What's right? Lasst die Griechen aus dem Euro

Showdown im Milliardenpoker um die Griechenlandhilfen. Die Griechen wollen gegenüber ihren EU-Partnern nicht nachgeben. Doch sie haben sich verzockt. Es wird Zeit, ihnen zu geben, was sie wollen: ihre Unabhängigkeit.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

In den ersten Tagen der neuen Regierung Griechenlands wirkte es so, als führte sie einen ungestümen „Elefanten-Sirtaki“ (FAZ) im europäischen Porzellanladen auf – mit allerlei Linksdrehungen und Revoluzzer-Getöse. Nachdem die Vitrinen der Troika, der Ernsthaftigkeit und des Vertrauens nun schwer beschädigt sind, werden die Schritte Athens plötzlich geschmeidiger, fast katzenhaft.

Jetzt versuchen Tsipras & Co., die anderen Elefanten zum Stolpern zu bringen. Der Bittbrief um eine Verlängerung der Notkredite hat vor allem eine Absicht: Er soll die europäischen Kontrahenten, die nach dem Elefanten-Sirtaki geschlossen gegen Athen in Position gegangen sind, wieder spalten. Tsipras will vor allem Deutschland und dessen Strategie isolieren, eine europäische Stabilitätsordnung zu schaffen.

Der Bettelbrief in letzter Sekunde soll Europa unter zeitlichen Druck setzen, rasch frische Milliarden herbeizuschaffen, ohne dass es dafür irgendeine Gegenleistung gibt.

Geschickt verspricht der Brief einige, minimale Zugeständnisse. Man werde mit europäischen und internationalen Partnern zusammenarbeiten (na, wie gnädig!) und die „Institutionen“ (gemeint ist die unverschämt aus Athen verjagte Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds) respektieren (also das Minimum an europäischer Rechtstreue hinnehmen).

Zudem verspricht die Athener Regierung, dass alle neuen Maßnahmen „vollständig finanziert“ sein werden – was niemand ernsthaft glauben kann. Diese (dürftigen) Aussichten haben freilich von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker bis zum deutschen Vizekanzler Sigmar Gabriel die Herzen sofort wieder weich werden lassen. Doch bevor sich eine Allianz der neuen Griechenland-Versteher überhaupt erst bilden konnte, hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble sein Veto rasch verkündet.

Denn er erkannte sofort den neuen Trick von Tsipras: Athen beantragt – weil es neues Geld unkonditioniert haben will – nur eine Verlängerung des Kreditprogramms, nicht aber des Memorandums mit Reformauflagen. Das ist so, als ob ein Alkoholiker während einer laufenden Entziehungskur frischen Alkohol verlangte, aber von der Entziehungskur nichts mehr wissen will.

Bislang aber gab es das eine nur mit dem anderen. Tatsächlich wären – da hat Schäuble völlig Recht – die abermals rasch hingeworfenen Milliarden ohne Gegenleistungen ein fatales Signal. Zumal die sozialistische Regierung Athens bereits dabei ist, allerlei Reformen (von Privatisierungen bis zur Staatsverschlankung) kurzerhand zurückzudrehen. Ja, sogar die eigene Steuerbasis will der griechische Premier Alexis Tsipras verkleinern und verkündet dieser Tage einen großen nationalen Steuererlass für „kleine Leute“.

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77 Kommentare zu "What's right?: Lasst die Griechen aus dem Euro"

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  • Es ist ein Fass ohne Boden, lasst die Griechen aus dem Euro raus.

  • @ Real was Sie reden ist beißender Unfug sie können eine Transferunion innerhalb Deutschlands machen die dient einem Gefüge Audi das Sie Einfluss haben. Eine europäische Transferunion ist aber Unfug weil sie auf die anderen Länder keinerlei Einfluss haben. Europa wie es im Moment existiert ist für eine Währungsunion nicht geeignet weil Die VolkswirtschAften viel zu unterschiedlich sind. Der Versuch die vereinigten Staaten von Europa zu errichten ist realitätsfern und würde versuchen die USA zu kopieren nur käme der Staat Texas nicht im Traum auf die Idee für die Schulden von Kalifornien zu haften und zu Bürgen.

  • Vermutlich ist die haushaltsmäßige und fiskalische Unabhängigkeit gemeint.
    Wahrscheinlich ist das versprochene und anstehende Aufblähen des Staatsapparates gemeint.
    Nur die Finanzierung ist noch nicht in reinen Tüchern. Man arbeitet dran, vermutlich mit Erfolg.

    Schönen Abend noch.

