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„Wem gehört die Welt?“ Lehrstunde in Kapitalismus

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„Wir brauchen jetzt keinen irrsinnigen Nationalismus“

Das ist nicht nur Larry Fink, sondern auch Stephen Schwarzman (Blackstone), Abdullah bin Mohammed bin Saud Al-Thani (Qatar Investment) und viele andere. Mit ihren billionenschweren Fonds legen sie mehr Geld an als Deutschland erwirtschaftet. „Sie dominieren längst die zentralen Felder der Weltwirtschaft und konzentrieren Geld und Einfluss wie nie zuvor“, resümiert Jakobs.

Steffen Kampeter, der das Buch wegen seiner Opulenz nicht in Gänze gelesen, aber „schlaglichtartig“ überflogen hat, sieht die Lage nicht ganz so düster. Er nimmt die zahlreichen Vermögensverwalter, Fondsmanager, Scheichs, Oligarchen und Familien, die Jakobs in seinem Buch näher und auch sehr kritisch unter die Lupe genommen hat, sogar ein Stück weit in Schutz.

„Warum sind Asset-Manager so erfolgreich?“, fragt er. Und schiebt kurz und knapp hinterher: „Weil sie gut sind.“ Deswegen halte er auch nichts von überzogener Kritik. „Ein Bashing einzelner Akteure finde ich wenig überzeugend.“ Denn die Frage, wer den Blackrock-Chef Fink kontrolliere, beantworte sich am Ende selbst. „Wenn er nicht gut performed, dann ziehen die Kunden ihr Geld ab.“

Gleichwohl lobt Kampeter, dass Jakobs mit dem Buch eine „sehr kluge und streitbare Analyse“ vorgelegt habe. Jakobs sei „im positiven Sinne ein Aufklärer“, weil er Personen und Strukturen vorstelle, die viele so noch nicht gekannt hätten. Am stärksten findet er die Passagen, in denen Jakobs das Problem der Schattenbanken analysiert. „Bei der Regulierung von Schattenbanken müssen wir richtig Gas geben“, stimmt Kampeter Jakobs zu. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete hofft, dass man im kommenden Jahr bei dem Thema weiterkommt, wenn Deutschland den Vorsitz der G20-Staaten hat.

Andererseits fürchtet Kampeter aber auch, dass die Regulierungsfrage von der immer lauter werdenden „Rhetorik von Populisten“ überlagert werden und Schattenbanken schnell wieder von der politischen Tagesordnung verschwinden könnten. Bei diesem Punkt ist sich Kampeter mit Jakobs einig.

„Die Mini-Trumps stehen in Europa bereit“, warnt denn auch der Ex-Handelsblatt-Chefredakteur. Was Jakobs sorgt, ist, dass Leute wie Marine Le Pen oder Frauke Petry deutlich an Rückhalt gewinnen könnten, wenn sich an der globalen Umverteilung von „unten nach oben“, an dem ungezügelten Wachstum und der ungeregelten Gier nach Rendite nichts ändert. Die mächtigsten Akteure des Weltfinanzwesens sind für ihn inzwischen „zur größten Bedrohung für unser aller Wohlstand geworden“.

Das Buch ist ab sofort erhältlich.
Frage auf dem Cover

Das Buch ist ab sofort erhältlich.

Die Antwort Europas auf diese Entwicklung müsste aus Jakobs‘ Sicht lauten, näher zusammenzurücken. Das gelinge aber nur, wenn die nationalen Regierungen und die Bürger mitspielten. Derzeit aber, räumt Jakobs ein, habe es den Anschein, als würden die „Renationalisierungs-Strategien bestimmter Staaten“ immer stärker zum Tragen kommen. Kampeter pflichtet dem bei. „Was wir jetzt brauchen, ist eine Stärkung der europäischen Institutionen und keinen irrsinnigen Nationalismus.“ Ob die Warnungen erhört werden, wird sich schon bald zeigen – bei den anstehenden Wahlen im kommenden Jahr.

Hans-Jürgen Jakobs: „Wem gehört die Welt? Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus.“ Gebundene Ausgabe. 680 Seiten. 36,00 Euro. Knaus Verlag. Ersterscheinung: 17. November 2016. ISBN: 978-3-8135-0736-2

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6 Kommentare zu "„Wem gehört die Welt?“: Lehrstunde in Kapitalismus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wem gehoert die (Finanz-)Welt, die Investments von Blackrock, Allianz und Co? Ganz einfach: UNS SELBST, mit unseren Pensions- und Kaptallebensversicherungen und anderen Ersparnissen.

    Wir koennten auf Hauptversammlungen GEGEN Managergehaelter stimmen, gegen Stellenabbau. Doch mit einem Fondsinvestment ist dies nicht moeglich. In Zeiten des Internets waere es einfach, diese Stimmrechte weiter zu reichen und dem Endinvestor zumindest durch grobe Schablonen zum Abstimmen zu geben.

    Im jetzigen System versklavt sich der Angestellte durch seinen Pensionsfonds selbst - denn sein Pensionsfondsmanager soll ja die Rendite maximieren...

    Eine andere Zahl fehlt auch: mindestens 10-15 Billionen USD liegen in Steueroasen und zahlen keine Steuern. Hier waere es PFLICHT seitens der Politik einzugreifen.

    Herr Kampeter (=typischer Politiker) dagegen versteht diese Zusammenhaenge nicht und schimpft lieber auf (Schatten-)banken. Man fragt sich, wer hier boeser Populist ist....

