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Werner Mauss Bundesgerichtshof hebt Urteil gegen deutschen James Bond auf

Der legendäre Ex-Geheimagent Werner Mauss muss erneut vor Gericht. Das Urteil wegen Steuerhinterziehung ist nichtig – die BGH-Richter fanden zu viele Widersprüche.
1 Kommentar
Werner Mauss: BGH hebt Urteil gegen deutschen James Bond auf Quelle: dpa
Hauptverhandlung gegen Werner Mauss

Der Ex-Agent bei dem Prozess im Jahr 2016.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Das Urteil des Bundesgerichtshofs in Sachen Werner Mauss ist vor allem für einen Beteiligten peinlich: das Landgericht Bochum. Jahrelang hatte die Staatsanwaltschaft Bochum gegen den ehemaligen Geheimagenten ermittelt und minutiös darzulegen versucht, wie Mauss Millionen auf Konten in der Südsee parkte, ohne sie zu versteuern.

Mauss gab an, das viele Geld sei gar nichts seins gewesen. Er habe es im Auftrage Dritter für Geheimoperationen geparkt. Die Staatsanwaltschaft zeigte, dass Mauss mit dem Geld unter anderem seine Villa und seine Pferde finanzierte. Für die ihrer Ansicht nach rechtswidrig unversteuerten 35 Millionen Euro forderte sie mehr als sechs Jahre Haft.

Der Prozess geriet zur Posse. Immer wieder machte Mauss‘ Anwalt wilde Ankündigungen über angebliche Kronzeugen, die ihn komplett entlasten sollten. Er legte Papiere vor, die die Vorwürfe entkräften sollten, unter anderem eines, das der ehemalige israelische Verteidigungsminister Amir Peretz unterzeichnet habe.

Die Staatsanwaltschaft wischte sie beiseite. Teils enthielten die vorgelegten Schreiben erstaunliche Rechtschreibfehler, keines von ihnen diente der Aufklärung in der Sache. Die Beamten werteten die Schriftstücke als verunglückte Gefälligkeiten alter Freunde.

Im Laufe des Verfahrens kam das Gericht zu einer Einschätzung: Die 35 Millionen Euro waren tatsächlich unversteuert. Hätte Mauss sie versteuert, hätte er Betriebsausgaben geltend machen können. Unter dem Strich blieb ein Schaden von nicht gezahlten Steuern in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro.

Doch obwohl laut Bundesgerichtshof bei mehr als einer Million Euro hinterzogener Steuern in der Regel eine Haftstrafe zu verhängen ist, blieb Mauss auf freiem Fuß. Das Landgericht Bochum verurteilte ihn im Oktober 2017 nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Richter Markus van den Hövel sprach in der Urteilsbegründung von einer „beeindruckenden Lebensleistung“ von Mauss, die bei der Urteilsfindung berücksichtigt worden sei. Neben der Bewährungsstrafe wurde außerdem die Zahlung von 200.000 Euro an karitative Organisationen angeordnet. Für Mauss war das Kleingeld. Allein für den Kauf von Wachstumshormonen gab er jährlich 120.000 Euro aus.

Weder die Staatsanwaltschaft noch der Verurteilte waren mit dem Ausgang des Verfahrens zufrieden. Mauss‘ Verteidiger warf dem Gericht vor, für entlastende Beweise „nicht zugänglich“ gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft hielt sich öffentlich mit Äußerungen zurück, hinter den Kulissen herrschte jedoch große Empörung. Eine Bewährungsstrafe widerspreche den rechtsstaatlichen Grundsätzen, wetterten Beamte. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Mauss legten Revision ein.

Nun geht alles von vorn los. Die Entscheidung des Landgerichts Bochum in Sachen Mauss weise in einem zentralen Punkt Widersprüche auf, sagte der Vorsitzende Richter des Bundesgerichtshofs, Rolf Raum, in Karlsruhe. Es sei nicht klargeworden, ob Mauss seine Steuerpflicht bewusst war. Das Landgericht muss den Fall nun erneut verhandeln, aber vor einer anderen Strafkammer.

So steht ein neues Spektakel an – mit all seinen schillernden Einzelheiten. Mauss war der bekannteste Geheimagent Deutschlands, genannt 007. Er fand die Giftfässer, die beim Chemieunglück in Seweso verlorengingen. Mauss beendete Geiselnahmen in Kolumbien, half wesentlich bei der Festnahme von Terroristen in Griechenland.

Er hatte Verbindungen in höchste Regierungskreise und war auch in den Medien gut verdrahtet. Der damalige Spiegel-Redakteur Hans Leyendecker ließ sich während einer Recherche-Reise mit Mauss in Kolumbien mit einem Maschinengewehr in der Hand fotografieren. Die Öffentlichkeit feierte den Geheimagenten als Helden.

Die Staatsanwaltschaft Bochum brachte eine andere Seite von Mauss ans Licht. Der Mann, der nach eigener Aussage unentwegt für den Weltfrieden arbeitete, lebte wie ein Fürst. Die Millionen, die er vor der Steuer versteckt haben soll, bezeichnete Mauss als Fonds für geheime Missionen, mit denen ein internationales Konsortium ihn betraut habe.

Doch allein 22.000 Euro aus dem Fonds nahm Mauss pro Monat, um sein Anwesen zu bewirtschaften. Er kaufte mehrere Ferraris und Reitpferde. Sein Konto führte Mauss unter anderem bei einer Filiale der Schweizer UBS Bank. Einzahlungen erfolgten oft in bar auf den Bahamas, Abhebungen in Luxemburg. Dort erschien Mauss in der Regel zweimal im Monat und nahm 120.000 bis 170.000 Euro in bar mit, zu Weihnachten waren es auch mal 440.000 Euro.

Den Bankmitarbeitern verriet Mauss oft auch den Verwendungszweck: Geschenke für Familienangehörige, die Finanzierung von Reitturnieren und ähnliches. Außerdem finanzierte er mit dem Geld Lebensversicherungen in Höhe von 51 Millionen Dollar. Begünstigte waren Mauss' Frau und seine Kinder.

Ob all dies mit unversteuertem Geld möglich gewesen sein soll, muss nun ein zweiter Prozess klären. Mauss' Verteidiger sind fürs erste zufrieden. „Wir müssen jetzt die ausführliche Urteilsbegründung abwarten“, sagte sein Anwalt Daniel Fischer. „Nach wie vor wollen wir einen Freispruch erreichen.“

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1 Kommentar zu "Werner Mauss: Bundesgerichtshof hebt Urteil gegen deutschen James Bond auf"

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  • Warum fällt mir in Zusammenhang mit Mauss immer Frau Klöckner ein?
    Frau Klöckner, können Sie mir das erklären?
    Bzgl. des von den Medien aufgedeckten Parteispendenskandals in der Rheinland-pfälzischen CDU geben Sie sich immer noch unwissend. Ein Persönlichkeitsmerkmal, das bei Ihnen zwar häufig anzutreffen ist, aber im Fall Maus deplaziert wirkt. Warum rücken Sie nicht mit der Wahrheit heraus?
    Und wenn wir schon einmal dabei sind, wäre es doch interessant zu erfahren, wie der Stand des von Ihnen angekündigten Parteiausschlußverfahrens gegen den Koblenzer CDU-Politiker Wilms ist, der Anfang des vorletzten Jahres auf üble Weise gegen Manu Dreyer gehetzt hatte. Hatten sie doch mehr Klarheit angekündigt. Umgesetzt oder alles wieder einmal nur erstunken und erlogen?

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