Widerstand gegen neue Hilfen Deutsche Finanzpolitiker machen Front gegen Pleite-Griechen

Die EU-Krisenmanager basteln an einem neuen Hilfsprogramm für Griechenland. Das sorgt für Unmut in Deutschland. Koalitionspolitiker sehen derzeit keinen Anlass für weitere Finanzspritzen - und nennen dafür gute Gründe.
48 Kommentare
Eine griechische Ein-Euro-Münze steht auf einer Erste-Hilfe-Box. Quelle: dpa

Eine griechische Ein-Euro-Münze steht auf einer Erste-Hilfe-Box.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/BerlinIn der schwarz-gelben Koalition regt sich massiver Widerstand gegen neue Kreditgarantien für das hoch verschuldete Griechenland. "Neue Hilfen sind im Parlament nicht mehrheitsfähig, sie wären auch falsch, da sie die Probleme Griechenlands nicht lösen, sondern die privaten Gläubiger sukzessive durch staatliche Gläubiger ersetzen, zu Lasten auch des deutschen Steuerzahlers", sagte der Finanzexperte der FDP-Fraktion im Bundestag, Frank Schäffler, Handelsblatt Online.

Auch die Union zögert mit einer schnellen Zusage weiterer Hilfskredite für die Regierung in Athen. "Schlussfolgerungen lassen sich erst ziehen, wenn die Prüfung durch IWF, EZB und Europäischer Kommission in Griechenland abgeschlossen ist", sagte der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, Handelsblatt Online.

"Bevor man über weitere Hilfen redet, muss Griechenland erst einmal sicherstellen, dass alle Spar- und Reformmaßnahmen ordnungsgemäß umgesetzt werden", sagte auch der Vizechef der Bundestagsfraktion, Michael Meister, der "Rheinischen Post". "Ich hätte gern ein Signal, dass das endlich passiert." Der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach wurde mit den Worten zitiert: "Es gibt von uns keinen Freibrief für weitere Hilfen an Athen."

FDP-Experte Schäffler äußerte überdies Zweifel, ob überhaupt die Voraussetzungen für die Auszahlung der nächsten Hilfe-Tranche an Griechenland gegeben sind. "Die Ankündigung Griechenlands 50 Milliarden Euro Privatisierungserlöse erzielen zu wollen, ist völlig unrealistisch und eine reine Mondzahl", sagte Schäffler. Auf Deutschland übertragen, würde das einem Volumen von über 500 Milliarden Euro entsprechen. Die Kapitalisierung der Dax-30 Unternehmen betrage derzeit 835 Milliarden Euro. "Das zeigt die Dimension", so Schäffler.

Kanzlerin Angela Merkel hatte am Dienstag gesagt, vor weiteren Zusagen müsse die Prüfung durch Europäische Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds abgewartet werden. Griechenland bekam bereits im vergangenen Jahr ein Kreditpaket von 110 Milliarden Euro.

Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Widerstand gegen neue Hilfen - Deutsche Finanzpolitiker machen Front gegen Pleite-Griechen

48 Kommentare zu "Widerstand gegen neue Hilfen: Deutsche Finanzpolitiker machen Front gegen Pleite-Griechen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone trat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vehement dagegen"

    LOL. Wo trat er jetzt noch mal genau dagegen?

  • Es ist tragisch, dass die Menschen immer noch nicht verstehen, man kann nicht mehr Geld ausgeben als man hat oder einnimmt. Eine Binsenweisheit, auch für Staaten! Wer das nicht begreift, muss die Konsequenzen tragen. Im Privat- oder Geschäftsleben macht er Insolvenz! Griechenland muss raus aus der EU und einen Schuldenschnitt machen, auch wenn es die EU-Gläubiger noch so hart trifft. Nur so ist ein Neuanfang möglich und hoffentlich lernen die Griechen daraus!

  • Die Griechen haben zwar kein Geld, aber Waffen, uns fehlt beides!

  • Ja, echte Freunde eben, wie zu Kaisers Zeiten!

  • Wie wärs mit Fleiß, Arbeit und ohne Korruption, statt Rumlamentieren über die ungünstigen Verhältnisse und Öl, das die Griechen nicht fördern können? Ihr seid nicht besser, als die Russen, wenn man es mal objektiv betrachtet!

  • CAF ist einer der "Hauptgläubiger" für faule griechische Staatsanleihen, deshalb halten die französichen Gewerkschaften das Maul! Lagarde hat den deutschen Steuerzahler als Ausfallbürgen ausgemacht, von daher diese kompromißlos vorgetragene Position! Versailles 2.0!

  • Die französischen Banken stecken zu tief in griechischen Staatsanleihen. Deshalb will Frankreich keine Umschuldung Griechenlands. Dann gehen bei denen nämlich auch die Banken pleite.
    Der Euro und die EU spalten Europa. Erst wenn wir auch real die Pleite anmelden, werden die Politiker aufhören, unser Geld zu verschenken.

    Wer in Berlin oder Frankfurt wohnt:
    geht zu den Samstags-Demos der Partei der Vernunft!

  • Wer genau wissen will, warum das weltweite Finanzsystem ein endliches Sytem ist und kein Perpetuum Mobile, der sollte sich diese beiden Vorträge ansehen:

    http://www.genreith.de/ifzI/

    http://www.genreith.de/ifzII/

  • Was derzeit im Euroraum passiert, hat nur noch wenig mit einer Rettung der europäischen Währungsunion zu tun, sondern ist vielmehr dem reinen Selbsterhaltungstrieb der allumfassenden Pro-Euro-Fraktion geschuldet. Auch wenn das Handeln der Polit-Bürokraten in Brüssel weit mehr von diffusen Hoffnungen, als von einer realistischen Einschätzung der Sachlage getragen ist, so wissen sie doch eines ganz genau: Wenn die Eurozone auseinanderbricht wird mit mathematischer Sicherheit auch das europäische Bankensystem implodieren. Und dann werden die Bürger ihre Sparguthaben, ihre kapitalgedeckten Rentenansprüche, ihre Lebensversicherungen etc. verlieren. Man braucht kein großer Prophet zu sein um sich auszumalen was dann wohl passieren wird. Und die Hoffnung das Europa über solche Zustände wie derzeit in Nordafrika hinaus sei, kann sich ganz schnell zerschlagen, wenn die Menschen erst realisieren das ihr erarbeiteter Wohlstand und ihre Altersvorsorge durch unfähige und korrupte Politiker vernichtet wurde. Hinter dem zwanghaften Festklammern an der europäischen (Währungs-)Union, steckt in Wahrheit wohl hauptsächlich die pure Angst der Regierenden vor ihrem eigenen Volk, dessen Vermögen und Zukunft sie für ein hochriskantes Währungsexperiment einfach aufs Spiel gesetzt haben.

  • Prinzipiell sollte einmal festgestellt werden, dass die Berufsklasse "Politiker" für die Lösung solcher Probleme wie die sich jetzt im EURO Raum zeigen, denkbar ungeeignet ist.
    Bis jetzt konnte diese Berufsklasse nur soviel Unheil mit ihren "politischen" Entscheidungen anrichten, dass es nicht mit viel fremdem Steuergeld umkehrbar war. Das könnte sich jetzt zum ersten Mal ändern.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%