Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Wohnungsnot Regierung schafft zu wenig Wohnraum für Bundesbedienstete

Der Bund will seinen Beschäftigten möglichst dienstortnah Wohnraum anbieten, vor allem bei einem Umzug. Doch die Neubauziele werden verfehlt.
23.01.2021 - 08:12 Uhr Kommentieren
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat mehr Wohnbedarf von Bundesbediensteten, als sie bis 2024 bauen will. Quelle: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
Dresden_dscn3348 1

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat mehr Wohnbedarf von Bundesbediensteten, als sie bis 2024 bauen will.

(Foto: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben)

Berlin Dass Wohnungen in Großstädten und Metropolregionen knapp sind, bekommen auch Bundesbedienstete zu spüren. Und dass, obwohl ihnen eigentlich die Wohnungsfürsorge des Bundes zur Seite steht.

Doch die kommt ihren eigenen Plänen nicht hinterher. So beabsichtigt die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) bis Ende 2024 den Bau von 3700 neuen Wohnungen. Der Bedarf liegt aber bei 7300. Das geht aus einem Bericht zum Haushaltsentwurf 2021 hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. 

„Im Rahmen ihres Wohnungsneubauprogramms 2020 bis 2024 plant die BImA die Fertigstellung von 3700 Wohnungen bis Ende des Jahres 2024“, heißt es in dem Bericht. Bis 2024 hat die BImA dem Bericht zufolge insgesamt einen Bedarf an rund 43.300 Wohnungen für Bundesbedienstete ermittelt – das Portfolio umfasst derzeit aber nur 36.000. So erklärt sich eine Lücke von 3600 Wohnungen bis 2024.

Das Tempo des Wohnungsbaus durch den Bund ist gering. 2019 und 2020, zeigt der Bericht, wurden insgesamt nur 15 Wohnungen fertiggestellt. Aktuell befinden sich sechs Projekte in Baden-Württemberg, fünf Projekte in Bayern sowie ein Projekt in Berlin mit einem Volumen von insgesamt 240 Wohnungen in der Bauphase.

Dabei wird das Problem fehlender Mietwohnungen immer größer. Während auf dem Land mancherorts Wohnungen leer stehen, gibt es in vielen deutschen Städten praktisch keinen Leerstand mehr, zeigte unlängst eine Studie des Analysehauses Empirica und der Immobilienfirma CBRE.

Die Grünen werfen der Bundesregierung Ambitionslosigkeit vor. „Wenn die Bundesregierung so weitermacht wie bisher, dann müssen Zollbeamte in München oder Frankfurt noch lange auf eine bezahlbare Wohnung warten“, kritisiert Sven-Christian Kindler, haushaltspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) müsse hier „deutlich mehr Zug reinkriegen“. Es sei nicht nachvollziehbar, „dass der Bund den Bedarf ermittelt und dann das Wohnungsbauprogramm so auslegt, dass eine Lücke von 3.600 Wohnungen besteht“.

Die BImA, forderte Kindler, müsse konsequent zu einer zentralen, bundesweiten Wohnungsbaugesellschaft weiterentwickelt werden. Die Mittel für den Wohnungsbau für Bundesbedienstete seien zu verdoppeln. Zudem sollte der Bund prüfen, ob er die Lücke nicht durch den Zukauf bereits bestehender Wohnungen schließen könne, sofern die Kaufpreise angemessen und wirtschaftlich vertretbar seien.

Lösung durch Belegungsrechte?

Der BImA ist das Problem bewusst: Die Differenz, sagte ein Sprecher auf Nachfrage, werde beispielsweise durch den Erwerb von Belegungsrechten verringert. „Das heißt, die BImA erwirbt von einem Wohnungseigentümer oder einer Wohnungseigentümerin das Recht, eine frei werdende Wohnung zunächst den Beschäftigten des Bundes im Rahmen der Wohnungsfürsorge anbieten zu können.“

Neue Wohnungen könnten noch mehr als Bestandswohnungen zur Entlastung der Wohnungsmärkte beitragen, erklärte der Sprecher weiter. Die BImA habe ihr Portfolio deshalb im Hinblick auf mögliche Potenziale für den Eigenbau analysiert – sei es durch den Neubau von Wohnhäusern oder durch Aufstockungen und Dachgeschossausbauten – und ein Wohnungsneubauprogramm aufgelegt. Sie hat sich damit das Ziel gesetzt, bundesweit 6.000 bis 8.000 Wohnungen im Eigenbau zu errichten. „Bis Ende 2024 sollen mindestens 3.000 neue Wohnungen entstehen.“ Das allerdings wäre noch weniger als die im Bericht angegebenen 3.700 neuen Wohnungen.

Dem Bericht zufolge befinden sich diese Wohnungsbauprojekte zudem noch ganz überwiegend in der Vorbereitungsphase. Wesentlich sei „das erforderliche Baurecht, das zumeist noch mit den jeweiligen Kommunen entwickelt werden muss, denen das Planungsrecht obliegt“. Die BImA betreibe Wohnungsneubau ausschließlich auf ihren Bestandsliegenschaften. Hier seien die Potenziale entsprechend begrenzt.
Die Grünen fordern mehr Engagement. Finanzminister Scholz müsse zudem deutlich mehr in die Modernisierung und in die Barrierefreiheit der 36.000 Bestandswohnungen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben investieren, sagte Kindler. Tatsächlich stammen viele Wohnungen noch aus den 1950er-Jahren, deswegen sind viele Sanierungsarbeiten notwendig. „Wenn der Bund hier in den Erhalt und die Sanierung investiert“, so Kindler, „dann ist das gut angelegtes Geld.“

Mehr: Was verdient ein Beamter in seinem Leben im Vergleich zu einem Juristen, der Karriere in der Wirtschaft macht? Eine exklusive Modellrechnung zeigt es.

Startseite
Mehr zu: Wohnungsnot - Regierung schafft zu wenig Wohnraum für Bundesbedienstete
0 Kommentare zu "Wohnungsnot: Regierung schafft zu wenig Wohnraum für Bundesbedienstete"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%