Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

What's right? Das doppelte Spiel der Türkei

Seite 2 von 2:
Merkel braucht Erdogan zu ihrem politischen Überleben

Frau Merkel, stellen Sie die Vertrauensfrage!

Die Türkei ist jedenfalls zentraler Akteur im Syrienkrieg. Erdogan will Assad um jeden Preis besiegen und seine eigene Machtsphäre ausweiten, und also führt sein Geheimdienst einen verdeckten Krieg, der zahlreiche Terrortruppen einbindet. Die Hilfen für IS-nahe Zellen sollen von Waffenlieferungen über Trainingslager bis hin zum Handel mit geschmuggeltem Öl reichen. Sowohl amerikanische als auch russische Geheimdienstkreise berichten über einen umfangreichen Ölhandel zwischen der Türkei und der Terrororganisation.

Während der Westen also verzweifelt versucht, mit allerlei Kriegsaktionen, das IS-Kalifat einzuhegen, hätte die Türkei das Mittel, um den IS-Wahnsinn rasch zu beenden – sie könnte die Versorgungslinien kappen. Der IS kann sich weder über Assads Linien noch über die Kurdengebiete noch über Irak versorgen. Er braucht den Nachschub aus der Türkei. Und Erdogan hält diesen Weg gezielt auf.

Als im vergangenen Sommer die Kurden nach ihrem Sieg in Kobane auch die vom IS gehaltene Stadt Jarablus angriffen, drohte Erdogan offen, ein Angriff auf Jarablus sei eine „rote Linie“, türkische Truppen würden in diesem Falle sofort und selber eingreifen. Denn über diese letzte Grenzstadt des IS läuft die Versorgung des Regimes mit Waffen, Materialien und Kämpfern. Daher bleibt die Stadt in der Hand der Terroristen – unter türkischem Schutz.

Der Schlüssel zu einem Syrienfrieden liegt also in Ankara. Eigentlich müsste Europa Erdogan endlich dazu zwingen, diesen Stellvertreterkrieg zu beenden und sein blutiges Doppelspiel zu entlarven – so wie es Moskau bereits lange fordert. Doch Erdogan hat sich gegen eine Intervention Europas einen eigenen Trumpf geschaffen: die Flüchtlinge. Geheimdienststrategen nennen es die „Migrationswaffe“; Ankara habe in den vergangenen Monaten ganz gezielt die Massenflucht nach Europa befördert, um Europa unter Druck zu setzen.

Der griechische Vizeminister Ioannis Mouzalas nennt es offen ein „Bombardement mit Menschen“, das die Türkei aktiv betreibe. Ohne Duldung und logistische Unterstützung der türkischen Behörden wäre die Massenflucht von Hunderttausenden gar nicht möglich gewesen. Erdogan führe also einen schmutzigen Krieg in Syrien und benutze auch noch die darunter leidenden Zivilisten als politisches Instrument.

So lästert das Netz über die skurrile Kostümshow
Erdogan6
1 von 13

Das Bild ist keine Montage, sondern Realität: Vor der Haupttreppe im neuen türkischen Präsidentenpalast in Ankara stehen Recep Tayyip Erdogan und sein Gast, Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, schütteln sich die Hände und blicken ernst in die Kamera. Ein skurriles Bild, das auch Grünen-Chef Cem Özdemir amüsiert.

Quelle: @cem_oezdemir

(Foto: Screenshot Twitter)
Erdogan1
2 von 13

Mit Schild und Speer standen die Wächter Spalier auf der Haupttreppe des 500 Millionen Euro teuren neuen Amtssitzes in Ankara, den der türkische Staatspräsident erst im Oktober vergangenes Jahr bezogen hatte. In den sozialen Medien bleiben die Reaktionen nicht aus – wie in diesem Screenshot bei Twitter zu sehen ist.

Quelle: @CansuOezdemir

(Foto: Screenshot Twitter)
Erdogan3
3 von 13

Bei den Kostümen der Schauspieler handelt es sich um militärische Kostüme aus jenen 16 Reichen, die nach offizieller Darstellung als Vorfahren der heutigen Türken gesehen werden, darunter das Reich der Hunnen, der Seldschuken und natürlich das Osmanische Reich. Sie sind der Stolz der Türken. Montage entdeckt bei @EmmiBruddler

(Foto: Screenshot Twitter)
Erdogan7
4 von 13

Auf Twitter kursieren Bilder Erdogans mit Klonfiguren oder Foto-Montagen, die ihn mit Figuren wie dem Superhelden Hulk zeigen.

Quelle: @satrayni

(Foto: Screenshot Twitter)
Erdogan10
5 von 13

Die Reaktionen aus der Türkei kommen ziemlich humorvoll daher. Die türkische Internetseite „Zaytung“, die mit Berichten, die meist sehr übertrieben sind, amüsiert stellt den türkischen Staatschef gleich in mehreren Rollen dar: hier mal als Ritter...

(Foto: Screenshot Twitter)
Erdogan13
6 von 13

...hier mit den Fantasiewesen Pokémon und Pikachu...

(Foto: Screenshot Twitter)
Erdogan12
7 von 13

...hier schauen auch die Teletubbies im „Weißen Palast“ vorbei...

(Foto: Screenshot Twitter)

Erdogans perfides und brutales Spiel im Syrienkrieg werde nun durch Deutschland legitimiert, warnen daher türkische Menschenrechtler. Die Opposition in der Türkei fleht Angela Merkel geradezu an, sich jetzt nicht auf den Neo-Sultan einzulassen. Auch in Deutschland regt sich Widerstand, hundert prominente Kulturschaffende haben sogar einen Aufruf an Angela Merkel unterzeichnet.

Die Kanzlerin solle sich bei Gesprächen mit dem Ministerpräsidenten Davutoglu für Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit in der Türkei einsetzen. Auch Grünen-Chef Cem Özdemir meldet sich und fordert ein Eingreifen Berlins in den Kurdenkonflikt. Der türkische Präsident lasse im Südosten des Landes auf die eigene Bevölkerung schießen und werde damit neue Flüchtlingsbewegungen in Gang setzen.

Merkel weiß das alles. Doch braucht sie Erdogan zu ihrem eigenen politischen Überleben. Der wiederum genießt das, treibt dreist seinen Preis hoch – und führt seine schmutzigen Kriege ungehindert weiter.

Wolfram Weimer war Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt, des Politik-Magazins Cicero und des Focus. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Kurz und schmerzhaft: alle Kolumnen

Kolumnenkabinet
Brexit 2019
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: What's right? - Das doppelte Spiel der Türkei

49 Kommentare zu "What's right?: Das doppelte Spiel der Türkei"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der kennt die Alte halt, im Gegensatz zu ihren Wählern.

  • Auch Erdogan schaut auf dem Foto nur noch voller Mitleid auf dieses verwirrte Weib herab.

  • Jeder ist immer zu irgendwas nuetzlich egal wie dumm er sich anstellt. Im Fall Merkel-Deutschland dient er als schlechtes Beispiel. Merkel ist die erfolgreichste Wahlkaempferin fuer rechte Parteien in Europa und im US-Wahlkampf. Donald Trump (und diverse andere Kandidaten) fragen ihre Waehler "wollte ihr ein Migranten Chaos wie in Deutschland? Invasoren die von Euren Steuern leben und Eure Frauen vergewaltigen? Nein? Dann waehlt mich!" Was besseres als Merkel konnte Trump, LePen, Wilders, Zeman, Fico, Orban und Szydło (Polen) gar nicht passieren. Als Rechtfertigung fuer ihre Politik brauchen sie nur auf Merkel zu zeigen.
    Merkel zerstoert Deutschland direkt durch ihre Einwanderungs Politik und den Rest der westlichen Welt durch ihre Wahlhilfe fuer Rechtsausleger. Ohne Merkels verfehlte Politik haette Trump etliche Prozentpunkte weniger. Merkel wird Deutschland aehnlich teuer zu stehen kommen wie die Herrscher anno 1914/18 und 1933/45. Aber wer lernresistent ist der zahlt entsprechend Lehrgeld.

  • Ich verstehe jetzt, warum Frauen in islamischen Moscheen getrennt beten und bei McDonalds in Riadh (selbst dort gesehen) in einer separaten Schlange anstehen müssen. Sonst würden die arabischen Männer die Frauen dort sofort "antanzen" und begrabschen. Die arabische Kultur hat über Jahrhunderte aus dem Verhalten der Männer gelernt. Deutsche Politiker tun das jetzt auch und schlagen getrennte Sitzzonen für Frauen in Bussen vor, um sie vor Männern zu schützen. Deutschland integriert sich somit gerade in die Kultur des Orients und verkauft es seinen Bürgern als "Willkommenskultur".

  • Merkel ist nicht dumm? Merkel ist nicht dumm im landläufigen Sinn, was ihren IQ angeht sondern intelligenzmäßig wahrscheinlich über dem Durchschnitt. Sie ist "dumm" in politischer Hinsicht, da ihr offenbar eine Eigenschaft abgeht, nämlich Folgeabschätzung für ihr Tun.

    Hier ist sie nicht nur "dumm" sondern fahrlässig, was für einen Politiker mit der Verantwortung eines Kanzlers noch bedenklicher ist.

    Vor allem diese Frau ist nicht fähig einen einmal eigeschlagenen Kurs zu ändern.
    der berühmte Plan B ist ihr zutieft zuwider, würde er doch ihren bisherigen Weg als gescheitert und falsch dokumentieren und öffentlich machen.

