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Wirtschaft gegen Rechtspopulisten Diese Manager machen sich gegen AfD und Fremdenfeindlichkeit stark

In die Debatte um den richtigen Umgang mit der AfD hat sich Industrieverbandschef Kempf eingeschaltet. Andere Wirtschaftsvertreter warnen auch vor der AfD.
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Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie findet klare Worte zu den anstehenden Ost-Wahlen. Quelle: AFP
Dieter Kempf

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie findet klare Worte zu den anstehenden Ost-Wahlen.

(Foto: AFP)

Berlin Die drei Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen dürften nach den jüngsten Meinungsumfragen zu einem AfD-Triumph werden. In Brandenburg und Sachsen wird am 1. September gewählt, in Thüringen am 27. Oktober. Die Aussicht auf große Zugewinne der AfD wird in der deutschen Wirtschaft mit großer Sorge gesehen.

Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), meldete sich jetzt mit einem Alarmruf zu Wort. „Erfolge der AfD schaden dem Image unseres Landes“, sagte Kempf den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“ mit Blick auf die anstehenden Ost-Wahlen. Die Attraktivität eines Standorts leide „unter extremistischen Parteien“, meinte Kempf weiter. „Es drohen Abschwung und Strukturschwäche.“

Gerade im Ringen um dringend benötigte Fachkräfte aus aller Welt Ausland müssten Standorte „attraktiv und einladend sein“, gab der Verbandspräsident zu bedenken. „Ausländerfeindlichkeit und Nationalismus passen nicht zu einer international erfolgreichen deutschen Wirtschaft.“

Kempf ist nicht der erste hochrangige Wirtschaftsvertreter, der vor der AfD warnt. Einige andere Manager, aber auch führende Ökonomen hatten sich bereits deutlich gegen die Partei positioniert.

Hiltrud Werner, VW-Vorständin für die Themen Recht und Integrität

Die Vorständin betont, dass Volkswagen auf Internationalität setzt. Quelle: dpa
Hiltrud Werner

Die Vorständin betont, dass Volkswagen auf Internationalität setzt.

(Foto: dpa)

Wie BDI-Chef Kempf warnt auch die in Thüringen aufgewachsene VW-Managerin vor den Folgen eines möglichen starken Abschneidens der AfD im Osten. „Wir sind auch als Volkswagen betroffen, wenn Fremden- und Europafeindlichkeit unser auf Internationalität ausgerichtetes Geschäftsmodell berührt“, sagte Werner jüngst der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“.

So sei VW darauf angewiesen, „dass auch ein ausländischer Spezialist gerne in unseren sächsischen Standort nach Zwickau – unser Leitwerk für E-Mobilität – geht“, betonte Werner. „Ein Portugiese oder ein in den USA aufgewachsener Chinese sollte sich in Zwickau genauso wie in seiner Heimat wohlfühlen können.“

Daimler-Chef Ola Källenius

Der Daimler-Chef positioniert sich gegen Fremdenfeindlichkeit. Quelle: dpa
Ola Källenius

Der Daimler-Chef positioniert sich gegen Fremdenfeindlichkeit.

(Foto: dpa)

Der Konzernlenker hat sich vor kurzem deutlich gegen AfD-nahe Betriebsräte im Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim positioniert. „Daimler ist nicht nur ein Innovations- und Jobmotor, sondern auch ein Motor für Integration“, betonte Källenius in einer auf deutsch und englisch veröffentlichten Erklärung.

Damit reagierte der Manager auf ein Video der Gruppierung „Zentrum Automobil“, die sich selbst als „unabhängige Gewerkschaft“ bezeichnet. Darin wird die Entlassung von zwei Daimler-Beschäftigten als „völlig absurd“ bezeichnet.

Ihnen wurde bereits 2018 gekündigt, weil sie einem türkischstämmigen Kollegen und Funktionär der IG Metall über Monate hinweg über den Messenger-Dienst WhatsApp nationalsozialistische Bilder zugesandt hatten.

Siemens-Chef Joe Kaeser

Der Manager ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. Quelle: dpa
Joe Kaeser

Der Manager ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender der Siemens AG.

(Foto: dpa)

Auch Kaeser warnte davor, dass Nationalismus und Rassismus in Deutschland salonfähig werden. Das wäre für die Wirtschaft und auch sein Unternehmen verheerend, sagte Kaeser einmal im Bayerischen Rundfunk. Deutschland lebe vom Export und möglichst offenen Grenzen, Konzerne seien global aufgestellt, mit Mitarbeitern und Kunden jeder Hautfarbe und Religion. „Es haben damals beim Nationalsozialismus zu viele Menschen geschwiegen, bis es zu spät war. Und das darf uns in Deutschland nicht wieder passieren“, sagte Kaeser.

