What's right? (SPD-)Koch und (CDU-)Kellner

Sigmar Gabriel hat sich vom „Siggi Pop“ zum Machtstrategen gemausert: Nicht mehr der Wahlsieger Union hat das Sagen, sondern die SPD. In Meseberg gelingt dem Wirtschaftsminister der zweite Streich der Machtoffensive.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Eigentlich hatte die Union die Wahl haushoch gewonnen. Doch in den Koalitionsverhandlungen drehte Sigmar Gabriel die Machtverhältnisse um. Nun degradiert er die Union sogar zu Kellnerdiensten seiner politischen Küche. Die Kabinettssitzung von Meseberg war keine Klausurtagung. Sie war Regierungswellness.

Draußen glitzerte die klare Wintersonne den Schnee an, drinnen tranken sie Himbeergeist und lagen sich in den Armen. Merkel, Gabriel & Co. probten den politischen Streichelzoo und füllten so Theodor Fontanes legendäre Umschreibung des Landsitzes mit Leben: „Es ist ein Zauberschloss“.

Wie von Zauberhand gelingt Sigmar Gabriel in Meseberg sein zweiter Streich der Machtoffensive. Die Republik hat sich schon die Augen gerieben, wie geschickt der SPD-Vorsitzende aus einer bitteren Wahlniederlage einen weitgehend sozialdemokratischen Koalitionsvertrag heraushandelte. Doch nun prägt er mit seiner SPD auch das Regierungshandeln weiträumig. Gabriel spricht dieser Tage immer wieder von der „sozialdemokratische Handschrift“, die diese Regierung präge. Das ist noch untertrieben, denn was Gabriel da gelingt ist schon eine tiefe sozialdemokratische Gravur.

So verkündet er himbeergeisttrunken einen „Neustart der Energiewende“, so als habe die Union und ihr bisheriger Umweltminister Altmeier nur Stümperwerk hinterlassen. Die Union nickt die Gabrielsche Energiewende nicht nur gefällig ab, sie wirft sich ihm geradezu an den Hals, obwohl in seiner Energiewende die planwirtschaftlichen Elemente alles andere überlagern.

Gabriel hat sich vom Siggi-Pop zum Machtstrategen gewandelt
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5 Kommentare zu "What's right?: (SPD-)Koch und (CDU-)Kellner"

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  • Absolut daneben finde ich die Begründung der Rente mit 63 durch SG: "..als Schritt in die richtige Richtung für unsere Eltern und Großeltern, die dieses Land unter bedeutend schlechteren Arbeitsbedingungen aufgebaut hätten als sie jetzt vorhanden sind." Aber hallo, ich bin Jahrgang 1947, also 66 Jahre,noch nicht in Rente, und ich habe das Land höchstens umgestaltet, ab 1968. Meine Frau ist schon in Rente, früher und mit hohen Abschlägen, und sie fand das Arbeiten in den 1970-er Jahren deutlich entspannter als heute. Das ist ein Geschenk der SPD an ihre Freunde in den Gewerkschaften und ein durch diese soziale Geschichtsklitterung kaschierter Verrat an der Agenda 2010. Dies ist die Leistung auf die die Partei stolz sein sollte. Ich habe als SPD-Mitglied seit 1968 gegen den Koalitionsvertrag gestimmt, weil die SPD nicht den Finanzminister stellte, die Rente ab 63 kommen sollte und Karl"Charly überall" Lauterbach keine Chance auf das Gesundheitsresort hatte.

  • Zitat : Und so vertieft Meseberg den Eindruck, dass Sigmar Gabriel sich vom polternden Siggi-Pop zum veritablen Machtstrategen gemausert hat, dass seine SPD alle wichtigen Themen prägend besetzt und dass er diese Regierung an seinem Gängelband spazieren führt.

    - noch hat Gabriel NICHTS vollbracht. Also ist es eine reine Spekulation, auf den Popstar ein Lobeslied zu singen !

    Die Hähnchen werden im Herbst gezählt, H. Weimar !

  • Wenn das Hin-und Herschieben des "Schwarzen Peters" der Sinn von Politik ist, macht die CDU alles richtig.

    Real ist es so, die CDU ist längst sozialdemokrstisiert, mittel- und langfistige Folgen ihrer Politik ist ihr zunehmend egal, die CDU ist personell und intellektuell ausgedünnt und zu einem Haufen angepasster und mental abgesenkter Abnicker mutiert. Abgeordnete, wie etwa ihr kompetenter Haushaltsexperte Willsch werden kaltgestellt und abgetan.

    Diese Union ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und wird auch zunehmend als ein solcher erkannt werden, wenn die Resultate ihrer Politik spürbar werden.

  • Ich sehe das genau wie pom_muc.

    Die SPD hat wahnsinnig viel versprochen, wobei sie von der tatsächlichen Realisierbarkeit nicht wirklich einen Funken Ahnung hat. Die Energiewende war und ist sowieso ohne jede natur- und ingenieurswissenschaftliche Grundlage (der deutsche CO2-Ausstoss erreicht neue Höchststände, tja wenn man auf lauter Systeme mit unendlicher Energy Pay Back Time setzt...)

    Die Rentenkasse ist strukturell auch pleite, die Stunde der Wahrheit kommt da auch (vor allem wenn Schäuble den Geldhahn zudreht). Zudem hat sie mit Nahles eine Besetzung die das Scheitern praktisch garantiert. Die Frau hat noch nie irgendetwas im Managementbereich gemacht bzw. als Generalsekretärin eine Bauchlandung fabriziert.

    Die SPD hat sich mit Riesengetöse auf alle Tretminen der deutschen Politik gestellt. Wenn das hochkocht werden sie wieder heulend erklären, dass Merkel sie kleinregiert... (und der Wähler wird denken: Ja mit Recht und hoffentlich!)

  • Die Union handelt aus strategischer Sicht vollkommen richtig. Der Wähler darf durchaus etwas SPD-Medizin schmecken. Er soll wissen woher seine höheren Steuern und Abgaben kommen. Es wird Schäuble eine Freude sein die Ministerien zu benennen die höhere Schulden oder Steuern verursachen.

    Wenn die SPD den Mindestlohn unbedingt will darf Nahles die gestiegenen Arbeitslosenzahlen ihrer Politik erklären. Wenn der Wirtschafts- und Energieminister versagt hat sie den Schaden an der Backe.

    Eigentlich sollten diese beiden Minister immer aus derselben Partei kommen.

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