What's right? Die schärfsten Kritiker der Elche

Beim Pädophilen-Desaster der Grünen werden Trittin & Co. zu Opfern ihres eigenen Moralaposteltums. Sie scheitern an den Sünden ihrer Vergangenheit – vor allem aber an der Kälte, mit der sie damit umgehen.
31 Kommentare
Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Als in den Kirchen das Thema Kindesmissbrauch schmerzvoll aufkam, da führte keiner im Land das moralische Schwert so scharf wie Grünenpolitiker. „Entschuldigen reicht nicht”, war die Devise von Roth, Künast und Co. „Finanzielle Sanktionen” müssten her und eine „unabhängige Untersuchungskommission”. Mit Geifer attackierten sie Kirchen und deren „repressive Sexualmoral”, obwohl pädophile Übergriffe dort nur eine extreme Ausnahme und Sünde, nie aber Programm waren. Auf die unfassbare Idee, Pädophilie in Programmen zu legitimieren und zu propagieren, kamen die Grünen selbst. Von den Kindermissbrauchs-Prahlereien Cohn-Bendits über pro-pädophile Programme und Gesetzesentwürfe in den Achtzigern bis zum Treiben Hermann Meers und zum legendären Plädoyer Volker Becks zur „Entkriminalisierung der Pädosexualität” reicht die peinliche Traditionslinie der Partei.

Nun da immer mehr atemraubende Details bekannt werden, verhalten sich ausgerechnet die Grünen wie alte, herzlose Politikapparatschiks, die nur ihre Macht im Blick haben. Erst gibt es „Erinnerungslücken”, dann wird historisiert, verharmlost und verschwiegen, nur in Scheibchen zugegeben, was gerade bekannt geworden ist. Just diese politische Salamitaktik haben die Grünen einst bei anderen Mächtigen bekämpft, Transparenz gefordert und mit ihren Appellen an Anstand und Moral die Herzen vieler Menschen gewonnen.

Nun verhalten sie sich in einer ethischen Kernfrage genauso zugeknöpft und kalt wie einstige Gegner: Kein Erbarmen mit Opfern, keine öffentliche Entschuldigung, keine offene Selbstkritik, aber viel Taktieren, um den politischen Schaden in Grenzen zu halten. Claudia Roth meinte einst herablassend, die Kirche leide an einem „Komplex des Wegsehens”. In Wahrheit scheinen die Grünen selber genau an diesem Komplex zu leiden. Der ganze Skandal bestätigt den alten Sponti-Spruch „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.”

Wenn Jürgen Trittin die pädophile Nachtseite seiner Partei nun vergleicht mit einer geänderten Meinung zur Müllverbrennung, dann ist das entweder herzlos oder zynisch. Wahrscheinlich beides. Mathias Katsch, der Vorsitzende der Opfergruppe „Eckiger Tisch”, ist entsetzt über Bagatellisierungen, findet, dass die Partei-Ikone Cohn-Bendit „mitverantwortlich für den Missbrauch von Kindern” sei und versteht nicht, warum sich die Grünen nicht früher mit den Vergehen „in den eigenen Reihen” beschäftigt hätten. Die Beauftragung von Wissenschaftlern zur Aufarbeitung reiche nicht aus.

Kernschmelze der Grünen als Bewegung
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31 Kommentare zu "What's right?: Die schärfsten Kritiker der Elche"

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  • Dads Schlimme finde auch, dass dieser Pädophile Cohn-Bendit immer noch in Brüssel ist.
    Warum haben ihn die Grünen dort nicht entfernt?

  • Rmartin
    sto,,t
    Die grüne Jugend will ja z. B. Sex zwischen Geschwistern legalisieren
    Es ist nur noch ekelhaft und man muß sich fragen, was das für ein primitives Gesindel ist

  • Germanenhengst
    Genau so ist es.
    Die Grünen sind doch diejenigen, die uns ständig die Nazikeule um die Ohren hauen, sich als die besseren Menschen darstellen.
    Weg mit diesem Gesindel, wir brauchen sie nicht

  • Der Autor macht genau das, was er den Grünen vorwirft.
    Besserwisserisch lässt er seinen eigenen Lehrer Hempel raus und um seine versuchte Großinquisition zu rechtfertigen, wird die ganze Partei in Sippenhaftung genommen.

    Der Kommentar betreibt dabei eigentlich die anmassenden Selbstgerechtigkeit, die er den Grünen vorwirft. Für mich ein klarar Fall von psychologischer Projektion eigener Defekte auf andere.

    Ich mag zwar die grüne Partei schon lange nicht mehr und habe diese das letzte mal 1987 in den Bundetag gewählt, da die Grünen seit langem für mich nur noch ein Abziehbld ihrer ehemaligen Ansprüche und Idelae sind.
    Aber eine so unfaire Behandlung, wie Sie Herr Weimer teils versucht, der widerspreche ich dann doch.

