Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Bürgermeisterkandidatin Katharina Fegebank

Katharina Fegebank: Spitzenkandidatin der Grünen für die Bürgerschaftswahl in Hamburg

(Foto: dpa)

Wahl Den Grünen geht in Hamburg die Puste aus: Schafft Fegebank noch die Wende?

Endspurt vor der einzigen Landtagswahl in Deutschland 2020: Die Grünen-Politikerin Katharina Fegebank will Erste Bürgermeisterin Hamburgs werden.
19.02.2020 - 11:43 Uhr Kommentieren

Berlin, Hamburg Die Spitzenkandidatin hat sich einen Schal umgeschlungen und eine Mütze aufgesetzt. Es ist kühl und dunkel, Februarabende verbringt man in Hamburg nur draußen, wenn man muss. Die Spitzenkandidatin muss - sie träumt von einem Sieg bei den bevorstehenden Bürgerschaftswahlen in Hamburg.

Also los zum nächsten Mehrparteienhaus, eine Stunde Haustürwahlkampf, so sieht es der Terminkalender vor. „Hallo, wir sind von den Grünen“, sagt sie in die Gegensprechanlage. Die Tür bleibt verschlossen. Zurückhaltung in der Politik wird selten belohnt, erst recht in Wahlkampfzeiten. Als dezenter Hinweis kommt aus ihrer Entourage: „Sag doch mal, dass du Katharina Fegebank bist.“

Katharina Fegebank, 42 Jahre, seit April 2015 Zweite Bürgermeisterin in Hamburg und Wissenschaftssenatorin, will erste Erste Bürgermeisterin der Hansestadt werden. Nach Zählung der Grünen wäre sie die erste Frau nach 199 Männern an der Spitze der Stadt. „Wir spielen auf Angriff, auf Sieg“, sagte Fegebank am Dienstagabend im TV-Duell des Norddeutschen Rundfunks mit Peter Tschentscher, dem Spitzenkandidaten der SPD und Erstem Bürgermeister der Stadt.

Lange Zeit sah es tatsächlich so aus, als ob die Grünen das Kräfteverhältnis umdrehen könnten. In Umfragen zogen die Grünen, bisher Juniorpartner der SPD in Hamburg, mit ihrem Koalitionspartner gleich. Fegebank, aufgeschlossen und selbstbewusst, wurde in den Medien umgarnt, zuletzt wählten die Mitglieder des Deutschen Hochschulverbandes sie zur „Wissenschaftsministerin des Jahres“.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Manch ein Grüner fühlte sich bereits an die Oberbürgermeisterwahl in Hannover im November erinnert: Dort gelang es Grünen-Politiker Belit Onay, die jahrzehntelange Vorherrschaft der SPD zu brechen.

    Der Wahlkampf der Hamburger Grünen ist auf Fegebank zugeschnitten. Nicht das Programm steht im Vordergrund, sondern die Kandidatin. Ihr Name wirkt tatsächlich, jedenfalls an diesem Abend beim Haustürwahlkampf in Hamburg Alsterdorf. Kaum hat sie sich persönlich vorgestellt, ertönt der Summer.

    Erst geht es mit dem Fahrstuhl in den obersten Stock, dann von Tür zur Tür auf jeder Etage. Eine kurze Begrüßung, ein Hinweis auf die Wahl am 23. Februar. 30 Sekunden sollen reichen, sonst lohnt sich der Aufwand nicht, so haben es die Parteistrategen ausgerechnet.

    Auf zehn Begegnungen kommt, rein statistisch betrachtet, nur eine positive Reaktion, da darf man sich nicht festquatschten. Wer nicht zu Hause ist, wird später eine Wahlbroschüre der Grünen am Türgriff vorfinden: Fegebank mit freundlichem Lächeln und ihrem Slogan: „Die Zeit ist jetzt.“

    Fegebank stammt aus Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein. Seit 2015 ist sie Zweite Bürgermeisterin Hamburgs. Quelle: dpa
    Grünen-Spitzenkandidatin Fegebank

    Fegebank stammt aus Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein. Seit 2015 ist sie Zweite Bürgermeisterin Hamburgs.

