What's right? Die Massen-Enteignung hat begonnen

Die Dumpingzinspolitik der Notenbank ist ein historisches Fanal. Sparer, Lebensversicherer und Kapitaleigner werden systematisch enteignet. Wovon linke Revolutionäre träumten, macht unsere Geldpolitik zur Realität.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die Europäische Zentralbank wird radikal: Die Notenbanker senken den Einlagenzins für Banken auf minus 0,1 Prozent, der Strafzins ist damit Wirklichkeit. Zugleich wird der Leitzins auf das historische Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt. Und als wäre das alles nicht genug, wird die Notenbank noch in diesem Jahr zweimal die große Geldkanone zünden.

Im September und im Dezember bekommen die Geschäftsbanken jeweils Mega-Milliardenbeträge hingedonnert, für eine Laufzeit von vier Jahren fast geschenkt - ähnlich der beiden Geldspritzen, im Rahmen derer die EZB schon einmal insgesamt rund 1 Billion Euro an die Banken ausgab. Die gigantische Geldschwemme soll für Unternehmenskredite weiter gereicht werden.

Europa wird damit mit Geld geflutet wie nie zuvor in seiner Geschichte. Man kann nur hoffen, dass wir daran nicht ertrinken, denn Draghi kann offenbar gar nicht genug von seinem Meer aus Euros haben und erklärt: „Wenn es notwendig ist, werden wir im Rahmen unseres Mandats mehr tun.“

Mit dieser Entscheidung wird die esklarierende Geldmenge zum Programm. Eine derart massive Entscheidung wäre nur in einer akuten Notlage zu rechtfertigen. Tatsächlich aber gibt es die weit und breit nicht: die Schuldenkrise ist überwunden, die Banken sind gut finanziert und verbessern ihre Bilanzen, die Renditen für Südstaatenanleihen sind massiv gesunken, Krisenländer sind an die Kapitalmärkte zurück gekehrt, die Konjunktur läuft.

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Die EZB rettet also nichts und überwindet auch keine Krise. In Wahrheit macht sie sich zum Büttel des Schuldensozialismus. Um die gewaltigen Staatsschulden zu refinanzieren, wird so viel Geld geschöpft, dass die Zinsen auf Null sinken und Schulden leicht zu refinanzieren sind. Den Preis freilich haben alle Sparer zu zahlen.

Damit erfüllt sich der Traum alter Sozialisten. Generationen von Linken wollten Kapitalisten irgendwie enteignen – über Steuern oder Abgaben oder allerlei Sozialverpflichtungen. Der neuartige Schuldensozialismus etabliert nun eine viel drastischere Variante der Kapitalbesitzerschröpfung. Die Dumpingzinspolitik sorgt dafür, dass sie rabiat und systematisch enteignet werden. Mit ihr etabliert die EZB einen negativen Realzins so nachhaltig, dass der zu einer gewaltigen Umverteilung von Gläubigern zu Schuldnern führt.

Bei einem Geldvermögen der Deutschen von 5,2 Billionen Euro bedeutet ein Prozent negativer Realzins 52 Milliarden Euro Verlust – mitsamt der Kapitalertragssteuern steigt die Summe auf mehr als 60 Milliarden Euro im Jahr. Das sind 200.000 Einfamilienhäuser, die den Deutschen nunmehr jedes Jahr einfach mal weg genommen werden. Und zwar Häuser vom mühsam Ersparten. Und wer es lieber automobil handfest haben will – 1,8 Millionen Mercedes-Limousinen werden den Deutschen, ohne dass sich jemand darüber aufregt, freiweg gestohlen.

Die EZB steckt armtief in den Spartaschen der Deutschen
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14 Kommentare zu "What's right?: Die Massen-Enteignung hat begonnen"

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  • Jakob Augstein ist nicht die Linke!

    1. J. Augstein ist einer jener chronisch ungebildeten, ideologisch-bornierten Idioten, die ab und zu mal,zwischen ihrem vielen Unsinn und kruden Thesen, was richtiges und vernünftiges sagen. Aber er bleibt immer noch ein Idiot, der tief in seinem kulturell-linken/Alt-68er-Nirvana jenseits der Realität verschollen ist.

    2. Darüberhinaus - Jakob Augstein ist nicht "die Linke" - weder die Linkspartei noch die übrigen linken Parteien in diesem Land. Nur weil er die Zinspolitik der ZB kritisiewrt, heißt das nicht, dass die Mainstream-Linke oder auch nur ein Teil davon es ihm gleich tut.

