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What's right? Italien ist Griechenland in XXL

Italien wackelt: Premier Renzi fiel Schäuble im Griechenland-Drama gar in den Rücken. Kein Wunder: Italien hat allein im ersten Halbjahr Schulden gemacht, die so hoch sind wie das gesamte neue Rettungspaket für Athen.
68 Kommentare
Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Es sind 8866 Euro, so viele Neuschulden macht Italien derzeit – und zwar jede Sekunde! Die Zahlen sind nicht bloß schlecht, sie sind dramatisch. Nach Angaben der italienischen Notenbank hat Italien alleine im Mai 23,4 Milliarden Euro neue Schulden aufgenommen.

Seit Jahresbeginn sind damit die Staatsschulden um sagenhafte 83,3 Milliarden Euro empor geschnellt, bis Ende Mai. Analysten erwarten, dass inzwischen die Marke von 100 Milliarden Euro Neuschulden fürs laufende Jahr klar überschritten ist. Damit hat Italien in einem Halbjahr mal eben das gesamte, neue Rettungspaket für Griechenland auf seinen eigenen Schuldenberg drauf gepackt. Und der ist inzwischen so gewaltig, dass dadurch die Stabilität der Euro-Zone langfristig mehr gefährdet werden könnte als durch Griechenlands Überschuldung.

Italiens Schuldenberg ist auf 2.218,2 Milliarden Euro angestiegen. Das sind 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – mehr als doppelt so hoch als das Maastricht-Kriterium der Euro-Zone eigentlich erlaubt. Italien ist zusammen mit Griechenland das prozentual am höchsten verschuldete Land Europas. Nur, dass die absoluten Summen in Italien dramatisch viel größer sind.

Mit den neuen Zahlen entlarvt sich die Rhetorik der Regierung Renzi, die gerne von einer „Sparpolitik“ schwadroniert, als glatte Irreführung. Italien spart kein bisschen, es haut vielmehr die Schuldenmilliarden raus wie nie.
Das Schuldenmonopoly, das Rom derzeit betreibt, wird dadurch heikel, weil zugleich die Wirtschaft schwächelt und das Land unter schweren Strukturproblemen leidet. Italien sei ein kranker Mann, „the sickest man in Europa“, schreiben Analysten der Schweizer Großbank UBS.

Verglichen mit der Zeit vor dem Beginn der globalen Finanzkrise 2008 ist Italiens Industrieproduktion um ein Viertel gesunken. Das Pro-Kopf-Einkommen ist auf dem niedrigsten Niveau seit 1997, die Arbeitslosigkeit hat sich verdoppelt. Kurzum: Italien erleidet die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat eine lange Durststrecke ohne Wachstum in 14 aufeinanderfolgenden Quartalen ertragen, jetzt geht es minimal nach oben.

Doch der schwache Aufschwung wird wesentlich von EZB-Maßnahmen und Sondereffekten getragen – von niedrigen Zinsen, vom schwachen Euro, vom niedrigen Ölpreis. Dagegen kommt Rom bei den heiß umstrittenen Reformen nur mühsam voran. Renzis Arbeitsmarktreform war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch die Wettbewerbslage Italiens wird kaum besser.

Warum Renzis Rhetorik eine groteske Verdrehung der Wirklichkeit ist
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68 Kommentare zu "What's right?: Italien ist Griechenland in XXL"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Im August und September 2014 haben die Italiener bombastisch gespart: pro Minute zahlten die öffentlichen Haushalte des Landes über 390.000 Euro Schulden zurück!

    Bei all den hysterischen Kommentaren hier mal ein etwas umfassenderer Blick auf die Fakten zu Italiens Staatshaushalt - die im Artikel genannten Zahlen sind ein Ausschnitt, der die Wirklichkeit nicht richtig wiedergibt.
    - Schon seit Jahren steigen die öffentlichen Schulden Italiens von Dezember bis Mai massiv an (2014 um 97 Mrd. Euro, 2015 um 83 Mrd. Euro)
    - Ebenfalls seit Jahren fallen die öffentlichen Schulden Italiens von Mai bis Dezember (2014 um 31 Mrd. Euro)! vgl. https://www.bancaditalia.it/pubblicazioni/finanza-pubblica/2015-finanza-pubblica/en_suppl_38_15.pdf?language_id=1
    - Gemäß aktueller Prognose wird Italien in diesem Jahr von Mai bis Dezember seine Schulden um ca. 40 Mrd. Euro reduzieren (Gesamtjahresdefizit des öffentlichen Haushalts 2015: 2,6% des BIP vgl. z.B. http://ec.europa.eu/economy_finance/eu/countries/italy_en.htm). Das aktuelle Budgetdefizit liegt damit im Rahmen der Maastricht-Kriterien

    Wenn wir schon für einen willkürlich gewählten Ausschnitt eines Jahres eine Neuverschuldung publizieren, können wir auch sagen: "Im August und September 2014 haben die Italiener bombastisch gespart: pro Minute zahlten die öffentlichen Haushalte des Landes über 390.000 Euro Schulden zurück!"

