What's right? Die linken Chlorhühnchen-Spießer

Die transatlantische Freihandelszone wäre ein Segen für Europas Wirtschaft. Vor allem der deutsche Mittelstand könnte profitieren. Doch die politische Linke läuft Sturm – aus blinder Ideologie gegen Wettbewerb und USA.
27 Kommentare
Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Sozialisten brauchen offenbar Feindbilder für ihre Weltsicht. Vor 100 Jahren war es der Unternehmer, der als „Bourgeoisie-Kapitalist“ gehasst wurde. In den zwanziger Jahren kamen Banken und Juden hinzu, ab den sechziger Jahren dienten Konzerne und der „militärisch-industrielle Komplex“ als Sündenböcke. Schließlich wurde ganz Amerika zur Inkarnation des Klassenkampffeindes.

Man braucht seither nur „Wall Street“ rufen und schon läuft europäischen Genossen ein Schauder über den Rücken und die Pupillen verkleinern sich zu Wutpunkten. US-Unternehmen wie McDonalds und Monsanto, Goldman Sachs und Google werden von Linken in Europa betrachtet wie leibhaftige Teufel.

So ist die Schurkenwelt der Genossen zwar wohlsortiert, doch seitdem George Bush kein Präsident mehr ist, fehlt den Linken von Marseille bis Marzahn das ganz akute Hassobjekt. Da der Klassenfeind aber – Lenin machte seine roten Freunde nachhaltig darauf aufmerksam – „nie schläft“, hat er sich jetzt hellwach das Projekt „transatlantisches Freihandelsabkommen“ ausgedacht. Seither ist TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) der neue Fetisch linker Szenen.

Alles denkbare Grauen wird plötzlich auf TTIP projiziert, so als werde Europa damit in ein raubtierkapitalistisches Gehege von sozialen und ökologischen Mindeststandards verwandelt. Wer sich auf Anti-TTIP-Veranstaltungen umhört, der könnte meinen, es sei so etwas wie das handelspolitische Waldsterben, der soziale Klimaschock oder die ökologische Schweinepest im Anmarsch. Und was den Klimaschützern der Symbol-Eisbär war, das ist den TTIP-Hassern das Chlorhühnchen, das chemietrunken aus Amerika nun bald auf allen Mittagstischen Europas zu landen drohe.

Die Kritik an der Freihandelszone wird getragen von einer ideologischen Ablehnung des freien Wettbewerbs und Handels einerseits, andererseits von einem tief sitzenden Anti-Amerikanismus. Indem Europas Linke offene Grenzen wie freien Handel verhindern wollen und ein einzelnes Land stigmatisieren, wandeln sie sich zusehends zu Retro-Nationalisten.

Wo ist eigentlich der weltoffene Internationalismus geblieben, der linke Vordenker einst auszeichnete? Wo lebt die avantgardistische Modernisierungslust noch, die linke Politik bis weit ins 20. Jahrhundert hinein geprägt hat? In ihrem Widerstand gegen Globalisierung und Freihandel mutiert die Linke zu einer tiefkonservativen, spießigen Bewegung, die den Status Quo von bürokratisch formierten Nationalökonomien unbedingt bewahren will.

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27 Kommentare zu "What's right?: Die linken Chlorhühnchen-Spießer"

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  • Die USA könnten doch jetzt ihre Chlorhähnchen zur Vorsorge nach Afrika verkaufen. Chlor soll ja das einzige sein, mit dem man sich vor Ebola schützen kann.

  • Wieder einmal wird viel geredet,was soll dies?
    Abkommen wie diese, die geheim verhandelt wrden haben nur den einen Zweck, nämlichen einen der Partner überden Tisch zu ziehen.
    Entscheident ist auch, daß das Abkommen nicht nur den Warenverkehr betrifft sonder auch alle Dienstleistung, wie z. B. Leistungen in Krankenhäusern und Pflegeheimen, den Mindestlohn, die Arbeitsstandarts u.v.m.
    Wie ich die Amis einschätzt, werden sie uns damit ganz schön abzocken.

  • tjyya.. vorlage

  • seinen "Argumenten" die nötige Tiefe zu verleihen. Für Ihre Sache scheinen die Linken auch gern recht unmenschliche Methoden zu begrüssen. Soweit sich ein Linker in einer "Super-Position" zum Klassenfeind wähnt, tritt das wahre Gesicht dieses "Linken" Gedankenguts, bzw. modernen "Rebellen", zu Tage. Moralischer Overkill, sozialer Neid und Opportionismus sind die Merkmale von Linken, welche sich für die Bildungsschicht wie eingesponnene Raupen darstellen..

