Wettbewerb econo=me Wenn Schüler kreativ mit Wirtschaft umgehen

Die Preisträger-Teams des Schülerwettbewerbs econo=me zeigen, wie kreativ Jugendliche sich mit Ökonomie beschäftigen – wenn sie dürfen.
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Komplexe Themen und erfrischende Aufarbeitungen. Quelle: (c) Uta Wagner, www.info@uta-wagner.com, info@uta-wagner.com, Mo
Preisverleihung

Komplexe Themen und erfrischende Aufarbeitungen.

(Foto: (c) Uta Wagner, www.info@uta-wagner.com, info@uta-wagner.com, Mo)

BerlinDie 20-jährige Liz ist unsicher: Wäre es besser, wenn das Bargeld abgeschafft würde? Klar, es wäre praktischer, überlegt die Studentin mit der Strubbelmähne im roten Minikleid. Aber sie müsste ihre Einnahmen durch Babysitten womöglich versteuern. Ihr Kaufverhalten – egal ob Cola, Buch oder Zigaretten – wäre nachvollziehbar. Und man weiß ja, dass solche Daten gehandelt werden, überlegt Liz.

Liz ist die Hauptfigur eines Zeichentrickfilms zum Thema Bargeld. In nur fünf Minuten gelingt es den Machern mit eindrücklichen Zeichnungen, nahezu alle Pro und Contras abzuklopfen: Schwarzarbeit, Datenschutz, Kriminalität – sogar Themen wie Transaktionskosten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs bei Kleinstbeträgen wie beim Kauf eines Döners oder die Kosten der Bargeldtransporte werden angesprochen.

Belohnt wurde das Filmchen mit einem ersten Preis beim Schülerwettbewerb econo=me der Aktion „Handelsblatt macht Schule“ und der Flossbach von Storch Stiftung. Das Interesse war enorm: Insgesamt hatten sich 253 Teams aus ganz Deutschland beworben.

Ziel des Wettbewerbs ist es, Schüler für ökonomische Zusammenhänge zu interessieren – die vielfältigen Einsendungen zeigen enormes Interesse und Kreativität. Hintergrund sind die dramatischen Defizite auf diesem Feld: Aktuell lernt nicht mal jeder Fünfte in der Schule den Umgang mit Geld, Konten oder Aktien.

Noch vor wenigen Jahren war es wenigstens jeder Dritte, ergab eine Umfrage der Direktbank ING-Diba. Auch nach dem Finanzplanungsindex des Bankenverbandes nimmt das Finanzwissen in der Bevölkerung ab – und ist vor allem bei Jüngeren mangelhaft.

Nach den Daten der ING-Diba ist nur an jeder siebten Schule Finanzbildung fester Teil des Stundenplans. Besonders groß ist das Defizit an Hauptschulen. 70 Prozent der Absolventen geben an, sie hätten nichts über Finanzen gelernt – auch unter Realschülern sind es 56 Prozent. Beruhigend sind auch die Werte für Abiturienten nicht: Jeder zweite – 44 Prozent – hat im Unterricht nie etwas über Finanzen gehört.

Nur einzelne Bundesländer haben eigene Wirtschaftsfächer, viele verteilen ökonomische Inhalte über Fächer wie Geschichte, Geografie oder Politik. „So jedoch wird keine systematische ökonomische Bildung vermittelt“, kritisiert Michael Koch vom Institut für Ökonomische Bildung IÖB in Oldenburg, einer der Juroren des Wettbewerbs.

„Nutzt diese Chance, euch frühzeitig mit wirtschaftlichen und finanziellen Fragen auseinanderzusetzen“, ermunterte daher beim Start von econo=me die ehemalige Bundeswirtschaftsministerin und Schirmherrin Brigitte Zypries die Schüler. „Mit dem Wissen, das ihr so sammelt, könnt ihr euch eine eigene Meinung bilden und müsst euch nicht auf das verlassen, was andere euch erzählen.“

Die preisgekrönten Beiträge – vor allem Filme, aber auch Websites und Onlinemagazine – zeigen auf beeindruckende Weise, wie tief die Schüler ins Thema eingestiegen sind und wie unterhaltsam ihre Erkenntnisse verarbeitet haben. Bei der Europäischen Zentralbank haben sie recherchiert, dass die Menge des Bargeldes, das noch im Umlauf ist, zuletzt überraschenderweise sogar zugenommen hat.

Gleich mehrere Schüler haben sich aufgemacht, um Bankmitarbeiter in ihrem Heimatort zu interviewen, und überrascht festgestellt, dass zwar manche Filialen Bargeld nur noch im Bankautomat haben, generell aber nicht von einer schnellen Abschaffung ausgehen.

Vielseitiges Thema

Datensicherheit ist ein Dauerthema: Die Jugend, die angeblich völlig sorglos persönliche Daten im Internet preisgibt, warnt in den econo=me-Beiträgen, dass mit der Abschaffung des Bargeldes der gläserne Kunde selbstverständlich würde. Ganz nebenbei werden so sperrige Vokabeln wie „Metadaten“, also etwa Zeitpunkt oder Höhe von Transaktionen, verwendet – und erklärt.

Sie lassen sich erklären, dass die alternative Internet-Währung Bitcoin extrem „volatil“ ist – und weit stärker schwankt als etwa Aktienkurse. Und dass die Hirnforschung zeigt, dass bargeldloses Bezahlen eher zur Verschuldung führt als der Umgang mit Scheinen und Münzen.

„Das Thema war sehr dankbar, weil es viele wirtschaftliche Aspekte abgedeckt hat – von der EZB bis Datenschutz“, sagt Arndt Settnik, Lehrer am August-Griese-Berufskolleg in Löhne. Verena von Hugo, Vorstand der Flossbach von Storch Stiftung, zeigte sich beeindruckt „zu sehen, wie die Jugendlichen ein herausforderndes Thema kreativ angehen und als Team charakteristische und inhaltlich tiefgehende Beiträge erarbeiten. Dass Finanzbildung solche Früchte trägt, stimmt positiv“.

Die Schüler finden die Mitarbeit am Wettbewerb als Alternative zum Unterricht prima: „Es hat eindeutig mehr Spaß gemacht, sich mit unserem eigenen Projekt mit dem Thema ,Abschaffung des Bargelds‘ zu beschäftigen als mit einem Lehrbuch“, sagt Teilnehmerin Paula Krawczuk.

„Ich hatte selbst schon zum Beispiel mit meinen Eltern darüber gesprochen, ob es Bargeld später noch geben wird. Daher fand ich es spannend, mich auch in dem Wettbewerb damit zu beschäftigen“, meint Lilly Siegmund (beide 13). Die 20-jährige Liz aus dem Film der Oldenburger Schüler kommt übrigens zu dem Schluss, dass sie das Bargeld doch lieber behalten möchte – wie die Mehrheit der Deutschen.

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