    (Foto: dpa)

    Die Grünen kündigen den großen Aufbruch an. Fegebank habe „eine gute Chance, das Ding zu gewinnen“, sagte Co-Parteichef Robert Habeck im Januar. Doch auf den letzten Metern droht den Grünen die Puste auszugeben, wieder einmal. Das alte, längst überwunden geglaubte grüne Trauma der Partei kommt wieder hoch. Dass Umfragen mehr versprechen als der eigentliche Wahltag am Ende bringt.

    Dem ZDF-Politbarometer vom vergangenen Freitag zufolge liegt die SPD aktuell mit 37 Prozent als stärkste Kraft mit deutlichem Abstand vor den Grünen, die mit 25 Prozent gehandelt wurden. Die CDU kommt mit weitem Abstand dahinter auf 13 Prozent, die Linke auf acht, die AfD auf sieben. Die FDP muss mit 4,5 Prozent um den Wiedereinzug in die Bürgerschaft bangen.

    Hohe Erwartungen, maues Ergebnis? Das Trauma sitzt tief. Selbst nach der für die Grünen erfolgreichen Europawahl, bei der sie erstmals mehr als 20 Prozent bei einer bundesweiten Wahl verbuchen konnten, waren sie fröhlich, aber beherrscht. „Viel Spaß beim Feiern! Morgen wird wieder gearbeitet“, rief Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Schließlich haben sie schon mehrfach erlebt, wie auf ein grünes Hoch der Absturz folgte.

    Zustimmungswerte können sich schnell drehen und die Grünen scheinen besonders anfällig für Meinungsumschwünge zu sein. Vor allem die Enttäuschung über die Bundestagswahl 2013 hat Spuren hinterlassen. Nach dem Atomdesaster von Fukushima und dem hastigen Ausstieg der Bundesregierung aus der Kernenergie wurden die Grünen schon als neue Volkspartei gefeiert.

    Am Wahlabend folgte dann der Realitätsschock. 8,4 Prozent, über zwei Prozentpunkte weniger als vier Jahre zuvor. Grüne Scheinriesen – mit diesem Label muss sich die Partei seither immer wieder herumschlagen. 

    Doch Fegebank gibt sich unbeirrt: „Die meisten Wahlentscheidungen werden erst jetzt getroffen.“ Vielleicht behält sie recht: Berichte über die Spenden- und Steueraffäre im Zusammenhang mit der Warburg Bank könnten vor allem der dominierenden SPD und Peter Tschentscher Probleme bereiten.

    Der versuchte am Dienstagabend, das Thema abzuräumen und wies erneut jeden Vorwurf der politischen Einflussnahme im Umgang der Finanzämter mit der Warburg Bank zurück. Konkreter wollte er sich wegen des Steuergeheimnisses aber nicht äußern und verwies auf ein laufendes Gerichtsverfahren.

    Die beiden Politiker trafen sich am Dienstag zum TV-Duell. Beide arbeiten im Senat der Stadt seit 2015 eng zusammen. Quelle: Reuters
    Fegebank (links) und Tschentscher

    Die beiden Politiker trafen sich am Dienstag zum TV-Duell. Beide arbeiten im Senat der Stadt seit 2015 eng zusammen.

    (Foto: Reuters)

    Allgemein sagte Tschentscher, er sei sich sehr sicher, dass die Finanzverwaltung stets jedem Euro hinterhergingen. „Seien Sie sicher, ich bin sieben Jahre Finanzsenator gewesen: Unsere Finanzämter, unserer Steuerverwaltung machen das streng nach rechtlichen Gesichtspunkten. Nach Recht und Gesetz fordern sie alles zurück, was zu Unrecht erstattet worden ist.“ Fegebank forderte, das Steuergeheimnis in diesem Fall ein Stück weit aufzuheben. Eine Aufklärung liege im politischen, aber auch im öffentlichen Interesse.

    Und so könnte die Debatte abermals einen neuen Dreh in den Wahlkampf bringen. Fegebank, aber auch die Berliner Parteispitze, versuchen jedenfalls in diesen Tagen, zurück in die Offensive zu kommen. Sowohl Annalena Baerbock als Robert Habeck haben ihren Kalender bis Freitag mit Terminen an der Elbe gefüllt.

