Werner Schnappauf Brüderle-Affäre kostet BDI-Funktionär das Amt

Werner Schnappauf galt bei der Besetzung des BDI-Hauptgeschäftsführer-Posten als Notlösung. Jetzt muss der CSU-Mann gehen - wegen Brüderles Atom-Bekenntnissen.
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Werner Schnappauf Quelle: dpa

Werner Schnappauf

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DüsseldorfNach der Affäre um umstrittene Atom-Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) stellt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Werner Schnappauf, sein Amt zur Verfügung. Werner Schnappauf sagte: „Ich übernehme die politische Verantwortung für die Folgen einer Indiskretion, an der ich persönlich nicht beteiligt war, um möglichen Schaden für das Verhältnis von Wirtschaft und Politik abzuwenden.“ Dem früheren bayerischen CSU-Umweltminister wird angelastet, dass Äußerungen nach draußen drangen, wonach Brüderle bei einer internen BDI-Runde gesagt haben soll, das Atom-Moratorium sei vor allem den anstehenden Landtagswahlen geschuldet.

Als Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) war Schnappauf auch zuständig für die Protokolle von BDI-Präsidiumssitzungen. Eines dieser Papiere mit heiklen Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zur Atompolitik der Bundesregierung gelangte an die Öffentlichkeit. Schnappauf selbst hatte dieses Protokoll der hochkarätigen Runde vom 14. März mit dem Vermerk "Vertraulich" an die Teilnehmer versandt. Die Aufregung ist nun groß, denn Brüderles kolportierte Äußerungen, dass das Atom-Moratorium ein reines Wahlkampfmanöver sei, könnten die Landtagswahlen am Wochenende entscheidend beeinflussen.

Der Rücktritt von Schnappauf kommt einigen Industrievertretern nicht ungelegen, zumal Schnappauf schon bei seiner Ernennung im November 2007 zum BDI-Hauptgeschäftsführer als Notlösung galt. Insbesondere BDI-Präsident Hans-Peter Keitel stieß sich laut Verbandskreisen an dem zuweilen arg bürokratisch auftretenden Hauptgeschäftsführer, den er von seinem Vorgänger übernommen hatte.

Der Berufung von Schnappauf vorausgegangen war eine monatelange Hängepartie, weil der damalige BDI-Präsident Jürgen Thumann sich schwer tat, einen Nachfolger für den langjährigen Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg zu finden. Unterwegs erlitt Thumann mit dem Versuch Schiffbruch, den damaligen parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion und heutige Bundesumweltminister, Norbert Röttgen (CDU), für das Amt zu gewinnen. Schließlich fiel die Wahl völlig überraschend auf den damaligen bayerischen Umweltminister.

CSU-Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte einst Schnappauf in sein Kabinett geholt. Stoiber erkannte in ihm einen arbeitswütigen Seelenverwandten, in dessen Büro - wie bei ihm selbst - bis spät in die Nacht das Licht brannte. Auf Schnappauf ruhten "große Hoffnungen", sagte Stoiber bald über seinen Musterschüler.

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19 Kommentare zu "Werner Schnappauf: Brüderle-Affäre kostet BDI-Funktionär das Amt"

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  • Die Regierungsmannschaft braucht einen neuen Trainer. Ruft doch mal bei "Kaiser" Franz an.

  • Treten jetzt alle zurück, die da waren, als Brüderle die Wahrheit gesagt hat? Früher trat man eher zurück, wenn man beim Lügen ertappt wurde...

  • die Grünen btw auch nicht

  • Brüderle offensichtlich ein heißer Kandidat für den Posten des Hauptgeschäftsführers beim BDI.

    Ich verstehe nicht, wie ein Land mit unseren Schulden und ander hoch verschuldete EU Länder Schulden machen, um verschuldeten Staaten zu helfen und noch Mrd. Bürgschaften abgeben über Mrd. die gar nicht verfügbar sind. Mit welchem Recht wird hier dieses Land über Generationen so stark verschuldet, dass für Freiheit und persönlicher Selbstbestimmung kaum wirtschaftliche Möglichkeiten bleiben. CDU, FDP, SPD und die Grünen haben dieses Land systematisch kurz vor den Bankrott geführt, wann wird diesem Misstand mit der gleichen Härte wie der Kernenergie begegnet. Verantwortungsvolles Handeln FEHLANZEIGE!!!

  • Der BDI sollte nicht mit Kassibern glänzen wollen.

  • Es sieht aus als wären Merkels und Westerwelles Tage gezählt. Der BDI erträgt die Inkompetenz der "Ostdame" samt "Leichtmatrose Westerwelle" nicht mehr. Da ist Brüderles Verlogenheit ein guter Ansatzpunkt die Koalition ins wahre Licht zu rücken.

  • Nun ja, immerhin übernimmt hier jemand Verantwortung aus der vordersten Reihe. Das ist leider nicht mehr selbstverständlich.

  • Ihre Jurisdiktion geht ungefähr wie nach hinten los: man kann auch mit Henkern reden. Warum Sie Henker sind, bleibt indes Ihre ganz persönliche Entscheidung.

  • Es ist nur schwer vorstellbar, dass der Protokollführung dieser hochkarätig besetzten BDI-Runde in der Protokoll-erstellung ein Fehler unterlaufen ist, der so gravierend ist, dass CDU und FDP bis ins Mark getroffen wurden. In der Äußerung Brüderles liegt mit Sicherheit so viel Spreng-stoff, dass selbst ein vorhandener Wort- bzw. Sinndreher diesen nicht mehr entschärfen könnte. Das Schnappauf seinen Posten zur Verfügung stellen will ändert nichts am Geschehenen. Worte sind wie abgeschossene Pfeile, nichts bringt sie zurück.

  • Ich hab hier schon lange keinen so unqualifiziert einseitigen Beitrag gelesen. Wo bleibt denn der Hinweis, dass die CSU unter Schnappauf in Oberfranken reihenweise rote Bastionen Bayreuth, Kulmbach, Hof,...) gewinnen konnte - und zum Teil bis heute hält? Oder dass seine Leistungen beim Ausbau des Hochwasserschutz über Parteigrenzen hinweg anerkannt wurden?<br/>Scheinbar springt jetzt auch das Handelsblatt auf den Zug von Spiegel Online und Sueddeutsche auf, die Abwägung und Differenzierung ja schon länger als unnötigen Balast betrachten. Bedauerlich...

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