Wahlkampf im ZDF Linke will bei Illner nicht am Katzentisch Platz nehmen

Bei Maybrit Illner nur am Rande, ausgeschlossen vom großen Sitzkreis? Die größte Oppositionsfraktion im Bundestag fühlt sich links liegengelassen. Das lässt sich die Linke nicht bieten und löst ein zähes Hin und Her aus.
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Die Anwesenheit der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD bei der ZDF-Talkrunde „Maybrit Illner spezial“ sorgte für die kurzfristige Absage einer Linken-Politikerin - und für eine öffentliche Diskussion. Quelle: dpa
Beatrix von Storch

Die Anwesenheit der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD bei der ZDF-Talkrunde „Maybrit Illner spezial“ sorgte für die kurzfristige Absage einer Linken-Politikerin - und für eine öffentliche Diskussion.

(Foto: dpa)

BerlinDass die Sitzordnung eine äußerst heikle Sache sein kann, weiß fast jeder, der schon mal eine große Familienfeier ausgerichtet hat. Beweist man als Gastgeber dabei ein glückliches Händchen, hebt das die Stimmung. Kompliziert wird es mit der Platzierung von Geschiedenen, Querulanten und anderen schwierigen Gästen. Die Planer der ZDF-Talkrunde „Maybrit Illner spezial“ bewiesen am Donnerstag bei der Platzierung ihrer Gäste so wenig Geschick, dass eine Politikerin mit großem öffentlichem Tamtam absagte. Schuld war ein extrem schwieriger Gast.

Bei Illner mit von der Partie: AfD-Vizechefin Beatrix von Storch, die immer wieder mit rechtspopulistischen Bemerkungen Empörung auslöst. Doch wer sollte mit der AfD-Ideologin reden? Die Frage beschäftigte Sender und Politik über Stunden - böses Blut kochte hoch.

Mittags machten die Linken im Bundestag ihrem Ärger Luft. Sie verschickten eine Pressemitteilung. Überschrift: „Im Bundestag stärkste Oppositionspartei, bei „Illner-Spezial“ am Katzentisch?“ Der Vorgang, so wie die Linken ihn schilderten: Ihre Migrationsexpertin Sevim Dagdelen sollte mit von Storch in einer Extra-Runde diskutieren. Vom ZDF verweigert werden sollte ihr der Zugang zum Sitzkreis der Talksendung mit SPD (Fraktionschef Thomas Oppermann), CDU (Vizechefin Julia Klöckner), Grünen (Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth) und FDP (Vizechef Wolfgang Kubicki).

So gehen SPD, FDP und Co. auf Stimmenfang
Die Ein-Mann-FDP
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Anders als bei den anderen Parteien, ist das einzige Motiv bei der FDP auf jedem Plakat der Parteivorsitzende Christian Lindner. Er ist auf deutlich mehr als 1000 Großplakaten in ganz NRW zu sehen. Lindner tritt nicht nur im Rheinland, sondern auch für die Bundestagswahlen im September als Spitzenkandidat an. Und die Liberalen setzen wortwörtlich alles auf eine Karte.

#NRWIR-SPD-Slogan
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Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin und SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft und ihre Partei setzen auf den Slogan '#nrwir'. Die Kernthemen sind klar: Familie, Bildung und Wirtschaft.

Der Hund
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Die SPD scheint auf den Hund gekommen. Das ist auch CDU-Konkurrent Armin Laschet aufgefallen. Der kontert mit Sprüchen wie „Die NRW-SPD ist auf den Hund gekommen" und „Wir lassen NRW nicht vor die Hunde gehen“.

Vorwurf gegen die CDU
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Unter den 5 Millionen Euro von der letzten Wahl 2012, sollen die Kosten liegen. Erstmals setzte die Landespartei auch im größeren Umfang auf mobile Plakate - also Kleinlaster, die mit CDU-Botschaften durch NRW fahren. Der Spruch „Zuhören. Entscheiden. Handeln” – lautet allerdings ein Vorwurf der politischen Gegner – gehe auf den SPD-Politiker Gerhard Schröder im niedersächsischen Landtagswahlkampf 1994 zurück. Die CDU weist die Kritik allerdings zurück. Armin Laschet habe den Spruch bereits 1993 verwendet.

Grünen-Kampagne mit Herz
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Leitmotiv für alle Plakate und Aktionen soll das Motto „Zusammen ist es NRW“ sein. Die Grünen wollten „Vielfalt als Merkenzeichen unseres Landes sichern gegen Rechts“, sagte Löhrmann. Mit über 1.000 Plakat-Großflächen soll der Werbeaufwand gegenüber der NRW-Wahl 2010 verfünffacht werden. Angesichts der aktuellen Umfragen, die die Grünen bei sechs Prozent sehen, braucht die Noch-Regierungspartei jede Stimme. Anstatt Menschen, zeigen die Grünen öfter Dinge oder Gegenstände. Zum Beispiel ein Windrad und darunter der Spruch: „Mehr Zukunft. Mehr Arbeit.“

Die Linke zeigt Stärke
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Die Landessprecher der Partei „Die Linke“, Özlem Alev Demirel und Christian Leye, enthüllen in Düsseldorf ein NRW-Wahlplakat, um ihre Kampagne zur Landtagswahl vorzustellen: Die Plakat-Serie mit dem „starken“ Arm zieren unterschiedlichste Wahlbotschaften wie – Zeig Stärke „... gegen sexuelle Belästigung in Wort und Tat“, „... für mehr soziale Gerechtigkeit“ oder auch „... für die Freiheit zu lieben, wen du willst“. Die Kampagne soll unterschiedlichste Menschen „verschiedener sozialer und kultureller Milieus“ zeigen und bei der „Enttäuschung vieler Menschen von „Politiker/innen““ ansetzen.

