Wirtschaftsstruktur Saarland leidet unter der ostdeutschen Krankheit

Jobs wandern ab und mit ihnen die Fachkräfte, die Geburtenrate sinkt und der Landeshaushalt steht auf der Kippe: Das Saarland leidet unter ostdeutschen Problemen - auch ohne Regierungswechsel sind neue Strategien nötig.
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Kampf den Strukturproblemen: Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will sich die Strategien der ostdeutschen Länder anschauen. Quelle: dapd

Kampf den Strukturproblemen: Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will sich die Strategien der ostdeutschen Länder anschauen.

(Foto: dapd)

BerlinVergangene Woche erschütterte eine Wirtschaftsnachricht das Saarland, die auch im beginnenden Landtagswahlkampf eine Rolle spielen dürfte: die Baumarktkette Praktiker verlegt den Firmensitz nach Hamburg. Die Ortschaft Kirkel verliert 220 Jobs.

„Wir haben zwar viele herausragende Produktionsstätten im Land, aber leider relativ wenige Konzernzentralen“, klagt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Das einstige Land von Kohle und Stahl dient vielen nur noch als verlängerte Werkbank. Ford etwa beschäftigt 6500 Menschen und steuert 30 Prozent des saarländischen Exports bei - die Zentrale aber residiert in Köln. Der Automobilzulieferer ZF kommt auf 6000 Beschäftigte, firmiert aber in Friedrichshafen (Baden-Württemberg). Sieben der zehn größten Industrieunternehmen des Landes produzieren lediglich an der Saar.

Am 25. März wählt das Saarland frühzeitig einen neuen Landtag. Kramp-Karrenbauer strebt eine Koalition mit der SPD an, nachdem sie der FDP in der ersten schwarz-gelb-grünen Koalition den Laufpass gegeben hat. Es gehe um die Zukunft des Landes, sagt nicht nur sie, sondern auch der ewige SPD-Kontrahent Heiko Maas.

Ganz gleich, wer demnächst die knapp eine Million Menschen im kleinsten Flächenland der Republik regiert: Das Saarland krankt an strukturellen Problemen, die in dieser gehäuften Form nur in Ostdeutschland auftreten. „Verlängerte Werkbank“, „Entvölkerung“, „Haushaltsnotland“, alle diese Umstände belasten das Bundesland. „Das Saarland ist das erste westdeutsche Bundesland, das Entwicklungen wie in den ostdeutschen Bundesländern durchläuft“, gesteht Kramp-Karrenbauer.

Seit Jahren kommen im Saarland am wenigsten Kinder zur Welt: 1,25 je Frau waren es 2008 (Bundesdurchschnitt: 1,37). Bis 2030 wird die Zahl der Geburten in Westdeutschland an der Saar mit vermutlich 16 Prozent am stärksten sinken. Die Zahl der unter 25-Jährigen schrumpft dort sogar um 37 Prozent. Mit den Konzernzentralen fehlen die Topjobs, weshalb es die gut ausgebildeten, jungen Menschen in die Ferne zieht. Dagegen verdoppelt sich die Zahl der Alten fast. „Bei den alten Flächenländern wird das Saarland ein besonders hohes Geburtendefizit in Relation zur Bevölkerung haben“, urteilt das Statistische Bundesamt.

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8 Kommentare zu "Wirtschaftsstruktur: Saarland leidet unter der ostdeutschen Krankheit"

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  • @ wiebitte,
    die konkreten Zahlungen sind im BMF erhältlich.
    Das Saarland war demnach Nehmer von 1961 bis (vorl. Zahlen) 2011. Die politische Zuordnung der Verantwortung überlasse ich Ihnen.

  • 2005 bin ich nach meinem Elektrotechnik-Studium aus dem Saarland nach Baden-Württemberg abgewandert, mit 23 Jahren.

    Warum fragt man sich da?
    Ganz einfach, die einem Automatisierungs-Ingenieur im Saarland zur Verfügung stehenden Jobangebote bewegen sich alle maximal auf Techniker/Inbetriebnehmer-Niveau. Echte Ingenieurstellen, Fehlanzeige. Dementsprechend natürlich auch die Gehälter, Rahmenbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten. Da bleiben unter den höher Ausgebildeten wirklich nur die ganz patriotischen Hartliner, die besonders verwurzelten Menschen im Land.

    Meine Entscheidung zu gehen habe ich nie bereut und werde das auch in Zukunft ganz sicher nicht tun. Eine schöne Landschaft allein genügt eben nicht.

    Einzige Möglichkeit bietet nach meiner Ansicht ein IT-Studium. In diesem Bereich gibt es die eine oder andere attraktive Position im Saarland.

  • Woher haben Sie diese Zahlen?:
    "Im Vergleich der Flächenländer hat Bayern mit 14 444 Euro die geringste Pro-Kopf-Verschuldung. Mit geringem Abstand folgt Sachsen (14 804 Euro)."

    Bitte an die Fakten halten:
    "Gleichwohl sind die regionalen Schwankungen groß: In Bremen beträgt die Pro-Kopf-Verschuldung 27 653 Euro, in Berlin 17 695 und in Hamburg 11 862 Euro, in Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg sind es dagegen lediglich 1400 bis 4000 Euro."

    Nachzulesen heute & hier: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/trotz-aufschwung-minusrekord-in-bremen-osten-legt-zu/6164264-2.html

  • Ob wir uns vielleicht doch noch zu einer differenzierteren Betrachtung durchringen können? Zunächst mal erinnere ich daran, dass Ostdeutschland mit Erich Honecker jahrzehntelang von einem Saarländer geführt worden ist. Wenn es also eine Krankheit ist, dann ist es eine saarländische Krankheit, die dorthin reimportiert worden ist. Und warum "Krankheit"? Ich erlebe einfach, dass in "Mitteldeutschland" (alte Lesart) nach der Wende rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen worden sind, unter denen Mercedes, Siemens, Bosch und VW binnen kürzester Zeit mangels Kreditwürdigkeit pleite gegangen wären. Das Sachenrechtsbereinigungsgesetz nenne ich da als eine Komponente für fehlende Refinanzierungsmöglichkeiten. Wenn eine Firma nicht beweisen kann, dass ihr ein Grundstück zweifelsfrei gehört, kann die Bank auch keinen Kredit darauf geben. So fängt es an. Es braucht eine Unternehmermentalität, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. "Mitteldeutschland" wie auch das Saarland brauchen mehr Unternehmer, die ihrer Region verpflichtet und in ihr verwurzelt sind. Nur dann entsteht eine Industrie, die es für junge leistungsfähige Menschen attraktiv macht, hier zu bleiben.

    Und nicht vergessen: Sachsen und Berlin waren die Kernzonen der Industrie des 19.Jahrhunderts, Leipzig war als Stadt der Verlage zeitweise bedeutender als Frankfurt am Main oder Berlin. Die Württemberger sind nach Reichsgründung 1871 noch zu Tausenden und Zehntausenden jährlich in die USA ausgewandert, weil sie für sich in ihrer Heimat keine wirtschaftliche Perspektive gesehen haben. Die wirtschaftliche Perspektive vor Ort müssen sich die Menschen schon selbst erkämpfen und erstreiten. Ein erfolgreicher Unternehmer tut in jedem Jahr mehr für sein Land, als ein Landtagsabgeordneter nach 4 Legislaturperioden erreicht hat.

  • Hallo habe ich irgend etwas verpasst oder welchen geistigen Dünnschiss wollen Sie hier kundtun ?!
    Ich dachte eigentlich, dass die CDU seit dem 5. Sep. 1999 zehn Jahre allein regiert hatte und dann seit dem 30. Aug. 2009 mit der FDP und den Grünen bis heute regiert hat, also mittlerweile seit mehr als 12 Jahren eine CDU geführte Landesregierung im Saarland das Sagen hatte.
    Am 23. Sep. 2009 schrieb die Initiative "Neue Soziale Marktwirtschaft", die eine im Jahr 2000 vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall gegründete sowie von weiteren Wirtschaftsverbänden und Unternehmen getragene Denkfabrik ist:
    "Im Vergleich der Flächenländer hat Bayern mit 14 444 Euro die geringste Pro-Kopf-Verschuldung. Mit geringem Abstand folgt Sachsen (14 804 Euro). Die Verschuldung beider Länder hat seit 1998 nur leicht zugelegt, während die Schulden Sachsen-Anhalts (auf 21 116 Euro) und die des Schlusslichts Saarland (auf 21 763 Euro) je Einwohner am stärksten gestiegen sind."
    http://www.insm.de/insm/Presse/Pressemeldungen/Schuldenatlas.html
    http://de.wikipedia.org/wiki/Initiative_Neue_Soziale_Marktwirtschaft

    Auch wenn Ihre Bildung sehr marginal zu sein scheint, Ihr dummes Gebrabbel schließt jedenfalls darauf, so können Sie doch hoffentlich lesen. Nehmen Sie zur Kenntnis, unter der CDU Landesregierung stieg die Verschuldung in den Jahren von 1998 bis Ende 2009 im Vergleich zu anderen, einschließlich der neuen Bundesländern, am stärksten und die Situation heute ist noch desolater.
    Ein dreifaches HOCH HOCH HOCH auf die "Schwarzen", denn das sind die Früchte der Konservativen !!!

  • Ostdeutsche Krankheit? Nein die Politiker machen nichts für ihre eigenen Bürger. Diese werden vernachlässigt. Es sind ja auch keine Ausländer oder Griechen, die man fördern muss. Wo bleiben die Steuergewinne? Warum hat der eigene Bürger nichts davon?

  • Jahrelang die solzialistischen Augen verschließen und dann die typischen sozialistischen Forderungen stellen. Nix an Kompetenz. Diäten einstreichen und das Geld anderer fordern. So sieht saarländische Politik aus. Für des Steuerzahlersgeld zum Haareraufen...Einfach die Sachlage akzeptieren und das Licht ausmachen als permanent weiter Geld verbrennen.

  • Die Sozialisten unter Lafontaine haben ja lange genug im Saarland gewirtschaftet. Das sind die Früchte der Arbeit der Genossen. Ein dreifaches HOCH HOCH HOCH!

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