What's right? Die Sozialisten ruinieren Frankreich

Europa kämpft sich langsam aus der Krise. Erste Reformen greifen. Nur Frankreich hält starr am Hollande-Sozialismus fest – und sackt damit bedenklich ab.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Francois Hollande ist inzwischen so beliebt wie ein zu enger Schuh. Der französische Präsident avanciert für viele Franzosen zum drückenden Sinnbild für den nationalen Abstieg - in die Spießigkeit und Enge einer sozialistischen Bürokratie. Nur noch 20 Prozent sind mit der Arbeit Hollandes zufrieden - das ist das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Fünften Republik 1958.

Die Frustration der Franzosen hat einen guten Grund: Während der Rest Europas sich langsam aus der Krise herausarbeitet, schlittert Frankreich immer tiefer hinein. Im dritten Quartal ist die Wirtschaft wieder geschrumpft. Während die deutsche Industrie blendend läuft, bleiben die Geschäfte in Frankreich bleiern. So hat Frankreich als einziges Land neben Griechenland einen Exportrückgang hinnehmen müssen. Mit 48,4 Zählern liegt der Einkaufsmanagerindex in Frankreich inzwischen niedriger als in Griechenland mit 49,2 Punkten. Während in anderen Krisenstaaten wie Italien, Spanien und Irland der anziehende Export die schwache Binnennachfrage inzwischen ausgleichen, sackt Frankreich weiter ab. Der Staatshaushalt bleibt hoch defizitär, und die Ratingagenturen werden immer skeptischer - Standard & Poor’s hat soeben die Bonität Frankreichs erneut herabgestuft.

Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit wird langsam zum Gespött der Weltwirtschaft. Die französische Wirtschaft verliert auf den Weltmärkten mehr Marktanteile als alle anderen Länder des Euroraums. In London kursiert bereits der böse Witz, das wirtschaftliche Zentrum Frankreichs sei mittlerweile Cognac. Die Lohnstückkosten und Sozialabgaben in Frankreich zählen zu den höchsten der Welt. Der Arbeitsmarkt ist verriegelt und überreglementiert, der Mindestlohn in Frankreich übersteigt den EU-Durchschnitt um 80 Prozent. Das Bildungssystem wirkt veraltet. Jedes Jahr verlassen 150.000 Schulabbrecher die Bildungseinrichtungen ohne Aussicht auf einen Job.

Frankreichs absolutistischer Genossenstaat
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40 Kommentare zu "What's right?: Die Sozialisten ruinieren Frankreich"

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  • Wolfram Weimer, wenn sie die Politik der franzößischen Sozialisten und die kaum weniger destraströse Politik der "konservativen" Vorgängerregierung ablehnen, warum haben sie dann nicht den Mut, sich für eine wirkliche politische Alternative, für die Front Nacional auszusprechen?

    Die Front Nacional wird in den deutschen Medien wiederholt diffamiert,weil sie ihre Politik auf Realität basiert und nicht auf irgendwelchen Dogmen oder Ideologien, weil sie -katastrophal gescheiterte politische Konzepte wie Multikulturalismus und Masseneinwanderung kritisiert - kurzum weil sie wirkliche Demokratie will.

    Herr Weimer, wenn sie wirklich konservativ sind, dann unterstützen die einzige wertkonservative Partei Frankreichs die Front Nacional.

