Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Weiterer offener Brief Ökonomen-Zoff geht in die nächste Runde

Der Streit unter Deutschlands Ökonomen über die Interpretation der Beschlüsse des EU-Gipfels ebbt nicht ab. Am Freitagabend haben 15 namhafte Wirtschaftswissenschaftler eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht.
54 Kommentare
Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, gehört zu den Unterzeichner des neuesten Ökonomen-Briefs. Quelle: dpa

Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, gehört zu den Unterzeichner des neuesten Ökonomen-Briefs.

(Foto: dpa)

London „Ein gemeinsamer Währungsraum mit freien Kapitalströmen kann ohne eine Europäische Bankenunion nicht sinnvoll funktionieren“, erklären die Unterzeichner, zu denen unter anderem Martin Hellwig (Uni Bonn), Michael Burda (HU Berlin), Dennis Snower (Kiel) und der ehemalige Bundesbank-Vorstand Hans-Helmut Kotz gehören. „Die Beschlüsse auf dem letzten EU Gipfeltreffen gehen deshalb in die richtige Richtung.“

Die gemeinsame Stellungnahme der Forscher ist eine direkte Reaktion auf den am Donnerstag in der FAZ veröffentlichten Aufruf, in dem rund 170 Wirtschaftswissenschaftler heftige Kritik an den Beschlüssen des EU-Gipfels geübt haben. „Die Entscheidungen, zu denen sich die Kanzlerin auf dem Gipfeltreffen der EU-Länder gezwungen sah, waren falsch“, hieß es in dem Text, das Ifo-Chef Hans-Werner Sinn und der Dortmunder Statistiker Walter Krämer initiiert hatten.

Darin wurde behauptet, der „Schritt in die Bankenunion“ bedeute „eine kollektive Haftung für die Schulden der Banken des Eurosystems“, die mehrere Billionen Euro betrügen. In einer Vorabversion des Aufrufs hieß es, unter der Brüsseler Entscheidung würden „unsere Kinder und Enkel werden leiden.“ In letzter Minute strichen die Ökonomen diese Formulierung dann wieder.

Zahlreiche andere Volkswirte, aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble haben diese Sicht zurückgewiesen. „Es geht hier überhaupt nicht um irgendwelche zusätzlichen Haftungen“, betonte die Bundeskanzlerin. Deutschland sei beim EU-Gipfel „keinerlei Verpflichtungen eingegangen ist, die über das hinausgehen, was wir vertraglich bisher vereinbart haben“. Jeder solle sich das Ergebnis des Gipfels genau anschauen und das berichten, was in den Beschlüssen stehe. Bundesfinanzminister Schäuble sagte in einem Radio-Interview: „Finanzwissenschaftler sollten eigentlich mit dem Begriff Bankenschulden verantwortlich umgehen.“ Stattdessen würde eine Verwirrung der Öffentlichkeit betrieben. „Ich finde das empörend.“

Sieben renommierte Fachkollegen um den ehemaligen Chef des Sachverständigenrates, Bert Rürup, haben den Tonfall und Inhalt des Aufrufs der 170 scharf kritisiert. Der in der FAZ veröffentlichte Text enthalten “Behauptungen, fragwürdige Argumente und in eine von nationalen Klischees geprägten Sprache”. Dadurch werde die Öffentlichkeit verunsichert. „Der Aufruf baut ein Schreckgespenst auf und schürt Furcht.“ Dadurch werde „Schaden angerichtet für die politische Gestaltungsfähigkeit wie für das Ansehen unseres Fachs“.

Der zweite, am späten Freitag nachmittag veröffentlichte Gegenaufruf, den der Berliner Finanzmarkt-Forscher Frank Heinemann koordiniert hat, geht auf den Tonfall des Sinn-Krämer-Textes nicht ein, sondern argumentiert rein inhaltlich.
Ein zentrales Problem in der Euro-Zone sei, dass sich in vielen Ländern die Probleme im Bankensektor und im Staatshaushalt gegenseitig verstärken. „Nur wenn es gelingt, die Refinanzierung der Banken von der Solvenz nationaler Staaten abzukoppeln, kann sich die Kreditversorgung in den Krisenländern stabilisieren“, betonen die Forscher. „Eine stärkere Integration des europäischen Finanzsystems und eine Entkopplung von Staatsfinanzen und Kreditversorgung sind für eine stabilere Architektur Europas unverzichtbar. Sie sind wichtige Schritte, um den Teufelskreis zwischen nationalen Schulden- und Bankenkrisen zu durchbrechen.“

Mitglieder des Sachverständigenrats zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gehören nicht zu den Unterzeichnern des Briefs. Die „fünf Wirtschaftsweisen“ veröffentlichten allerdings ebenfalls am Freitagabend ein Sondergutachten zur Euro-Krise, in dem sie Europa „in einer systemischen Krise“ sehen, „die den Fortbestand der gemeinsamen Währung und die ökonomische Stabilität Deutschlands gleichermaßen gefährdet.“

Neuester Öknomenaufruf hält Bankenunion für nötig
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

54 Kommentare zu "Weiterer offener Brief: Ökonomen-Zoff geht in die nächste Runde"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Fein! Dann müssten mal deutsche Banken gerettet werden! Ich bin gespannt!
    ...schade, dass dies immer nur blanke Ideen sind, die sowieso nie verwirklicht werden. Schade, schade.
    Die hier so tönen, haben vermutlich gar kein Geld auf der Bank - die anderen investieren still und leise woanders.

