgeben.
    Die Piraten dagegen wollen die Probleme öffentlich machen und Lösungen im öffentlichen Diskurs erarbeiten. Mit Liquid Feedback", einem Abstimmungstool im Internet kann dann die mehrheitsfähige Lösung ermittelt werden.
    Der Tatsache, dass nicht jeder für alles Experte ist, wird Rechnung getragen durch das Prinzip der "Liquid Democracy". Hier können Stimmberechtigte je Themenbereich ihre Stimme delegieren an jemanden, dem sie bei dem Thema besonders vertrauen.

    Zuzugeben, dass man mal etwas nicht weiß und keine Patentlösung für alles hat, zeugt auch von neuem Politikstil, Offenheit und Ehrlichkeit.
    Die Vertreter der Altparteien spulen dagegen ständig nur Phrasen ab, die die Presseabteilung sorgfältig erarbeitet hat, statt auch mal zuzugeben, dass man eben nicht allwissend ist.
    Und der Wähler weiß zu schätzen, wenn er mal einen echten Menschen als Politiker vor sich hat und keinen von der PR-Abteilung ferngesteuerten Phrasenautomaten.

  • Wenn ich das richtig verstehe, behaupten Sie, die Piratenpartei Berlin hätte kein ernstzunehmendes Wahlprogramm und begründen dies mit Aussagen des Spitzenkandidaten. Das greift meiner Meinung nach zu kurz. Denn die PP legt einen sehr großen Wert auf Beteiligung vieler Stakeholder: Mitglieder, Experten, Bürger … und haben ua mit Lequid Feedback technische und methodische Lösungen mit diesem verteiltem Wissen effizient umzugehen.
    Hab ich Sie (Hr Neuerer) denn richtig verstanden?
    Hab ich

  • Also das wichtigste, was die Piratenpartei verkörpert ist die Freiheit, sie tritt gegen die unbegründete Überwachungswut an. Bürgerrechte stehen an erster Stelle, dies bedeutet ebenso Reformen, insbesondere auch im Urheberrecht. Und dies ist kein Inhalt? Eher inhaltsleer kommt mir daher der Artikel vor, da genau diese sehr wichtige Themen sind aber unter den Tisch fallen, Vieles andere ist für die Piraten (noch) eine Randerscheinung, aber man kommt trotzdem mit absolut frischen Ideen daher, die sonst nie einer zu formulieren gewagt hätte, weil man eben solche Vorwürfe der Finanzierung fürchtet. Ohne Visionen geht es nicht voran, das zeigt mir auch der Blick auf ein Zitat einer gewichtigen Person gegen Ende des letzten Jahrhunderts. Ich hoffe auf eine gute Prozentzahl oberhalb der 5, viel Glück Piraten.

  • "...FDP als brauchbare Partei ausgedient hat und kaum noch mit ihren politischen Ideen bei den Wählern durchdringt..."

    Diese Partei hat keine politischen Ideen. Sie ist die verlogenste Partei Deutschlands. Diese Partei muss dringend in der Bedeutungslosigkeit versinken. Das könnte dann auch ein gutes Zeichen für die anderen Parteien sein, die ihre Wählerstimmen durch Wahlversprechen und Lügen abgreifen und dann hinterher alles dafür tun, dass es Bankstern, Konzernbossen und der politischen Klasse in Deutschland gut geht. Ich wähle ab sofort die Partei der Vernunft. Nicht aus Überzeugung. Nur um den etablierten Berufslügnern in Berlin einen zu verbraten.

  • Der Inhalt heisst Party machen und HARTZ4 beziehen. Dafür steht Berlin doch und Herr Wowereit.

    Gay-day feiern und abzocken vom Länder-Finanzausgleich, das findet Wowi klasse !! Greichenland lässt Berlin grüßen.

    Parasitär.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%