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Wirecard Für den Bafin-Chef wird seine schlechte Kommunikation zum Problem

Noch hält Bundesfinanzminister Olaf Scholz an seinem Chefaufseher fest. Doch die Kommunikationspannen von Bafin-Chef Felix Hufeld häufen sich.
29.07.2020 - 13:11 Uhr 1 Kommentar
Der Bafin-Chef kämpft um Ruf und Posten. Quelle: dpa
Felix Hufeld

Der Bafin-Chef kämpft um Ruf und Posten.

(Foto: dpa)

Berlin Als Felix Hufeld im Jahr 2013 seinen Dienst bei der Finanzaufsicht Bafin antrat, war die Euphorie groß. Ein Topmanager aus der Finanzszene entschied sich für den Seitenwechsel. Der gelernte und international erfahrene Jurist hatte eine beeindruckende Karriere in der Wirtschaft unter anderem als hochrangiger Mitarbeiter der Boston Consulting Group (BCG) hinter sich. Schon damals machte er forsche Ansagen. „Aufsicht muss auch beißen können – allein die noch so gute Analyse tut es nicht“, lautete seine Botschaft.

Heute wird die Bafin auch von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) quasi als zahnloser Tiger dargestellt. Angeblich würden ihr Kompetenzen fehlen, um einen Fall wie den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard aufzudecken. Das kann einem Mann wie Hufeld, der laut Wegbegleitern ein starkes Selbstbewusstsein mitbringt, nicht passen.

Gerade in den letzten Wochen und Monaten machte er weiterhin meinungsstarke Ansagen. So sprach der heute 59-Jährige angesichts des größten Betrugsskandals in der Geschichte der Bundesrepublik von einer „Schande für Deutschland“. Kurze Zeit später wollte er es so nicht gesagt haben – ein Muster, das sich so wiederholt.

In dieser Woche kam ans Licht, dass Hufeld am 1. Juli 2020 vor dem Finanzausschuss des Bundestags offenbar nicht die Wahrheit gesagt hatte. Laut Protokoll des Ausschusses hatte Hufeld den Abgeordneten mitgeteilt, seine Behörde warte „bis heute auf eine Antwort“ der Polizei in Singapur. Berichte über Unregelmäßigkeiten bei Wirecard hatten dort ihren Ursprung.

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    Aber entgegen seiner Behauptung hätten die Bankenaufsicht und die Polizei in Singapur seit Anfang 2019 mit der Bafin kooperiert und Informationen zur Verfügung gestellt, zitierte der „Spiegel“ am Dienstagabend eine Bafin-Sprecherin. Daraufhin erklärte die Bafin, Hufeld habe den Bundestag über die Behörden in Singapur zutreffend, in der Äußerung aber unpräzise informiert.

    Das ist fatal, bei Skandalen dieses Ausmaßes kommt es auf jedes Wort an. Doch das ist nicht eine der Stärken von Felix Hufeld. Der Auftritt im Finanzausschuss wirkte auch für einige Teilnehmer deplatziert. Statt demütig aufzuklären, trat Hufeld breitbeinig auf, erinnern sich Teilnehmer. Hier war der Behördenleiter offenbar schlecht beraten. Die selbstbewussten und frei gewählten Abgeordneten schätzen es normalerweise nicht, wenn sie von oben herab behandelt werden.

    Hufeld könnte jetzt sein Netzwerk auf die Füße fallen. Was vorher als Stärke erschien, ist jetzt seine Schwäche. So wurde bekannt, dass er den letzten Aufsichtsratsvorsitzenden von Wirecard, Thomas Eichelmann, aus seiner Zeit von BCG kannte.

    Hufeld wurde offensichtlich nicht mal hellhörig, als zunächst im Januar 2020 der Vorstand der Wirecard-Bank einen Gesprächstermin gesundheitsbedingt absagte und am 10. März der Vorstandschef Markus Braun wegen der Corona-Pandemie einen Termin mit der BaFin platzen ließ. Warum man dies nicht per Videokonferenz nachholte, bleibt ein Rätsel. Erst kurz vor dem Insolvenzantrag sprach Hufeld dann mit der neuen Wirecard-Spitze.

    Noch unterstützt der Finanzminister Hufeld

    Finanzminister Scholz sagte, die Bafin habe in alle Richtungen Untersuchungen eingeleitet. Doch das öffentliche Handeln steht im Widerspruch zu dieser Aussage. In einer einmaligen Aktion in der deutschen Finanzwelt sprach die Bafin ein Leerverkaufsverbot für eine einzelne Aktie aus, nämlich für Wirecard. Es ging darum, die Spekulationen auf Kursverluste nicht zuzulassen. Das schützt das Unternehmen und war gleichzeitig an die Politik und die Finanzwelt ein Signal, dass bei Wirecard eigentlich alles in Ordnung ist. Die Aufseher glaubten damals offenbar den Betrugsgeschichten des Markus Braun.

    Das Narrativ, das er durchsetzen wollte, war, dass angelsächsische Spekulanten sein aufstrebendes deutsches Tech-Unternehmen quasi kaputt machen wollten. Diese Geschichte stellte sich als absolutes Märchen heraus. Verstärkt wurde diese Börsenstory noch dadurch, dass die Bafin Journalisten der „Financial Times“ anzeigte, die über den Betrugsverdacht zuerst berichtet hatten. Irgendwann wurde dann die Hektik groß.

    Bislang konnte Hufeld jedoch nicht belegen, dass er die Angelegenheit energisch an sich gezogen hat, und verweist lieber auf die Testate der Wirtschaftsprüfer und dass das Unternehmen nur teilweise als Finanzinstitut gilt.   

    Finanzminister Scholz hält trotz allem an Hufeld fest. Offiziell sagt er in Richtung Bafin: „Das, was zu tun war, ist getan worden.“ Das Festhalten an Hufeld mag aber auch taktische Gründe haben. Würde Scholz ihn entlassen, richteten sich alle Augen noch stärker auf den Bundesfinanzminister selbst. Sollte die Opposition einen Untersuchungsausschuss einsetzen, würde Hufeld eventuell immer noch ein Bauernopfer sein.  

    Mehr: Trotz Verstrickung in den Wirecard-Skandal arbeitet EY weiter für Konzerne mit Bundesbeteiligung. Ein neuer Auftrag könnte von der Telekom kommen.

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    1 Kommentar zu "Wirecard: Für den Bafin-Chef wird seine schlechte Kommunikation zum Problem"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ist die Politik denn für alles zuständig?

      Ich bin auch kein Freund von Herrn Scholz und seinem Bundesfinanzministerium.
      Die BaFin ist - meiner Meinung nach - prüfungspflichtig für das Finanz- und Bankwesen. Und das hat die Bafin gut gemacht - siehe, die Wirecard-Bank läuft ohne Probleme und Schwierigkeiten.
      Der Rest von Wirecard läuft doch als Tec-Unternehmen, und da sind die Wirtschaftsprüfer für alles zuständig, was unter dem Oberbegriff "Bilanzen/wirtschaftliche Situation" zuständig und verantwortlich.
      Hier hat offensichtlich EY kläglich und schadensersatzpflichtig versagt.

      Komplizierter braucht man das alles nicht diskutieren, wenn auf der anderen Seite der Bürokratieabbau ernst genommen werden will.

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