Wohnraummangel Berlin sieht keinen Bedarf für neue Regeln für Vermittler wie Airbnb – Kommunen sollen sich kümmern

Eine Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums sieht keinen Bedarf für neue Regeln für private Wohnungsvermittler. Auch Missbrauch im großen Stil sehen die Autoren nicht.
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Die Hauptstadt gilt als Airbnb-Hochburg – trotz knappen Wohnraums. Quelle: Imago
Wohnung in Berlin-Mitte

Die Hauptstadt gilt als Airbnb-Hochburg – trotz knappen Wohnraums.

(Foto: Imago)

BerlinDerzeit gibt es keine Anhaltspunkte, die auf Bundesebene neue Regeln für private Wohnraumvermittler wie Airbnb erforderlich machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln und DICE Consult im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Studie liegt dem Handelsblatt vorab vor.

Seit der Markt für die sogenannten Sharing-Angebote weltweit boomt, hatte es auch in Deutschland immer wieder Überlegungen gegeben, ob die Anbieter stärker reguliert werden sollen, auch durch neue Gesetze. Kritiker der Entwicklung warnen, dass durch die Vermietung vor allem den Städten dringend benötigter Wohnraum entzogen werde. Die deutsche Hotelbranche weist immer wieder auf Wettbewerbsverzerrungen zulasten der stark regulierten etablierten Anbieter hin.

„Über die Kurzzeitvermietung privater Unterkünfte wurde in den vergangenen Jahren kontrovers diskutiert“, sagte Thomas Bareiß, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, dem Handelsblatt. Gerade in beliebten städtischen Lagen sei der Erfolg der neuen Vermittlungsplattformen in Verbindung gebracht worden mit Wohnungsknappheit und steigenden Mieten.

„In unserer Studie haben Experten das untersucht und dabei keinen systematischen Wohnraumentzug durch die Sharing Economy gefunden“, so Bareiß. Ein „systematischer Wohnraumentzug durch die Sharing Economy“ sei nicht nachweisbar, heißt es in der Studie. Allenfalls auf lokaler Ebene könne es zu Problemen kommen.

Auch einen Missbrauch durch kommerzielle Anbieter sehen die Studienautoren in der Masse nicht. „Selbst in der Airbnb-Hochburg Berlin haben nur drei Prozent der Gastgeberinnen und Gastgeber mehr als zwei aktive gesamte Unterkünfte“, ein Indiz für die kommerzielle Vermietung, schreiben die Studienautoren.

Sie schätzen den Marktanteil von Sharing-Angeboten wie Airbnb an allen Übernachtungen auf 8,6 Prozent. Auf Grundlage einer repräsentativen Befragung von Nutzern von Sharing-Unterkünften folgern die Autoren, dass es auch keinen Regulierungsbedarf gibt, was den Zustand der Übernachtungsmöglichkeiten angeht. So hätten mehr als 80 Prozent der Befragten der Aussage zugestimmt, dass die Unterkünfte sauber und hygienisch waren.

„Auf lokaler Ebene kann eine zunehmende Vermietung privater Wohnungen dennoch zu Problemen führen“, so Bareiß. Die Studie soll daher auch als Leitfaden dienen für Kommunen, in denen es zu Schwierigkeiten kommt. Darin wird etwa vorgeschlagen, in sogenannten Reallaboren Regulierungen daraufhin auszuprobieren, wie sie wirken. So könnte eine Registrierungspflicht mit der Vergabe einer Identifikationsnummer pro Vermieter und Wohnung erprobt werden, ein Modell, das derzeit in Barcelona verfolgt wird.

Zudem könnte eine Anzahl an maximal zulässigen Vermietungstagen festgelegt werden, um professionelle und gelegentliche Vermietungen voneinander zu unterscheiden. „Es ist wichtig, dass es zu keinen Wettbewerbsverzerrungen kommt mit klassischen Anbietern“, so Bareiß. Das Ziel aller ausgeführten Konzepte sei es, mögliche Probleme adäquat zu adressieren und gleichzeitig die innovativen, wettbewerbsfördernden Effekte der Sharing Economy zu erhalten.

Tim Klaws, Leiter Politik bei Airbnb Deutschland, Österreich & Schweiz, der kürzlich an einer Paneldiskussion zu dem Thema im Bundeswirtschaftsministerium teilgenommen hat: „Die Studie zeigt erneut, dass Airbnb keine nennenswerten Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt hat. Wir teilen die Kernaussage der Studie, dass Regulierungen evidenzbasiert und verhältnismäßig sein müssen, denn wir glauben, dass solche Regulierungen wichtig sind für die langfristige Zukunft von Homesharing. Deshalb haben wir auch Städten wie Berlin und Hamburg angeboten, gemeinsam an einem digitalen Registrierungssystem zu arbeiten, das es den Gastgebern erleichtert, sich an die Regeln zu halten und gleichzeitig den bürokratischen Aufwand für die Verwaltungen verringert."

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