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Wahlanalyse CDU verliert 19.000 Wähler an die Linke – AfD bei Männern unter 60 führend

Die Linke ist erstmals in einem Bundesland stärkste Kraft. Die Partei hat das vor allem Bodo Ramelow zu verdanken. Einige Details aus der Analyse der Forschungsgruppe Wahlen.
27.10.2019 - 22:16 Uhr Kommentieren
Nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen wünschen sich die meisten Thüringer, dass Bodo Ramelow weiter Regierungschef bleibt. Quelle: dpa
Bodo Ramelow (r.)

Nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen wünschen sich die meisten Thüringer, dass Bodo Ramelow weiter Regierungschef bleibt.

(Foto: dpa)

Berlin Die Linke ist bei der Landtagswahl erstmals in einem Bundesland stärkste Kraft geworden. Die Partei landete deutlich vor AfD und CDU, die bei den Landtagswahlen zwischen 1990 bis 2014 stets die meisten Stimmen bekommen hatte. Dieses Mal stürzte sie auf ihr bislang schlechtestes Ergebnis ab.

Ministerpräsident Bodo Ramelow hat dabei nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen die Basis für den historischen Sieg der Linken gelegt. Der Spitzenkandidat der Partei schneide bei Leistungsbilanz und Ansehen deutlich besser ab als CDU-Ministerpräsidenten des Landes vor fünf oder zehn Jahren. Die meisten Thüringer wünschten sich Ramelow weiter als Regierungschef, heißt es in der am Sonntagabend veröffentlichen Analyse des Wahlausgangs.

Die Spitzenkandidaten im direkten Vergleich

Die CDU – wie die SPD ohne bundespolitischen Rückenwind – werde zwar bei Ansehen und politischer Arbeit positiver gesehen als die Linkspartei. Beim Kandidaten und zentralen Themen aber habe sie relative Defizite, analysierte die Forschungsgruppe.

So liegt CDU-Spitzenmann Mike Mohring beim Ansehen mit 0,9 Punkten auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf Punkten klar hinter Ramelow (1,6 Punkte). Dieser werde inzwischen auch im CDU-Lager positiv bewertet.

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    73 Prozent der Thüringer bescheinigten Ramelow gute Arbeit. Im Vergleich der beiden Spitzenkandidaten wollten 53 Prozent den Linkspolitiker als Regierungschef sehen, Mohring kam nur auf 32 Prozent.

    Im Duell zwischen den Spitzenkandidaten der Linkspartei und der AfD seien 72 Prozent für Ramelow und lediglich 14 Prozent für den AfD-Mann Björn Höcke, der selbst die eigenen Reihen nur bedingt überzeuge. Beim Ansehen mit minus 2,6 Punkten tief im Negativbereich, sähen 66 Prozent in Höcke „eine Gefahr für die Demokratie“.

    Das bereits 2014 niedrige Ansehen der thüringischen AfD sei nochmals erheblich gesunken: von minus 1,4 auf minus 2,3 Punkte. Imageverluste sieht die Forschungsgruppe auch bei CDU, SPD und Grünen. Die Linke dagegen schafft einen Bestwert von 0,7 auf 1,1 Punkte.

    Linke überzeugt auch bei Sachthemen

    Dies erkläre sich nicht nur durch das Ansehen Ramelows, sondern auch sachpolitisch: Die Partei erhält bei sozialer Gerechtigkeit viel Zustimmung, und auch beim Topthema „Bildung und Schule“ werde der Partei am meisten zugetraut.

    Für 40 Prozent kümmere sich die Linke am ehesten um die Sorgen und Probleme der Ostdeutschen. Die CDU führe zwar weiter bei der Kompetenz für Wirtschaft und der Schaffung neuer Jobs, verzeichne aber auch hier sichtbare Verluste.

    Während die Linke für 61 Prozent der Befragten Thüringen in den vergangenen fünf Jahren vorangebracht habe, hätten sich die Grünen in der Regierung nicht profilieren können. Dabei spiele auch eine Rolle, dass es für 74 Prozent der Befragten „viel wichtigere Themen als Klimaschutz“ gebe. Bei der SPD, deren Arbeit in der bisherigen rot-rot-grünen Koalition leicht positiv bewertet werde, sehen demnach 67 Prozent den Grund für das schlechte Ergebnis primär bei der Bundespartei.

    AfD-Regierungsverantwortung unerwünscht

    Auch wenn mit dem Erstarken der AfD bisherige Koalitionsmodelle keine Mehrheit mehr fänden, seien 68 Prozent gegen eine Regierungsbeteiligung der AfD. Bei der Linken fänden umgekehrt 51 Prozent und bei der CDU 49 Prozent eine Regierungsverantwortung prinzipiell gut.

    Dass Mohring bislang ein Bündnis mit der Linken ausgeschlossen hat, sehen 59 Prozent aller Thüringer und selbst 47 Prozent der CDU-Anhänger kritisch. Gegenüber einer Minderheitsregierung gebe es große Vorbehalte.

    CDU-Wähler wandern an die Ränder

    Die AfD hat nach Angaben der Forschungsgruppe Wahlen die meisten neuen Wähler aus dem Nichtwähler-Lager erhalten. 37 Prozent der AfD-Wähler hätten 2014 gar nicht gewählt, 15 Prozent die CDU und neun Prozent die Linkspartei, hieß es in der Analyse der Wählerwanderungen.

    Die AfD hat am meisten von den Stimmverlusten der CDU profitiert. So haben etwa 37.000 Wähler, die 2014 noch für die CDU gestimmt haben, an diesem Sonntag bei der AfD ihr Kreuzchen gemacht. Bemerkenswert: 19.000 Wähler sind von der CDU zur Linkspartei gewechselt.

    AfD bei Männern unter 60 führend

    Die AfD ist besonders erfolgreich bei Männern, unter Wählern mit niedrigerer Schulbildung sowie außerhalb der größeren Städte. Bei allen Männern unter 60 wird die AfD mit 32 Prozent klar stärkste Partei.

    In der Generation 60 plus würden jedoch nur 16 Prozent die AfD wählen, die Linke liege bei den Wählern in dieser Altersgruppe zudem weit vor der CDU. Bei den unter 30-Jährigen liegt die CDU nur knapp vor den Grünen.

    Die Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen basieren nach deren Angaben auf einer telefonischen Befragung unter 1628 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Thüringen in der Woche vor der Wahl sowie auf der Befragung von 18.808 Wählern und Wählerinnen am Wahltag.

    Mehr: Die Landtagswahl in Thüringen zeigt: Die etablierten Parteien finden kein Mittel gegen die AfD. Deren rechtsextremer Flügel wird sogar noch gestärkt, kommentiert unser Redakteur Thomas Sigmund.

    • rtr
    • dpa
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