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Wenig Wettbewerb unter Krankenkassen GKV und PKV – Experten fordern Reformen

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Mehr Vertragsfreiheit für die Kassen

Das sind die besten Krankenversicherungen Deutschlands

Damit die Kassen diese neuen Freiräume auch nutzen und gleichzeitig nicht missbrauchen können, plädiert die Kommission dafür, den Krankenkassen für den Regelfall den Rechtsstatus eines Privatunternehmens zu geben, das vollständig dem deutschen Wettbewerbsrecht unterliegt. Den Status als Körperschaften des öffentlichen Rechts sollen sie nur behalten, soweit sie auf Basis gesetzlicher Pflichten Kollektivvereinbarungen mit Verbänden von Leistungsanbietern schließen.

Dazu gehört auch, dass die heute geltende Verpflichtung der Krankenkassen abgeschafft wird, Hausarzttarifverträge mit den Verbänden abzuschließen, die im Bezirk einer Kassenärztlichen Landesvereinigung mindestens 50 Prozent der dort ansässigen Hausärzte als Mitglieder haben. Die Kassen sollen vielmehr auch mit einzelnen Hausarztpraxen oder kleineren Zusammenschlüssen Verträge schließen können. Speziell für den Krankenhausbereich sollen die Kassen das Recht erhalten, zusätzliche Wahltarife anzubieten bei denen die Versicherten sich nur in Kliniken oder Klinikabteilungen behandeln lassen dürfen, für die die Kasse einen „Qualitätsvertrag“ geschlossen hat.

Damit es in diesem neuen „Tarif-Wettbewerb“ innerhalb und zwischen den gesetzlichen Kassen fair zugeht, soll die bisher in Landesaufsichten für regionale Kassen und eine Bundesaufsicht für bundesweit geöffnete Kassen vereinheitlicht werden. Auch den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen will die Monopolkommission reformieren. Er war zuletzt ins Gerede geraten, weil Krankenkassen Ärzte gezielt auch mit Zusatzhonoraren animiert hatten, bei ihren Patienten Krankheiten zu diagnostizieren, die zu höheren Zuweisungen aus dem Finanzausgleich führen. Über den Ausgleich zahlt der Gesundheitsfonds den Kassen neben nach Alter und Geschlecht gestaffelten Kopfpauschalen pro Versichertem auch Zuschläge für 80 Krankheiten.

Sie orientieren sich in ihrer Höhe an den Durchschnittsausgaben für diese Krankheiten. Die Monopolkommission fordert, den einzelnen Krankenkassen jede Einflussnahme auf die Ärzte bei der Codierung der Diagnosen zu untersagen. Stattdessen sollen die Kassen gemeinsam Richtlinien für das richtige Kodieren erarbeiten. Außerdem will die Monopolkommission den Finanzausgleich zielgenauer machen, indem regionale Besonderheiten berücksichtigt werden. Bisher richten sich die Ausgleichzahlungen nur nach den bundesweiten durchschnittlichen Behandlungskosten. Dies führt dazu, dass Kassen mit vielen Versicherten in Ballungszentren benachteiligt werden. Dort sind die Behandlungskosten überdurchschnittlich wegen des höheren Angebots an Krankenhäusern und Arztpraxen.

Auch bei der privaten Krankenversicherung plädiert die Kommission für mehr Wettbewerbselemente. Manche davon dürften dem Verband der Privaten Krankenversicherungen gefallen. So will die Kommission Zusammenschlüsse von privaten Krankenversicherungsunternehmen dadurch erleichtern, dass die Versicherer das Recht erhalten, die unterschiedlichen Versicherungstarife der fusionierenden Versicherer zusammenzuschließen, sofern sie ein ähnliches Leistungsspektrum umfassen. Zudem sollen die Versicherer wie die gesetzlichen Kassen das Recht erhalten, Honorare mit den Leistungsanbietern, vor allem den Ärzten, auszuhandeln.

Bisher sind sie ihnen hilflos ausgeliefert. Sie müssen jedes Honorar zahlen, dass durch die Gebührenordnung für Ärzte gedeckt ist. Darin soll es eine Öffnungsklausel geben, die den Versicherern ermöglicht, das Honorar vertraglich zu begrenzten. Zudem sollen die in der Gebührenordnung aufgeführten Honorarsätze in Zukunft als Höchstpreise definiert werden. Derzeit sind es Mindestpreise, die die Ärzte um bis zum 3,5-Fachen überschreiten dürfen.