  • Ich verlange, dass sämtliche Wissenschaftler angeben, von wem sie bezahlt werden - Mehrfachnennung möglich. Nur so haben wir eine Chance, die Serösität der Angaben einigermaßen zu beurteilen!!
    Bitte schließen Sie sich meiner Forderung an!

  • Gestern Abend (Mitternacht) war ein gutes Gespräch mit Prof. Sinn.
    Er hat da ganz klar gesagt, für jeden auch gut verständlich was schief läuft und an diesem ganzen Euro-zund Rettungs-Unsinn falsch ist
    Solche Gespräche gehören um 20 Uhr gesendet, damit eine große Zahl von Bürgern aufgeklärt wrden. Abr das tut das TV ja nicht

  • Anony
    das sagt alles
    Da muß man wirklich gar nicht mehr sagen
    Die Detuschland-Vernichter werden gefügig gemacht
    Ganz davon abgesehen, dass so eine Summe unverschämt ist. Das Land hat kein Geld und da wird es einem angeblichen Experten in den Rachen gestopft.
    Es ist nicht zu fassen

  • Kohle abziehen, in EM anlegen und warten bis der Euro-Dreck zusammenfällt.

  • Die Politik wäre gut beraten, die Grundregeln der sog. Verteilungstheorie mal in Augenschein zu nehmen. Dsa ist nicht sehr kompliziert, aber durchaus einleuchtend > http://www.gmbh-gf.de/wp-content/uploads/Finanzkrisen-Analyse.pdf

  • "Politische Gestaltungsfähigkeit unseres Faches" ist schön gesagt. Darum geht es Geistern wie Rürup, Horn, Hüther, Bofinger und anderen. Sie wollen die Ohrenbläser und grauen Eminenzen im Hintergrund der Politik sein, weil die Politiker eh keine Ahnung haben, womit sie zum Teil sogar richtig liegen.
    Aber hinter diesen Ökonomen stehen auch wieder Interessen, die diese Ökonomen instrumentalisieren. Wie heißt es immer so schön, gewerkschaftsnah, unterhehmernah usw. und ein Ökonom wie Rrürup hat noch massive Eigeninteressen mit seinen Rentenmodellen und seiner Versicherungsnähe.
    Die 170 sind freie Wissenschaftler, die ihrer Verantwortung gerecht werden, die Handvoll Anderer "Diener ihrer Herrn" und einfach Lobbyisten.

  • oh 7 kanzlertreue haben einen gegenaufruf gestartet :D:D da liegen dann wahrscheinlich die 170 falsch und sind alle idioten nur der schäuble hat die weißheit mit löffeln gefressen
    was soll denn der begriff bankenunion aussagen wenn nicht gemeinschaftliche haftung wäre es wie bisher hätte man auch keinen neuen begriff gebraucht bzw sollen ja banken rekapitalisiert werden und das geld kommt ja aus ganz europa und vor 2 wochen wurde ja in der lustigen runde mit merkel monti etc abgemacht das in gegenleistung für eine europäische bankenaufsicht banken direkt ohne auflagen geld aus dem efsf bekommen können
    als ist durchaus eine vergemeinschaftung zu sehen und das herr schäuble den 170 vorwirft das sie die ganzen beschlüsse nur nicht gelesen hätte ist doch auch schwachsinn fallen ihm keine gegenargumente ein das ganze richtig zu erklären macht man einfach die anderen schlecht und in den staatsnachrichten wird auch noch eine ähnliche meinungsmache betrieben auf zdf kam mir zumindest so vor

    wenn es den ländern wie italien usw wirklich so schlecht geht dann müssen sie einfach ihre wohlhabende schickt mit einer einmaligen zwangsabgabe belasten um ihre schulden zu senken und es gibt durchaus viele wohlhabende in den ländern aber da müssen dann nicht wir mit unserem geld in diesen ländern haften

  • Schon richtig. Der Aufruf rekapituliert die Faktenlage und zieht seine richtigen Schlüsse, der Gegenaufruf ergeht sich im üblichen "man müsste, könnte, sollte",ohne die materiellen unterschiedlichen Interessen der politischen Akteure auf der europäisch-politischen Bühne zu berücksichtigen. Es hat sich eine Kräfteverschiebung vollzogen weg von einem französich-deutschen Einverständnis hin zu einer italiensch-spanisch-französischen Achse. Das Druckpotential dieser neuen Achse ist enorm.

  • Nachdem in einer ersten Reaktion auf Sinn sich seine Kritiker zu "Vollpfosten" gemacht haben, versucht man nun nochmals gegen Sinn zu retten was noch zu retten ist.
    Und scheitert wieder.
    Freie Kapitalströme? In Europa?. Was für ein Müll soll das denn sein? Es werden gerade Bargeldzahlungen europaweit massiv eingeschränkt! Der Bürger hat davon also Nichts! Und der bezahlt schließlich die Zeche.
    Diese sog. Experten haben offenbar keine Ahnung wie das Bankensystem funktioniert. Die Entkopplung von Staatssculden und Bankschulden? Wer muss denn den ganzen Staatsanleihemüll der Südländer und der anderen Länder aufkaufen?? Wer gibt den Kredite, weil die Staaten inklusive Deutschland mehr Geld ausgeben wie sie einnehmen?
    Was für "Experten". Bezahte Schreiberlinge, die denn Mut nicht haben Ihren Bröthengebern mitzuteilen, dass eine sinnvolle Lösung den Bankern ans Geldsäckle ginge.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote