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Wirtschaftsstudiengänge Warum sich immer weniger Studenten für einen MBA entscheiden

Lange galt der MBA als Goldstandard unter den akademischen Titeln für Manager. Doch für viele Studenten sind Master- und Spezialstudiengänge heute viel attraktiver.
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Der MBA-Abschluss erhält immer mehr Konkurrenz – vor allem durch spezialisierte Master-Studiengänge. Quelle: Imago
Absolventen

Der MBA-Abschluss erhält immer mehr Konkurrenz – vor allem durch spezialisierte Master-Studiengänge.

(Foto: Imago)

Köln Wenn im Sommer die Getreideernte beginnt, sind die Hörsäle des Fachbereichs für Landwirtschaft an der Hochschule Anhalt ziemlich verwaist. Statt im Seminarraum sitzen die Studenten auf ihren Mähdreschern. Denn kaum ein Landwirt könnte in dieser Zeit seinen Hof verlassen, um sich einem weiterbildenden Studium zu widmen.

Darauf hat sich die Hochschule in Bernburg (Sachsen-Anhalt) eingestellt: Im Sommer lernen die angehenden Agrarmanager größtenteils in Onlineseminaren von zu Hause aus. Die Präsenztage liegen in der Winterzeit – wenn die Erntemaschinen wieder in der Scheune stehen.

Die Studenten des Masterstudiengangs Agrarmanagement gehören zu den 13.700 Berufstätigen in Deutschland, die sich für ein weiterbildendes Wirtschaftsstudium eingeschrieben haben. Für ein solches Masterprogramm mit einem fachlichen Schwerpunkt entscheiden sich immer mehr Studenten: Seit 2008 hat sich deren Zahl fast verdreifacht. Viele versprechen sich davon größere Karrierechancen als von dem klassischen Master of Business Administration (MBA).

Der MBA galt unter den Wirtschaftsstudiengängen lange als das Maß aller Dinge. Wer sich mit dem amerikanisch geprägten Titel im Lebenslauf schmücken konnte, gehörte oftmals zur Managementelite. Und doch ist es nicht der klassische MBA, der von dem aktuellen Weiterbildungsboom profitiert.

Im Gegenteil: Die Zahl der MBA-Angebote in Deutschland stagniert, von den 477 weiterbildenden Wirtschaftsstudiengängen verleihen nur noch die Hälfte den einst so begehrten Abschluss. Zum Vergleich: 2011 waren es noch mehr als 90 Prozent.

Auch an Eliteunis gibt es weniger Bewerber für MBA-Programme

Selbst die Eliteuniversitäten klagen über einen Rückgang der Bewerberzahlen bei MBA-Programmen. Davon waren bislang eher die zweite und dritte Liga der US-amerikanischen Business-Schools betroffen. Nun meldete Harvard einen Bewerberrückgang von 4,5 Prozent, bei der Booth School of Business an der University of Chicago waren es sogar 8,2 Prozent. Vor einem Jahr waren die Spitzenunis noch von einer stabilen Entwicklung ausgegangen.

Der Hauptgrund: Rückläufige Bewerberzahlen aus dem Ausland. Wegen der zuletzt immer weiter verschärften Einreisebestimmungen kamen weniger internationale Studenten in die USA. Vor allem die Nachfrage aus Asien ist stark zurückgegangen.

Weniger renommierte US-Universitäten stellen ihre MBA-Angebote sogar ganz oder teilweise ein: Das Gies College of Business an der University of Illinois beispielsweise kündigte im Mai an, sich von seinen Voll- und Teilzeit-MBA-Programmen zu verabschieden. Künftig gibt es dort nur noch ein Onlinestudium.

Dass der MBA an Beliebtheit verliert, zeigt auch eine Studie, für die das britische Beratungsunternehmen Carrington Crisp mehr als 600 potenzielle Studenten aus 56 Ländern befragt hat. Demnach bevorzugen 67 Prozent ein spezialisiertes Masterprogramm statt eines MBAs. Die Gründe sind plausibel: „Ein Master kostet weniger, und die Einstiegshürden sind niedriger“, sagt Christian Scholz, emeritierter BWL-Professor der Universität des Saarlandes und Gründungsdirektor des ersten universitären MBA-Programms in Deutschland.

Hinzu kommt: Fünf bis sieben Jahre Berufserfahrung setzen Business-Schools für einen Executive MBA voraus, an Top-Unis sind fünfstellige Studiengebühren keine Seltenheit. Die Studenten des Agrarmanagement-Masters an der Hochschule Anhalt etwa müssen hingegen nur drei Jahre Berufserfahrung vorweisen. Andere Anbieter verlangen nur wenige Monate, manche sehen berufliche Erfahrung sogar überhaupt nicht als Zulassungsvoraussetzung.

MBA droht Qualitätsverlust

Das macht die Programme vor allem für jüngere Leute attraktiv, die für ihre Zusatzqualifikation nicht erst jahrelang arbeiten und sparen wollen, um irgendwann für ein MBA-Programm zugelassen zu werden. Fast die Hälfte der von Carrington Crisp Befragten ist der Auffassung, dass ein Masterstudiengang genauso wertvoll für die Karriere ist wie ein MBA.

Nicht nur das Umfeld – auch der Elitestudiengang selbst hat sich verändert. Rund 70 Prozent aller MBAs in Deutschland sind inzwischen spezialisiert, schätzen Branchenexperten. „Der klassische MBA als General-Management-Studium wird zunehmend verwässert“, sagt etwa Karlheinz Schwuchow, Professor für Internationales Management an der Hochschule Bremen.

