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Wehrdienst Nur jeder Zweite fit für die Bundeswehr

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Darf es aber als realistisch gelten, dass bald jeder zweite Wehrpflichtige nicht mehr für die Landesverteidigung in Frage kommen soll? Kritiker sagen nein. Es gehe vielmehr darum, Wehrpflichtige aus der Statistik herauszurechnen, um den Anschein von Wehrgerechtigkeit zu wahren: „Im europäischen Ausland liegt die Untauglichkeitsquote im Schnitt bei acht bis zwölf Prozent. Warum soll das ausgerechnet in Deutschland anders sein“, heißt es bei der Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer.

Tatsächlich bringt der Wandel der Bundeswehr von einer reinen Verteidigungsarmee zu Zeiten des Kalten Krieges hin zu einer Eingreiftruppe im Kontext internationaler Allianzen andere Anforderungen an die Soldaten mit sich. Zudem werden deutlich weniger Bürger in Uniform benötigt. Für 2010 sehen die Planungen der Bundeswehr eine Personalstärke von 250 000 Soldaten vor; nur etwa jeder fünfte Soldat wird dann noch ein Wehrpflichtiger sein. Die übrigen sind Berufs- und Zeitsoldaten. Während des Kalten Krieges hatte die Sollstärke der Bundeswehr noch bei etwa 495 000 Soldaten gelegen. Derzeit sind es knapp 260 000.

Zufall oder nicht - mit dem nachlassenden Bedarf ist die Zahl der Untauglichen beständig gewachsen, von 16,9 Prozent in 2002 über 32,6 Prozent in 2004 auf 44,9 Prozent in 2007. Maßgeblich dafür: Vor vier Jahren hat der Gesetzgeber die Tauglichkeitskriterien kurzerhand nach oben geschraubt; fortan war T3, die eingeschränkte Tauglichkeit, abgeschafft.

Seitdem lebt die Debatte um die Wehrgerechtigkeit immer wieder auf. Beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe sind seit Ende 2008 zwei Vorgänge anhängig, mit der das Kölner Verwaltungsgericht klarstellen lassen will, ob es zu Recht Einberufungsbescheide zur Bundeswehr mit dem Hinweis auf die bestehende Wehrungerechtigkeit aufgehoben hatte. Eine Entscheidung wird für dieses Jahr nicht mehr erwartet.

Wegen der durchschnittlichen Geburtsjahrgangsgröße mit 430 000 Männern in den nächsten Jahren ist davon auszugehen, dass pro Jahr deutlich mehr als 125 000 davon für den Grundwehrdienst zur Verfügung stehen - doch nur etwa 60 000 kann die Bundeswehr tatsächlich einziehen.

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