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Wirecard-Untersuchungsausschuss Alexander Geschonneck: Der Auftritt des Wirecard-Schrecks von KPMG

Der KPMG-Prüfer ging dem Betrugsgeflecht des Zahlungsdienstleisters auf den Grund. Am Donnerstag sagt er vor dem Untersuchungsausschuss aus. 
26.11.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der KPMG-Prüfer ist einer der Top-Forensiker Deutschlands. Quelle: KPMG
Alexander Geschonneck

Der KPMG-Prüfer ist einer der Top-Forensiker Deutschlands.

(Foto: KPMG)

Berlin Alexander Geschonneck wirkt auf den ersten Blick wie viele andere Berater auch. Nerd-Brille, durchtrainiert, smarter Typ mit einer exzellenten Ausbildung. Doch der 50-jährige Partner bei der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG, der am Donnerstag im Wirecard-Untersuchungsausschuss Licht ins Dunkel bringen soll, scheut die Öffentlichkeit.

Geschonneck stammt aus einer bekannten Schauspielerfamilie. Wahrscheinlich sei es ihm deshalb auch leichter gefallen, nicht auf die Kulissenschieberei der Wirecard-Spitze um CEO Markus Braun und seinem schillernden Vorstandskollegen Jan Marsalek hereinzufallen, sagt einer, der ihn gut kennt. Das „Manager-Magazin“ titelte vor geraumer Zeit, dass der von Interpol gesuchte Marsalek die Prüfer mit Schauspielern getäuscht haben soll. Dabei handelte es sich um die langjährigen Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, die seit 2013 unter dem Namen EY firmieren.

Geschonneck und der KPMG-Vorstand Sven-Olaf Leitz wollten dem Betrugsgeflecht des Zahlungsdienstleisters auf den Grund gehen. Eine Anfrage für ein Porträt erteilten KPMG und er zwar eine Absage. Trotzdem lässt sich ein klares Bild des 50-Jährigen zeichnen.

Zehn Jahre lang stempelte EY die Wirecard-Berichte ab. Dann kamen immer mehr Ungereimtheiten an die Öffentlichkeit, und der japanische Investor Softbank drängte auf eine Sonderprüfung. Die Prüfer von KPMG ritten mit Geschonneck und Leitz an der Spitze von 40 Kolleginnen und Kollegen bei Wirecard ein. Geschonneck gehört zu den Top-Forensikern in Deutschland. Er hat dazu Bücher und Artikel veröffentlicht und ist ein gefragter Mann, wenn es um heikle Aufträge geht.

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    Im Rampenlicht standen andere in der Familie. Sein Vater Erwin Geschonneck war ein Star im Berliner Ensemble von Bertolt Brecht und in der DDR ein bekanntes Fernsehgesicht. Geschonnecks Halbbruder Matti ist ein renommierter Film- und Fernsehregisseur. Zuletzt verfilmte er den Roman von Juli Zeh „Unter Leuten“ im ZDF.

    Wie „Die Unbestechlichen“

    Alexander Geschonneck trat, wie Wikipedia zu entnehmen ist, lediglich einmal als Kind vor die Kamera. Im Fernsehfilm „Des kleinen Lokführers große Fahrt“ spielte er als „Sascha“ eine Nebenrolle. Ihn zog es in die Wirtschaft. Nach der Wende studierte er Wirtschaftsinformatik, bevor er in das Beratergeschäft eintrat. Mittlerweile ist er Mitglied in der Global Forensic Steering Group von KPMG International. Die Ironie der Geschichte: Geschonneck arbeitete laut seinem LinkedIn-Profil vor seiner Zeit bei KPMG für EY.

    Im Fall Wirecard fällt einem der Film „Die Unbestechlichen“ ein. Er und sein Partner Leitz folgten der Maxime: Folge dem Geld. Sie ließen sich nicht mit kopierten Belegen und falschen LinkedIn-Profilen abspeisen, sondern blieben hartnäckig. Laut KPMG-Bericht flogen sie mit einem Team auf die Philippinen. Dort sollen 1,9 Milliarden Euro auf dem Konto eines Treuhänders gelegen haben.

    Wirecard konnte das nicht beweisen, KPMG aber auch nicht das Gegenteil. Sie stellten aber ein sogenanntes Ermittlungshemmnis fest, und damit kam die Skandallawine ins Rollen. Forensiker sind im Endeffekt die Kriminologen der Beraterbranche. Sie kommen meist erst dann zum Einsatz, wenn schon schlimme Vorfälle in den Unternehmen im Raum stehen. Ein guter Forensiker lässt sich nicht von Vorstandschefs und ihren positiven Geschichten beeindrucken. Sie sind hartnäckig und machen sich natürlich bei den Kunden meist nicht beliebt.

    Verheerendes Bild gezeichnet

    KPMG zeichnete Ende April 2019 ein verheerendes Bild vom internen Rechnungswesen und Kontrollsystem bei Wirecard, auf die es in früheren Prüfungsberichten von EY keine derartigen Hinweise gab. Im Zuge wurde das Testat verweigert, danach musste ein Bankenkonsortium einen 1,75 Milliarden Euro schweren Kredit für den Münchener Zahlungsdienstleister weitgehend abschreiben. Aktionäre haben bereits mehr als 23 Milliarden Euro verloren. So viel war Wirecard einmal an der Börse wert. 

    Den Forensikern wird die Arbeit nicht ausgehen. Angesichts der vielen Corona-Hilfsmaßnahmen werden die Anfälligkeiten für Betrug eher zunehmen. Hinzu kommt, dass durch die intensive Beschäftigung mit dem Wirecard-Skandal jeder Finanzpolitiker bis hin zum Bundesfinanzminister Olaf Scholz nun mit der Forensik etwas anfangen kann. So forderte der SPD-Kanzlerkandidat bereits, dass die deutsche Finanzaufsicht jederzeit und schnell forensische Untersuchungen durchführen können müsste. Die Finanzaufsicht sollte bei Geschonneck und Leitz anklopfen.

    Mehr: Warum sich Aktionäre, Aufseher und Politiker von Wirecard blenden ließen

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