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Welthandel Boom ohne Deutschland: Der Handel mit Dienstleistungen legt zu

Laut einer Studie wird die Coronakrise den globalen Dienstleistungshandel weiter ankurbeln. Deutschland ist in diesem Bereich eher schwach aufgestellt.
10.08.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Großteil des Welthandels besteht aus Dienstleistungen. Quelle: dpa
Containerschiff

Der Großteil des Welthandels besteht aus Dienstleistungen.

(Foto: dpa)

Berlin Von globalem Handel haben viele Menschen eine klare Vorstellung: Unzählige Container werden von riesigen Handelsschiffen um den Erdball gefahren. Doch mit der Realität hat dieses Bild wenig zu tun: Das Verschiffen von Gütern macht inzwischen den kleineren Teil des globalen Handelsstroms aus.

Dienstleistungen haben Waren im Welthandel den Rang abgelaufen – und dieser Trend wird sich noch verstärken: So könnte der Wert der gehandelten Dienstleistungen bis 2025 von 6,1 Billionen auf 8,0 Billionen Dollar zulegen – ein Plus von 31 Prozent.

Dies geht aus einer Studie des Forschungsinstituts Oxford Economics für den US-Bargelddienstleister Western Union hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Deutschland wird davon allerdings weniger als andere Industriestaaten profitieren.

Andrew Summerill, Präsident für Zahlungsverkehr bei Western Union, sagt: „Viel zu lange wurde die Bedeutung des globalen Dienstleistungshandels unterschätzt.“ Die Studie zeige, was sich ändern müsse.

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Standort erkennen

    Die Folgen der Corona-Pandemie würden noch viele Jahre zu spüren sein, so Summerill. „Aber die Regionen und Industrien, die die Bedeutung des globalen Dienstleitungssektors erkennen, werden besser zukünftigen Erfolg und die Erholung managen können.“

    Bereits seit 2010 ist der globale Handel mit Dienstleistungen 50 Prozent stärker als der mit Waren gewachsen, heißt es in der Studie. Zwar gibt es natürlich immer Dienstleistungen wie Friseurbesuche, die zwingend vor Ort erfolgen müssen. Aber neue Technologien, insbesondere schnelleres Internet und Videokonferenzen, ersetzen persönliche Treffen immer häufiger.

    Diese Entwicklung lässt die Autoren trotz Corona optimistisch in die Zukunft blicken. In diesem Jahr werden laut Studie die Dienstleistungsexporte um sechs Prozent zurückgehen, damit aber nur halb so stark einbrechen wie der Warenverkehr.

    Mittelfristig werde sich das Wachstum mit dem internationalen Handel von Dienstleistungen durch die Coronakrise eher noch beschleunigen.

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    Ein Land profitiert besonders vom Wachstum

    „Die Adaption neuer Technologien und die Digitalisierung von Arbeitswesen dürften das Wachstum des grenzüberschreitenden Handels mit Dienstleistungen weiter vorantreiben“, heißt es in der Studie. „Insbesondere der Ausbau von 5G-Netzen verspricht, die internationale Handelbarkeit professioneller Dienstleistungen weiter zu verbessern.“

    Allen voran in drei Sektoren werde das Wachstum hoch sein: bei digitalen Geschäften zwischen Unternehmen, bei Informations- und Kommunikationsdienstleistungen und bei Finanzdienstleistungen.

    Diese drei Bereiche allein sorgen für 62 Prozent des prognostizierten Wachstums von 1,9 Billionen Dollar zwischen 2019 und 2025. Aber auch klassische Dienstleistungsbranchen wie der Reiseverkehr sollen trotz der Coronakrise und des Klimawandels bis 2025 um 28 Prozent zulegen.

    Am stärksten werden die USA von dem Wachstum profitieren. Dies sei auf ihre „weltweite Führungsposition in vielen Kategorien professioneller Dienstleistungen sowie auf ihre Investitionen in digitale Infrastruktur und technologische Innovation zurückzuführen“, heißt es in der Studie.

    Daneben verzeichnen unter den Industrienationen Frankreich und Großbritannien die stärksten Anstiege. Zudem haben die Studienautoren eine Reihe neuer „Hotspots“ für digitale Dienstleistungsexporte identifiziert.

    Dazu zählen Südkorea und Japan wegen ihrer Technologieführerschaft bei Hightech-Produkten; Australien und Neuseeland, die stärker ihre inländischen Dienstleistungskapazitäten für Exporte nutzen könnten; sowie Katar und Saudi-Arabien, die derzeit viel Geld investieren, um ihre Volkswirtschaften breiter aufzustellen.

    Dass Deutschland nicht zur Spitzengruppe zählt, liegt unter anderem daran, dass die USA, Großbritannien, Hongkong und Singapur als führende globale Finanzstandorte vom Wachstum der Finanzdienstleistungs-Exporte profitieren.

    Aber auch grundsätzlich ist der deutsche Dienstleistungssektor – anders als die Industrie –  im internationalen Vergleich relativ schwach aufgestellt. Schon seit vielen Jahren mahnen internationale Organisationen wie die OECD oder der Weltwährungsfonds eine Liberalisierung des deutschen Dienstleistungssektors an. Passiert ist aber wenig. Der Exportmacht Deutschland droht dadurch in den nächsten Jahren der Verlust von Anteilen am Weltmarkt.

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    Liberalisierung würde für weiteren Schub sorgen

    Auch wenn der Handel mit Dienstleistungen stark wächst, gibt es laut Studie weiter Luft nach oben. Der Abbau von Handelshürden biete weiteres Wachstumspotenzial.

    So ist der internationale Handel mit Dienstleistungen für Unternehmen derzeit viereinhalbmal so teuer wie der Handel im Inland. Im Warenverkehr ist dieses Verhältnis deutlich geringer.  
    Der Abbau von Handelsschranken könnte den globalen Handel mit Dienstleistungen bis 2025 daher um weitere elf Prozent anwachsen lassen, was einer Wertsteigerung von 890 Milliarden Dollar entsprechen würde, haben die Forscher errechnet.

    Derzeit sieht es allerdings nicht so aus, als ob es dazu kommen würde. So ist das internationale Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen – kurz Tisa – vor Jahren stark in die Kritik geraten und nie abgeschlossen worden. Die Welthandelsorganisation steckt in einem Blockadezustand.

    Und auch bei bilateralen Handelsabkommen hakt es. Das amerikanisch-europäische Abkommen TTIP ist gescheitert, Protektionismus gibt seit Ausbruch des amerikanisch-chinesischen Handelskriegs den Ton an. Und dieser Handelsstreit beschränkt sich keineswegs nur auf Waren, sondern weitet sich immer mehr auf Dienstleistungen aus, wie der Streit um das soziale Netzwerk Tiktok zeigt.

    So hat US-Präsident Donald Trump gerade erst für Geschäfte mit den chinesischen Eigentümern der App, Bytedance, ein Verbot erlassen. Das erklärte Ziel: die Videoplattform aus dem amerikanischen Markt zu drängen.

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    Mehr: Trump setzt 45-Tage-Frist für Übernahme – Microsoft bestätigt Interesse an Tiktok-Übernahme.

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