  • "EU-Bedingungen!" So bleibt doch die europäische Banane normgerecht gekrümmt und niemand drückt Amazon, Facebook & Google auch nur einen Cent ab. Sich einer Ideologie anzuschmiegen und dabei noch eine argumentative Diskussion herbeiflehen, zeigt wie wenig die Vertreter einer linken Moderne gegenarbeiten. Sie greifen keine Faktendarstellung an (sie berufen sich sofort auf eigene), Sie erarbeiten keine Konkurrenz entgegen US-Software Unternehmen, statt dessen giften Sie wie kopflose Hühnchen entgegen linksgerichteter Kritik. Sie wollen ja die Welt verbessern, dann rufen Sie doch auf zum Boykott von Waren aus Ländern, die humanitäre Standards nicht bedienen. So kann doch selbst mit einem Freihandelsabkommen jeder Konsument Ihren Interessen (linken) weit mehr zuarbeiten, als durch jedwede Handelsblockade" (US, Kapitalmarkt Phobie). Statt sich den Billigproduzenten entgegenzustellen, "marketieren" Sie diesen links-negativen Kommentar. Das ist typisch ineffektiv für die linke Sphäre" und musste, in einer Art "eine Million-Vermögensteuer", Ökonomen-Parodie enden. Statt sich zusammenzuraufen und den nun offenen Devisenhandelsmarkt zu studieren (früher erst ab 10.000EUR zugänglich, heute ab 1EUR) ergiesst sich die Linke in einer Glorifizierung kommunistischer Ideen. So verschweigt die Linke mehr, als sie links-profitabel im Sinne Ihres Humanismus'es, zu erarbeiten fähig wäre. Statt zB. automatische Handelssysteme zu sondiren, testen und weiterzuentwickeln, um diese letzlich jedem Linken auf's Auge zu drücken, wird entgegen jeder (jetzt!) human einsichtigen Notwendigkeit von Kapitalgewinn und dessen Einsatz für humane Projekte, diese Arbeit zugunsten einer Zersetzungsideologie(Kaptitalismus) vorn'an geschoben. Auch wieder zuungunsten von Hilfebedürftigen, welche aus Richtung der deutschen Linke, nur Wörthülsen empfängt. So als wären Nicht-Linke Unmenschen und müssten vom Teufel des Kapitalismuses gereinigt werden. Da bedient sich auch jeder Linke schnell der Stasi 3.0 um sein

  • Diese Informationen hat man den Team einen ÖR Sendeanstalt zugespielt, und damit S. Gabriel konfrontiert. Der wusste angeblich von nix und liess später mitteilen das kein Brüsseler Gesetz an die Standards hier rühren dürfe. Wenn es sich da einmal nicht täuscht, und wir wieder einmal getäuscht werden.. Also nix mit aufheulen.

  • Nichts gegen eine Polemik - aber das ist leider nur eine ganz schwache Polemik. Um das oft zitierte "Chlorhühnchen" geht's den Kritikern im Kern doch schon lange nicht mehr. Sondern z.B. um die "Investorenschutz-Klauseln" - und angesichts der Tatsache, dass auch die bundesrepublik Deutschlang bereits sehr realen Klagen ausgesetzt ist (Vattenfall z.B.)ist dieses Bedrohungspotential von Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe ganz sicher keine Panikmache von irgendwelchen linken Spinnern. Davon aber kein Wort in ihrer Polemik, komisch?? Und die Auftrags-Gutachten a la IFO-Institut, wonach dieses Abkommen zu einem märchenhaften Wirschaftswachstum und Wohlstandsvermehrung führen würde, die glaubt man ja noch nicht mal im pro TTIP gestimmten Brüssel. Ein Vorschlag: Wenn der Autor so richtig für Liberalität und "freie" Wirtschaft trommeln möchte: Wie wär's mal mit einem glühenden Appell gegen Preismonopole und Besitzstände von bestimmten Berufsständen wie Apothekern. Oder einem Appell dafür, dass ihr Liebling Google unbeschränkt Content nutzen und verwerten kann ?? Da hört's dann aber wahrscheinlich ganz schnell auf mit Liberalität, Internationalismus und Avantgardismus! Schon komisch!!!

  • Nun lassen Sie sich doch nicht auf sein "Niveau" herab... Was ist denn an Nordkorea links? Oder an China? Nur weil da irgendwann mal irgendwer irgendwas mit Kommunismus draufgeschrieben hat, ist da doch trotzdem einfach nur Diktatur drin.

  • Ein dürftiger Kommentar zu einem komplexen Thema. Einerseits wird unüberhörbar geheult, wie geheim die Verhandlungen doch sind. Andererseits weiß jeder Jürgen Dannenberg, dass amerikanische Gesundheitskonzerne sich ihre eigenen Gesetze nach Europa mitbringen dürfen. Ganz schön geheim.... oder doch eher lachhafte Vermutungen und Angstmacherei?

  • Herrlicher Kommentar! Erinnern Sie sich auch daran, wer die Taliban hochgerüstet hat, um einen Stellvertreterkrieg gegen den Kommunismus zu führen?!

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