Spezialisierte MBAs legen ihren Schwerpunkt nicht auf klassische Managementbereiche wie Finance oder Accounting, sondern auf bisweilen exotische Themen wie Islamic Finance oder Food-Business. Inzwischen bevorzugen mehr als die Hälfte aller potenziellen MBA-Studenten eine spezialisierte Variante. Die Schwerpunkte IT, Finance und Entrepreneurship sind der Carrington-Crisp-Studie zufolge besonders beliebt.

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„Ein Anreiz für die Studenten ist die verkürzte Studiendauer“, sagt Schwuchow. Klassische MBAs nach US-Vorbild dauern zwei Jahre, bei spezialisierten Programmen hingegen ist man häufig schon nach zwölf Monaten fertig. Vielen Bewerbern gehe es einfach um das MBA-Siegel, so der Professor. Eine Hochschule, die ein einjähriges und spezialisiertes MBA-Studium anbiete, werde daher von vielen Bewerbern bevorzugt.

Bei all den Vorteilen: Durch die kürzere Studiendauer und die niedrigeren Zugangsvoraussetzungen habe der MBA insgesamt an Reputation verloren, klagt auch BWL-Professor Scholz. „Viele Unternehmen unterscheiden heute kaum noch zwischen einem MBA- und einem Masterabschluss.“ Langfristig könne das jedoch zu einem Qualitätsverlust in den Chefetagen der Unternehmen führen.

Indem Hochschulen spezialisierte Weiterbildungs- und Masterprogramme vorantrieben, wollten sie vor allem dem Wettbewerb aus dem Weg gehen, glaubt Managementexperte Schwuchow: „Je einzigartiger die Spezialisierung, desto weniger Konkurrenz gibt es.“

Ein weiterer Vorteil für die Hochschulen: Die Akkreditierung von Masterstudiengängen ist mitunter deutlich leichter als die Anerkennung klassischer MBAs. „Für den MBA müssen andere Lehrkonzepte mit ganz anderen Akkreditierungsinhalten entwickelt werden, die mit einem eher wissenschaftlichen BWL-Masterabschluss nichts zu tun haben“, sagt Scholz. Außerdem bräuchten die Hochschulen Dozenten mit Praxiskompetenz sowie mit starken konzeptionellen Fähigkeiten.

Neue Rivalen im Netz

Die Business-School IESE in Barcelona diversifiziert ihr Angebot für die unterschiedlichen Bewerbergruppen. Neben dem traditionellen Executive MBA bietet die IESE ein sogenanntes Advanced Management Program (AMP) an – seit November auch mit Seminaren am deutschen Standort in München.

Beide Studiengänge sind anspruchsvoll, unterscheiden sich aber hinsichtlich ihrer Zielgruppe: Die Teilnehmer des AMP befinden sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: Sie sind im Durchschnitt 49 Jahre alt und haben 18 Jahre Managementerfahrung. „In dem AMP geht es darum, dass internationale Führungskräfte sich vernetzen, austauschen und voneinander lernen“, sagt Mireia Rius, stellvertretende Dekanin für Executive Education.

Die Studenten des Executive MBA hingegen stünden am Anfang ihrer Managementkarriere: Sie sind im Schnitt 30 Jahre alt und bringen entsprechend weniger Berufserfahrung mit.

Während die Teilnehmer des AMP-Programms in Kurzseminaren Kernkompetenzen etwa in Verhandlungsführung oder Entscheidungsfindung erwerben, stehen bei den Studenten des Executive MBA klassische Managementfächer wie Accounting oder Marketing auf dem Lehrplan, vermittelt anhand zahlreicher Praxisbeispiele. Andere Hochschulen, etwa die University of Illinois, haben das Präsenzstudium dagegen vom Lehrplan gestrichen und bieten ausschließlich Onlineseminare an.

Neben den neuen Programmen öffentlicher und privater Hochschulen erwächst den traditionellen MBA-Anbietern Konkurrenz aus einer ganz anderen Richtung: Soziale Netzwerke und Beratungsunternehmen weiten ihre Online-Bildungsprogramme immer weiter aus. So startet das Karrierenetzwerk LinkedIn nach eigenen Angaben jede Woche etwa 30 neue Onlinekurse. Die Kursbibliothek des US-Unternehmens umfasst bereits mehr als 10.000 Beiträge – von Management über Technik bis hin zu Informatik.

Für die IESE in Barcelona komme eine Verlagerung des Präsenzstudiums auf reinen Onlineunterricht allerdings nicht infrage, sagt Vorstandsmitglied Rius: „Die Kombination aus beidem ist wichtig.“ Das bestätigt auch Detlev Kran vom Branchendienst Education Consult, der den „MBA Guide“ herausgibt: Durch die direkte Interaktion und Kommunikation sei der Lerneffekt viel größer.

Trotzdem sei es notwendig und sinnvoll, Studenten auch mit digitalen Medien vertraut zu machen und digitale Werkzeuge im Studium zu nutzen: „Die Führungskräfte von morgen müssen in dieser digitalisierten Welt leben können, und da bereitet sie ein Onlinestudium besser vor.“ Im Geschäftsalltag habe die Digitalisierung ohnehin schon vieles verändert. So manche Dienstreise ins Ausland sei bereits zugunsten einer Videokonferenz gestrichen worden.

Mehr: Das sind die besten Unis für ihr Management-Studium.

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