    Pädophilie war ein Thema bei den Grünen der 1980er Jahre und so schwierig das war und ist - aber die Thesen, über die jetzt Trittin und Beck stolpern könnten, waren nie Konsens in der Partei. Nun also alle Gerünen in Sippenhaft für die neu erkannte Pädophilie nehmen zu wollen, ist unfair.

    Ich kann mich erinnern, dass eine Gruppe Erwachsener und Kinder auf einem Parteitag der Grünen in den 980ern medienwirksam auf der Bühne freien Sex zwischen Erwachsenen und Kindern forderten - das war also öffentlich. So unspießig die Grünen damals waren war das scheinbar möglich und diese Öffentlichkeit finde ich immmer besse als die verschänte Tabuisierung des Problems, die wir heute noch haben. Die lustvolle aktuelle Brandmarkung der damit verbundenen Tabuverletzungen sehe ich als Bestätigung dieses Dilemmas.

    Die Sachen sind nicht ausgestanden - das ist aber generell das Problem unserer Gesellschaft - nicht nur bei den Grünen.

    Das Problem jetzt zur moralischen"Kernschmelsze" für diese entarten lassen zu wollen ist selbstgerecht und scheint mir auf Grund der Terminierung wahltaktisch begründet.

    Weder totschweigen noch sich selbstgerecht das Maul über die Verfehlungen anderer zerreißen hilft den Opfern, um die es wirklich gehen sollte.

    Thomas Schüller

  • schon krass...aber ich vestehe nicht, dass sich eine partei selber so zugrunde richtet bzw. durch solche gedanken, dem eigenen land so schadet...
    so krank kann man doch nciht sein, oder?
    sorry für schreibfehler...ipad tastatur:-)

  • Als ehemaliger und schon lange sehr enttäuschter Grünen-Wähler kann ich nur zustimmen: Absolut zutreffend und sehr gut kommentiert! Vielen Dank Herr Weimer!

  • Das Grünen-Bashing haben die sich hart erarbeitet. Die Grünen ernten nun was sie gesät haben.

  • Wer nur ansatzweise glaubt, die Grünen würden sich von ihrem kranken Gedankengut distanzieren, der soll doch bitte Kisslers Konter im Focus-Online lesen: "Die verstörenden Sex-Fantasien der Grünen Jugend".
    Danach ist jedem Leser klar, dass die geplante Straffreiheit für Pädophilie nur der Anfang eines perfiden Plans zur Zerstörung von Familie und Gesellschaft war.
    Die Grünen sind absolut unwählbar!!

  • Nachtrag:
    Ein guter Artikel von Herrn Weimer.

  • @DHasselhoff: Ich habe dieses unsägliche Gespräch gesehen und mir auch diesen provokativ gemeinten Taxt von DCB... und ja... da beschleicht einen ein sehr unwohles Gefühl, wenn man dies sieht. Darin stimmen wir sicher überein.
    Das ist genau der Punkt, in welchem einige bei den Grünen (zu denen Trittin nicht zählt, aber er hat es presserechtlich verantwortet), weit über das Ziel hinausgeschossen sind. Sie waren der Ansicht, es könne gewaltfreie, sexuelle Beziehungen mit Schutzbefohlenen Geben... alle von denen ich weis, haben dies bis heute als schrecklichen Fehler bezeichnet und sich ausdrücklich dafür und für das viel zu späte erkennen dieses Fehlers aufrichtig entschuldigt... was der Kommentator verschweigt.
    Es ist jedoch absurd zu denken, dort hätte in irgendeiner Weise die Verherrlichung von Perversionen statt gefunden und dies kann man auch an der sonstigen Politik und Handlungsweise der Grüne erkennen. Drauf blickt aber keiner mehr... Grünen-Bashing ist in.
    Wenn kümmert es, dass unter Merkel eine gigantische Umverteilung von unten nach oben stattfindet, die Bürgschaften durch die EZB verschleiert werden, der Steuerzahler Unternehmern unrentable Jobs und dessen Gewinne finanziert, die Energiewende vermurkst wird, so dass die privaten Haushalt unverhältnismäßig belastet werden... keine Rede mehr von aktuellen, akuten Problemen, sondern eine Scheindebatte über Dinge ohne reale Konsequenzen von vor 25 Jahren... wer nicht erkennt dass dieser Nonsense eine Methode ist... selbst schuld.
    Die Grünen werden jeden Aspekt schonungslos aufklären und dann entscheiden was in der Gesamtbetrachtung zu tun ist... und das ist gut so!

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