    Ja, Italien hat eine sehr hohe Staatsverschuldung. Aber, lieber Herr Weimer, versuchen Sie sich doch in Zukunft stärker an einer vernünftigeren Auswahl der Zahlen, statt nur den Ausschnitt zu betrachten, der gerade in Ihre Argumentation passt.

  • Ital. Geldinstinstitute müssen Löcher stopfen? Nein es sind die Manager selber die die Krise bewusst, gewissenlos machten. Dafür erhalten Sie Boni und volle Unterstützung durch Frau Merkel. Sie sagte die Übernahme aller Bankenschulden zu.

  • Na und? Frau Merkel macht doch vor, wie man Schulden macht zu Lasten der eigenen Bürger! Dafür will Sie den Soli für die griechen erhöhen, da sie weis, wir erhalten das Geld nie zurück. Kann ein/e Politiker/in noch mehr gewissenlos handeln, wie Frau Merkel???

  • Von jeder Milliarde, die wir den Griechen geschenkt haben, beträgt der deutsche verlorene Anteil 270 Millionen.
    Von der Rückzahlung der bisherigen Kredite können wir nur träumen.
    Bald haben die Pleitegriechen eine halbe Billion Euro abgesahnt mit tatkräftiger Hilfe unserer verantwortungslosen Europa-Radikalen.
    Wenn die nächsten Pleitekandidaten Italien, Portugal und Frankreich dazukommen, werden auch die blöden Deutschen einen Rettungsschirm benötigen, für den aber kein Geld mehr da ist.
    Diese EU und Euro-Mißgeburt wird totsicher kollabieren.
    Wohl dem, der vorgesorgt hat.

  • Auch für den Schuldenturm zu Rom gibt es - genau wie für die größte Schuldennation der Welt - letztendlich nur zwei Möglichkeiten:
    1. to default on the debt (Bankrott)
    2. to hyperinflate it away (selbstredend)
    https://www.youtube.com/watch?v=yKjqHDb_Kjs
    Da bei der EZB ein italienischer Fachmann für Variante 2 sitzt, dürfte der Ausgang für die Euro-Währung klar sein, da auch Italien "alternativlos" nicht zur Lira zurückkehren wird...

  • Wie Varoufakis sagte: "Was immer die Deutschen sagen, sie werden bezahlen!" Und so kommt es jetzt auch. Merkel, Gabriel, große Teile der SPD, die Grünen und Die Linke halten das 3. Hilfspaket für Griechenland für notwendig und den Grexit für nicht gangbar. Eines sollte jedem klar sein: Griechenland ist reformunwillig und reformunfähig. Dieses Land gaubt wirklich, einen natürlichen Anspruch auf dauerhafte und ewige Alimentierung durch die anderen EU-Nationen zu haben. Deshalb werden auch ein drittes Hilfspaket und weitere Hunderte Mrd. Euro Hilfsgelder und Bürgschaften nicht ausreichen. Das vierte, fünfte, sechste und so weiter Hilfspaket werden sicher notwendig werden und wohl auch finanziert werden, solange Leute wie Merkel das Sagen haben. Ändern können das nur die Wähler. Und dafür sehe ich bis jetzt keine Anzeichen.

  • Ich denke nicht, dass das der einzige Ausweg ist. Warum nicht mal den Unternehmen ans Portemonnaie gehen? Und zwar in Form von höheren Löhnen und einer einigermaßen gerechten Besteuerung. Wir fordern, richtigerweise, die Besteuerung von der griechischen Oberschicht, lassen unsere aber außen vor. Da fängt für mich das verlogene schon an......

  • Das ist zwar sehr erschreckend... für eine Analyse ist aber die Basis 2008 nicht wirklich geeignet. Die Länder waren damals teilweise gar nicht hoch verschuldet. Sie hatten das Problem, dass ihr Geschäftsmodell Geld drucken war (immobilienblase, etc), davon hat die Gesellschaft und der Staat auch gut gelebt ohne sich zu verschulden. Kaum brach die Möglichkeit aber weg, hatten sie riesige Defizite. Die Frage ist, wie die jährlichen Defizite sich seitdem verändert haben, benatwortet dann eigentlich ob wir auf einen guten Weg sind... ist aber zugeben spannend.

  • Ja, danke Herr Vogels! Genau das meinte ich.
    Die Überschuldung, etwa von Griechenland oder Italien, ist nicht der Unfall, sondern das Ziel der Geldgeber gewesen. Diese Länder sitzen jetzt da, wo man sie haben wollten: In der Falle. Und Schäuble schneidet ihnen die Kehle durch.

  • ja, es wird Zeit, dass wir uns endlich von den Kolonial-Zecken trennen.

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