  • Das große Problem Frankreichs ist seine selbstgewählte internationale Isolation im ständigen rückwärtsgewandten Besinnen auf die ehemalige Grande Nation. Wie will ein Land international mithalten, in dem fast kein Vorstands- oder Regierungsmitglied, geschweige denn irgendein Beamter oder sonstiger Manager auch nur im Ansatz überhaupt eine Fremdsprache spricht? Von verhandlungssicherem Englisch will ich schon gar nicht sprechen! Jeder, der mit Franzosen beruflich zu tun hat, weiß wovon ich spreche. Die meisten Produkte sind schlecht, internationale Zusammenarbeit funktioniert grundsätzlich auf Grund der unsäglichen französischen Arroganz und ihres national zelebrierten Chauvinismus überhaupt nicht. Nahezu jede Nachrage nach selbst dem kleinsten Dokument oder einer simplen Rechnung wird zum Drama hochstilisiert und weil man links vom Rhein eben meint die schönste aller Sprachen zu sprechen werden schon mal Anfragen auf Englisch einfach ignoriert, entweder weil sie nicht in Französisch gestellt wurden, oder weil weder der Sachbearbeiter noch der Boss irgendeine Ahnung von der englischen Spraxhe haben. Das ist leider kein Einzelfall sondern aus meiner langjährigen Erfahrung heraus die Regel. Bevor wir etwas in Frankreich ordern schauen wir, ob wir es nicht sonstwo bekommen, denn aus Frankreich kommen in über 90% der Fälle entweder nur Falschlieferungen, mängelbehaftete Ware oder noch nicht mal eine Antwort. Und wenn man es mal auf halbwegs passablem Französisch per Telefon versucht, wird man am anderen Ende für jeden kleinen Fehler ausgelacht. Mit franuösischen Firmen Geschäfte zu machen ist schlicht eine Zumutung!

  • Es hat eben nicht gereicht,den Deutschen ihrer Atombombe
    der D-Mark zu berauben,wie Mitterrand einst jubelte.
    Es wird ebenso wenig nutzen,fortwährend die Deutsche -
    Wettbewerbsfähigkeit,in ein schlechtes Licht zurücken.
    Eines haben meine Vorfahren schon immer gewußt-von
    Frankreich und England,hat Deutschland nichts Gutes
    zu erwarten.

  • Ich widerspreche nicht, wenn es um die Energiewende geht. Aber wie schlecht es in F aussieht weiß man in D allgemein nicht! Und der sklerotisch-autoritäre Top-Down-Staat bringt es auf keinen grünen Zweig --- mit den Sozialisten ('gauche caviar') oder mit anderen 'magouilleurs'.

  • Dem hier Gesagten ist im Grunde nichts hinzuzufügen. Bleibt nur die Frage - wie kommen wir da raus? Die AfD ist im Moment dabei, sich zu zerlegen. Die "Große Koalition" hilft auch nicht weiter. Unser Erspartes schmilzt dank der Hilfe des "Rotwein-Adepten. Was also bleibt?

  • FRAGE: War denn die Reform-Freude und -Kraft zu Zeiten der Bürgerlichen, die vor den Genossen regiert hatten, wirklich besser entwickelt?

  • Ihr "Denken" ist in der französischen Kameralistik stehen geblieben. Wirtschaft ist aber ein dynamischer Prozeß (verstehen Volkswirte überhaupt, was das ist?). Ihre buchhalterischen Argumente (volkswirtschaftliche Gesamtrechnung)treffen den Kern nicht: Durch Anreize nachhaltiges Wachstum schaffen, ist vernünftige Wirtschaftspolitik! Dabei sind Schulden, so lange sie für Investitionen verwendet werden, nichts verwerfliches. Insbesondere die Süd-Euro-Staaten (incl. Frankreich) verschwenden allerdings ihre Steuergelder über Gebühr. Zusätzlich werden aufgenommene Fremdmittel für unsinnige Sozi-Projekte (insbes. Bürokratie) zur Finanzierung aufgenommen. Würden sie es wenigstens vernünftig investieren. Tun sie aber nicht. Deswegen bekamen sie ja gerade Probleme auf den Kapitalmärkten sich zu refinanzieren. Jetzt verlangen sie von Deutschland mit Blick auf "Exportüberschüsse" Umverteilung via alimentierter Sozi-Töpfe (ESM, etc.). Nochmals: Deutschland sollte sich seine Vorbilder nicht in Europa suchen. Der Maßstab ist Nord-Amerika und Asien, aber ganz bestimmt nicht Frankreich mit seiner Borniertheit a la Hollande.

  • @Popper

    Solange kein Land in der Zone pleite gehen oder austreten darf um Geldwert und Leistungsfähigkeit wieder in eine glaubwürdiges Verhältnis zu bringen, haftet der, der relativ härtere, an Refinanzier- und Rückzahlbarkeit statt an Arbeitsbeschaffung oder Ponzi-Schemen orientierte Kredit-/Geldschöpfungsstandards und damit die größten Spielräume für neue Kredite hat. Die Zone erzwingt eine ANGLEICHUNG dieser Quote der risikogewichteten Sicherheitenqualität zu Verschuldung.