AfD
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Die AfD wirbt mit ihren üblichen Wahlkampfthemen. Das Plakat mit dem Schriftzug „Rheinische Post: Angekommen im Postfaktischen“, zielt auf die Debatte und die Vorwürfe einer „Lügenpresse“ ab. Ein weiteres Bild zeigt eine alte Frau die Flaschen sammelt, mit der ironischen Aufschrift „Früchte eines arbeitsreichen Lebens“. Die AfD setzt weiterhin auf ihre Strategie, die etablierten Parteien zu kritisieren und sich als Partei „der kleinen Leute“ zu präsentieren.

Die Linken zeigten sich pikiert - und sagten ihre Teilnahme ab. Und zwar nicht ohne die Angelegenheit für einen Seitenhieb gegen SPD und Union zu nutzen: „Ob die große Koalition vor der wichtigen Landtagswahl in NRW inzwischen so nervös ist, dass sie nur mit ihr genehmen Oppositionsparteien diskutieren möchte, oder ob das ZDF die Entscheidung eigenmächtig getroffen hat, wissen wir nicht.“ Diese Ausgrenzung der Linken solle im Wahljahr aber bitte einmalig blieben.

Da stellte sich natürlich die Frage, wer nun mit von Storch reden könnte - oder ob die AfD-Frau nun wegen der Absage der Linken auch nicht mehr mitmachen durfte bei der Sendung „Notruf im Wahljahr“ über Innere Sicherheit in Deutschland. Doch zum Glück zeigte sich die FDP unerschrocken und wollte einspringen.

Wolfgang Kubicki sollte nun ins Duell mit der AfD-Frau. „Er ist gerne bereit, Frau von Storch zu stellen“, sagte Parteisprecher Nils Droste am Nachmittag. Wie hinter den Kulissen zu erfahren war, sollte Kubicki anders als offenbar die Linken-Abgeordnete seinen Platz in der großen Runde in den anderen Teilen der Sendung aber sicher haben. AfD-Sprecher Christian Lüth versicherte, von Storch habe zugesagt beim ZDF. Am späteren Nachmittag teilte ein ZDF-Sprecher mit, Illner selbst werde mit von Storch reden. Die Linke blieb derweil draußen.

Der Sender zeigte sich überrascht vom Rückzug der Linken: „Wir sind verwundert, dass uns die Linke so kurzfristig zu dieser Sendung absagt, obwohl sie seit längerem das Konzept kannte und uns unter dieser Prämisse auch die Teilnahme einer Linken-Politikerin zugesagt hatte.“

So richtig Viel hat die Linke nicht verpasst. Kurz vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gaben sich die versammelten Politiker vor allem gegenseitig die Schuld dafür, dass in den vergangenen Jahren in den Ländern auch Polizeistellen abgebaut worden seien, obwohl man jetzt dringend mehr brauche. Maybrit Illner sagte in dem kurzen Gespräch mit Storch zu der Sache mit der Linken, sie hätten leider kurzfristig abgesagt.

Während die AfD-Frau bekannte Positionen wie mehr Abschiebungen vertrat, kam das einzig Überraschende von einer Islamismus-Expertin, die später noch hinzugezogen wurde. Nina Käsehage sagte: „Sogenannte Gefährder haben in Nordrhein-Westfalen sehr viel mehr Freiheiten als in anderen Bundesländern.“ Man beobachte sogar eine Abwanderung von radikalen Salafisten aus anderen Bundesländern nach NRW.

Eine Aussage, die selbst der streitlustige SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann nicht kommentierte. Und das, obwohl er vorher seinen Parteifreund, den umstrittenen NRW-Innenminister Ralf Jäger, immer wieder gegen Angriffe von CDU-Vize Klöckner in Schutz genommen hatte. Im Streit mit Klöckner gelang Claudia Roth dann noch ein im Publikum beschmunzeltes Bonmot: „Sie sind doch für die Leitkultur, wie wär's denn mal mit Ausreden lassen?“

  • dpa
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2 Kommentare zu "Wahlkampf im ZDF: Linke will bei Illner nicht am Katzentisch Platz nehmen"

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  • Frau von Storch war wohl zum Verhör eingeladen und die Linke sollte wohl die Rolle der Inquisition übernehmen und hat sich dafür aber nicht missbrauchen lassen . Gut erkannt . Haltung kann man auch zeigen , indem man so eine Quasselrunde verlässt oder garnicht erst hingeht.
    Frau Storch , sichtlich nervös , hat sich nicht überrumeln lassen von den kunstvoll gedrechselten Fangfragen der Verhörexpertin Illner , die Mühe hatte ihre "Fragen" abzulesen.

  • Wer gestern die Sendung mit Illner gesehen hat, der muss Angst um Deutschland bekommen. Die Polizistin und die Störchin haben noch als einzige geglänzt, alle anderen haben das gemacht , sich mit gegenseitigen Vorwürfen zu blamieren.

    Der schlimmste und die schlimmste der Gäste waren Oppermann und Roth die tatsächlich
    mehr Polizei forderten und die Grünen wollten ja mal alles abschaffen und zusammen mit der SPD den Pädagogischen Sozialstaat ausrufen.

    Der Steht,

    Bewertung der Gäste : Grausam

    Bewertung Illner ; Weiter so


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