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Wenig Wettbewerb unter Krankenkassen GKV und PKV – Experten fordern Reformen

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Schock für die privaten Versicherer

Der Verband der privaten Krankenversicherung warnt davor, die Empfehlungen der Kommission umzusetzen.  „Wenn die theoretischen Vorschläge der Monopol-kommission in die Praxis umgesetzt würden, hätte das extrem unsolidarische Auswirkungen ausgerechnet zu Lasten der älteren und kränkeren Versicherten“, warnte PKV-Direktor Volker Leienbach. Die kollektive Kalkulation in der PKV sichere die Solidarität zwischen Gesunden und Kranken. „Die Alterungsrückstellungen sind dabei eine gemeinsame Risikovorsorge für die späteren Krankheitskosten derjenigen aus der Gemeinschaft, die besonders krank werden.“ Alle Erfahrungen zeigten in GKV und PKV gleichermaßen: Es wechseln fast nur Junge und Gesunde. Damit führt jeder Wechsel zu einer Verschlechterung der Risikomischung.

Durch die rückwirkende Einführung einer Portabilität würde dem kollektiven Deckungskapital eine Summe entzogen, die die verbleibenden Versicherten mit entsprechend höheren Beiträgen nachfinanzieren müssen. Die rückwirkende Portabilität wäre damit eine Entsolidarisierung der Tarife zu Lasten der Alten und Kranken. Für sie würde es teurer, sagte Leienbach.

Der Chef der Monopolkommission hält diese Kritik allerdings nicht für stichhaltig. „Es ist natürlich richtig, dass bei einem Wechselrecht unter Mitnahme der anteiligen Alterungsrückstellungen nur Gesunde wechseln würden und mithin das Versicherungsunternehmen, das aus diese Weise Versicherte verliert, ausgeblutet würde. Daher schlagen wir ja gerade vor, dem Umfang der Alterungsrückstellungen am Gesundheitszustand des wechselnden Versicherten zu orientieren“, sagte Wambach. Dies würde bedeuten, dass gesunde Versicherte nur einen geringen Anteil der rechnerisch auf sie entfallenden Rückstellungen mitnehmen könnten, Kranke dagegen einen überproportionalen Anteil.

Unabhängig davon hält der PKV-Verband die nachträgliche  Einführung auch eines solchen Wechselrechts nicht für zulässig. „Der Vorschlag der Monopolkommission wäre ein Versuch, nachträglich die Vertragsbedingungen der Bestandsversicherten zu verändern, deren Vertragsbeginn oft jahrzehntelang zurückliegt. Dies ist rechtlich und praktisch kaum möglich.“ Leienbach verwies darauf, dass alle nach 2009 eingetretenen Privatversicherten den auf den Basistarif entfallende Teil der Rückstellungen bei einem Wechsel des Unternehmens mitgegeben wird. Davon profitierten bereits mehr als zwei Millionen Versicherte, sagte Leienbach.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen stieß das Gutachten dagegen auf zum Teil positive Resonanz. „Wir sehen uns in unserer Kritik an bestehenden Wettbewerbsverzerrungen im deutschen Krankenversicherungssystem bestätigt“, erklärte Franz Knieps, Vorstand des Dachverbands der Betriebskrankenkassen. „Der Gesetzgeber muss ran und endlich faire Wettbewerbsbedingungen für alle Krankenkassen schaffen.“ Knies forderte von der Bundesregierung, die Empfehlungen der Kommission gerade für eine Reform des Finanzausgleichs zwischen den Krankenkassen schnellstens umzusetzen.

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22 Kommentare zu "Wenig Wettbewerb unter Krankenkassen: GKV und PKV – Experten fordern Reformen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Unser Gesundheitssystem hat ein Finanzierungsproblem aus den bekannten demographischen und anderen Gründen. Das frühere Leistungen nun nicht mehr übernommen werden, war vorherzusehen. Die Weichen hätten viel früher gestellt werden müssen.
    Aber den Kopf nun in den Sand zu stecken hilft nicht. Insgesamt müssen wir uns wohl damit abfinden, das die früheren Zustände nicht wiederhergestellt werden können.
    Das heißt aber nicht, dass keine Verbesserungen möglich wären.

  • Zuzahlung natürlich als gesetzlich Versicherter.

  • 1 x Zahnersatz, Implantat Made in China > Zuzahlung 2100 €!

  • Aktuell Zahnarzt, Cina-Implantat, Zuzahlung nach Abzug des Kassenfestzuschusses 2100 €. Wer soll das als Normalverdiener eigentlich noch bezahlen? Brillen volle Eigenleistung. Aber 20 Milliarden für anderweitige artfremde Ausgaben, dass haben wir übrig. Nur noch zum Kotzen! Ich mach nichts mehr - null Motivation!

  • Hier gehts ja bei einigen mal wieder heiß zur Sache. Angeblich erhalten Nichtversicherte bessere Leistungen als Versicherte. Leistungen sollen nur einem ominösen Kollektiv zukommen. Und Abrechnungsbetrug ist anscheinend allgegenwärtig. Natürlich gibt es auch keine ordentlichen Belege.

    Genau. Einfach mal irgendwas behaupten und immer schön verallgemeinern. Fein gemacht.

    In diesen Foren sind wir nur so von Universalgenies umgeben. Wundert mich das einige überhaupt schreiben können.

