What's right? Weniger Herz, mehr Verstand

Der Flüchtlingszustrom weitet sich zur Völkerwanderung aus. Das Leid und die Konflikte vervielfachen sich. Die naive Politik der offenen Tür ist gescheitert. Es ist an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Sie sterben in Lastwagen, und sie sterben in Booten. Doch ihre mörderischen Schlepper scheffeln Millionen und betreiben ein boomendes Blutgeschäft des industriellen Menschenhandels. Sie sind organisiert in Banden und islamistischen Terrorzellen, in der Türkei vom Geheimdienst geduldet, in Libyen vom Islamischen Staat gesteuert. Doch Europa bekämpft sie nicht. Europa ist lieber ihr Handlanger. Wenn etwa die Bundesmarine im Mittelmeer von der Schlepper-Industrie per Telefonanruf direkt die Flüchtlinge übernimmt, dann schafft sie einen offenen Markt für das Böse, obwohl sie eigentlich das Gute tun will. Dieses tragische Motiv von „gut gemeint, aber schlecht gemacht“ prägt zusehends die gesamte Flüchtlingsfrage.

Die Flüchtlingspolitik kommt an einen bitteren Wendepunkt. Bisher glaubte Deutschland, mit einer naiven Politik der offenen Tore auf der guten Seite der Geschichte zu stehen. „Willkommenskultur“ fühlte sich gut an, das totale Asylrecht war wie ein Freibrief für gutes Gewissen, die massenhafte Hilfsbereitschaft wurde zum moralischen Sommermärchen unserer Nation. Nun aber stürmt der Herbst der Realität heran. Denn der Flüchtlingsstrom mutiert zur historischen Völkerwanderung, die Konflikte und Katastrophen häufen sich, und das eigene europäische Haus gerät zusehends aus den Fugen. Bloß auf ostdeutsche Neonazis und EU-Egoismus zu schimpfen, hilft da nicht weiter. Das Problem ist mittlerweile so groß, dass es realpolitisch und nicht rhetorisch gelöst werden muss.

So weisen die Staaten des Balkans immer dringlicher darauf hin, dass Deutschland den Asylsuchenden so hohe Vergünstigungen gewähre, dass sie normale Arbeitseinkommen des Balkans überstiegen, also weite Teile der dortigen Arbeitsbevölkerung schlichtweg abgeworben würden. Deutschland meint es gut, doch Deutschland schadet damit dem Balkan. Auch die „Rettungsaktionen“ an den Außengrenzen der EU scheinen humanitär geboten. In Wahrheit erzeugen sie erst den Massenmarkt für die Schlepperindustrie. Mit jedem „geretteten“ Flüchtling werden zehn neue auf noch gefährlichere Reisen und in die Fänge von skrupellosen Schleppern gelockt.

Indem das deutsche Asylrecht wahllos und massenhaft angewandt wird, zerstört es sich selbst. Man wird den wahrhaft politisch Verfolgten nicht mehr helfen können, wenn man glaubt, jedem, der nach einem wirtschaftlich besseren Leben strebt, blind das Schutzrecht mitsamt seiner großzügigen Lebenshilfen gewähren zu müssen. Es ist eben so, dass ein Asylbewerber in Deutschland besser lebt als Milliarden andere Menschen auf der Welt. Man kann aber unmöglich die Realität „Asylbewerber in Deutschland“ zum Lebensziel von Milliarden werden lassen und die Grenzen öffnen.

Zeit für unangenehme Wahrheiten
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157 Kommentare zu "What's right?: Weniger Herz, mehr Verstand"

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  • Wenn man als normaler Bürger vor 3 Monaten das Wort Völkerwanderung in den Mund genommen hat, weil man sich unwohl fühlte mit "Willkommenskultur" und ähnlichen Floskeln in Verbindung mit der Flüchtlingsfrage, wurde als Rassist und Nazi tituliert.
    Ein Einwanderungsgesetz darf nicht als falsches Willkommenssignal an die vielen verstanden werden, die man nicht einladen kann, ohne die eigene Gesellschaft, das eigene Volk ( ja, das gibt es auch noch ) zu gefährden. Wir sind offen, aber nicht für alles und jeden, sonst wird diese BRD spätestens 2020 nicht mehr regierbar sein.