  • Interessante These über den "Kapitalismus" wie er uns verkauft wird...Natürlich hat Black Rock und andere riesige Vermögen und Kapital zum Einsatz...Die Welt wird nicht neu vermessen, die Hintermänner, die die FED beherrschen und die Zentralbanken kontrollieren, mit Goldman & Sachs an der Spitze, die Rothschilds, die in keiner FORBES Liste auftauschen, beherrschen den westlichen Kapitalismus und auch die Regierungen der westlichen Welt...Die Schlussfolgerungen in den Ausführungen von Hans-Jürgen Jakobs und Steffen Kampeter sind geradezu abenteuerlich...Die Globalisierung kommt diesen anonymen Global- Fonds /Hedgfond und Hintermännern doch geradezu entgegen, wurde vielleicht sogar dazu geschaffen, alles Nationalstaatliches wie unabhängige Währung und Regierung und Nationalvolk abzuschaffen... Mit dem EURO und der EU, das Abgeben von nationalen Kompetenzen hat man ein Instrument geschaffen, nach dem Europa und die Welt durch diese Clique beherrscht werden kann...Die "human resources" können zum Lohndumping und aufkommenden Aufständen und Rebellion immer mehr lobal eingesetzt werden...Die Folge können wir jetzt schon sehen, daß es eine dynamische Entwicklung der Verarmung und Verelendung der Völker in Europa gibt und auch nicht mehr aufzuhalten ist...

    Nationale Regierungen können jederzeit ausgewechselt werden und haben auch keine echte Entscheidungs- Gewalt mehr...

    Der Turbo- Kapitalismus wird die Anhäufung von Macht und Kapital in wenigen Händen (Wallstreet/FED) noch beschleunigen... Letztlich kann man davon ausgehen, daß sich der westlich Kapitalismus in der Endstufe befindet und in einem großen Knall platzen wird...Wann, das wissen die Götter...

  • „Wem gehört die Welt?“

    Das ist einfach: Denjenigen, die genug Geld haben, um sich das Leben darauf leisten zu können.
    Heißt: Je mehr Geld sie haben, desto mehr von der Welt gehört Ihnen auch. Ist das nur zynisch?

    „Warum sind Asset-Manager so erfolgreich?“, fragt Kampeter. „Und schiebt kurz und knapp hinterher: „Weil sie gut sind.““

    Kommt wohl sehr darauf an, was man unter "erfolgreich sein" versteht. Es zu schaffen, das Geld der Kunden zu „vermehren“, egal wie?

    Nur zur Erinnerung:

    Geld ist ein bloßes "Instrument" der Wirtschaft, und die sollte eigentlich so organisiert sein, dass sie den Interessen der Menschen (a l l e r Menschen!) dient. Nicht umgekehrt.

    Der erste notwendige Schritt, um eine Marktwirtschaft in die Lage zu versetzten, diesem Anspruch zu genügen, müsste eigentlich eine komplette Neubewertung aller„Assets“ unter völlig neuen Kriterien sein.

    Aber wer soll die vornehmen und die Kriterien für die Bewertung festlegen, bevor der „Startschuss“ für die Märkte unter den neuen Regeln fallen kann?

    Manager wie „der unerklärte Präsident der Weltfinanzgemeinde, der Oberste der Ober-Kapitalisten, der Gesetze und Geschicke des Kapitalismus mehr bestimmt als viele andere“ (Fink) oder andere „mächtige Finanzjongleure“ scheiden ja wohl aus.

    Die Bürger allerorten auf diesem Planeten wären da schon der richtigere Ansprechpartner.

    Eine seriöse „Befragung“ bzw. Datenerhebung will aber erstmal auf die Beine gestellt werden.

    Leider also alles noch Zukunftsmusik.

    Merkt man ja schon an den ganzen wiederaufkeimenden Debatten über "Renationalisierung" (warum sagen wir nicht gleich "Regression"?...).

  • Kapitalismus bei 0- Zinsen ????

  • Analyse gut, Schlussfolgerung schwach. Gerade vor dem aufgezeigten Szenario der konzentrierten, globalen Finanzmacht wäre ein gewisses Mass an Re-Nationalisierung und Unabhängigkeit wohl das einzige Mittel zur Gegenwehr.

    Erst der Einheits-EUR zB hat es diesen mächtigen Investoren erlaubt, die Investitionen unkontrolliert hin und her zu schieben in Europa, mit den Folgen, die wir seit nunmehr 8 Jahren erleben, Ende ungewiss.

  • Ich finde es schon auffällig, daß man alles, aber auch wikrlich alles daran setzt, die klasssischen Geschäftsbanken bis zum geht-nicht-mehr zu regulieren, dass man es aber andererseits nicht für nötig befindet große Vermögensverwalter wie oben genannt, den Segnungen der Regulierung auszusetzen. Als ob die keine Systemrelevanz im Krisenfall besäßen und nicht vom Steuerzahler/der Notenbank gestützt werden müssten. Ist schon komisch, dieses Messen mit zweierlei Maß...wie das wohl kommt?
    .
    Und wenn sich eben dieses genannte Großkapital nicht seiner sozialen Verantwortung stellt, dann sehe ich die reale Gefahr, daß aus den derzeit über die "nationale Schiene" im Aufbau befindlichen Verteilungskämpfen am Ende ein handfester Klassenkampf wird: Arm gegen Reich. Und der Warren Buffet, der hat das ja schon vor Jahren vorausgesagt und auch den Gewinner benannt....
    Imgrunde wird mit dem Großkapitalismus einer immer reicher werdenden kleinen Elite eine neue Regierungsform eröffnet, die die demokratischen Strukturen im Westen ablöst. Ich nenne diese Regierungsform "Korporatismus".