  • 52 Milliarden Euro gestohlen

    Bei einem Geldvermögen der Deutschen von 5,2 Billionen Euro bedeutet ein Prozent negativer Realzins 52 Milliarden Euro Verlust – mitsamt der Kapitalertragssteuern steigt die Summe auf mehr als 60 Milliarden Euro im Jahr. Das sind 200.000 Einfamilienhäuser, die den Deutschen nunmehr jedes Jahr einfach mal weg genommen werden. Und zwar Häuser vom mühsam Ersparten. Und wer es lieber automobil handfest haben will – 1,8 Millionen Mercedes-Limousinen werden den Deutschen, ohne dass sich jemand darüber aufregt, freiweg gestohlen.

    Wie nennt man eine Politik - oder besser wie sollte man sie nennen- die so einen gigantischen Diebstahl an Volksvermögen verantwortet/ermöglicht? Landesverrat, Verbrechen, Verfassungsbruch?

    Und wie sollte man Parteien nennen, die diese Politik direkt oder indirekt gefördert haben, eine europäische Zentralbank jenseits echter demokratischer Kontrolle geschaffen haben und jetzt bei diesem Diebstahl zusehen? "Extremisten", "Antidemokraten", "Landesverräter", "Verbrecher" oder alles zusammen.

  • "Bei einem Geldvermögen der Deutschen von 5,2 Billionen Euro bedeutet ein Prozent negativer Realzins 52 Milliarden Euro Verlust – mitsamt der Kapitalertragssteuern steigt die Summe auf mehr als 60 Milliarden Euro im Jahr."

    Raus aus dem Geld... das ist die Botschaft. Bei uns in der Gegend werden Immobilien zu Höchstpreisen gekauft, und zwar alles was nicht niet- und nagelfest ist. Hauptsache rein in Sachwerte...

  • Stimmt irgendwie. Im September 2013 war das mit den Strafzinsen der EZB noch eher unbekannt. Seit Feb 2014 prfeifen es jedoch die Spatzen von den Dächern, was sich NACH der Europawahl tun würde. Also selbst schuld wer sich seine Gedanken nicht VOR der Wahl machte. Demokratie erfordert halt auch das Ding zwischen den Ohren zu benutzen. Wenn Michel dazu keine Lust hat, muss er / sie / es die Konsequenzen tragen. (Und die werden wohl noch bitter.)

  • Weil's den Südländern ja so verdammt prächtig geht.

  • "Also einem Herrn Aldi wird ein Negativzins eher etwas nützen, dem Rentner mit seinem Spargroschen nur schaden. "

    Stimmt.
    Aber dieses Geschäftskonzept ist ein Paradebeispiel wie man mit wenig Einsatz und Macht einen ganzen Markt bestimmt.
    Jeder aus dem Bereich weiß ganz genau wie das läuft. Und wer kann schon 5 Jahre mit Verlust kalkulieren, um dann die Kleineren und anderen Größeren zu schlucken?
    Wie man mit vormals krummen und wohlschmeckenden Gurken keinen Blumentopf mehr gewinnen kann, wie man mit weniger Einkommen der Leute diese Spirale immer weiter nach unten führt (und die schon rausgefallenen ruhig füttert). Wenn man diese "Wettbewerbsfähigkeit" weiter denkt, sind wir irgendwann dort wo die Entwicklungsländer heute schon sind und in diesem System auch nicht weiter kommen.
    Dabei ist es völlig egal wieviel Zinsen jemand zahlen muss. Er bekommt sowieso keinen Kredit mehr, Kredit bekommt immer nur jemand der Sicherheiten bieten kann.
    Aber diese Sicherheiten werden weltweit abgebaut, nämlich die Sicherheit eines Einkommens, mit dem man auch was zurück legen kann, und nicht 10 Kinder bekommen muss, damit man im Alter wenigstens den Sessel behalten kann.
    Und das während in Europa 60% zu fett sind. Unter anderem auch weil sie sich nicht mehr gesund ernähren können.
    Die schleichende Enteignung findet durch die Politik statt, eine Politik die behauptet man müßte nur wenig genug verdienen und schön Enthaltung üben (sonst wirst du nicht aufgekauft) dann wird schon alles gut.
    Auch für den Arbeiter in den Fabriken, der für ein paar Cent schuften muss, damit die durch Lohndumping, Leiharbeit und was man sich sonst so einfallen läßt, in den sogenannten Industriestaaten nicht murren und noch billig einkaufen können. Die paar Protestler im Süden bekommen wir schon in den Griff. Bischen Neid und Schattenboxen, dann klappt das schon.