    Schließlich wollen die Grünen dringend einen zweiten Regierungschef in den Ländern stellen. Bislang gibt es mit Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg nur einen grünen Ministerpräsidenten, obwohl die Partei in elf Ländern mitregiert und im Bund mittlerweile fast so stark ist wie die CDU. Nach heutigen Umfragen wird an den Grünen bei der nächsten Regierungsbildung kein Weg vorbeiführen. Selbst eine grüne Kanzlerschaft wird nicht mehr als Utopie abgetan.

    Wenn es also nach den Grünen geht, würde Fegebank Regierungschefin Nummer zwei der Grünen - und könnte so beweisen, dass Kretschmann kein Unfall der Geschichte ist, sondern Pionier einer bundesweiten Machtverschiebung. Doch bei all ihrem politischen Talent: Fegebank tut sich schwerer als Kretschmann, unterschiedliche gesellschaftliche Lager anzusprechen.

    Dem heute 71-Jährigen ist es gelungen, große Teile des Bürgertums auf seine Seite zu ziehen. Kretschmann ist geachtet und beliebt – Fegebank dagegen kämpft noch um die Anerkennung, gerade in Hamburgs gehobenen Kreisen werden alte Vorbehalte gepflegt.

    Trotz ihres personellen und inhaltlichen Wandels gelten die Grünen in Teilen des vornehmen Hamburger Westens noch immer als Verbotspartei. Die Abwehrreaktion dieser Wählerschichten bereitet der Parteispitze Sorge, denn die Grünen wollen unter Baerbock und Habeck gerade jene zu sich locken, die sich als Leistungsträger sehen.

    Hamburg: Umfragen zeigen CDU abgeschlagen hinter SPD und Grüne

    Fegebank müht sich, pflegt Kontakte zu Hamburgs Geldadel, kürzlich traf sie sich mit Mitgliedern des Rotary-Clubs. Doch dieser Einsatz nützt ihr bislang nicht allzu viel. Die linksliberale Basis wird misstrauisch, wenn sie zu viel Verständnis für die Bedenken der Großverdiener zeigt, und das Elbchaussee-Klientel wählt lieber SPD, als ein Experiment mit den Grünen zu wagen. „Hamburg ist eine Wirtschaftsmetropole, darauf wird bei den Grünen nicht genügend Rücksicht genommen“, heißt es gern.

    Dabei sind die Zeiten, in denen „alternativ“ der Markenkern der Grünen war und die Wirtschaft als Gegner galt, lange vorbei. Im Wahlkampf spricht Fegebank denn auch nicht nur über ihre Pläne, die Hafenstadt in eine Fahrrad- und Klimastadt zu verwandeln. Mindestens genauso oft liegt die Betonung auf Hamburg als künftige Wissensmetropole und die notwendige Modernisierung des Hafens. „Wir müssen raus aus der Selbstgenügsamkeit und einer gewissen Behäbigkeit“, sagte Fegebank kürzlich dem Handelsblatt.

    Sie weiß aber auch, dass sie einen Wahlkampf um Nuancen führt. Schließlich regiert Fegebank ja schon, nur eben als Zweite, nicht als Erste Bürgermeisterin. Und die SPD in Hamburg ist auf dem Weg, fast so grün werden zu wollen wie das Original. Hamburg habe einen sehr ambitionierten Klimaplan vorgelegt, den er, Tschentscher, quasi erzwungen habe, sagte der Amtsinhaber vergangene Woche im ZDF-Morgenmagazin.

    Weiter so, nur anders – so müsste Fegebanks Slogan eigentlich heißen. Das jedoch ist einigen schon zu viel - und anderen viel zu wenig.

    Mehr: Lesen Sie hier das Interview des Handelsblatts mit Katharina Fegebank.

    Startseite
    Mehr zu: Wahl - Den Grünen geht in Hamburg die Puste aus: Schafft Fegebank noch die Wende?
    0 Kommentare zu "Wahl: Den Grünen geht in Hamburg die Puste aus: Schafft Fegebank noch die Wende?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%