Äußerungen der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel im Mai 2018 im Bundestag habe er als rassistisch und ausgrenzend empfunden, sie hätten ihn im Ton an die NS-Zeit erinnert. Deshalb habe er in einem Tweet dagegengehalten. Neben humanistischen Werten gehe es auch um handfeste geschäftliche Interessen.

Telekom-CEO Timotheus Höttges

Der CEO bezieht klar Stellung gegen rechts. Quelle: dpa
Timotheus Höttges

Der CEO bezieht klar Stellung gegen rechts.

(Foto: dpa)

Der Konzern wählte im vergangenen Jahr die Digitalmarketing-Messe Dmexco für eine deutliche Positionierung. „Was zur Hölle ist los in unserer Gesellschaft?“, fragte er seinerzeit mit Vorfälle in Chemnitz und Köthen. In Köthen waren bei der rechtsgerichteten Demos Plakate wie „Volksverräter absetzen“, „Heimatliebe ist kein Verbrechen“ und „Es reicht, Frau Merkel, sie muss weg“ zu sehen.

In Chemnitz hatte die AfD einen sogenannten Trauermarsch organisiert, an dem sich auch Vertreter des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses aus Dresden sowie Angehörige der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz beteiligt hatten. Anlass war der Tod eines Deutschen, der am 26. August Opfer einer Messerattacke geworden war.

In seiner Dmexco-Keynote bezog Höttges klar Stellung gegen rechts und forderte Firmen auf, politisch klare Kante zu zeigen. „Schlägertypen können durch unsere Innenstädte marschieren“, klagte er. Deutschland erlebe eine Umkehr von Werten. „Plötzlich wird der Antirassist als gefährlicher gesehen als der Rassist. Die Feministin wird kritischer gesehen als der Täter.“ Deshalb sieht Höttges die Wirtschaft in der Pflicht. Firmen müssten sich klar positionieren.

Postchef Frank Appel

Frank Appel ist seit 2008 Vorstand der Deutschen Post AG. Quelle: dpa
Frank Appel

Frank Appel ist seit 2008 Vorstand der Deutschen Post AG.

(Foto: dpa)

Appel meldete sich kurz nach der Bundestagswahl im Herbst 2017 zu Wort, als der AfD erstmals der Sprung in den Bundestag gelang. Er sehe sich in der Verantwortung, „alles dafür zu tun, um Populisten den Nährboden zu entziehen“, sagte der Konzernchef seinerzeit der „Welt am Sonntag“. „Wir müssen den Menschen erklären, wie gut es uns auch im internationalen Vergleich wirklich geht, und dass es keinen Grund gibt, die Zukunft zu fürchten und sich abzuschotten.“

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)

Der Wirtschaftswissenschaftler plädiert für klare Signale gegen Fremdenfeindlichkeit. Quelle: dapd
Michael Hüther

Der Wirtschaftswissenschaftler plädiert für klare Signale gegen Fremdenfeindlichkeit.

(Foto: dapd)

Hüther bezog Stellung mit Blick auf rechte Umtriebe unter Betriebsräten. „Der Fall Daimler zeigt, dass es Probleme aus der rechten Szene auch in deutschen Unternehmen mit globaler Ausrichtung in langer Tradition gibt“, sagte Hüther. Umso wichtiger sei das „klare Signal“ von Konzernchef Källenius, „das schlüssig das bisherige Handeln unmissverständlich als Unternehmensposition markiert“.

Das wirke der Verrohung des öffentlichen Raumes entgegen. Unternehmer, Unternehmerinnen und Unternehmen seien „Akteure im öffentlichen Raum und tragen deshalb systematisch Mitverantwortung für den gesellschaftlichen Diskurs und Umgang“, betonte Hüther. Dabei gelte jedoch: „Glaubwürdig ist extern nur, wer intern konsistent handelt.“

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)

Der DIW-Präsident sagt, dass die deutsche Wirtschaft stark auf Zuwanderung angewiesen sei. Quelle: dpa
Marcel Fratzscher

Der DIW-Präsident sagt, dass die deutsche Wirtschaft stark auf Zuwanderung angewiesen sei.

(Foto: dpa)

Fratzscher lobte den Daimler-Chef als Vorbild für andere Unternehmenslenker. „Viel mehr der deutschen Unternehmen sollten sich klarer gegen Fremdenfeindlichkeit und für Offenheit und Toleranz aussprechen“, sagte Fratzscher. Auch aus Eigeninteresse, fügte er hinzu. Denn die deutsche Wirtschaft sei stark auf Zuwanderung angewiesen, was sich durch den demographischen Wandel nochmals verstärken werde. „Kaum einer Branche und kein Unternehmen kann ohne Zuwanderung heute noch im globalen Wettbewerb bestehen“, betonte der DIW-Chef.

Mehr: Die Landtagswahlen in Ostdeutschland könnten für das Fortbestehen der Großen Koalition entscheidend sein – oder die Parteien in die Bedeutungslosigkeit driften lassen.

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