Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Wirtschaftsweise Christoph Schmidt im Interview „2019 wird ein verhalten gutes Jahr“

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats spricht über die Aussichten für die deutsche Wirtschaft im neuen Jahr und fordert die Abschaffung des Solis.
1 Kommentar
Der demografische Wandel könnte die Wachstumsaussichten senken, glaubt Schmidt. Quelle: dpa
Christoph Schmidt

Der demografische Wandel könnte die Wachstumsaussichten senken, glaubt Schmidt.

(Foto: dpa)

BerlinVon einem wirtschaftlichen Abwärtstrend will Christoph Schmidt nichts wissen. „Starke Anzeichen dafür, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland spürbar eintrübt, gibt es derzeit nicht“, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats dem Handelsblatt.

Dennoch halte Schmidt das internationale Umfeld derzeit für „insgesamt recht unsicher“. „Für mit am gefährlichsten für die deutsche Konjunktur hielte ich derzeit vor allem einen ungeordneten Brexit oder eine erneute Krise im Euro-Raum“, so der Ökonom.

Mehr als 1,5 Prozent Wachstum in 2019 seien daher nicht wahrscheinlich, auch weil sich die Unternehmensinvestitionen nur moderat entwickelten. Dem könne man entgegenwirken, indem man die Unternehmenssteuern investitionsfreundlicher gestalte, „beispielsweise, indem man den Solidaritätszuschlag vollständig abschafft“, sagte Schmidt.

Lesen Sie hier das ganze Interview:

In China schwächelt die Industrie erstmals seit zwei Jahren. An den Finanzmärkten wachsen die Sorgen, dass das die deutsche Industrie hart treffen könnte. Ist die Angst berechtigt?
Deutschland ist als Exportnation eng mit anderen Ländern verflochten. Von daher wäre ein stark nachlassendes Wachstum in China wohl in der Tat Anlass zur Sorge. Der deutsche Arbeitsmarkt und die inländische Konjunktur sind jedoch nach wie vor in einer sehr guten Verfassung. Starke Anzeichen dafür, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland spürbar eintrübt, gibt es derzeit nicht.

Welches Risiko ist aus Ihrer Sicht das größte für Deutschlands Konjunktur?
Das internationale Umfeld ist derzeit insgesamt recht unsicher. Für mit am gefährlichsten für die deutsche Konjunktur hielte ich derzeit vor allem einen ungeordneten Brexit oder eine erneute Krise im Euro-Raum, ohne aber die anderen Risiken herunterspielen zu wollen.

Die Binnenkonjunktur in Deutschland läuft bisher stabil, der Arbeitsmarkt ist so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Kann das die Konjunktur retten?
Die Binnenkonjunktur wirkt derzeit stabilisierend. Jedoch zeichnen sich immer deutlicher Fachkräfteengpässe ab. Mehr als 1,5 Prozent Wachstum sind schon daher nicht wahrscheinlich. Und wenn bis Mitte der 2020er-Jahre der demografische Wandel stärker zum Tragen kommt, wird dies die Wachstumsaussichten weiter senken.

Wie schätzen Sie die Investitionen in Deutschland ein: Sind die Unternehmen zu ängstlich?
Während die Wohnbauinvestitionen recht robust zulegen, entwickeln sich die Unternehmensinvestitionen nur moderat. Angesichts der vielfältigen Risiken fände ich es aber unangebracht, Unternehmen bei ihren Investitionsentscheidungen zu belehren. Sinnvoller wäre es wohl, die Unternehmensteuern investitionsfreundlicher zu gestaltet, beispielsweise indem man den Solidaritätszuschlag vollständig abschafft.

Wird 2019 wirtschaftlich eher ein gutes oder ein schlechtes Jahr?
Bislang deutet viel auf ein verhalten gutes Jahr. Der nun schon ein Jahrzehnt währende Aufschwung dürfte noch etwas anhalten. Allerdings wird das Wachstumstempo mit etwa anderthalb Prozent wohl eher moderat ausfallen.

Kann die Bundesregierung schwächelnde Privatinvestitionen auffangen? Und tut sie dies ausreichend?
Statt selbst als Investor in Bereichen einzuspringen, in denen private Akteure gefordert sind, sollte der Staat vor allem für investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen sorgen, beispielsweise bei den Unternehmenssteuern.

Welchen Einfluss haben die nervösen Börsen auf die Konjunktur?
Bei der gesamtwirtschaftlichen Analyse schauen wir in der Regel aus gutem Grund nicht allzu intensiv auf das recht volatile Börsengeschehen. Sie sind aber durchaus ein weiterer Unsicherheitsfaktor und können Stimmungen verstärken. Zu den wesentlichen Bestimmungsfaktoren der konjunkturellen Entwicklung gehören sie aber meiner Einschätzung nach nicht.

Brexit 2019
Startseite

1 Kommentar zu "Wirtschaftsweise Christoph Schmidt im Interview: „2019 wird ein verhalten gutes Jahr“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Soll man sich über das Interview wundern? Der Aufschwung der Eurozone hat gerade begonnen schon folgt die Abkühlung? Warum denn? Nach 10 Jahren zu geringer Investitionen in Deutschland brechen sie nach dem Höhepunkt 2017 wieder ein. Wird denn wenigstens die Kapitalintensität der Arbeitsplätze steigen, wenn schon kaum noch Fachkräfte verfügbar sind? Hat man dann wenigstens genug gering Qualifizierte ab 2025? Die deutsche Demografie berechtigt nicht zu großer Hoffnung. Wenn die Arbeit produktiver werden soll, muss die Wirtschaft stärker kapitalisieren. Was sagt der Wirtschaftsweise? Ich hab nichts, weder in Worten noch in Zahlen gelesen. Im Jahresgutachten stand auch nichts drin. Werden Unternehmen nur dann noch investieren, wenn der Staat steuerliche Anreize setzt? Gilt das auch für den Wohnungsbau bei großem Wohnungsmangel? Die Marktkräfte wirken ja gar nicht. Was mein der Wirtschaftsweise?