Weniger gefallen dürfte dem PKV-Verband, dass die Kommission auch die Wechselmöglichkeiten zwischen den verschiedenen Versicherern erweitert werden. Bisher findet der Wettbewerb zwischen den PKV-Unternehmen nahezu ausschließlich über das Neugeschäft statt. Wer sich einmal bei einem Unternehmen versichert hat, kann schwer in ein anderes Unternehmen wechseln, weil er dann die für ihn angesammelten Altersrückstellungen zurücklassen müsste. Nur Versicherte, die sich seit 2009 neu versichert haben, haben das Recht, bei einem Wechsel in ein anderes Unternehmen einen kleineren Teil der für sie gebildeten Rückstellungen mitzunehmen. Auch das ist aber oft unattraktiv, da der größere Teil der Rückstellungen im alten Unternehmen bleibt und den beim neuen Unternehmen zu zahlenden Beitrag entsprechend verteuert.

Die Kommission plädiert nun dafür, einem überwiegenden Anteil der Versicherten durch Ausweisung individualisierter Rückstellungen jederzeit den Wechsel in ein anderes Unternehmen zu ermöglichen. Allen übrigen sollte der Wechsel ermöglicht werden, indem ihnen auf Basis einer Gesundheitsprüfung der ihrem Gesundheitszustand entsprechende Anteil ihrer Alterungsrückstellungen mitgegeben wird. Dabei sollen die Versicherter die Versicherten einmal jährlich über die Wechselmöglichkeit, die dabei mitzugebenden Rückstellungen und alternativ die Wechselmöglichkeit nach einer Gesundheitsprüfung informieren. Frühere Anläufe des Gesetzgebers ein so umfassendes Wechselrecht in der PKV zu etablieren, waren am Ende immer am Widerstand der PKV-Lobby gescheitert.

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22 Kommentare zu "Wenig Wettbewerb unter Krankenkassen: GKV und PKV – Experten fordern Reformen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Unser Gesundheitssystem hat ein Finanzierungsproblem aus den bekannten demographischen und anderen Gründen. Das frühere Leistungen nun nicht mehr übernommen werden, war vorherzusehen. Die Weichen hätten viel früher gestellt werden müssen.
    Aber den Kopf nun in den Sand zu stecken hilft nicht. Insgesamt müssen wir uns wohl damit abfinden, das die früheren Zustände nicht wiederhergestellt werden können.
    Das heißt aber nicht, dass keine Verbesserungen möglich wären.

  • Zuzahlung natürlich als gesetzlich Versicherter.

  • 1 x Zahnersatz, Implantat Made in China > Zuzahlung 2100 €!

  • Aktuell Zahnarzt, Cina-Implantat, Zuzahlung nach Abzug des Kassenfestzuschusses 2100 €. Wer soll das als Normalverdiener eigentlich noch bezahlen? Brillen volle Eigenleistung. Aber 20 Milliarden für anderweitige artfremde Ausgaben, dass haben wir übrig. Nur noch zum Kotzen! Ich mach nichts mehr - null Motivation!

  • Hier gehts ja bei einigen mal wieder heiß zur Sache. Angeblich erhalten Nichtversicherte bessere Leistungen als Versicherte. Leistungen sollen nur einem ominösen Kollektiv zukommen. Und Abrechnungsbetrug ist anscheinend allgegenwärtig. Natürlich gibt es auch keine ordentlichen Belege.

    Genau. Einfach mal irgendwas behaupten und immer schön verallgemeinern. Fein gemacht.

    In diesen Foren sind wir nur so von Universalgenies umgeben. Wundert mich das einige überhaupt schreiben können.

  • Als Privatversicherter ist man den Forderungen der Ärzte ziemlich ausgeliefert. Warum soll der Arzt sich in seinem Gewinnstreben denn auch bescheiden? Wie soll ich als Patient denn beurteilen, ob die mir vorgeschlagenen Therapien richtig sind, ob es keine preiswerteren, aber genau so erfolgversprechenden Alternativen gibt? Wenn einmal der Selbstbehalt überschritten ist, hat auch der Patient keinerlei Interesse mehr seinen Arzt kritisch zu hinterfragen.
    Da ist es doch verständlich, dass die Kosten durch die Decke gehen. Warum kann man nicht für alle privaten Kassen den Faktor auf 2,0 beschränken. "Erschwertes Arbeiten durch kleine Mundöffnung = Faktor 3,5" würde dann entfallen.
    Übrigens wenn beim gleichen Arzt für einen Kassenpatienten ein Termin erst in 6 Wochen möglich ist und ein Privatpatient aus der gleichen Familie schon morgen kommen kann, ohne jegliches Hinterfragen der Schwere der Erkrankung, dann ist schwer etwas faul bei unserer Krankenversicherung.
    Wie groß ist der Anteil der Beamten, die sich für einen Bruchteil der Kosten privat versichern können? Da liegt wohl der Hase im Pfeffer.