    Diese Angleichung kann nicht dadurch geschehen, dass alle Länder entsprechend ihres EZB-Anteils Transfers vornehmen, sondern kann mathematisch nur dadaurch geschehen, dass die überdurchschnittlichen Kreditqualitäten zuerst abgeschmolzen werden. Deshalb zahlen die Hartwährungsländer auf die eine oder andere Art (Währungsaufweichung, als Kredite getarnte Transfers, Zinssubventionen durch selektive Ramschanleihenkäufe der Goldman Sachs Zentrale in Frankfurt/EZB usw.) solange defacto allein, bis sie unter die mittlere Kreditqualität gesunken sind! Die Transfers zum Ausgleich der Ungleichgewichte geschehen nämlich kaum in dem Dummvolk nicht vermittelbaren Nominalzahlungen sondern vor allem durch Transfers von Kreditrsisiken.

  • "Die kriegen nämlich keine Geschenke oder Almosen von uns, sondern Kredite, die auch noch Zinsen kosten."
    ---
    Ja klar, haben wir oft genug an Griechenland gesehen, wie zuverlässig es seine Schulden samt Zinsen bezahlt: Ein betrügerischer Pleitier seit 200 Jahren, der gerne Geld leiht und äußerst ungern zurückzahlt wenn überhaupt. Wie war das noch mit dem Haircut von mal eben 100 Milliarden? Nettes, kleines Geschenk, nicht wahr? Leider bei äußerst undankbaren, gierigen Empfängern. Oder ist dieser Schuldenerlaß schon wieder vergessen?
    Glauben Sie ernsthaft, daß mediterrane Schluderstaaten wie GR jemals ihre Kredite ordnungsgemäß zurückzahlen? Das Geld ist verloren und auch bei den Target II Salden sehe ich schwarz! Diese Länder hätten samt ihrer kreativen Buchführung niemals dem Euro beitreten, ja nicht einmal Mitglied der EU sein dürfen. Es sind Schmarotzer, die sich über den Euro einen Standard leisteten, der ihnen nicht zusteht, weil man keine entsprechende Leistung dafür zu bieten hatte, nichts anderes, die den, der die Rechnungen bezahlt, auch noch als Nazi diffamieren und sich via südländische Funktionäre à la Draghi die EZB unter den Nagel gerissen haben, um sich zu bedienen! Man muß kein Wirtschafts-Experte sein, um zu sehen, wie der (diebische) Hase da läuft, es reicht, aufmerksam die Nachrichten und Presseverlautbarungen zu verfolgen (tunlichst internationale Presse, nicht der ÖR-Propangandafunk)! Deutschland gibt den freigiebigen Pausenclown, der mit Süßigkeiten um sich schmeißt, und die ganze Welt lacht schallend über den dummen Michel, der sich die Taschen plündern läßt und auch noch artig dazu Beifall klatscht.
    Man hätte die EU, erst recht die Eurozone von vorne herein auf die nordischen Staaten beschränken sollen (Stichwort "Neue Hanse"), dann hätte es auch funktioniert!
    Als die "Rotweinzone" zur Eurozone stieß, war mein erster Gedanke: Das kommt uns Deutsche teuer zu stehen! Leider habe ich recht behalten!

  • Popper gehört zu den typischen stockkonservativen europäischen Sozialisten, deren Glaubensartikel darin bestehen zu verkünden Zentralismus , Bürokratismus, Eingriffe in wirtschaftliche Abläufe, jetzt Verminderung
    der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft, würde irgendetwas in Europa zum besseren befördern.

    Mithilfe seiner Politikvorstellungen würde auch Deutschland wieder zum kranken Mann Europas mutieren wie vor den Schröder´schen Reformen mit Arbeitslosenziffern wie in Frankreich und anderen europäischen Problemstaaten.

    Deutschland muß global exportieren und wettbewerbsfähig sein, wenn es ökonomisch überleben will. Wer wie Popper, als Bewunderer von Hollande, nur den Euroraum im Fokus hat, ist ein politisch Blinder, der seine Ideologie für die Wirklichkeit nimmt.

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