  • Zur unangenehmen Wahrheit gehoert auch, dass Europa und Deutschland mit seiner Wirtschaftspolitik und seinen Waffenlieferungen diese den Fluechtlingsstrom ausloesenden Konflikte befeuert.
    Ferner wird das deutsche Asylrecht wahrlich nicht wahllos und massenhaft angewandt. Fast alle Asylsuchenden aus den Balkanlaender werden nicht anerkannt.
    Mit manchen Ihrer Statements bin ich durchaus einverstanden aber andere wie die Einstellung humanitaerer Hilfe an den Aussengrenzen der EU (z.Bsp Mittelmeer) oder die Bevorzugung christlicher Asylanten gegenueber Muslimen erscheinen mir nicht wertkonservativ sondern eher aus der Kiste der geistigen Brandstifter zu stammen.

  • Sehr geehrter Herr Weimer,

    haben Sie herzlichen Dank für Ihren kritischen Beitrag, der den Finger wirklich in die Wunde legt und nicht alles durch die rosarote Brille betrachtet, sondern Fragen an unsere Verantwortlichen aus Politik und Medien aufwirft, die endlich ehrlich beantwortet werden müssen.

    Wir wünschen uns mehr von diesen kritisch-sachlichen Stimmen in der Debatte - insofern auch Kompliment an das Handelsblatt für die Veröffentlichung dieses Kommentars - das hätten wir gar nicht geglaubt! Weiter so!

    Dr. Christian Hubatsch und Familie

  • Hallo Herr Weimer,
    auch von mir nochmal: DANKE für diesen Artikel !!
    MfG
    P.S. Ich hoffe Sie arbeiten heute noch beim HB... !? ):

  • Dazu passend ein Artikel aus den Weinheimer Nachrichten,
    vom 28.08.2015, überschrieben mit „Stellen-Kampagne nur bedingt
    erfolgreich“
    Der Kreis Schwäbisch Hall (Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur)
    hatte ab 2012 gezielt versucht, in Portugal Arbeitnehmer anzuwerben.
    Daraufhin wurden die Behörden mit 10.000 – 15.000 Bewerbungen
    überflutet, woraufhin die (regionale?) EDV teilweise zusammenbrach. Einige
    Portugiesen hätten sich sogar kurzerhand ins Auto gesetzt und wären ohne
    konkretes Jobangebot nach Schwäbisch Hall gereist.
    So seien viele Jobsuchende mit dem Qualifikationsniveau von Helfern
    gekommen.
    Die seien aber nicht benötigt worden, zumal deutschsprachige Helfer bei
    Firmen bevorzugt wurden.
    Einige Portugiesen hätten eine positive Perspektive und sie seien gut
    integriert. Auch Hochzeiten mit Deutschen hätte es gegeben. Zugleich
    räumte der Sprecher aber ein:“ Es wurden auch Hoffnungen
    enttäuscht.“

    Man merke somit:
    a) selbst wenn „gezielt“, also aktiv (was in meinen Augen einen Bedarf
    voraussetzt) gesucht wird, bricht bei 10-15.000 Bewerbungen die EDV der
    Bundesarbeitsagentur zusammen. Warum man nicht versucht den Bedarf
    inländisch zu decken bleibt mir, solange es auch „offiziell“
    Arbeitslose gibt, schleierhaft.
    b) Wenn wir von der kleineren Zahl ausgehen, wurden von 10.000 Bewerbern
    (innerhalb von ~DREI Jahren !!) nur 100 in Jobs vermittelt. Da entspricht
    einer Quote von sagenhaften 1% oder 9.900 Bewerber gingen „leer“ aus.
    Sollten man die höhere Zahl von 15.000 zugrunde legen, bleibt eine
    „Erfolgsquote“ von 0,666% oder 14.900 Bewerber gingen „leer“ aus.
    c) Das Qualifikationsniveau hat in vielen Fällen nicht „gepasst“
    d) Die Firmen brauchen Mitarbeiter, die zumindest der deutschen Sprache
    mächtig sind.
    e) man hat den Leuten „Hoffnungen“ gemacht, die man nicht erfüllen
    konnte.

    Wer will uns da ernsthaft erzählen, dass 800.000 erwartete
    „Flüchtlinge“ / "Facharbeiter" (Großteils Moslems und Afrikaner) gebraucht werden UND integriert werden können?

  • Natürlich, Zustimmung und Dank+Aufmunterung an Hr. Beimer:

    "!!!! der erste vernünftige Artikel zu dem Thema seit langem !!!!"

    Wir alle hier freuen uns wie kleine Kinder, dass im HB mal eine Stück Wahrheit seinen Weg gefunden hat. Ist das nicht schlimm?! Vor 10 Jahren hätte das HB als Ganzes eine nüchterne Analyse und Lösungsalternativen vertreten, statt unlogischen, planlosen linken Unsinn.