  • Ja, ja, ja. Giechenland muss !! aus dem Euro raus. Das ist der einzige Weg. Es gibt keinen anderes. Griechenland wir nie !! wettbewerbsfähig im Sinne eines hochentwickelten Industrielandes werden. Nie! Deshalb braucht Griechenland immer! eine schwache Währung, während die wettbewerbsfähigen Länder eine starke Währung brauchen. Es passt einfach nicht zusammen. Wie heißt es so schön bei Herrmann Hesse: ...wohlan denn Herz, nimm Abschied - und gesunde.

  • "Es wird Zeit, ihnen (den Griechen her gemeint) zu geben, was sie wollen: ihre Unabhängigkeit. " Ich wusste gar nicht dass die Wehrmacht Griechenland wieder besetzt hatte!

  • Sehr geehrter Herr Weimer, hatten Sie nicht vor einem Jahr die AfD wegen Ihrer Prognose kritisiert? Es ist genau so gekommen, wie Prof. Lucke es vorhergesagt hat!

  • @ Real ist
    Sie sind unrealistisch. Wenn man Volksabstimmungen gewollt hätte, wäre das zu Beginn des "europäischen Vereinigungsprozesses" sicherlich sinnvoll gewesen. Was meinen Sie, was hätten die Nationen denn abgestimmt zu den beiden Megathemen:
    1. Welches Europa Wollen wir? Ein Europa sopuveräner Nationalstaaten oder den europäischen Super-Zentralstaat?
    2. Welche Währungsunion wollen wir? Eine DM-Stabilitätsunion oder eine Lira-Weichwährungsunion mit Transferunion?

    Zitat:
    "Wir brauchen Politiker, die das große Ganze im Blick haben."

    Das "große Ganze" haben unsere "Spitzenpolitiker" schon im Blick. Aber insbesondere für sich und ihre Klientel. Insofern hat sich der griechische Virus bereits ausgebreitet....

    LG

  • Herr Real: Das Problem ist was sie vorschlagen grenzt an Sklaverei.. Wir können nicht für Griechenland (+Frankreich+Italien+Spanien..) die Steuern zahlen. Diese Länder siond viel grösser als wir, schauen sie mal dem Kleinen Griechenland mussten wir schon bald 70 Miiliarden geben, bei gerade mal 10 Mio Einwohnern. DAs ist nicht bezahlba und ist komplett gegen den Maastrichvertrag. Griechenland hat sih in den Euro reingemogelt, (wir haben weggeschaut) hat Party gefeiert, bekam einen Kater, hat sich von 2008-2012 druchgemogelt und hat seitdem die Quittung durch die Troika. Was ist jetzt richtig? Gehen wir mal davon aus ein 12 Jähiger schafft es als 16 Jrhiger durchzugehen und kommt damit 4 Klassen höher, er ist süss und kommt dort prima bei den Mädchen an. Seine Noten sind natürlich eine Katastrophe. Das der da bleiben will ist klar, dass er den Stoff einfacher haben will ist auch klar. Aber auch der Müsste 4 Schuljahre zurück. Genauso muss Griechenland zurück zur Drachme. Parallel muss es dabei auch einen Schuldenschnitt für Griechenland geben, bzw alle Schulden auf Drachme umgestellt werden. Ferner dürfen sie für mehrere Jahre nicht zurück in den Euro. Im Euro zu bleiben bringt den Griechen nichts. 10% Lohnverlust ist zu gering, sie müssen auf das Lohnniveau von 2000 zurück, das ist deutlich weniger als jetzt. Die neue Griechische Regierung ist sich dies bewusst. Sie wolen nicht im Euro bleiben, auch wenn sie das sagen, erkennbar ist das an ihrem Kooalitionsparter und erklärt das forsche Auftrehten. Sie wollen gezwugnen werden rauszufliegen, da sie dem Wähler dies versprochen haben. .

  • sorry, das macht für mich keinen Sinn: Die Warenkette (und die Löhne!) würden ad hoc auf eine abwertende Neu-Drachme umgestellt, die nach extern zu den jeweiligen terms-of-trade sofort massiv günstiger würden. Durch die niedrige Produktivität bei gleichzeitig (vergleichsweise) hohen Löhnen UND der für Griechenland viel zu starken Währung, haben wir dort die Wirtschaft systematisch weiter zerstört und werden genau dies weiterhin tun.
    Übrigens wundert einen Paul Krugman, hat er nicht genau für Außenhandel (Nachweis komparativer Vorteil) seinen Nobelpreis bekommen? Strange.

  • @Thomas Johannsen: "Die Griechen scheitern an ihrem verkorksten Staat". Und wer ist für diesen Staat verantwortlich? Zeus? Ach ja, wir Deutsche natürlich. Was für ein Geschwätz! Aber Hauptsache über die AfD gemeckert.

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