  • Also jammern sollten die Deutschen nicht schließlich haben sie wieder die Schäfer gewählt die am besten rasieren können! Nach dem Einbruch der deutschen Konjunktur kommt das Erwachen und dann die Währungsreform ! Die Südländer können schon nicht mehr vor Lachen über den deutschen Michel !!!!!!!!!!!!!

  • @Wolfram Weimer

    Ich gebe Ihnen in vielem Recht. Insb. wenn sie sagen:
    "Damit erfüllt sich der Traum alter Sozialisten. Generationen von Linken wollten Kapitalisten irgendwie enteignen – über Steuern oder Abgaben oder allerlei Sozialverpflichtungen."

    Das ist absolut wahr! Haben Sie jedoch gesehen wie die Linken darauf reagiert haben? Schauen Sie hier:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/minus-zinsen-der-ezb-europawahl-umbrueche-in-der-eu-a-973538.html

    Eine Kolumne von Jakob Augstein


    Frankfurt macht Minus-Zins-Politik, und London denkt über den Austritt aus der EU nach. Das zeigt: Der angelsächsische Kapitalismus ist nicht zu retten. Europa braucht weniger Markt und mehr Brüssel.


    Was sagen Sie jetzt?
    Die Bundesregierung/EU und die EZB führen eine sozialistische linke Politik. Diese "sozialistische" Politik wird jedoch irreführend als "Kapitalismus" bezeichnet und es wird noch mehr Sozialismus gefordert. Auf diesem lügenbasieres Niveau bewegt sich die Rhetorik mittlerweile.

    Dennoch, glaube ich nicht, dass Sie hier Recht haben:
    "Den Preis freilich haben alle Sparer zu zahlen."

    Ich glaube Sie meinen eher die Euro-Währung-Sparer. In einer globalisierten Welt ist jedoch keiner gezwungen in Euro zu sparen. Jeder, der soviel Geld auf dem Konto hat, dass er sich "Sparer" nennen kann, kann freilich auch alternativ investieren. Und ich glaube zunächst nicht an einer höheren Inflation. Solange die Löhne nicht steigen und sich die Arbeitslosigkeit nicht signifikant ändert, wird die Inflation den Konsum abwürgen. Es wird kein Wachstum geben und dann steht die EZB in einer noch prekäreren Lage. Sollten die Löhne jedoch steigen, wird die EZB bald auch den Zins erhöhen.

  • Man muss sich nur das Geplapper des grünlinken Mallien hier in der Handelsprawda vor Augen legen. Das ultimative Bellen und Trommeln für das "politische Projekt". Wie bei den Nazis - bis zum Untergang. Und nebenher immer vom Euroendsieg schwadronieren. €kelhaft!

  • Infam ist es in der Tat, aber vor allem zwangsläufig.
    Zwangsläufig, wenn man sich ganz einfach klar macht, in welchen Händen sich die Macht (über das Geld) befindet.
    Es dürfte ja mittlerweile kein Geheimnis mehr sein, dass es für die "Lösung" der Schuldenkrise (die in Wirklichkeit eine Krise unseres Geldsystems ist) zwei Möglichkeiten gibt:
    1) to default on the debt (Schulden-Deflation mit Staatsbankrott und vor allem auch Untergang der Systembanken)
    2) to hyperinflate it away (selbstredend)
    http://www.youtube.com/watch?v=yKjqHDb_Kjs
    Wie Sie sehen: Ersteres enteignet und bestiehlt vor allem die Reichen und die Mächtigen, und das vor allem SICHTBAR (Währungsreform mit Haircut); Letzteres enteignet und bestiehlt dagegen insbesondere den Mittelstand und den Durchschnittssparer, und zwar UNSICHTBAR UND UNBEOBACHTET - wie es der "Gottvater" der heutigen Mainstream-Ökonomenspezies sogar unverblümt zugab:
    "Durch einen kontinuierlichen Prozess der Inflation kann die Regierung heimlich und unbemerkt den Reichtum ihrer Bürger konfiszieren. Auf diese Weise konfisziert man nicht einfach, nein, man konfisziert willkürlich. Während dieser Prozess viele Menschen verarmen lässt, bereichert er doch EINIGE WENIGE." (John Maynard Keynes: The Economic Consequences Of The Peace, London 1919)

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