What's right? Kommt 2015 die Drachme zurück?

In Griechenland setzt die Linke auf Demagogie gegen Deutschland, neue Staatsjobs und Schulden-Sozialismus. Damit will ihr Chef Alexis Tsipras die EU erpressen. Doch die wilde Wette kann nur im Schlaraffenland aufgehen.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Alexis Tsipras ist eine Art Gregor Gysi Griechenlands – scharf-links, redegewaltig, verschlagen und schlau. Doch während Gysi in Deutschland bestenfalls die Rolle des roten Randkrokodils im Politiktheater der Nation spielen kann, darf Tsipras auf die Kasperle-Hauptrolle in Athen hoffen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass er die anstehenden Parlamentswahlen gewinnen könnte. Und weil das so ist, plündern die Griechen gerade ihre Konten. Aus Angst vor einem Wahlsieg des Linksdemagogen haben Sparer und Unternehmen im Dezember insgesamt bereits 2,5 Milliarden Euro von ihren Bankkonten abgehoben. Eine neue Kapitalflucht bahnt sich an.

Dass die Sparer ihre Notgroschen in Sicherheit bringen wollen, kann man gut verstehen, denn Tsipras verfolgt eine halsbrecherische Doppel-Strategie. Zum einen verspricht er seinen Landsleuten das Blaue vom griechischen Himmel: soziale Wohltaten, steigende Renten und Löhne, Mindesteinkommen für alle, niedrigere Steuern, einen Aufschwung und endlich wieder – in Griechenland besonders populär – neue Staatsjobs. Da sich das Griechenland natürlich nicht leisten kann, verspricht er zum anderen den Schulden-Sozialismus – ein schlagartiges Ende der Sparpolitik, neue Schulden und – weil Griechenland unter diesen Umständen keiner mehr Geld geben würde – einen historischen Schuldenschnitt mit dem Ausland.

Diese wilde Wette kann eigentlich nur im Schlaraffenland der Linken aufgehen – oder in einem völlig verantwortungslosen Europa. Genau auf Letzteres aber setzt Tsipras. Sein Kalkül zielt darauf ab, dass die EU, nur um Griechenland nicht in die Staatspleite abgleiten und aus dem Euro aussteigen zu lassen, ihm tatsächlich einen Schuldenschnitt gewährt, damit sein sozialistisches Phantasialand Wirklichkeit werden kann. Kurzum: Tsipras will gezielte Erpressung betreiben – nach dem Motto: Entweder Ihr streicht uns die Schulden und gebt uns neue Milliarden oder wir werden Euch mit unserer Pleite mit in den Strudel ziehen.

Tsipras ist sich seiner Erpressungsstrategie so sicher, dass er sogar seine eigentlich wichtigsten Helfer direkt verunglimpft. Er bezichtigt Angela Merkel und Wolfgang Schäuble, „Südeuropa zu einer Sonderwirtschaftszone und Niedriglohn-Kolonie“ machen zu wollen. In einem Interview polemisiert er: „Frau Merkel und Herr Schäuble haben einen strategischen Plan, der Germanisierung Europas und Kolonialisierung Südeuropas genannt wird.“

In Wahrheit passiert das genaue Gegenteil: Griechenland wird seit 2010 mit zwei Rettungsprogrammen von insgesamt 240 Milliarden Euro im Kampf gegen die Schuldenkrise unterstützt. Über die Jahre hat Griechenland zudem gewaltige Transferzahlungen aus Europa erhalten – und seit der Schuldenkrise auch konkrete Amtshilfe in unzähligen Reformbereichen.

Griechenland ist nicht mehr systemrelevant
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32 Kommentare zu "What's right?: Kommt 2015 die Drachme zurück?"

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  • am Besten kommt 2015 auch der Escudo und die Peseta zurück. Dann sind nämlich alle wieder da wo sie sein sollten.

  • Hallo Herr Vogels,

    ich glaube nicht, dass es für Europa in erster Linie um Russland geht. Das mag für die USA ein Grund sein, aber für Europa gibt es einen viel gewichtigeren.

    Obwohl wir mit aller Macht versuchen die Grenzen nach Süden dicht zu machen, sei es mit hohen Zäunen - mit "geplanten" Kriegen etc., kommen doch monatlich mind. 10.000 Menschen aus Afrika (incl. Orient) zu uns nach Europa. Was glauben Sie wieviele es wären bei offenen Grenzen?
    Wir haben Afrika darin unterstützt westlicher zu werden. Mehr Bildung etc. Nun möchten die Menschen dort auch westlicher leben. Arbeit die der Bildung angemessen ist. Nicht nur ein Smartphone sondern auch eine Wohnung wie in Europa - nicht nur ein Auto sondern auch Strassen wie in Europa. Freizügigkeit wie hier - und wer könnte es ihnen verdenken...
    Nur wir wollen nicht alle hir haben.
    Der nächste Krieg wird nicht mit Russland geführt - sondern gegen Afrika ...

    Wieso hat sich noch niemand die Frage gestellt warum die IS nach Norden maschiert ist und nicht in Richtug Israel?

    Selbst die IS - ausgerüstet mit Waffen aus USA ist nur ein Puffer zwischen Afrika und Europa.

