What's right? Es ist eine Völkerwanderung

Der Flüchtlingsstrom wächst in gewaltige Dimensionen. Deutschland ist aus moralischen Gründen extrem hilfs- und aufnahmebereit. Gut so. Doch Moral alleine hilft nicht weiter. Es braucht auch realpolitische Antworten.
31 Kommentare
Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Nun ist sogar die Zahl von 1000 neuen Asylbewerbern am Tag überschritten. Im Januar waren es 700 am Tag, im April bereits 800. Im Juni sind die Zahlen nun vierstellig geworden. Für das erste Halbjahr meldet das Bundesamt für Migration sprunghaft steigende Asylanträge – von Januar bis Juni sind genau 159.927 Erstanträge entgegen genommen worden.

Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 67.441 Erstanträge; dies bedeutet deutlich mehr als eine Verdoppelung der Zugänge (137 Prozent Zuwachs). Im Vergleich zu 2013 handelt es sich sogar eine glatte Vervierfachung. Die Entwicklung nimmt Dimensionen hat, die man getrost als historisch bezeichnen kann.

Es ist nichts anderes als eine Völkerwanderung in Gang gekommen. An jedem einzelnen Tag entsteht in Deutschland ein komplett neues Dorf an völlig fremden Menschen. Und die Dynamik der Flüchtlingsbewegung nimmt weiter zu.

Der Wanderungsdruck steigt mit jedem erfolgreich aufgenommen Flüchtling weiter, weil sich die Nachrichten bis in die Täler Afghanistans und in die Hütten Eritreas verbreiten, dass die Völkerwanderung funktioniert. Alleine in Libyen warten nach Angaben der italienischen Justiz rund eine Million auf eine Mittelmeerpassage. Und im Nahen Osten kollabiert ein Staat nach dem anderen, so dass Millionen ins Exil gezwungen werden.

Es wird langsam Zeit, dass sich die Politik nicht nur der moralischen Frage stellt, wie wir möglichst gut retten und helfen können. Das gebietet das Gewissen. Doch was gebietet der Verstand? Europa kann unmöglich diese anschwellende Völkerwanderung einfach laufen lassen, ohne sich auf Dauer selbst aufzugeben.

Es sind fast 50 Millionen Menschen auf der Flucht, berichtet das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge. Und viele von ihnen wollen nach Europa, die meisten nach Deutschland. Kein Land der Welt nimmt derzeit mehr Asylbewerbern auf die Bundesrepublik. Doch die unangenehme Frage, wie lange das gut gehen kann und wie man Grenzen zieht, steht mittlerweile wie ein Elefant im Raum.

Europa macht eine klägliche Figur
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: What's right? - Es ist eine Völkerwanderung

31 Kommentare zu "What's right?: Es ist eine Völkerwanderung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist eine Völkerwanderung - und diese wird mit Deutschland das machen, was die letzte große Völkerwanderung mit dem Römischem Reich machte

    Ja, es ist eine Völkerwanderung, die nach Europa staatfindet - allerdings nur in Teile von Europa, allen voran Deutschland. Diese Völkerwanderung hat nicht nur mit äußeren Faktoren zutun, sondern ist hausgemacht und in gewissen Umfang auch politisch gewollt.

    Deutschland mit seinem ultraliberalen und ultra-großzpgigen Asylsystem, seiner staatlich erzwungenen Willkommenskultur, seinem Fremdenkult gepaart mit der immer radikalen Verachtung seiner Eliten gegenüber der eigenen Bevölkerung, Kultur und Identität wurde förmlich zu Übernahme freigegeben.

    Sollte in Deutschland kein radikaler politischer Wandel erfolgen, so wird dieses Land in relativ kurzer Zeit zu Grunde gehen.

  • Geehrte Frau Steer.

    Die angebliche Frage, wieviele Asylsuchende jemand bereits aufgenommen hat, ist gar keine, denn das muss niemand. Das nennt sich Sozialstaat. Den haben sie doch auch bereits genutzt. Das Studium ihres Sohnes an der Bundeswehr-Uni haben wir alle bezahlt.
    (...)
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "Ohne Zuwanderung wird dieses Land in 50 Jahren nicht mehr wiedererkennbar sein"
    Mit Zuwanderung in diesem Tempo dauert das keine 5 Jahre!

  • Mal so ganz nebenbei.
    Einen Asylantrag von einen ehem.Jugo nehme ich doch nur an, wenn ich nicht alle Tassen im Schrank habe. Bevor der den Zettel gelesen hat sitzt der im Zug Richtung Heimat.
    Über Afrikaner gar nicht zu reden, denn da kommt jeder über ein sicheres Drittland. Die
    ganze Sache stinkt zum Himmel. Hier wird die Öffentlichkeit vorgeführt mit allen Blödsinn
    den man nur denken kann.