  • Wenn sich Hr. Thelen vorher schlau gemacht hätte, wüsste er dass Beamte unabhängig von der Versicherungspflichtgrenze sich privat versichern können. Manche Berufsvertreter behaupten, sie wären benachteiligt, weil sie sich selbst versichern müssten. Ein Einstieg in die gesetzliche ist für Beamte möglich, nur muss er dann den vollen Beitragssatz zahlen und Beihilfe gibt es nicht. Vereinfacht ist es so: Beamte versichern sich privat und erhalten i.d.R. 50% Beihilfe. Wer einen Tarif wählt, der nur die Leistungen der gesetzlichen erbringt, kann braucht auf die angeblich günstiger Gesetzliche nicht neidisch zu sein. Letztendlich geht es doch darum Krankheitsrisiken abzusichern. Die Gesetzliche bezahlt alles mögliche (Präventionskurse etc). die nicht jeder braucht, aber bezahlen muss. In Verbindung mit den Beglückern (Politiker und helfende Berufe) wird das Beitragsaufkommen nie ausreichend sein, denn die oft zitierte "Gesundheitsdefinition" der WHO begünstigt ausuferendes Anspruchsdenken.

  • Reform der Krankenkassen wird sicherlich keine Wunder vollbringen
    Selbst denke ich als gesetzlich Versicherter, dass eine Bürgerversicherung den wesentlichen Vorteil hätte, dass die Unruhe im Gesundheitswesen bez. gesetzlich Versicherter und privat Versicherter wegfällt. Allerdings werden wir dann die Krankenzusatzversicherung als besseren (privaten) Versicherungsschutz angeboten bekommen, wie jetzt ja auch. Ob im Ergebnis der Unterschied groß ist zur jetzigen Situation, bin ich mir gar nicht sicher. Ob dann das momentane Ärgernis der Zweiklassengesellschaft bei der Arztterminvergabe mit der Bürgerversicherung sich auflöst, kann auch bezweifelt werden. Ein Vorteil der Bürgerversicherung könnte im "Einkauf" der Leistungen bestehen. Es gäbe nur einen Auftraggeber. Vielleicht kostet dann ein Päckchen Voltaren nicht mehr das 5-fache wie in Spanien. Die Verantwortung läge dann ganz beim Staat.

  • Nur ganz am Rande, anlässlich der dieses Jahr wieder anstehenden "Sozialwahl":

    Aus http://orange.handelsblatt.com/artikel/22337, Titel „Was ist die Sozialwahl“:

    „Sie ist eine wichtige Entscheidung, die wie die Landtags- und Bundestagswahlen, in diesem Jahr ansteht. Aber nur wenige wissen überhaupt, worum es bei der Sozialwahl geht.“ Und weiter mit der Schlagzeile: „Es ist Wahl und keiner geht hin. Schön blöd.“

    Nicht schön blöd, sondern zu kompliziert. Hü.

    Wenn keiner hingeht, weil keiner genau weiß, was das Ganze eigentlich soll, kann man sich bzw. den steuerzahlenden Bürgern diesen Riesenaufwand an Bürokratie und Kosten für ein bisschen (Schein-)Demokratie auch sparen, alles gleich im kleinen Rahmen bzw. unter sich ausmachen und dann die Presse über das Ergebnis berichten lassen.

    Wenn(!!!) diese Sozialwahl m.E. überhaupt einen Sinn machen soll, dann sollte man sie als „umfassendes“ Feldexperiment für Onlineabstimmungen nutzen.

  • Warum in der GKV immer noch keine Miet- und Kapitalerträge zur Beitragsbemessung herangezogen werden, sondern nur Arbeitseinkommen, das ist mir seit Jahrzehnten schleierhaft.

    Und warum in der PKV bei einem Welchsel von Mitgliedern mit Vorerkrankungen diese gegenüber der neuen PKV nicht so gestellt werden können, wie sie es bei Eintritt in ihre bisherige PKV gestellt waren, das verstehe ich ebenso wenig.

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