  • Seit Jahr und Tag bezeichne ich voller Ingrimm Deutschland als eine linkisch-linke Krummenrepublik- mit seinen im Wesentlichen gleichgeschalteten Massenmedien. Gott sei Dank gibt es da noch Ausnahmen, zu denen ich vor allen Herrn Weimer nennen würde. In jeder Hinsicht ein vorbildlicher Journalist, da stimmt einfach alles: Sowohl fachmännisch wie auch menschlich und nicht zuletzt patriotisch.
    Deutschland droht mehr und mehr im Merkels & Co Maniesumpf unterzugehen. Tue endlich jemand der es könnte dagegen!

  • Zwei größenwahnsinnige Geisteskranke auf die Menschheit losgelassen.

    Als Duplex werden sie den Genozid von Völkern direkt oder indirekt verursachen.

    Der Schaden, den die FDJ-Trulla in Deutschland angerichtet hat, bewegt sich in Zahlen nahe der Billion und ist kulturwirtschaftlich gesehen, irreparabel.

  • Warum können wir die Grenzen nicht dicht machen?

    Natürlich können wir. Viele anderen machen das ja auch so. Deutschland ist odch nciht das einzige Land (neben Österreich, Schweden), das die Genfer Flüchtlingskonventionen unterschrieben hat.

    Grenze zu, mit der Aussage, wir sind voll, mögen jetzt bitte die Länder auf der Welt vortreten, die noch keine Flüchtlinge genommen haben.DIese Flüchtlingskrise betrifft alle, nicht nur ein paar Länder.
    Die USA mag zwar weit weg sein, ,müsste aber genauso aufnehmen, man soltle denen die Flüchtlnge Schiffeweise rüberschicken. Lt. Konvention dürfen sie sie nicht ablehnen, auch die uSA hat unterschrieben und als Hauptverursacher sollten sie vielleicht uach die meisten aufnehmen.

  • Na, das Bild ist ja jämmerlich. Die Kanzlerin, eine Treppenstufe unter Erdigan stehent/laufend, gib ihm die Hand. Das sieht schwer nach Bückling aus.

    Wäre sie so mächtig, wie behauptet wird, dann müsste sie erstmal auf die gleiche Stufe treten und dann die Hand geben. Das ist für mich ein Affront und nicht zu tolerieren. Merkel würde wahrscheinlich sogar mit Burka hingehen, wenn es ihr was nützen würde.

    Die Merkel ist nicht dumm, naiv oder sonstwas. Sie ist einfach nur machtbesessen und macht alles, wirklich alles, um irgndwie weiterzukommen.
    So, warum haben wir diesen ganzen Schlamassel? Nicht weil wir so gute Menschen sind. Nein es geht einfach nur darum, dass sie glaubt noch mächtiger zu werden, wenn sie weiterhin alle Wünsche der USA erfüllt.

    Die USA als Hauptverursacher im Nahen Osten (in Teilen auch die Briten und die Franzolsen) und Destabilisierung der Ukraine lenken die Kanzlerin wie es ihnen gefällt. Damit sie nicht aus dem Ruer läuft, wurde auch Ihr Telefon abgehört. Damit sie beoi der Stange bleibt, wird ihr zwischendurch mal eine völlig unsinnige Auszeichnung verliehen, damit sie glaubt, auf dem richtgen Weg zu sein.
    Und warum?
    Gier frißt Hirn! War schon immso, ist so und wird auch immer so sein.

    Dass die Flüchtlingskrise voll am Dampfen ist, alles Absicht, kann man bei den amerikanischen ThinTanks nachlesen.
    Während wir in Europa weiter geschwächt werden, ja vielleicht sogar destabilisiert (idealfall für die USA), muss das anschließende TTIP wie das Paradies aussehen, dass dann Europa entgültig knechtet.

    Wer spricht heute noch von TTI`P? Keiner mehr, merkt Ihr was? Die GEschichte zeigt, man brauch große Krisen, um die Welt zu verändern, um das TTIP klamm heimlich unter Dach und Fachb zu bringen, möglichst viele Kompetenzen nach Brüssel zu verlagern.
    Letzteres ist dank der Ost-Europäer zum Glück nicht möglich, die sind noch nciht so USA-hörig. DANKE wenigstens dafür!

  • Immerhin erstaunlich, dass der Rest Europas an dieser beklagenswerten Krankheit nicht leidet, mit einigen bedauerlichen Ausnahmen wie Herr Junckers und ähnliche.

    Herr Faymann, der auch befallen schien, hat die Krise augenscheinlich überwunden
    und befindet sich auf dem Weg der Selbsterkenntnis und Besserung

    Therapeutische Maßnahmen können, was dieses Land, dessen Bürger wir sind, wohl nur in der Wahlkabine ihren Anfang nehmen, da maßgebliche Teile der bisherigen politischen "Eliten" selber Leidende und Infizierte sind, was man nur bedauern und zur Kenntnis nehmen muß.

Alle Kommentare lesen