  • (Fortsetzung):

    Leute, merkt Euch einfach: Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß. Grautöne aller Schattierung sind die Regel (ist so).
    Und eben deshalb brauchen wir ganz dringend ein neues, ZEITGEMÄßES Demokratiemodell!! (Jaja, schon gut, ich wiederhole mich).

    Falls ich jetzt jemandem die Laune verdorben haben sollte empfehle ich, den Schlusssatz im Film-Klassiker „Some like it hot“ von Billy Wilder zu beherzigen (N.B.: Bin ein großer Fan von dem – dass seine Filme nach weit über 50 Jahren immer noch Klassiker sind, hat wohl seine Gründe).

    Außerdem von der Monroe und James Cagney. Probieren Sie es auch mal mit dem Anschauen des Films „Eins, Zwei, Drei“ (von 1961, ebenfalls von Billy Wilder, mit H. Buchholz und L. Pulver), wenn Sie mal schlechte Laune haben. Wirkt bei mir jedenfalls zuverlässig, um wieder "besser drauf" zu kommen.

  • Korrekter formulierter Textausschnitt aus meinem Kommentar von 17:17 Uhr:

    Weil das (falsche) Bild als „herumlungernde Schmarotzer“, das die meisten Flüchtlinge aufgrund der derzeitigen Situation zu vermitteln gezwungen sind, gewissen „rechtskonservativen“ Politikern aus taktischem Kalkül ganz gut in den Kram passt. Genauso übrigens wie den linken Ideologen, die - von jeglicher echten Bereitschaft, sich mit den ganz konkreten, brennenden Problemen der Kommunalpolitik, sowie mit der Meinung und den Sorgen der Bürger zu befassen, völlig unbelastet - reflexartig jede Äußerung, die nicht in ihr selbstzusammenphantasiertes Weltbild passt, in die fremdenfeindliche Ecke schieben, um ihre "Genossen" bei der Stange (und in Stimmung) zu halten."

    Und da ich gerade dabei bin, hier noch ein Kommentar, den ich heute an anderer Stelle (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fluechtlinge-in-deutschland-bayern-fordert-spezielle-asylzentren/12080564.html) geschrieben habe:
    Kaum zu glauben: Da kommt zur Abwechslung mal ein vernünftiger Vorschlag aus Bayern.

    Separate Aufnahmezentren für Flüchtlinge aus den Balkanländern zu schaffen, hat mit Fremdenfeindlichkeit nichts zu tun.

    Nur mit gesundem Menschenverstand (also Pragmatismus und Realitätssinn).
    VORAUSGESETZT, man vergisst dabei nicht, gleichzeitig massiv den Druck auf die politisch Verantwortlichen in deren Herkunftsländern zu erhöhen, damit der - aus ganz konkreten Gründen tatsächlich gegebene! - "Fluchtdruck" auf einen Teil derer Bevölkerung endlich nachlässt!!!

    Wie Detlev Hüwel auf Seite A2 in der RP-Ausgabe vom 24.07.15 sehr richtig anmerkt, leistet JEDE Art von Ideologie (also politischen Reflexen, egal ob aus der rechten oder der linken Ecke) extremistischen Bewegungen nur weiteren Vorschub.

    Auf Deutsch gesagt: Sie (= jede Art von Ideologie) schadet zuerst natürlich den Flüchtlingen, im Endeffekt aber unserer gesamten Gesellschaft.
    Und zwar ganz gewaltig.

    (Fortsetzung folgt)

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Ein Land, das seine Grenzen nicht mehr bewacht geschweige denn schützt, ein Land, das alle Grenzkontrollen abgeschafft hat, dessen Grenztore sperrangelweit offen stehen bzw. aus den Angeln gehoben worden, braucht sich nicht wundern, daß es überrollt wird. Da kommt es doch auf paar "Illegale" mehr oder weniger fast nicht mehr an. Zurück muß eh keiner mehr aus diesem Paradies. Dieser Staat will es so, im Gegensatz zum überwiegenden Teil seiner Bevölkerung, die aber nichts zu melden hat. Da werden in Massen Aylanten eingeschleust und wenn einer der Schleuser mal geschnappt wird gibts ein "Du Du..." Die lachen sich kaputt über DE und bringen gleich die Nächsten. Mir tun die Grenzer und Polizisten leid die welche schnappen und von diesen Kriminellen dann ausgelacht werden, wenn die am nächsten Tag wieder ihrer "Arbeit" nachgehen. Wir sollten uns endlich mal ein Beispiel an Ungarn nehmen, da wird wenigstens durchgegriffen und im Interesse der eigenen Bürger gehandelt.

  • Wie lange noch will die Politik NICHTS tun? Bis hier Horden von obdachlosen "Flüchtlingen" durch die Straßen ziehen, Häuser stürmen, rauben, plündern, "bereichern"... Das ist doch nur noch eine Frage der Zeit, also wie lange noch??

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%