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Wirtschaftspolitik IW-Studie: Warum ein Modernisierungsschub für Deutschland unverzichtbar ist

Massive öffentliche und private Investitionen können in Deutschland der Studie zufolge ein Jahrzehnt der Modernisierung auslösen. Ohne Hilfen drohen vor allem energieintensiven Industrien Probleme.
04.06.2021 - 06:16 Uhr 1 Kommentar
Investitionen in die digitale Infrastruktur sind zwingend erforderlich, um die Modernisierung des Landes voranzutreiben. Quelle: Michael Staudt / VISUM
Aufgerolltes Glasfaserkabel

Investitionen in die digitale Infrastruktur sind zwingend erforderlich, um die Modernisierung des Landes voranzutreiben.

(Foto: Michael Staudt / VISUM)

Berlin Dekarbonisierung und Digitalisierung stellen die Industrie vor enorme Herausforderungen und machen hohe Investitionen unumgänglich. Doch während die Autoindustrie auf gutem Weg ist, vor allem den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid zu reduzieren, sind die Hürden für energieintensive Branchen wesentlich höher. Es drohen herbe Einschnitte, auch die Verlagerung von Investitionen ins Ausland. Das ist das Kernergebnis der noch unveröffentlichten Studie „Modernisierung durch Investitionen“ des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die dem Handelsblatt vorliegt.

Für die Automobilbranche zeichnen Hubertus Bardt, Michael Hüther und Hans-Peter Klös, die Autoren der Studie, ein optimistisches Bild. In der Branche sei eine „erhebliche Transformationsdynamik“ zu verzeichnen, die Unternehmen wiesen eine „starke Innovations- und Investitionsperformance“ auf. 

Das Geschäftsmodell der Unternehmen der Automobilbranche sei zwar durch die Abkehr von Verbrennungsmotoren und durch die Digitalisierung massiv unter Druck geraten. Doch die deutsche Automobilindustrie sei nicht wehrlos. Ihre Stärken „liegen vor allem im bestehenden Kapitalstock, in der Innovationsstärke und dem durch qualifizierte Beschäftigte getragenen Know-how, das in den letzten Jahrzehnten aufgebaut worden ist“, heißt es in der Studie. In einem „dynamischen Innovationsumfeld“ könnten bestehende Rückstände, etwa bei der Elektromobilität und beim autonomen Fahren, aufgeholt werden. 

Die Autoren verweisen auf die Investitionsankündigungen der Unternehmen. So hat beispielsweise Volkswagen erklärt, binnen fünf Jahren 35 Milliarden Euro in die Elektromobilität und 27 Milliarden Euro in die Digitalisierung zu investieren. Auch BMW, Daimler, die VW-Tochter Audi sowie Ford in Köln haben massive Investitionen angekündigt. 

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    Ungleich schwieriger stellt sich die Situation aus Sicht der Autoren in energieintensiven Branchen wie Stahl, Chemie, Zement, Glas, Aluminium oder Kupfer dar. Hier seien die Herausforderungen des Klimaschutzes von „fundamentaler Bedeutung“, heißt es in der Studie. „Der Druck nimmt zu, bestehende Produktionskapazitäten umzubauen, um die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren und weitestgehend zu vermeiden.“

    Dies betreffe sowohl energiebedingte als auch prozessbedingte Emissionen. Doch während erstere durch die Nutzung klimaneutraler Energiequellen reduziert werden könnten, sei das bei prozessbedingten Emissionen nicht der Fall: „Dort, wo unabänderliche chemische Zusammenhänge Emissionen unvermeidlich machen, bleibt nur eine Reduktion der Produktion oder die Kompensation durch Emissionsminderungsmaßnahmen an anderer Stelle oder die Nutzung von negativen Emissionen, also Technologien zur Entfernung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre“, schreiben die Autoren. 

