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Wirecard-Skandal Wirtschaftsprüfer von EY schulten engste Mitarbeiter von Scholz

Nach der Wirecard-Pleite knöpfte sich der Finanzminister die Wirtschaftsprüfer vor. Zeitgleich gingen seine Staatssekretäre bei EY ins Einzelcoaching.
18.01.2021 - 04:00 Uhr 4 Kommentare
Einzelcoachings für seine engsten Mitarbeiter. Quelle: imago images/photothek
Bundesfinanzminister Olaf Scholz

Einzelcoachings für seine engsten Mitarbeiter.

(Foto: imago images/photothek)

Berlin Als Ende Juni 2020 der Wirecard-Skandal losbrach, war für Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) schnell klar, wer neben den Wirecard-Managern für das Desaster verantwortlich war: die Wirtschaftsprüfer von EY, die jahrelang die Bilanzen des Dax-Konzerns nicht beanstandet hatten.

„Kritische Fragen stellen sich auch der Aufsicht über das Unternehmen, insbesondere mit Blick auf die Rechnungslegung und die Bilanzkontrolle“, sagte Scholz. „Hier scheinen Wirtschaftsprüfer wie Aufsichtsbehörden nicht effektiv gewesen zu sein.“

Zur selben Zeit, während sich Scholz EY vorknöpfte, wurden seine engsten Mitarbeiter jedoch in Einzelcoachings von EY geschult. Dies geht aus einem internen Dokument des Bundesfinanzministeriums (BMF) hervor, das dem Handelsblatt vorliegt.

„EY war bis zum Sommer im Rahmen des BMF-Schulungsprogramms (Modul 1 – Rechtliche Grundlagen) zur Aufsichtsratsarbeit als Dozenten tätig, so auch kürzlich in Einzelcoachings am 2. Juli 2020 für St S und St K“, heißt es in der Unterlage.

„St S und St K“ sind dabei die Abkürzungen für Wolfgang Schmidt und Jörg Kukies, die als Staatssekretäre im Bundesfinanzministerium auch Aufsichtsratsmandate wahrnehmen. Schmidt etwa bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Kukies bei der staatlichen Förderbank KfW.

„EY hatte die Ausschreibung des Vertrages gewonnen und ordentliche Leistungen erbracht“, heißt es in der Unterlage. Grundsätzlich ist es aus Sicht von Finanzpolitikern absolut sinnvoll, wenn Staatssekretäre sich fortbilden lassen, um ihrer Nebentätigkeit als Aufsichtsratsmitglied wichtiger Organisationen oder Unternehmen gut wahrnehmen zu können.

Doch dass ausgerechnet EY die Coachings vornahm, hat vor dem Hintergrund des Wirecard-Skandals und der Kritik an EY eine gewisse Ironie. FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar sagt: „Es wird immer absurder.“

Just diese Beratungsleistungen von Wirtschaftsprüfern will Scholz übrigens jetzt gesetzlich einschränken, ohne dabei rot zu werden. FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar

Während Olaf Scholz gegenüber der Öffentlichkeit versucht habe, alle Schuld für das Wirecard-Desaster bei EY abzuladen, absolvierten seine engsten Vertrauten genau bei diesem Unternehmen Einzelcoachings.

„Just diese Beratungsleistungen von Wirtschaftsprüfern will Scholz übrigens jetzt gesetzlich einschränken, ohne dabei rot zu werden“, so Toncar.

EY verliert Prüfmandate

EY weist bisher ein Fehlverhalten im Wirecard-Skandal zurück. Dennoch sehen neben Scholz auch viele andere Politiker EY in der Verantwortung für den Skandal. Deshalb stellt sich zugleich die Frage, wie die Bundesregierung mit der Vielzahl an Beraterverträgen umgeht, die sie mit EY abgeschlossen hat. Und auch, ob EY bei Unternehmen mit Bundesbeteiligung weiter die Bilanzen prüfen sollte.

Erste Konsequenzen hat die Bundesregierung bereits gezogen. So berichtete das Handelsblatt vergangene Woche, dass EY das Prüfmandat bei der Deutschen Telekom auf Druck der Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat verloren hat. Es war bereits der vierte große Prüfauftrag, den EY seit dem Wirecard-Skandal abgeben musste.

Mehr: EY verliert Prüfmandat bei der Deutschen Telekom

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4 Kommentare zu "Wirecard-Skandal: Wirtschaftsprüfer von EY schulten engste Mitarbeiter von Scholz"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Bazooka wurde abgefeuert, ohne geladen zu sein -- Milliarden Euro "gespart" durch wessen Versagen eigentlich? Die Minderleistung geht munter weiter.

  • @ Herr Pfeil

    Mir geht es ähnlich. Ich weiß nicht wie Herr Scholz überhaupt noch tragbar ist und das vor allem in der SPD?

    Ich meine es ist ja mittlerweile jedem bekannt und bewiesen, dass Herr Scholz den Bundestag wegen der Cum-Ex Geschichte angelogen hat und das er wissentlich Informationen verschwiegen hat. Er deckt die Millionäre und Berater die auf Kosten des Staates noch weitere Millionen, sogar Milliarden ergaunert haben. Wenn ich mich nicht irre geht es insgesamt um über 30 Mrd EUR Steuerhinterziehung.

    Aber das ist ja egal, denn er ist unser Finanzminister und deshalb unantastbar.

  • Da hat der Scholz wieder einmal seine Unfähigkeit in seiner ganzen Breite gezeigt. Wie kann so einer, der so viel Mist in seiner Laufbahn gebaut hat, so weit kommen?
    Ein Politiker, der nichts anderes (vermeintlich) gelernt hat und das noch schlecht macht. Ein SPD-Kader der nichts anderes als Politik kennt - armes Deutschland.

  • Und Siemens schlägt allen Ernstes vor, dass EY das Prüfungsmandat für 2021 erhält. Siehe Einladung zur HV.
    Gleich mal die Entlastung für Vorstand und AR verweigert.

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