  • @ real.ist
    Der Brüller des Tages! Zitat: Wenn ein Land aus dem € austeigt u. es danach aufsteigt....
    ClubMed ist mausetot, mit oder ohne €. So, wie kein Hartzer Top Manger wird.

  • @Herr Schmidt, Herr Weimer hat doch völlig Recht. Es ist, und bleibt Erpressung. Nicht nur bezogen auf Herr Tsipras.
    Auf das gesamte Griechische Parlament.
    "Herr Weimer wirft Herrn Tsipras Erpressung vor und macht sich der Verleumdung strafbar . Erpressung ist eine Straftat und wenn jemand, jemanden zu unrecht der Straftat beschuldigt macht sich selber strafbar.
    Was für Leute beschäftigt den hier das HB?

  • Griechenland – Gefahrenherd für Europa? War nie und ist nie gewesen. Ein riesengroßer Schmarren. Es war die GR Krise vielleicht französische Banken existentiell gewesen, aber heute sie sie doch soweit das sie deutsche Institute aufkaufen bzw in Selbigen sich einkaufen können.
    Aber wir, der Steuerzahler, haben die Schulden der Banken an die Backe.
    Ach ja, was wurde nicht alles an medialen und politischen Mist auf die Euro Kritiker abgelassen. Jeder Hansel konnte sich doch da versuchen. Und heute spricht sogar ein gewisser Fuchs aus, was die überwältigende Mehrzahl der Deutschen dachten, oder wussten. Heute redet er davon, dass das griechische Erpressungspotential gering ist. So, so meine lieben Parlamentarier, die die alles abgenickt haben - Erpressungspotential.

  • Herr Weimer wirft Herrn Tsipras Erpressung vor und macht sich der Verleumdung strafbar . Erpressung ist eine Straftat und wenn jemand, jemanden zu unrecht der Straftat beschuldigt macht sich selber strafbar.
    Was für Leute beschäftigt den hier das HB?

    Bitte nicht Währungsunion mit Eu oder gar Europa verwechseln.

    Zu Griechenland noch ein Wort:

    Jeder Grieche sollte eine Abwägung vornehmen.
    Entweder man ist für Souverenität, Freiheit und Hoffnung, dass es nach dem Euroaustritt nur kurzzeitig
    Verwerfungen gibt und dann es besser wird
    oder
    Abhängigkeit, Jahrzehnte lange Stagnation.
    Die Griechen haben das selbst in der Hand.
    Griechanland hat heute das BIP von 1978 und der Herr Weimer meint ,dass Griechenland geholfen wurde?

    Solange die Menschen einfache makroökonomische Zusammenhänge bezüglich Schulden und Wachstum nicht verstehen, wird es leider weiterhin solche dumme Artikel und Kommentare geben.



  • Sehr gehrter Herr Vogels,
    ich gebe Ihnen völlig recht, auch wenn ich Edelmetalle für das geeignetste Mittel zur Rettung des Vermögens halte. Die sieht halt keiner im Gegegensatz zu Bankgeld, Immobilien und Aktien. Was ist nicht alles verboten .... tralalalala.
    Wenn schon "what ever it takes", dann sollte die Bundesregierung die Amerikaner dringend bitten, die entsprechenden Kosten doch freundlicherweise selbst zu übernehmen.
    Gott, ich träume schon wieder ........... ;-)

  • Sehr geehrte Frau Buschmann,

    genau das halte auch ich für das Wahrscheinlichste.

    Und wenn die Europäer vielleicht Zweifel haben sollten und die "Gefahr" bestehen sollte, daß Griechenland den Euro verläßt und auf Distanz zur EU und damit zum Westen insgesamt geht, dürfte ein Anruf aus dem Weißen Haus in Washington dafür sorgen, daß die EU "richtig" entscheidet.

    Dabei geht es m.E. nicht so sehr um die Grenze zum (noch) NATO-Partner Türkei, sondern um die Stabilisierung der Südost-Flanke der NATO gegenüber Rußland. Nachdem die Türkei zum unsicheren Kantonisten geworden ist, ist die unbedingte Vasallentreue Griechenlands aus der Sicht der US-Regierung geboten "what ever it takes". Schließlich muß ja nach ihrer Überzeugung der Ring der militärischen Umzingelung Rußlands vollständig sein.

    Was folgt für uns Normalbürger daraus? Vor allem dies: Der Euro wird weiter an Wert verlieren und - zur Not durch direkte, mittels Geldpresse finanzierte öffentliche Ausgaben in Milliardenhöhe, inflationiert werden. Also: Raus aus dem Euro!

    Wer noch in Euro Ersparnisse hat, sollte sie in Besseres tauschen. Je nach persönlichen Verhältnissen oder persönlichem Geschmack können das Aktien von außerhalb des Euroraums sein, Edelmetalle (bin ich persönlich skeptisch, weil der Staat den Besitz durch einen Handstreich verbieten kann), eine schöne Urlaubsreise, eine Renovierung des Badezimmers, selbstgenutztes Wohneigentum, ein neues Auto oder was auch immer einem gefallen mag.

  • Hoffentlich

  • die EU braucht Griechenland zur Sicherung der Grenze zur Türkei.

    Dafür wird gezahlt werden!

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