    Zur Einordnung: Die prozessbedingten Emissionen der Industrie in Deutschland belaufen sich jährlich auf rund 60 Millionen Tonnen. Das entspricht in etwa den gesamten Emissionen der Landwirtschaft in Deutschland oder der Hälfte der Emissionen des Gebäudesektors.

    Klimaschutz erhöht den Kostendruck

    Die von der Politik geforderte Klimaneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts bedeute eine vollständige Umstellung der Produktion. Der Transformationsdruck werde für die Unternehmen dadurch verstärkt, dass die internationalen Ansprüche sehr unterschiedlich seien und die Preissignale für Treibhausgasemissionen stark voneinander abwichen. „Ende 2020 waren weltweit unter 16 Prozent der relevanten Emissionen explizit bepreist, die Hälfte davon mit unter zehn Dollar je Tonne. Der europäische Emissionshandel ist der größte Block mit den nahezu höchsten Preisen – von einzelnen Steuern in Skandinavien und der Schweiz abgesehen“, schreiben die Autoren. Die Unternehmen hierzulande seien daher mit Kosten belastet, die Wettbewerber an anderen Standorten nicht zu tragen hätten. 

    Die energieintensiven Unternehmen in Deutschland stünden bei ihren Investitionsentscheidungen vor der Frage, ob sie im Inland in neue, besonders klimaschonende Produktionsanlagen investierten oder im Ausland weniger teure Kapazitäten aufbauten. 

    Politik muss Investitionen massiv unterstützen

    Der hohe Kostendruck aufgrund von politischen Vorgaben im Klimaschutz hat bereits dazu geführt, dass energieintensive Branchen seit Jahren weniger investieren, als sie abschreiben; sie zehren somit ihre Substanz auf.

    In der Studie wird die Entwicklung mit einem Vergleich belegt: „Das Bruttoanlagevermögen der energieintensiven Branchen ist zwischen 2000 und 2018 um 68 Milliarden Euro geschrumpft, während die nicht energieintensiven Branchen das Bruttoanlagevermögen um 104 Milliarden Euro steigern konnten.“

    Die Autoren empfehlen der Politik, Investitionen der energieintensiven Branchen massiv zu unterstützen. Dazu gehörten zum einem Zuschüsse zu den Investitionen für den Bau neuer Anlagen, aber auch ein Ausgleich der höheren laufenden Kosten für den Betrieb der Anlagen. 

    Um die Modernisierungsprozesse bewältigen zu können, ist nach Überzeugung der Studienautoren ein Dreiklang aus einer Stärkung privater Investitionen, der Umsetzung öffentlicher Investitionen und einer Modernisierung des Staatswesens unabdingbar.

    Um private Investitionen zu stärken, seien insbesondere wettbewerbsfähige Steuersätze und Energiekosten, die Förderung von Innovationen, eine auf die neuen Herausforderungen ausgerichtete Forschungsinfrastruktur und die notwendigen Infrastrukturen für Digitalisierung, erneuerbare Energien und die Wasserstoffwirtschaft erforderlich. Der Fokus öffentlicher Investitionen sollte auf einem Ausbau der Energie- und der Digitalinfrastruktur liegen, empfehlen die Autoren. Die Modernisierung des Staatswesens sollte sich nach Überzeugung der Autoren darauf fokussieren, Verwaltungsstrukturen schlanker und schlagkräftiger zu machen. „Die Coronakrise hat schonungslos offengelegt, wie groß der Modernisierungsbedarf der öffentlichen Verwaltung in Deutschland ist“, schreiben sie. Die Rückstände bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, aber auch die Koordinationsschwächen an den Schnittstellen der föderalen Gebietskörperschaften hätten in der akuten Krise schnelle Anpassungsreaktionen verhindert.

    Mehr: Deutsche Industrie setzt auf den Aufschwung

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    • CO2-Abgabe: Das Geld fließt nach Italien + Spanien. Die Deutschen zahlen, Das Geld für sinnvolle Investitionen fehlt, der Staat subventioniert - ohne Sinn und Verstand!

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