    Selbst die "Bild" ist seit 3 Tagen auf den Harakiri-Kurs eingeschwenkt. Da wird wohl Angela mit ihrer Freundin Friede gesprochen haben. "Wut" und Kommentar-Buttom sind wohlweislich abgeschafft.

  • !!!! der erste vernünftige Artikel zu dem Thema seit langem !!!!

    Es stellt sich die Frage, wann sich der erste Gutmensch meldet und sich "empört" zeigt.
    Ist der Herr Weimer ein Rechtspopulist oder schlimmer noch - ein N_zi?

    Aber mit der Wahrheit ist es eben "schwierig"

  • 2/2 (Fortsetzung):

    Die Entwicklung bzw. der strukturelle Aufbau eines ganz neuen, den Anforderungen der heutigen Zeit genügenden Demokratiemodells (unter Nutzung der vorhandenen Infrastrukturen), das jeden einzeln Bürger quasi zur Mitarbeit bzw. zum Selbstinformieren und -denken "zwingt" - also eines Modells, das auf dem "Wenn/Dann-Prinzip" beruht (wir sind hier schließlich nicht bei "Wünsch Dir was, sondern bei "So isses!" - und müssen wirklich(!) demokratisch gemeinsam entscheiden, wie die anstehenden Herausforderungen bewältig werden können!) ist dringender denn je.

    Die "Vorreiterrolle" der Bürger jener Staaten, die die Freiheiten und die Mittel dafür haben auch.

    Gestern war im ARD-Weltspiegel folgender Beitrag zum Thema „Meinungsfreiheit im Netz“ zu sehen:

    http://www.tagesschau.de/ausland/weltspiegel-blogger-bangladesch-101.html

    Es ist so verrückt: Am einen Ende der Welt hat man alle Freiheiten – und missbraucht sie oft nur für dummes Zeug, und am anderen muss man sie sich regelrecht nehmen – und zahlt dafür nicht selten den höchstmöglichen Preis.

  • Aus aktuellem Anlass würde ich gerne einen früheren Kommentar von mir (unter http://www.handelsblatt.com/politik/international/tsipras-varoufakis-und-co-die-erpresser-aus-athen/11488968.html) ergänzen:

    Damit der Anteil der Bevölkerung mit extremistisch-menschenfeindlicher Einstellung, der in den Foren derzeit den Ton angibt (und das, obwohl sein Anteil an der Gesamtbevölkerung - noch??! - im unteren einstelligen Prozentbereich liegt), sich nicht irgendwann auch im „richtigen Leben“ durchsetzt, wird’s langsam höchste Zeit, die Ressourcen (Zeit, Geld, Energien), von denen ein Großteil heute offenbar fürs gegenseitige Anpöbeln in den Foren und sozialen Medien aufgewendet könnten endlich dafür einzusetzen, dafür zu sorgen dass endlich auch die restlichen weit über 90% der Bevölkerung zu Worte kommt.

    Mit unserem heutigen altehrwürdig-musealen Demokratiemodell ist heute jedenfalls kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

    Na klar gibt’s auch ehrliche Politiker. Ich will sogar schwer hoffen, dass die – zumindest hierzulande – in der Überzahl sind.

    Sie kämpfen aber auf verlorenem Posten.

    Schon deshalb, weil ein einzelner Politiker in unserer heutigen hochkomplexen Welt längst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr erkennen kann.
    Und außerdem, weil sie im täglichen Politbetrieb gefangen sind und dadurch irgendwann zwangsläufig „betriebsblind“ werden.

    Politiker, die sich ganze Nächte über Problemen wie das x-te „Rettungspaket“ um die Ohren schlagen müssen, haben schlicht keine Ressourcen mehr übrig, um sich auch noch um die anderen – weit wichtigeren! – Themen kümmern zu können.

    Das kann und muss die "Zivilbevölkerung" heute selbst!!

    (1/2 - Fortsetzung folgt)

  • @Wolfram Weimer/HB: Danke für diesen Artikel!!!

    Das ist seit sehr langer Zeit das erste Mal, dass ich wieder etwas Vernünftiges zum Thema Aysl gelesen habe. Die Öffentlich-Unrechtlichen Medien übertrumpfen sich selbst in Gutmenschlichkeit, die klassisch rot-grüne Presse (Spiegel, Zeit etc.) singen natürlich auch das Flüchtlingsloblied und selbst ehemals konservative Zeitungen wie die FAZ verbieten und zensieren inzwischen brutal alle Kommentare zum Thema.

    Sie, Herr Weimer und ich und ganz viele andere hier im Forum, wir sind keine Nationalisten - wir sind Realisten!!!

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