Zahlen des Innenministeriums Frauen in Spitzenpositionen bei der Polizei bleiben die Ausnahme

Für Topjobs in Konzernen gilt eine gesetzliche Frauenquote – nicht aber in Institutionen wie der Polizei. Leitungsposten sind fest in Männerhand.
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Die deutsche Polizei ist noch immer ein von Männern dominierter Beruf. Quelle: dpa
Polizistin

Die deutsche Polizei ist noch immer ein von Männern dominierter Beruf.

(Foto: dpa)

BerlinGeht es nach der Bundesjugendministerin Franziska Giffey (SPD), dann sollen Mädchen und Jungen die ganze Welt der Berufe offen stehen. „Entscheidend sind ihre Wünsche und Potenziale, nicht ihr Geschlecht“, sagte die Ministerin vor wenigen Monaten anlässlich des „Girls' Day“ und „Boys' Day“, der Mädchen und Jungen Einblicke in vermeintliche Frauen- und Männerberufe geben soll.

Wenn die Welt so wäre, wie Giffey sie sich vorstellt, gäbe es vermutlich keine Frauenquote. Die hat der Gesetzgeber 2016 geschaffen, dabei allerdings nur die Besetzung von Spitzenpositionen in der Wirtschaft in den Blick genommen. Für Topjobs in Großunternehmen ist eine Frauenquote von 30 Prozent gesetzlich vorgeschrieben.

Der Gesetzgeber reagierte damit auf Zustände, die er nicht mehr länger hinnehmen wollte: Dass die weiblichen Führungskräfte vor allem in den obersten Spitzenpositionen unterrepräsentiert sind. Dasselbe gilt indes auch für öffentliche Institutionen. Nur: Eine verbindliche Quote gibt es hier nicht.

Dabei besteht in manchen Bereichen ein erheblicher Besserungsbedarf, wenn es um die Besetzung wichtiger Posten geht. Bei der Bundespolizei etwa sieht es in dieser Hinsicht ziemlich finster aus, wie aktuelle Zahlen des Bundesinnenministeriums zeigen, die dem Handelsblatt vorliegen.

Die deutsche Polizei ist demnach noch immer ein von Männern dominierter Beruf. Nach der Aufstellung des Ministeriums, die die Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic angefordert hat, beschäftigte die Bundespolizei im vergangenen Jahr 36.891 Beamte, darunter 6.041 Frauen, was eine Quote von etwa 16 Prozent entspricht. Dem entsprechend finden sich bei der Bundespolizei auch nur wenige Frauen in Führungspositionen.

Unter den 348 im Jahr 2017 im höheren Dienst beschäftigten Beamten waren demnach 31 Frauen und 317 Männer, was einer Frauenquote von 9 Prozent entspricht. Die jeweiligen Ämter, darunter etwa Polizeiräte oder leitende Polizeidirektoren, sind im vergangenen Jahr fast alle mit mindestens zwei Frauen besetzt gewesen. Nur die in der Regierungsantwort genannten zehn Präsidentenposten einer Bundespolizeidirektion hatten allesamt Männer inne.

Ein Jahr zuvor - 2016 - sah es noch schlechter aus. Von 322 Posten in diesem Bereich waren nur 26 (8 Prozent) von Frauen besetzt (2015: 319 Ämter insgesamt; 23 Frauen, 7,2 Prozent).

Auch im gehobenen Dienst – dazu zählen etwa Polizeihauptkommissare oder Polizeioberkommissare - bewegt sich die Frauenquote auf niedrigem Niveau. Unter den 12.462 Beschäftigten in dieser Laufbahnebene waren im vergangenen Jahr 1.356 Frauen und 11.106 Männer, was einem Frauenanteil von knapp 11 Prozent entspricht.

Ein Jahr zuvor - 2016 - waren in diesem Bereich von 12.977 Ämtern in diesem Bereich nur 1384 (10,7 Prozent) von Frauen besetzt (2015: 12.899 Ämter insgesamt; 1.304 Frauen, 10,1 Prozent).

Die Grünen-Politikerin Mihalic reagierte ernüchternd auf den Befund. Der weiter sehr niedrige Frauenanteil gerade an weiblichen Führungskräften bei der Bundespolizei müsse „sehr nachdenklich“ stimmen, sagte Mihalic dem Handelsblatt. Vor allem das keines der Bundespolizeipräsidien von einer Frau geleitet werde sei „Ausdruck von institutioneller Rückständigkeit, die dringend überwunden werden muss“.

Glaubt man Bundesministerin Giffey, dann braucht es gar kein großes Umdenken. „Es gibt keine Frauenberufe oder Männerberufe, aber viele Zukunftsberufe“, sagt sie lapidar. Und schiebt als vage Erklärung hinterher, was sie damit meint: „Berufe, die sichere Zukunftsperspektiven bieten und für Deutschlands Zukunft wichtig sind.“ Für den Polizisten-Beruf dürfte das allemal gelten. Vielleicht hilft das Frauen als Ansporn, sich nicht unterbuttern zu lassen.

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