  • Als Privatversicherter ist man den Forderungen der Ärzte ziemlich ausgeliefert. Warum soll der Arzt sich in seinem Gewinnstreben denn auch bescheiden? Wie soll ich als Patient denn beurteilen, ob die mir vorgeschlagenen Therapien richtig sind, ob es keine preiswerteren, aber genau so erfolgversprechenden Alternativen gibt? Wenn einmal der Selbstbehalt überschritten ist, hat auch der Patient keinerlei Interesse mehr seinen Arzt kritisch zu hinterfragen.
    Da ist es doch verständlich, dass die Kosten durch die Decke gehen. Warum kann man nicht für alle privaten Kassen den Faktor auf 2,0 beschränken. "Erschwertes Arbeiten durch kleine Mundöffnung = Faktor 3,5" würde dann entfallen.
    Übrigens wenn beim gleichen Arzt für einen Kassenpatienten ein Termin erst in 6 Wochen möglich ist und ein Privatpatient aus der gleichen Familie schon morgen kommen kann, ohne jegliches Hinterfragen der Schwere der Erkrankung, dann ist schwer etwas faul bei unserer Krankenversicherung.
    Wie groß ist der Anteil der Beamten, die sich für einen Bruchteil der Kosten privat versichern können? Da liegt wohl der Hase im Pfeffer.

  • Wenn sich Hr. Thelen vorher schlau gemacht hätte, wüsste er dass Beamte unabhängig von der Versicherungspflichtgrenze sich privat versichern können. Manche Berufsvertreter behaupten, sie wären benachteiligt, weil sie sich selbst versichern müssten. Ein Einstieg in die gesetzliche ist für Beamte möglich, nur muss er dann den vollen Beitragssatz zahlen und Beihilfe gibt es nicht. Vereinfacht ist es so: Beamte versichern sich privat und erhalten i.d.R. 50% Beihilfe. Wer einen Tarif wählt, der nur die Leistungen der gesetzlichen erbringt, kann braucht auf die angeblich günstiger Gesetzliche nicht neidisch zu sein. Letztendlich geht es doch darum Krankheitsrisiken abzusichern. Die Gesetzliche bezahlt alles mögliche (Präventionskurse etc). die nicht jeder braucht, aber bezahlen muss. In Verbindung mit den Beglückern (Politiker und helfende Berufe) wird das Beitragsaufkommen nie ausreichend sein, denn die oft zitierte "Gesundheitsdefinition" der WHO begünstigt ausuferendes Anspruchsdenken.

  • Reform der Krankenkassen wird sicherlich keine Wunder vollbringen
    Selbst denke ich als gesetzlich Versicherter, dass eine Bürgerversicherung den wesentlichen Vorteil hätte, dass die Unruhe im Gesundheitswesen bez. gesetzlich Versicherter und privat Versicherter wegfällt. Allerdings werden wir dann die Krankenzusatzversicherung als besseren (privaten) Versicherungsschutz angeboten bekommen, wie jetzt ja auch. Ob im Ergebnis der Unterschied groß ist zur jetzigen Situation, bin ich mir gar nicht sicher. Ob dann das momentane Ärgernis der Zweiklassengesellschaft bei der Arztterminvergabe mit der Bürgerversicherung sich auflöst, kann auch bezweifelt werden. Ein Vorteil der Bürgerversicherung könnte im "Einkauf" der Leistungen bestehen. Es gäbe nur einen Auftraggeber. Vielleicht kostet dann ein Päckchen Voltaren nicht mehr das 5-fache wie in Spanien. Die Verantwortung läge dann ganz beim Staat.

  • Nur ganz am Rande, anlässlich der dieses Jahr wieder anstehenden "Sozialwahl":

    Aus http://orange.handelsblatt.com/artikel/22337, Titel „Was ist die Sozialwahl“:

    „Sie ist eine wichtige Entscheidung, die wie die Landtags- und Bundestagswahlen, in diesem Jahr ansteht. Aber nur wenige wissen überhaupt, worum es bei der Sozialwahl geht.“ Und weiter mit der Schlagzeile: „Es ist Wahl und keiner geht hin. Schön blöd.“

    Nicht schön blöd, sondern zu kompliziert. Hü.

    Wenn keiner hingeht, weil keiner genau weiß, was das Ganze eigentlich soll, kann man sich bzw. den steuerzahlenden Bürgern diesen Riesenaufwand an Bürokratie und Kosten für ein bisschen (Schein-)Demokratie auch sparen, alles gleich im kleinen Rahmen bzw. unter sich ausmachen und dann die Presse über das Ergebnis berichten lassen.

    Wenn(!!!) diese Sozialwahl m.E. überhaupt einen Sinn machen soll, dann sollte man sie als „umfassendes“ Feldexperiment für Onlineabstimmungen nutzen.

  • Warum in der GKV immer noch keine Miet- und Kapitalerträge zur Beitragsbemessung herangezogen werden, sondern nur Arbeitseinkommen, das ist mir seit Jahrzehnten schleierhaft.

    Und warum in der PKV bei einem Welchsel von Mitgliedern mit Vorerkrankungen diese gegenüber der neuen PKV nicht so gestellt werden können, wie sie es bei Eintritt in ihre bisherige PKV gestellt waren, das verstehe ich ebenso wenig.

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